Rezepte, segen und zaubersprüche aus zwei Stockholmer handschriften
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REZEPTE, SEGEN UND ZAUBERSPRÜCHE AUS ZWEI STOCKHOLMER HANDSCHRIFTEN.

I.

Die nachstehend veröffentlichten stücke entstammen der in der kgl. bibliothek zu Stockholm befindlichen, früher Christ. Ray in Berlin gehörigen, medizinischen Miscellan-Hs. XIV in kl. 4o, beschrieben von G. Stephens in "Förteckning öfver de förnämsta brittiska och fransyska handskrifterna uti kongl. bibliotheket i Stockholm", Stockholm 1847, s. 40 ff.

Er setzt die, mit ausnahme zweier pergamentblätter ganz auf papier geschriebene hs. in die zweite hälfte des 14. jahrh., doch könnte sie der schrift nach ebenso gut noch ins 15. gehören. Sie enthält, ausser einer menge medizinischer und kosmetischer rezepte in prosa, ein pflanzenverzeichnis (lat. und engl.) sowie eine anzahl poetischer und prosaischer segen und zaubersprüche in englischer, lateinischer und französischer (1) sprache, ferner zwei längere englische heilmittelgedichte in kurzen reimpaaren. Letztere hat Stephens mit einer auswahl kleinerer stücke i. j. 1844 im XXX. bande der Archaeologia, s. 349 ff. veröffentlicht, wovon mir ein (der Stockholmer biblio∣thek gehöriger) separatabdruck mit dem besonderen titel: Extracts in Prose and Verse from an Old English Medical Manuscript, preserved in the Royal Library at Stockholm, London 1844, vorliegt. Auch hier finden sich bemerkungen über die hs. (s, 68ff. des sep. druckes) samt einem glossar, das die seltneren wörter—leider meist ohne angabe der seiten und zeilen—verzeichnet.

Page  76 Da die Archaeologia wohl nur wenigen fachgenossen stets zugänglich sein dürfte, habe ich mich entschlossen, die inter∣essantesten der in der hs. enthaltenen stücke nach neuer collation zu veröffentlichen. Die wenigen von Stephens nicht publizierten nummern sind im folgenden abdruck mit einem sternchen bezeichnet. Eine eingehende beschreibung der hs. mir bis nach der publication der beiden grösseren gedichte 1. [Dieselben sind inzwischen in bd. 18, s. 293 ff. dieser zs. erschienen.] aufsparend, will ich hier nur bemerken, dass dieselbe von verschiedenen händen geschrieben ist: s. 1-91 mitte und 105-216 sind in einer grossen kräftigen schrift gehalten, die für y und þ unterschiedlos das zeichen y setzt; s. 91 mitte—93 unten rühren von einer zweiten flüchtigeren hand her und zeigen eine blassere tinte—auch hier sind y und þ nicht unterschieden 2. [Darnach ist Stephens' behauptung s. 69 unten zu berichtigen!]; bei leerlassung von s. 94 beginnt mit 95 auf rötlichem papier eine dritte, zierliche hand mit kleiner schrift ohne rubra und linien, die y und þ deutlich scheidet und auf s. 104 mit der drittletzten zeile abbricht. Die beiden letzten zeilen sind wieder vom ersten schreiber, der dann, wie schon gesagt, bis zum ende fortfährt.

Die sprache ist offenbar der dialekt des südöstlichen mittellandes: altes â ist überall ô, wo nicht frühe kürzung vorliegt; die zweite pers. sgl. ind. präs. endet auf -est, die dritte auf -ith, der pl. auf -in oder -en; der inf. auf -en, -e oder -in oder ist endungslos (z. b. do, graunt); der pl. von fo 'Feind' ist fon (nr. 27); von pron. formen nenne ich I 'ich', sche 'sie', þay, þey 'ii, eae', hem 'eos, eas', it 'es'; charak∣teristische verbalformen sind noch schal, arn 'sind' (nr. 4), sawgh 'sah' (nr. 13), steygh 'stieg' (nr. 17). Ohne metathese steht thridde, aber frist neben furst, warpyd (nr. 9) für wrappyd. Endlich ist die schreibung -th für -ht, w für inl. v und qh-, qu- für hw- (wie in Genesis & Exodus) für unsere hs. charak∣teristisch.

Im folgenden abdruck sind die kontraktionen des textes aufgelöst und durch kursivierten druck angedeutet, das rot geschriebene dagegen durch fettdruck unterschieden. Die setzung grosser und kleiner buchstaben sowie die interpunktion ist nach heutigem gebrauch geregelt.

Page  77 Folgende wörter sind bei Stratmann-Bradley noch nicht belegt:

  • lawatorie nr. 22
  • lorer-tre nr. 9
  • plante (of þe fote) nr. 6
  • rosmarine nr. 9
  • sawge-leef nr. 8
  • styngynge nr. 4
  • strencthynge nr. 27
  • succle nr. 5
  • toth-ake nr. 6
  • thresse (?) nr. 9
  • vyrgine-wax nr. 22
  • warpyd (für wrappyd) nr. 9
  • web (im auge) nr. 5

1.* For to diliuerin a deed chyld from [S. 14.] a woman. 1. [Nicht bei St(ephens).—]

¶ Take lekys bladys and stampe hem and bynde hem to here wombe | [s. 15] abowte þe nawle, and þanne sche wyll castyn owte þe deed chyld anon; and als sone as sche is diliuerid of it, doo awey þe playstir, or ellis it wyll doo 2. [n ausradiert.—] here harme.

2. To wetyn ȝif a man [s]chal deye. [S. 26]

¶ Also ȝif þi good frend be seke, take 3. [e aus y corrig.—] þis erbe 4. [Es ist die rede von verveyn.] in þi rythand and take his rythand in þi rythand, and lete þe erbe be betwene, þat he wot not, and aske qhow he faryth and qhow he hopith of hym-self? And ȝif he say, he schal leue and fare wel, he schal leue; and ȝif he say, he wot well certayn þat he schal deyin, he schal be ded of þat seknesse.

3. For to gete lowe. [S. 26]

¶ Also qhwo so beryth it 5. [Bezieht sich auf das vorher gen. verueyn.] vp-on hym, he schal hawe lowe of grete maystrys, and þai schal nowth refuse his askyngis, but graunt hym with good wyll þat þat he wele.

4. Garlek; bytyng; strokys [of] venymus [S. 31] bestys; bytynge.

¶ Vertues of garlek: Stampe it and tempere it with hony, and it wyl hole þe bytyng of a wod hound and alle maner strokys þat arn venymus.

¶ And it schall fere nedderys and alle manere of venymus bestys, þat þei schal noȝt come nyh 6. [nyth Hs.] þe, for to do þe non Page  78 harme, qhwyl it is vp-on þe. Also stampe it and tempere it with hony and it | [s. 32] drawith1. [Stynggynge rot am rande.—] out venym of bytyng [or] of stynggynge of ony maner best þat is venymus.

5. Succle, a good medycyne for þe web [S. 33] in þe eye.

¶ A good medysyne for eyne: take 2. [Vor take ist take and stampe rot durchgestrichen.—] þe rede hony-suckle∣gres and do caste awey alle þe flour abowe and stampe it and take þe jus thorwe a clene lynene cloth and put it in þin eye; and quanne þou schalt gadre þis erbe, sette þe doun on þin knes and seye IX pater nostres in þe wor[s]chepe of þe holy trinyte, and IX aues to grete with oure lady, and a crede; and ȝyf þis may nowth distroye þe webbe, put þerto of þe mary in þe grete bon of þe gosys wenge; take and make a lytyl pelote of bothe wel medelyd to-gedere and put to þe web and ly stylle and slepe, and it wyl werke ryth scha[r]ply, for it is a good medicine prowyd.

6. For toth-ake. [S. 34]

Take an erbe þat is clepyd bursa pastoris, and ȝif þe ache of þe teeth be in þe ryth syde of þi mowth, putte þe forseyde erbe in þe lefte scho be þe bare plante of þe fote.3. [fott mit einem schnörkel Hs.—]

7. For þe fallyng-ewell. [S. 35]

Sey þis word: 'ananiȝaptus' in hys ere, qhwan he is fallyn doun in þat ewyll, and also in a wommannys ere: 'ananiȝapta', and þei schall neuere more aftir fele þat ewyll.

8. Here is a 4. [nach a ist precious rot durchgestrichen.—] medicyne for feuerys. [S. 47]

¶ Take a sawge-leef and wryte þeron: 'Christus 5. [χp̄c Hs.—] tonat' and late þe seke man it ete þe fryst day, and seye a pater noster, aue Maria and a crede. ¶ þe secunde day wryte on anoþer lef: 'angelus nunciat', and lete þe seke ete it and seye ij pater nostris and ij aue Mariais and ij credis. ¶ þe thryd day wryte on þe thrydde leef: 'Johannes predicat' 6. [predincat Hs.]and late þe seke ete it and seye iij pater nostris, iij aues and iij credis. Page  79 ¶ And qwanne he is hool, þat he do seye iij messys: on of þe holy gost, þe secunde of seynt Mykel, þe thredde of seynt Jon baptyst 1. [babtyst Hs.—]; and qwanne he heryth name þe feuerys, blysse hym seyinge an aue Maria.

9. Rosmarine. 2. [Beginnt schon s. 80, doch ist das vorhergehende uninteressant.—] [S. 85]

¶ Also þe erbe leyd at a dore catchyth awey alle maner wenemys wormys thorow his odowr, and suffryth hem nowȝt for to entryn. ¶ Also ȝif a man or a womman bere on hym a stalke or a staf þerof, it kepyth hym fro 3. [ro aus einem andern buchstaben korrigiert.—] thresse (?) and fro wykked spritys, as well be nyth as be day, for kyndely it is contrarious to deuelis and to wikkyd spritys, as þe ston þat is callyd jet. ¶ Also make a spon of hys tre an[d] ete þer-wyth, and it is helply to the body ageyn venym and poysoun. ¶ Also ȝif on hyde hym-self in a busch þer-of, or ellys he be warpyd weel in his lewys and his braunchys, no thonder no[r] leuene schall hym towchyn, ne smytyn, ne deren; þe same doth þe lorer-tre as anemptis þe thonder, nowth as anemptys þe leuene. ¶ We redyn þat Tiberie, þe Emperowre of Rome, dredde thonder, no man soo, and be-cause þer-of he dede maken a gardeyn all of lorer, and [at] eueri thonder þere he hydde hym.

10. Charme for þe sam. 4. [Andre hand.—] [S. 103]

a) ✚ In nomine ✚ patris ✚ et filii ✚ et spiritus sancti. Amen. ✚ In monte Selyon et ciuytate Epheson requiescunt septem dormientes: Malcus, Maximinus, Martinus, Dyonisius, Johannes, Serapyon, Constantinus. ✚ Omnipotens deus, qui eos 5. [Darnach anima mabus durchgestrichen.—] a manibus tyranni seuienti[s] 6. [seuiente Hs.—]et ab ydolorum cultura liberare dignatus est, ipse te dignetur, famulum suum7. [tuum Hs.—] vel famulam suam8. [tuam Hs.—] N., liberare a febribus frigidis et callidis, cotidianis, biduanis, tercianis, quarttanis, diurnis, seu noc∣turnys! ✚

b) Ad portum Galylee 9. [Galelye Hs.] iacebat Petrus. Venit dominus et interrogauit eum: 'Quid jacet hic?' Respondit Petrus: Page  80 'Domine, plenus sum febribus1. [frebribus Hs., das erste r von moderner hand durchgestrichen.—]. Dominus eum tangebat, et ipse sanus fiebat. Dominus inde ambulat et ipse Petrus se∣quebatur eum. Et dixit dominus: 'Quid me sequere, Petre?'—'Domine, peto, qui super se habuerit ista uerba scripta, febres ey non nocea[n]t!' Dixit dominus: 'Petre, sicut petisti, sic fiat!' Amen.

Sint medicyna mei pia crux et passio Christi,2. [xi Hs.; die verse sind nicht abgesetzt.—]
vulnera 3. [wlnera Hs.—] quinque dei sint medycyna mei!
Virginis et lacrime mihi sint medicamina trina 4. [trine Hs.—], ✚
hec mihi portanti succurrant febricitanti! Amen.

✚ A ✚ g. ✚ l. ✚ a. ✚ Jaspar ✚ Melchysar ✚ Baptizar. ✚ Et dicat infirmus per quinque dies 5. [dicos Hs.—] cotidie quinque pater noster et quinque aue et ter credo in deum patrem.

11. Charme for [to] staunche blod. [S. 103]

Longeys let 6. [led Hs.—] our lord Jesum Criȝst blod, whiche blod was holy and god. Thorw þat iche blod þat is holy and good, I comawnde þe, Jon or W., þat þow 7. aus einem andern buchstaben.—] blede no more.

12. For þe jawndys. probatum est! [S. 104]

Tak þe vrine of hym þat haþ þe iawndys, and barly-mele, and do hym þat haþ þe iawndis, maken kake þer-of, and sithen cast it in-to þe fier and let it brennyn, and whan it is brent, he þat haþ þe jandis, schal ben hol.

13. Here bygynnyth a charme for to [S. 110] stawnchyn blood. 8. [Wieder die erste hand.—]

¶ Furst byhowyȝt[h] to knowyn a mannys name, þanne go þou to chyrche and sey þis charme, and þat9. at am rande, mit verweisungszeichen.—] þou seye hyt noȝt but for man or for woman:

"In nomine patris & cetera. Whanne oure lord was don on þe crosse, þanne come Longeus thedyr and smot hym 10. [Nach hym ist to þe herte durchgestrichen.—] with a spere in hys syde. Blod and water þer come owte at þe wounde, and he wypyd 11. [wyppyd Hs.] hys eyne and anon he sawgh ryth thorowgh þe vertu of þat god. þerfore I conjure the, blood, Page  81 þat þou come noȝt owte of þis cristen man or cristyn woman 1. [woman and Hs.] N. In nomine patris et filii, et cctera."

And þis charme seye thre sythys. And þanne tharst noȝt recchyn, where þat þe man be or þe woman, so þat þou knowe þe name.

14. Anoþer charme for blood. [S. 110]

Crist 2. [Crist þat Hs.] was of þe wirgine Marie born and cristenid in þe flum Jordan; also þe flum stood, also stawnche þis blood of N. In nomine patris et filii, et cetera.

15. A medicine for blood. [S. 110]

Take perwynke and holde it in þin mowth þe whyle þat men letyn the blood, and þer schall comyn no blood owte at þe wounde.

16. Aȝenst all maner of opyn woundes. [S. 117]

Make a plate | [s. 118] of leed as large as þou mayst, so þat it may hyllyn all þe wo[u]nde, and make it iiij-corneryd, and make a crosse at eueri corner, and þe fyfte c[r]osse in þe myddys in þis manere: {illustration}

rectangle with an array of crosses
and vp-on iche crosse seye a pater noster and a aue with þis same charme:

¶ "Oure lord Jesus3. [Jhū Hs.] Crist, as þou sufferdyst 4. [d über der zeile nachtragen.] v woundys on þe crosse for vs synfull men, so hele þis man or woman of þis sor euyll and of alle maner ewelys. Amen, per charite!"

And þanne wasche þe wounde and þe leed with hoot watir and loke þat þe plate towche noȝt þe erthe, and seye in þis wyse:

"I coniure þe, sor, by þe wertu of þis crosse and his passyoun þat schedde his blood on þe c[r]osse, þat þis sor grewe noȝt þis man nor þis woman nor noner sor, ne in no lym of his bodi!"

And it is to vndirstonden, þat þis charme schall ben seyd ouer euery c[r]osse. And ouer þe fyfte crosse þat is in þe myddis, þou schalt seyn þis same charme:

Page  82 ¶ "I coniure þe, sor, for þe thre nayll[es] þat Crist suffrid with passioun and deth on þe crosse and warischid vs of oure synnys, soo dilyuer þi serwaunt N., be it man or woman! Amen, per charite!"

And warne þe seke man, þat he do no folye in þe mene tyme!

17. Here bygynnyth a charme, þat schall [S. 120] waryschyn iche cristynman for to slee þe worm, þe gowte and þe festre and þe rancle. And forsothe it schall dystroyn deed flesche, for seynt Ewstas of Rome made þis charme for his good wyf, þat suffryd sorow and grete peynys. 1. [Das ganze ist geschwärzt, doch gut lesbar.]

Also soþely as God seyde and soth seyde, also soþely as he dede and well dede, and also soþely as he toke flesche and blood of þe virgine Marie, and also sothly as his preciows body suffryd woundis to bryngyn vs synfull men owt of peyne, also soþely as he suffryd in þe crosse his body to be doon, also soþely as hys body was spredde and stykyd, also soþely as in bothe halwys of hym hangyd two thewys, also soþely as his syde was stongyn2. [stongun Hs.] with a spere, also soþely as his feet with naylys weryn stekyd, also soþely as his holy heed was crownyd with thornys, also soþely as in þe holy sepulcre his blyssyd body restyd, also soþely as he þe thrydde day roos to lyf, also soþely as he brak þe ȝatis of helle, also soþely as he hys owyn vp-ledde, also soþely as he steygh vp to hewyn, also soþely as he þe deuyl of helle bond, also soþely as he hym-self syttyth on his fadiris ryth syde, also soþely as hee atte 3. [atte þe Hs.] day of dome schall comyn and iche man of XXX wyntir of flesche schall diliuerin, also soþely as owre lord schall jugyn all men at his will, also soþely as it is soth and soth | [s. 121] schall bee: ¶ also soþely, lord, hele þis seke man N. of þe gowte 4. [gowto Hs.] ✚ and of þe rancle ✚ and of þe worme ✚ and þe deed festre! ✚ And þe gowte deed is ✚ and þe festre deed is ✚ and deed schall ben from þe! ✚ Amen, per charite!

And seye a pater noster in þe name of þe fadir and sone Page  83and holy gost. And so iche cristenman 1. [man cristen Hs.] schall seye, þat with þis charme is charmyd, and for soþe he schall ben hooll anoon. Jesus 2. [Jhs̄ Hs.], amen. And þanne do seyne a messe of þe holy gost and make þe seke man to heren þe messe fastynge, and kepe hem priuy and cloos, þat no man knowe þis!

18. *For a woman þat is with a deed chyld. [S. 121]

Take ditayne and tempre it with watir and ȝif it here to drynke.

19. *Anoþer.

Take leekys hedis and sethe hem well in watir and bynd hem to here wombe abowtyn here nawele, and sche schall hawyn chyld anon, þowgh it be deed. But as sone as sche is dylyueryd, doo awey þe playstir, or ellys it wyll don here mechell harm.

20. *To wetyn, ȝif a woman be with chylde and whethyr it is a man or woman.

Take þe mylke of a woman þat is with chylde, and do it in a cuppe full of watir, and ȝif þe mylk holde it abowyn, þanne it is a male, and ȝif it synke down to þe bottum, þanne it is a female.

21. For þe gowte gayne and fallynge ewyll.

Take rauynys 3. [rauynnys Hs.] bryddys all quyke owte of here neste and loke, þat þei towche noȝt the erthe, nor þat þei comyn in non hows, and brenne hem in a newe potte all to powdir and ȝif it þe seke man to drynkyn!

22. *Anoþer medicine for þe same.

Do syngyn a messe of þe holy gost and make vij candellis of vy[r]gine-wax and write 4. [vrite Hs.] in þe furst candell sunday, and in þe secunde munday, in þe thrydde tiusday, in þe ferthe wed∣dynis-day, in þe vte thorisday, in þe sexte fryday, and in þe viite satirday. Þanne | [s. 122] late lyghtin hem all at onys at messe, and late hem brenne, tyll þat þe messe bee doon; and aftyr þat do þe seke man takyn oon of þe candellys, and whyche candyll þat he take, he schall fastyn þat day, þat is Page  84 wretyn þeron, to bred and to watyr, terme of hys lyf, or ellys his fadir or hys modir for hym, tyll þat he be of age, and loke, þat þe seke man be well schrewyn and shewe well hys schryfte, and þat he drynke þe watir of þe lawatorie, after þat þe prest hath vsyd! And ȝif he holde it, he schall ben hooll for sothe.

23. For þe mylte. [S. 129]

Take þe sowthystill 1. [ffow- Hs.]and late hym sethyn 2. [set sethyn Hs.] in whyt wyn and ȝewe þat þe seke to drynkyn, furst and last, and late hym bleden on þe rygth hand on a weyne by-twen þe two lest fyngiris, for on þat veyne ladies laten hem blood, for to hawyn good talent to mete.

24. Pur le fiuire. | [S. 136]

Archedechne 3. [Das zweite ch aus cli gebessert.] seeit en haut et tenoyt virgine 4. [Davor vi(r)gine durchgestrichen.] [S. 137] verge de coudre entre ses mayns et dyt: 'Auxi verrayment come le prestre fist dieux entre ses mayns, et auxi verayment come ly dieu bayse sa tre dowce mere, je 5. [Davor ein buchstabe durchge∣strichen.] vous ses (?) et eydes cest homme ow femne N. de male fiuere þer charite. In nomine patris et filii et spiritus sancti.

Amen.

25. A charme for peynys in the [te]th. 6. [Das ganze geschwärzt.] | [S. 145]

[S. 146] Sancta 7. [c über der zeile.] Apol[l]onia virgo fuit inclita, cuius pro Christi 8. [xp̄i Hs.] nomine dentes extracti fuerunt. Et deprecata fuit dominum nostrum Jesum 9. [jhm̄ Hs.] Christum, ut quicunque nomen suum super se portauerit, dolorem in dentibus destruat pater et filius et spiritus sanctus, amen.

Oremus: Deus, qui beatam Apol[l]oniam 10. [Apolonian Hs.] de manibus inimi∣corum suorum liberasti et oracionem eius exaudisti, te queso per eius intercessionem, beati Laurencii et beati Vincentii et omnium sanctorum tuorum et sanctarum tuarum, vt dolorem in dentibus meis eruas et sanum me facias per dominum nostrum Jesum Christum filium tuum, qui tecum viuit et regnat in vnitate spiritus sancti, deus per omnia secula seculorum.

Amen.
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26. [Geburtssegen.]

Boro berto briore ✚ Vulnera quinque dei sint medicina mei! ✚ Tahebal ✚ ✚ ghether ✚ ✚ ✚ guthman ✚ ✚ ✚ ✚ ✚ Purld cramper ✚ C[h]ristus ✚ factus ✚ est ✚ pro ✚ nobis ✚ obediens ✚ vsque ✚ ad ✚ mortem ✚ mortem ✚ autem ✚ crucis. ✚ De fructu ventris tui ponam super sedem tuam, quod fructum suum dabit in tempore suo. Anna peperit Mariam, Maria peperit Christum. Infans Christus te 1. [to Hs.] vocat 2. [vocot Hs.] ut nascaris. 3. [nascāris Hs.] In nomine patris et filii et spiritus sancti.

Amen.

27. [Ausfahrtssegen.]

Helpe, crosse, fayrest of tymbris three,
In braunchys 4. [braunnchys Hs.] berynge bothe frute and flowr;
Helpe, banere beste, my fon to 5. [to über der zeile.] doo flee,
Staf and strencthynge full of socowr;
On londe, on see, where þat I be, [ 5]
Fro fyir brennynge be me by-forne,
Now, Cristis tree, sygne of pyte,
Helpe me euir, I be nowght lorne!

28. *To knowyn, wheþer a man is bareyn [S. 155] or a womman.

¶ Take of eytherys water and put it in-to sondre vessell; sythen put to eyþer barlyche and horssysdong, and whether wessell sporgyth hym, is noȝt bareyn.

Anmerkungen. 6. [Dieselben treten durchaus nicht mit dem anspruche auf, den gegenstand auch nur einigermassen zu erschöpfen. Dazu wären umfänglichere sammlungen nötig, als ich zur zeit besitze oder anlegen kann.]

2. Vgl. Birlinger, Germania 24, s. 75, nr. 13.

3. Vgl. Birlinger, a. a. o. nr. 7.

8. Vgl. dasselbe mittel bei Heinrich, Mittelengl. Medizinbuch s. 186 f., nr. 119b: Contra febres. Statt Mikel liest er (s. 187, z. 6) ary-hel.

Zu 9: no man so. Ich erinnere mich, vor kurzem in einer zeitschrift oder ausgabe eine bemerkung über diese syntaktische wendung gelesen zu haben, kann aber leider die stelle nicht wieder finden. Vielleicht weiss irgend ein fachgenosse rat!—Ueber diese furcht des Tiberius vor dem donner berichtet Sueton in der vita Tib. cap. 69: tonitrua tamen praeterPage  86modum expavescebat et turbatiore caelo nunquam non coronam lauream capite gestavit, quod fulmine afflari negetur id genus frondis.

10 a). Vgl. Priebsch, Z. f. d. A. 38, 16 unten: In monte Celion (Hs. tebon) requiescunt VII dormientes etc. (aus einer Londoner hs. des 14.—15. jahrhunderts).

10 b). Vgl. ib.: Pro frebribus (sic!). Petrus stabat ante portas Je∣rusalem. Supervenit dominus etc.; ferner Heinrich, me. Med.-buch s. 167 z. 2 ff. und s. 220 f.: Carmen pro febribus.—Agla kommt auch in einem von Gallee, Germ. 32, 456 mitgeteilten segen vor.—Vgl. wegen der lat. verse nr. 26 und Heinrich a. a. o. s. 143: Carmen [ad] ligandum etc. und s. 136: C. contra malignos spiritus.—Jaspar, Melchysar, Baptizar sind die (vielfach wechselnden) namen der heil. drei könige. [Vgl. Nachschrift.]

11, 13 und 14. Vgl. Heinrich a. a. o. s. 116 f.: Carmen pro fluxu sanguinis; s. 120 f.: C. ad restringendum sanguinem; s. 122: C. pro eodem; s. 212 f.: C. ad restring. sang.; s. 231 f.: Ad restring. sang. [Vgl. Nach∣schrift.]

17. Vgl. Heinrich a. a. o. s. 164 unten f.

22. Zu fastyn mit to vgl. meine anmerkung zu v. 346 des Everyman in Herrigs Archiv 92, 411.—In dem lawatorie wäscht sich der priester vor beginn der messe die hände.

23. Vgl. dasselbe rezept in Heinrichs me. Medizinbuch s. 144: Pro malis splenis etc. Er hält in der anm. zu 103 b 13 s. 50 fowe für einen fehler statt þowe = ae. þuȝe. Näher liegt jedoch meine besserung in sowe!

25. Vgl. R. Köhler, Germ. 13, 180 f. 1. [Zu s. 178 ff. ib. vgl. noch Cockayne, Leechd. III, 64 f. und Heinrich, me. Med. buch s. 102 f.: Carmen pro dolore dencium.]; Gallee, ib. 32, 454; Heinrich, me. Med. buch s. 148: Carmen pro dentibus, und s. 221: C. pro dolore den∣cium.—Andre stehen bei Horstman, Yorsh. Writers p. 375 f.

26. Vgl. Birlinger, Germ. 24, 74 nr. 3 und 6; Jeitteles ib. 311, nr. 1; Gallee ib. 32, 458, nr. VI 2. [Gallees sinnloses oves sancti ist natürlich in omnes s. zu bessern!]; Heinrich, me. Med. buch s. 143 f.: Carmen li∣gandum etc.—Der vers: vulnera quinque kommt auch in nr. 10 b) vor, wo die anm. zu vergleichen ist. Ich bemerke noch, dass drei bibelsprüche in dem segen verwertet sind, nämlich 1) Ps. 131 (hebr. 132) v. 11: De fructu—tuam; 2) Ps. 1, 3: Et erit tamquam lingnum, quod plantatum est secus decursus aquarum: quod fructum—suo; 3) Philip. 2, 8: Humiliavit semet ipsum, factus obediens usque—crucis. Der anfang des zweiten ist offenbar ausgefallen, da im segen das quod vor fructum keine entsprechung in den vorhergehenden worten hat. [Vgl. Nachschrift.]

27. Vgl. hierzu Müll.-Scherers Denkm.3 II, 54 f.; Horstman, Yorksh. Writers s. 376 f. nr. 4 und 5.

II.

Die folgenden drei sprüche sind ebenfalls von Stephens in der Archaeologia a. a. o. s. 50 f. des separatabdruckes mit∣geteilt Page  87 worden. Sie entstammen der interessanten englischen Miszellanhs. VII in kl. 4o der kgl. bibliothek zu Stockholm, die früher ebenfalls Christ. Ray in Berlin gehörte. Das mit 1597 datierte buch enthält u. a. tagebuchsaufzeichnungen von der expedition des grafen Essex nach Cadiz (1596), geschrieben an bord des kriegsschiffes "The John & Francis", ferner zwei gebete der königin Elisabeth für flotte und heer (wovon mir erst eins zu entziffern gelungen ist), religiöse betrachtungen, einen traktat, bemerkungen über continentale staaten und Neu∣spanien, einen auszug aus dem bericht des Antonio L(G)opola von 1577, eine kurze chronik von Spanien, eine liste des es∣kaders des Lord Admirals, regeln des kriegsdepartements unter Elisabeth—alles von verschiedenen händen und oft schwer lesbar. Auf der ersten seite finden sich einige französ. sätze und latein. verse aus Bartholomaeus, De propr. rerum (über England und die engländer), dann ein rezept: A good water to renical (?) mercury und hiernach die unten mitgeteilten segensprüche. Hin und wieder sind latein. und hebr. wörter und sätze aufgezeichnet, manche blätter sind leer, viele halb oder ganz ausgerissen.

Auf der inneren seite des hinteren deckels steht:

Orna∣tissimo ac doctissimo viro Johanni Hopkinsono linguarum orientalium peritissimo amico singulari

Londini


Tuus ex animo
Franciscus Raphelengius.

1. Blutsegen.

Water was woode and hye of floude,
Christ bad it stand 1. [Darnach ein a durchgestrichen.] still, and still it stood.
So do the bloode &c.

2. Fiebersegen.

Feuer was great of Peters wyffs mother
And burnt her full sore,
Christ it rebukt, and away it went
And vext her no more.
So do the ..... [ 5]
Page  88

3. Geisteraustreibung.

Jesus of Nazaret, thy presence forst 1. [d. i. forced.]
The foule spirits for fear to cry,
Thow them rebukt, their mouth shott vp,
Commanding them out to hy.
So in the powre of Jesus, whom I profess, [ 5]
Command I this spirit to depart
And never to vex this party aga[i]ne. 2. [Die verse in der Hs. nicht abgesetzt.]

Anmerkungen.

1. Der inhalt bezieht sich wohl auf die stillung des sturmes auf dem meere, vgl. Matth. 8, 23-27, Mark. 4, 35-41, Luk. 8, 22-25.

2. Vgl. die biblische erzählung bei Matth. 8, 14-15, Mark. 1, 30-31, Luk. 4, 38-39.

Auf die englischen segen folgen drei latein. bibelsprüche: Acta Ap. 3, 6; 14, 10 3. [Statt coce ist hier natürlich voce zu lesen.] und 16, 18, die ja auch ähnlichen inhalts sind. Darüber steht:

nomen | marke, hur sur, for ker key,
und über jedem buchstaben dieser mir unverständlichen worte ein punkt.

Ueber John Hopkinson (1610-80) vgl. Dict. of nat. biogr. XXVII, 340; Franz Rapheleng war ein sohn des holländischen gelehrten und druckers gleichen namens († 1597).

Nachschrift.

Zu 10 b) vgl. noch die fassung des spruches in den Läke- och örte∣böcker från Sveriges medeltid ed. Klemming (Samlingar utgifna af svenska fornskrift-sällskapet) s. 39 unten f.: Contra febrim.—Agla kommt auch ib. s. 223, z. 23 vor.

Zu 11 und 13 vgl. ib. s. 141 unten f., 206, 84 und 452: Här skal man stille bloth mȝ. (mnd.)

Zu 26 vgl. ib. s. 213, 111 f. und ndd. Jahrb. 15, 149.

Zu 28 vgl. dasselbe rezept lat. bei Klemming s. 221, 170.

GÖTEBORG (SCHWEDEN).

F. HOLTHAUSEN.