Handbuch der homöopathischen Arzneimittellehre : nach den gesammten älteren und bis auf die neueste Zeit herab genau revidirten Quellen der Pharmakodynamik und Therapie dem gegenwärtigen Standpunkte der Homöopathie gemäss / bearbeitet von Alphons Noack und Carl Friedr. Trinks. / Title Contents

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- a n b b ucl) der homOopathlschen Arzneimittellehre nach den gesaimmten alteren ul d bis auf die neneste Zeit herab genau revidirten Qnellen der Pharmakodynamik und Therapie, dem gegenwartigen Standpunkte der lomniopathie geirass bearbeitet vom Mled.-Rath Dr. Carl lriedrich Trinks in Dresden' und Dr. Clotar Muiller in Leipzig. Zweiter Band. Leipzi g, Verlag von T. O. Weigel. 1847.

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V o r r e d e. Der vor einem Jahre verstorbene Buchhindler L. Schumann hatte dem Dr. Noack die Bearbeitung und Herausgabe eines Handbuchs der homoopathischen Arzneimittellehre iibertragen. Von Letzterem ward ich zur Theilnahme daran aufgefordert, die ich aus Mangel an Zeit darauf beschranken musste, ihm meine Sammlung historischer Notizen, physiologischer und therapeutischer Beobachtungen und Erfahrungen zur Benutzung zu iibergeben, nachdem Plan und Einrichtung des Ganzen miundlich besproc

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IV V or re de. Diese hier erwaihnteu Verlhiltnisse waren Ursache mehrer Uebelstaiinde, die mein eifriges Anstreben, die miiglichste Vollst~indigkeit mit griisster Brauchbarkeit zu verbinden, nicht ganz auszugleichen vermochte. Nanmentlich ist dadiirch die Uebereinstimmmig und Gleicbmaiissigkeit in der Bearbeitung rind. Anordiiunig nicht unwesentlich gestirt wordena, indem ich eifrigst benUiht gewesen bin, in dew von mir bearbeiteten zweiten Theile Verbesserungen rind Aen

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Eln ieltung Die Aufgabe der praktiscben Heilkunst ist es, die vielfachen Gebrechen des Leibes und der Seele zu heilen. Diejenigen Mittel, weiche Krankheiten heilen, wurden von jeher Heilnmittel. oder Arzneien grenatnut. Der Arzt, der diese Heilmittel zur Heilung der Kranklheiten anweiiden will, muss die Wirkung der Arzneieii auf den thierischen Kiirper genau kennen, wvie jeder a~ndre Kiinstler die Ei gnschaften alter zur Ausiibung seiner' Kunst erforderlichen und nothwen diennsr ete Die Arz

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VI Einleitung. Caesalpinus, nach Andern Camerarius, gelangte durch einige Beobachtungen zu der allerdings in Wahrheit begriindeten Thatsache, dass diejenigen Pflanzen, welche in der Form und Gestalt einander ahnlich sind, im thierischen Organismus ahnliche Wirkungen hervorbringen. Linne lehrt: Plantae, quae genere conveniunt, etiam virtute conveniunt; quae ordine naturali continentur, etiam virtate propius accedunt; quaeque classi naturali congruunt, etiam viribus quodammodo congruunt. I

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Ouleitung. VII Eioifn. I vermigre genauer Untersuchung der:nahern und entferntern Bestandtheile oraiscber Koiirper, namnentlich des thierischen Orgainismus, die niicbste Urahe der Krankheiten zn ciner gewissermassen siunlichen Anschauung ze bringen, so win sie sich ebenfalis damit schmeichelte, aus der Unte rsuchung der na-hern oder entferntern Bestandtheile der einzelnon HeiInmittel die Wirkungen derselben auf den gesunden und kranken thiers

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Vill EinleituDg. Wirkungen und koinnen inicht, das mindeste, hellere Licht auf die rein p)harnakodynanuischen Wirkungen derselben geben, und dieser ununmstiisslichen Thatsache zufolge wird auch "dcr mitideste Eiufluss chemischer Theorieti und Thatsaclhen auf die praktische Heilkunst immer uind ewig ein angernasster, hiichst verderblicher bleibein, wvie die Gesclhichte der Heilkoust atuf alien itiren Blattern zur Genlige erweist. 3) Dureb ifire Anwendung in Krankheiten (ex usu, in morbis), -

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Einleitung. lx Priifnnon der Arzneien an kranken tbierischen Organisnmen zu einer kiaren unI untriiglichen Kenntniss iHirer Wirkungen zu gelangen. Per andre Weg, Heilnmittel fdr Krankheiten aufzufinden, bietet noch weniger Aussichten auf einen gliicklicheii Erfoig dar, denii iian wiire alsdanrn geniithigt: a) entweder eine und dieselbe Arziiei gegen alle bis jetzt beobacliteten Krankheiten anzuwenden, oder b) gegen 'eine und dieselbe Kranklheit alle Arzneien durcliziiprobireii. Beide Verfab

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x Einleitung. Geringschatzuug, welche diesem, grossen Genius, dem Luther der ileilkunst, von seinen Zeitgenossen zo Theil. wurde, die ihn nicht zu begreifen im Stande waren, die Verdaichtigungen, die itin von den Aerzten der spiitern Zeit trafen, waren die Veranlassung, dass seine Schriften ein Paar Jahrhuinderte tang der Vergessenheit iiberliefert wurden, und nur von Geschichtschreibern, die sie nicht vollstiindig gelesen (e. g~r. von C. Sprengel) als Curiosa eines vagabundirenden Charlata

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Physiolog. Pliarmakodynamik. X xi 2) die Lebre von der Anwendung der Arzneien zur Heilung von Krankheiten des thierischen Korpers und ihrer Wirkungen auf dieselben -angewandte Pliarma koidy nanmik. Heilmittel im strengen Sinne des Worts sind alle diejeni gen Agen - tien und Stoffe, weiche im gesunden thierisehen Korper ibrer Wesenheit und Natur eigenthiimliche Wirkungen, (lie sich in ihren objectiven, wie in ihren subjectiven Erscheinuinagen constant blciben, hervorbringen. Glei

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X11 Einleitung. nuligen der Krankheit. So beobaechten wir alle eigenthiimliche Wirkungr der China in einern von Wechselfieber ergriffenen Ko~rp er, die des Jod oder des Merkur in einem mit Sy hiilis behtafteten Korp er, die des Arsens, der Belladonna, der Digitalis u. s. w. in andern. Kranklheitsz us timden, wenn diese Arzneien nur altlein und in hinreichender Gabe Ihing~ere Zeit hintd'arch angewendet wtirden. Die eigenthiindichen, positiven und constanten Wirkungen einer Arznei auf den ges

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Physiolog. Pharanakodynamik. XI X111 1) die einer je-den Arznei eigenthiindichen, in ihrer Natur und Wesenheit begriindeteii~ coustanten, positiven AWirkuingen auf jeden lebenden thierischen Organismius, durch weliche sich eine jede Arznei von denen einer' jedeit andern qualitativ und quantitativ liiiterscheidlet. 2) auC weiche Systeme und Organe odeir Provitizen des Iebendeui thierischen Organismus Cine jede Arzanei specifisch vorzugsweise einwirkt. 3') in welkher Reihenfolge

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XIV Einleitung. Natur unbegrindeten Unterschiede in Geltung lassen. Es ist nicht ein einziges unzweifelhaftes Kriterium vorhanden, an welchem man die Arzneiwirkung von der angenommenen, vermeintlichen Gegenwirkung erkennen vermichte, ebensowenig als man streng Krankheitssymptome von der rein hypothetisch heilenden Kraft Ider Natur unterscheiden kann. Die Verstopfung, welche der durch eine Gabe Rhabarber bewirkten Reizung des Darmkanals folgt, ist keine Nach- oder Gegenwirkung des Organismus

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Physiolog. Pharmakodynomik. xv Saft des Flusskrebses, die Erdbeeren, verschiedne Sumacharten, der Barbenroggen u. a. d. genau dieselben Wirkungen bei sehr vielen nicht besonders dazu disponirten Individuen erzeugen, die sie bei einzelnen derselben schon nach demn Genuss sehr kleiner Mengen hervorbringen. Diese Idiosyncrasien sind also als rein arzneiliche Wirkungen gewisser Substanzen zu betrachten und kinnen als Heilmittel in ahnlichen krankhaften Zustanden mit Erfolg verwendet werden, wie

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XVI Einleitung. mittel im gesunden Zustandle der einzige Weg sei, axuf demn wir die reinen tind pathogfenetischen Wirkungen der Arzneien erforsehen kijuten, xveil, wenu wir unsere Mittel den Kranken verordnen, die Symptome der bestelienden K ran kh e it s i ch mit denen vermischen, welche uinsre Arzneimittel hervorzubringen im Stande sind, nod die letztern daher nor selten mit einiger Klarlieit; nod Bestimmntheit unterschieden werd en kim nen.- Jonathan Per-eira's Haudbuch der Heilmittelleh

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Physiologische Pharmakodynamik. XI xVH seyn. Es miissen daher alle soiche Genilisse streng vermieden werden, die, trotz ihrer Zubereitung durch Kochen u. s. W., eine arzneiliche Kraft entwickeln konnten. Von den Getriinken sind alle reizenden (Biere inud geistige Getriinke aller Art, Thee, Kaffee u. s. w.) streng untersagrt. Uebermiissige geistige und korperliche Anstrengungen, Affecte, Leide~nscbaften, Ausschweifungen storen und unterbrechen ebenfalls die Wirkungen jeder Arznei

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Iv"'l Efuleittung. urid Kiarheit aofgezeichnet werden kdonnen, so wie auch alle Veri~nderungen, weiche 'in den Se- und Excretionen dee Ku-rpers in quantitativer und qualitativer Hinsicht duruli die Einwirkung einer Arznei hervorge-, bracht werden. Da man weder aus den physischen, noch ans den chemischen Eigen. schaften einer Substauz ihre arzeilicben KrAfie erniessen kann, so erheischt es die Vursicbt, jede Pru~foug eiuer hinsichtlich ihirer arxneilichen Wirkungen noch nicht grekanuten Subs

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Pbysiologische Pharmakodynamik.12 xIx genanuten hoben. Potenzen ausfiihrten. Die Resaltate der einen gleichen so ziemlich alien andern mit soich hohen Verdiinnungen angcestellteat Prilfungen, die eigenthim lich positiven Wirkungen dlieser so gepriiften Arzneien treten nirgends auf eine sig-nificante and pragnante Weise her. vor, wesshalb ihre praktische Anwendlung nicht nur sehr erschwert, son. dern oft ganz unmiigficlh wird, and mit alien diesen Mittein sorgfatigre Nachprifungen in griisse

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xx tinleitung. 'Dieselben, sich in ibren physiologischen Wirkungen auf den thierischen (Jrganismus iihnlichen Arzneien stehen aber wegen der Aehnlichkeit ihrer Wirkugigen in einem antidotorisclhen Verhiiltnisse, zn einander, verrniige weiches die eine Arznci die Wirkungren eiuer andern) ihir hiicbst iinlichen entweder in ihrer Totalitiit odoer auch nur thejiweise aufhebt, und.vernichtet - eine Thatsache,. weiche die Lehre von den Antidoten auf einer ganz neuen Basis begriindet and eiiier de

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Angewandte Pharmakodynamik. xx' schlummernde Krankheitskeime ansgetilgt und Dispositionen zn gewissen Krankheiten gehoben werden. Von griisster Wichtigkeit fur die Vervollstiiodigung und Entwickelung der physiologischen Wirkungen einer Arznei anf den gesuiiden thierischen Organismus sind Priifungeu derselben an den verschiedenen Thieren, die allerdings mit mehr HunmanitAt und auf eine weniger grrobe und rohe WeiseI mit mehr [Jmsicht und Behutsanmkeit ilngeStelit werden miissen, als dies von

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xxH Einleitung. chrnnischen IKrankheiten, deren Keime nicht bios in einem eiuzelnen Individito zur buichsten Entwickelung gelangen, sondern sich durch Vererhung auf die folg-enden Generationen iibertragen und in diesen (wie die Syphilis in der zweiten oder die Tuberculosis erst in der vierten Generation) ihre biichste Bliithe erreichen. Die Krankheiten des thierischen Organismus zerfallen ihrer Genesis nach in zwei grosse Kiassen: I) in soiche, die aiis einem slich immer wieder reproduciren

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Angewandte Pharmakodynamik. 1% xxiII vernichtet werdeu, bevor sie entweder von selbst verschwinden oder eine sotche Entwickelung im Organisnius erreichen, aiif welchersie die Existenz desselben gefaihrden. Diesen doppelten Endzweck zuerreichen, ist nun die Aufgabe der praktischen Heilkunst. Die rationelle praktische Heilkunst hedient siclh zu diesem Endzweck der Heilmittel oder Arzneien, deren eigenthnifniche Wirk-tingen sie zuerst durch Prufungen an gsnen Organismnen erforscht und keunnen

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XXIV EiUleitung schichte der Entdeckung dieser merkwiirdigen Thatsache, die Entwickelung und Erhebung des ihr zn Grunde liegenden Princips zuam allgemein giintigen in der ganzen rationell- empirischen Heilkunst, dessen Vorhandesein sich audi, in der Physik und Chemie vielfach nachweisen IKs-st, suche man an den gehUrigen Orten.) Huahnemann zog aiis inehren diese Thatsache bestlittigenden Beobachtung-en and Erfabrungren die Folgerung, dass, das zu wiihlende Heilmittel in seinen positiven, co

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Angewandte Pharmakodynamik. XXV suche, weiche die Walirheit nicht einmal, alinen lassen Iund ihr mitbin noch sehr fern stehen. Die Wissenschaft muss dies Factum als soiches anerkennen, das fiber alien Zweifel erhaben, aber gleichwobl zur Zeit keiner wissenschaftlichen Exposition zugiinglich ist. Es wird sich im VerJaufe der Zeit immer melhr herausstellen, "dass die Wirkungen aller hoiniiopatbischen Arzneien sich zuerst aussclhliesslich im Nervensystem, offen.. baren und von diesem aiis die

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xxv' Emnleitung. ohne Anwondung irgend einer Arznei die Krankheit dem ihrer Natur eigenthiimliche-n Verlauf uberlassen worden ware - der sichierste Beweis, dass, das nach dem Aehnlichkeitsprincip grewiihlte Arznimnittel in directer Beziehuno' zu der zu hllejenden Krankheit 110( den von ihr ergriffenen Theilen 8stand und fur diesen besondern Krankheitsfall das geeignete specifische Hleilmittel war. Unpassend, nicht nach dem Aehnliclhkeitsprincip gewa-il~te, und also auch nicht in directer Be

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Erkla-rung des Heilungprocesses. xxv"I kung auf' die Krankheit hat man in neuerer Zeit foigende Zweifel er. hoben:1) Warum die von einer quantitativ so geringfiigigen Einwirkung herriihrende Krankheit st~irker sein soil, als die zu heilende, natUrliche Kraijkheit. 2) Warum diese stairkere Arzneikrankheit beim Aufifhren der Arzneiwirkung von selbst aufhiiren soil, da doch die -schwiichere natuirlicbe Krankheit nicht von selbst auFgehiirt hat, obwobl. die Krankheitsursachen vielleicht langst

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XXVIII Onleitung. stens das Naturheilbestreben eben so sehr hemnmen wiirde, als die zu vertreibende Krankheit gethan hat - wie man denn in der alten Schule baiufig Mercurialkrankheit an die Stelle der Syphilis setzt uind diese den.. noch nicbt griindlich geheilt ist, weil das organische Heilbestreben, eben durch das Uebermass von Mercur gelahmt wurde. Bei dieser Erkliirung wird. ferner kiar, warum. mehr als ein specifisches Mittel in einem. Fafle denkbar ist; denn da es Grade voin Aehnfichk

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Erklairung des Heilungprocesses. X I XXIX Die bombtopathische Arznei wirkt nun niclit nur direct auf das lei-. dende Organ emn, sondern auch gleichzeitigr direct auf die zu heilende Krankheit, zu welcher sie ebeni'alls durch die Aehnfichkeit ibrer Vir-. kungen in directer Beziehung stebt. Diese der zu hetilenden nalrirlichen Kranikheit in ihren Wirkungen hiichst iihnliche (specifische) Arzneipotenz verniclhtet durch dire stiirkere directe Einwirkung die schwiichere natlirliche

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mX Einleitong. 6) Endlich erkhirt es sich, dass es fur jede natiirliche Krankheit nur eim specifisches, homiiopathisches lleilniittel geben kann - obgleich auch durch wenige Aihnliche Mlittel noch homiio"pathische Heilung~en mtigiich sind - da'ss aber flas Kuriren mit Vielgeinischen der alten Schule im directen Widerspruch mit jedenm Verotinftighandeln - mit jeder Wissenschaft -in lBezug- aber auf die leidende Menschheit eim strafbarer Unsinn ist. W~ahi der Hdtlmittel. Dasjeuige Heilmitt

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Wahl des Heilmittels. XXXI dass er eine andre Arznei wd~hlt und anwendet, weiche in ihren physioIogischen Wirkungen die griisstiniigliche Aehnlichkeit mit den eigenthiindichen Erscheintingen der Krankheit darbietet. Wenn dagegen him zweiten Falle, wahrend der Wirkung tiler Arznei, sei es nun durch den heilenden 1E-ofluss derseihen oder auch in Foige der natiirlich un~d in ihrer Wesenheit begriindeten nothwendigen Entwickelung und Fortbildung der Krankheit, eine wesentliche Aenderung derselb

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XXXII Einleitung. Einwirkung und Dauer. Die Einwirkung einer Arznei, wie auch die Dauer derselben erkennen wir an den Veranderungen und Metamorphosen, welche nach Anwendung einer passend gew'ihlten Arznei in den Erscheinungen einer zu heilenden Krankheit in Beziehung auf Intensitat und Extensitait eintreten. Diese sind entweder giinstiger Art, indem, nach kurze Zeit dauernder Erhohung oder Verschlimmerung ihrer wesentlichen Symptome, oder auch in vielen Fillen ohne diese sogenannte homiopat

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Einwirknng and Wirknngsdauer. xxx"'1 c) endlich in soiche, deren Wirkuingen sowohi den gesunden, wie auch den krankern Orgranismus lagsamier, aber tiefer darchdringen und lingere und lange Zeit lhindurch wirketi, 1I5, 20, 30, 40 Tage und driiber, wie die ineisten Arzneien ants dern Miticralreich, (lie Mineralsiiuren etc. 2) Die Gabe, in welcher die' Arznei gereiclit wird. Stiirkere uind starke Gaben einer Arznei wirken nicht allein energischer anf den gesunden and kranken Organismas ein son

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XXVXIV Einleitung. Wirkun gsdauer der Arzneien in Krankheiten reichen vollkommen zur Feststelfuug der Thatsache hin, dass sie in acuten eine kiirzere und sehr kurze, in chronischen dagegen eline hIugere und oft sehr lange ist. Die Ursachen dieser kUrzern Wirkuingsdauer in den erstern, wie der Iiingern in den letztern haben wir zu eutwickein angestrebt, sind aber nicht im Stande, in chronischen Krankheiten die Wirkungsdauer einzelner Arzneien in jedem individuellen Falle anzugeben, weil dazu

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Einwirkung, und Wirkungsdauer. xxxv jedem specielleii Falle den Zeitpunkt erkeuinen, tier dann eintritt, wenn die WVirkungerii ei~ier Arziiei aiifhireni, die Biessernin still stelht, und daun thu n, WaS (lie IUmstiinde ihm gebieten; er wird Oskic aber auch in Acht nehmeni die giinstigen W~irkungen einer Arzziei zu stWren und zu vernichten, durch neue und immer oine Ursachie wiederholte Arzueigaben, denn es ist in der Erfabrong begriludet, dass die guiosfigen Wirkung tier ertnGabe durch eirn

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mxvi Einleitung. nachgewiesen worden. Denti Dick immer ist das unbegriindet, was uns unglaublich scheint, wie denn in einer jeden Erfahrungsiseschaft weder Glanbe noch blinder Enthuisiasmus eine Stimme haben darf; bier eutscheidet einzio, und allein das Experiment. In acuten krankheiten dauert die 'Wirkung der Arzneieii nur sehr kurze Zeit, so dass die fliichtig wirkenden, oit alle 2,, I 2, 3, 4 Stunden, die liingere Zeit wirkenden alle 6, 10, 12 Stunden wiederbolt werden miissen. In cbroni

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Gabe des Arzneimittels4 XX I xxxM intensive Kraf't und Natur des Heilmittels, und endlich auch durch die Individualitiit des Kranken selbst, meistens also durch a priori nicht zu erkennende Verhiiltnisse und Zustijude, die nur durch reine Versuche, Beobachtungen und Erfahrungen gen auer edforscht werden kiUnnen. Die Wahl der richtigen Gabe ist aus obigeni Grande for die Auf. mei'ksamkeit des hom~opathischen Arztes emn sehr wichtiger Gegenstand, und ifire Bedeutung,

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XXXV"'I Einleitung. selben angeregt, so mnusste die von ihm in der' Ietzten Zeit seines Lebeos bekannt gemnachte Potenzirungstheorie nock viel inelir IUnglaubeti erwecken, und sie war der Erisapfel, weicher die G~esainnmtzahI der ioinijojpathischen Aerzte in zwei grosse streitende Parteieo zerfijilte, (eren eine Hfa/unernann's Angaben und Entileckungen als in (der Natotr und Erfditrung begriindet fdod, wiiiirend dlie andre dieselbeii als nliCht begrilodet, grbisstentheils als iibrtriebeu hi

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Gabe dles A rzeimittels.XXX XXXIX ob durch dieseit Process die Arzneikraft selbst eine Potenzirnng im Sinne Hahnernann's, eine wirkliche Verstiirkung- erfiihrt; denn zwischen Entwickelun~g und Eutfaltung und einer wirkieben Verstiirkung, Vermehrung oder Potenzirung ist eine bedeutende factische Differenz vorhanden. Es ist eirne liber alien Zweifel erhabene Thatsache, dass es Stoffe giebt, weiche im rohen Naturzustaude nur sehr geringe, Oder gar keine medicantentiisen Wirkungen auf den thier

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XL Einleitang. grosser Unterschied zwischen der XWirkung der 0. und 9. oder der 13., IS., 24. Verdunnung stattfindet, wie Hahnemann und nach ihnm Ktimrpfer und Andre beobachtet habeni. Hahnernann sah siclh zu dieser, von den Gegnern der hoinblopathischen Heilkunst auf alle nur miigliche Weise verhiihiten und verspotteteni Verminderung der Arzneigaben zuerst uind hauptsachlich durch die sich ihm unabweislich aufdringende Thatsacihe odler Natursatzung geniithigt, welcher zufolgre die Empfi-in

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Cabe des Arzneimittcls.XL XLI aibnficlhe natiirliche Krarikheit nur', wenn sie etwas stiirker als die andre ist, diese andre aufheben und vernichten kamn, (Organ.IV.Aufl. ~. 152.) — oder nit andern W~orten: die Sunmme der' Arzneikraft wird so gross Sein niissen, dass selbige an intensiver Wirkuug die Intensitiit oder Energie der Kraiikheit etwas iiberragt. Die griisste Schwierigkeit, weicher dlie Listing dieser Aufgabe unterliegt, besteht in der Erkenntniss der Intensitiit oder Energie der

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XLII Einleitung. I) Nach d erindividuellenNatur undWesenheit der Arznei. Die physiologischen Priifungen der Arzneien baben uns iiber die Energie, Intensitiat, Extensitat und Dauer der eigenthiimlichen Wirkungen der Arzneien die wunderbarsten Aufschliisse gegeben, welche uns Umit grosser Klarheit die eigenthiimliche Natur einer Arznei und den Charakter ihrer Wirkungen auffassen lassen. Die bis jetzt gepriiften und folglich genauer gekannten Arzneien theilen sich in solche, die mit grosser En

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Gabe des Arzneimittels.XLI XL111 2) Nach der Natur unid deniCharakter der zn heilenden K ra n k hei t. Krankheiten, die in allen. ihren Eqrscheinuingen einen hohen Grad von Energie und Intensitiit, eine rapide Evolution, besonders in den edelsten Theileni des Organtismus, und dadurch eine grosse Malig-nitat zeigen und durch itire AUSgiinge sowohif die Jntegritiit des ganzen Organisnius, wie eiuzelner Theile deussel'beii Jiedrohen, erheisciten von. Seiten der Kanst emn energiscites und rasch

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XLIV Einleitung. In Krankheiten der Schleimhaute des Darmkanals, der uropoetischen und sexuellen Organe, sowie derLuftwege, kann man sogleich mittlere Verdiinnungen in Anwendung bringen, und sich zu den niedersten genithigt sehen, wenn deren Atonie und Laxitat schon lange bestanden hat und eine wahre Torpiditat Platz gegriffen hat. Nervise Algieen und Krampfe erfordern zuweilen sehr hohe, zuweilen aber auch sehr niedrige Verdiinnungen. Nur solche chronische Leiden, in denen ein exquisiter T