Das Phänomen der ἀναχώρησις, nach Horst Braunert "sicher ein endemisches Übel Ägyptens überhaupt,"[1] erlebte bekanntlich im II. und III. Jhdt. n. Chr. seinen Höhepunkt. Eine maßgebliche Rolle kam hierbei insbesondere dem Liturgiewesen zu, wie auch der Statthalter M. Sempronius Liberalis in seinem großen Reintegrationsedikt vom 29. August 154 eingestand: Neben der allgemeinen δυσχέρεια seien es vor allem die Liturgien gewesen, die die wirtschaftlich erschöpfte Bevölkerung zur Aufgabe ihrer Wohnsitze veranlaßten und in die Fremde trieben, während ihre Furcht vor den sogleich erfolgten Ausschreibungen sie auch auf Dauer dort hielte.[2] Hier sollen nun nicht die längerfristigen Maßnahmen in den Blickpunkt genommen sein wie etwa die großzügige Amnestie, mit der Sempronius Liberalis dieser Probleme Herr zu werden suchte – jedenfalls sofern sich die Flüchtigen nichts zusätzlich hatten zuschulden kommen lassen –, sondern die unmittelbare Reaktion des Staates darauf. In den letzten 30 Jahren sind gleich mehrere Dokumente publiziert worden, die neuen Aufschluß über das auf die Flucht eines Liturgen hin eingeleitete Verfahren bieten, so daß es nunmehr in seinem genauen Ablauf zu rekonstruieren ist. Im folgenden wird es darum gehen, die einzelnen Stufen dieses Verfahrens nachzuzeichnen; zum Abschluß seien noch einige Worte zu der Nähe, aber auch den Unterschieden zu den sehr viel häufiger behandelten Suchaktionen nach flüchtigen Sklaven erlaubt.

    Auszuklammern ist allerdings die Frage nach den allfälligen finanziellen Sanktionen. Zwar sind die Grundzüge schon seit langem bekannt – der Besitz der Staatsschuldner unterlag der κατοχή, wurde also für verfangen erklärt und konnte bei Bedarf zugunsten des Staates konfisziert und anderweitiger Verwendung zugeführt werden –, doch sind Zeitpunkt und Ausmaß dieser Maßnahmen keineswegs klar. Auch aus diesem Grund möchte ich mich hier auf die Rekonstruktion des Verfahrens beschränken, soweit es die Person des Liturgen als solche betrifft, zumal diese Frage anders als das von den Rechtshistorikern häufig erörterte Institut der κατοχή bisher kaum je genauerer Betrachtung unterzogen wurde.

    Das interessanteste Dokument in diesem Zusammenhang ist zweifellos ein aus insgesamt sechs Texten bestehendes Dossier, das der Stratege der Themistu meris anläßlich der Übergabe des Amtes an seinen Nachfolger zu einem solchen noch unerledigten Fall hatte anlegen lassen.[3] Danach war der Sitologenschreiber Chairemon in Verdacht geraten, einen Teil der Staatseinkünfte veruntreut zu haben, und daraufhin von dem ἐπιστολαφόρος Sotas, der zugleich als φύλαξ amtierte, festgesetzt worden. Chairemon gelang es jedoch, seinen Bewacher zu einer gemeinsamen Flucht zu überreden, so daß nun beide zur Suche ausgeschrieben werden; dies sogar – nicht zuletzt wohl wegen der Steuerschuld – landesweit. Bei den Texten des Dossiers handelt es sich (a) um ein Schreiben ohne Präskript, das auf die genehmigte Ausschreibung verweist und Nachricht über die gegebenenfalls durchgeführte κατοχή erbittet, wobei der Schlußgruß ἐρρῶσθαί σε βούλομαι den Präfekten als Absender verrät; (b) und (c) zwei im Abstand weniger Tage verfaßte Schreiben des Strategen, ebenfalls ohne Präskript, in denen der Sachverhalt geschildert und um eben diese Ausschreibung gebeten wird; (d) einen leider undatierten, wohl vom Sommer desselben Jahres stammenden Vermerk des Strategen, daß die beiden Flüchtigen während seiner Amtszeit nicht mehr aufgetaucht seien und er die Sache daher seinem Nachfolger überlasse;[4] (e) einen Aktenauszug mit zehn Jahre alten Personalien des Chairemon sowie schließlich (f) ein Edikt des Präfekten mit der gewünschten Ausschreibung.

    Da dieses Edikt (f) ebenso wie der erste Text (a) vom 6. Pharmuthi des 20. Jahres, also dem 1. April 136 n. Chr., datiert, dürfte letzteres wohl als dessen Begleitschreiben anzusehen sein. Die beiden statthalterlichen Verlautbarungen bilden demnach den Rahmen des Dossiers, das offenkundig keinem chronologischen Ablauf folgt. Das ist hier insofern von Belang, als die Schreiben des Strategen (b) und (c) das Datum vom 18. bzw. 22. Pharmuthi, d.h. dem 13. und 17. April, tragen und somit sieben bzw. elf Tage später datieren als die vom Präfekten verfügte Ausschreibung selbst, die doch eigentlich hierauf erst antworten sollte. So wird man wohl kaum umhin kommen, mit einem Abschreibefehler des Kopisten zu rechnen, daß nämlich sein Φαρμοῦθι in beiden Fällen aus einem kursiven, vielleicht sogar abgekürzten Φαμενώθ der Vorlage verlesen war.[5] Sollte dies das Richtige treffen, hätte das Abfassungsdatum der beiden Schreiben des Strategen demnach bereits im Vormonat gelegen[6] und der Präfekt somit zwei Wochen später geantwortet, was insgesamt, zumal es auch zu den bekannten Fristen paßt, sehr viel plausibler erscheint.

    Die diesen Briefen vorausgehenden Schritte sind freilich ebenso wenig in das Dossier eingegangen wie diejenigen, die der Stratege nach Erhalt der statthalterlichen Antwort in der Sache unternahm. Den Auftakt bildete sicherlich das Schreiben eines Komogrammateus, durch welches der Stratege erstmals von dem Vorfall erfuhr. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat er daraufhin eine Umfrage unter den Dorfbehörden des eigenen Gaues durchgeführt; denn so ist offenbar die Bemerkung in seinem zweiten Brief an den Präfekten zu deuten, daß die Geflüchteten bereits ἐπὶ τῶν τόπων ausgeschrieben worden seien. Da dies ohne Erfolg geblieben war, sieht er sich nun genötigt, um eine Ausschreibung καὶ παρὰ σοί nachzusuchen, also im Kompetenzbereich des Statthalters und damit im gesamten Land.[7]

    Was auf den positiven Bescheid des Präfekten hin geschah, ist nunmehr einer umfänglichen Aktenrolle zu entnehmen, die größtenteils Anfragen von Strategen verschiedener, teilweise weit entfernter Gaue zu flüchtigen Liturgen und sonstigen Straftätern enthält. Mit Verweis auf eine Anordnung des Präfekten bitten sie darin ihren oxyrhynchitischen Amtskollegen, ihnen bei der Suche nach den namentlich verzeichneten Personen behilflich zu sein und die gegebenenfalls Aufgefundenen in ihre Heimatgaue zu überstellen.[8] Die schiere Anzahl der Anfragen, die Ende Juni 161 innerhalb weniger Tage hierzu eingingen, aber auch der fast immer gleiche Wortlaut und die schon formelhafte Antwort der Dorfschreiber lassen erahnen, wie sehr dies bereits zur Routine geworden war.

    Die hierbei stets erwähnte Anordnung des Präfekten war nun vermutlich eben solch ein Edikt, wie es in dem vorigen Dossier erhalten blieb. Daß der Präfekt selbst durch einen Rundbrief an die Strategen für dessen Verbreitung sorgte, ist zwar nicht völlig auszuschließen, besitzt jedoch nur geringe Wahrscheinlichkeit. Dies wird er vielmehr dem Antragsteller überlassen haben, der hierdurch ausnahmsweise auch außerhalb seines eigenen Amtsbezirkes Handlungsfähigkeit gewann. Denn er erhielt dadurch nicht nur die Befugnis, derartige Erkundigungen bei seinen Amtskollegen einzuziehen, sondern zugleich den Anspruch auf ihre tatkräftige Unterstützung. Konkret bedeutete dies, daß sie zu eben solchen Umfragen unter den Dorfschreibern ihres Amtsbezirkes verpflichtet waren, wie er sie zu Anfang auch bei sich selbst veranlaßt hatte. Wie die Akteneinträge in der erwähnten Aktenrolle zeigen, endeten sie in der Regel freilich ebenfalls ergebnislos: "Wir erklären," heißt es da, "daß niemand von den Vorgenannten sich in den Orten aufhält, für die wir jeweils zuständig sind, und daß wir sie überhaupt nicht kennen."[9] Belege für den hiermit verbundenen Schriftwechsel schienen bisher freilich völlig zu fehlen; allenfalls wäre auf die bereits aus diokletianischer Zeit datierende Rückmeldung über die – erneut vergebliche – Suche nach entflohenen Steinbrucharbeitern zu verweisen, die von dem Systates eines herakleopolitischen Stadtviertels stammt.[10]

    Abhilfe dürfte jetzt allerdings ein bislang verkannter Papyrus aus dem Jahr 155/56 schaffen, der vom Sammelbuch nur recht vage als "Anfang der Eingabe an einen Strategen mit Bezug auf eine Verfügung des praefectus Aegypti" vorgestellt wird.[11] Zwar sind von dem Schreiben der κωμογραμματεῖς bzw. kommissarisch amtierenden πρεσβύτεροι κώμης an den Strategen der Themistu und Polemonos merides lediglich das Präskript und der Anfang des Somas erhalten, das mit einem Zitat des ihnen vom Strategen übersandten Briefs des Präfekten beginnt; eine Reihe von Abkürzungen hatte das Verständnis des Textes weiter erschwert. Löst man jedoch die Abkürzungen in der zweiten statt der ersten Person Singular auf und hält man sich zudem das oben behandelte Begleitschreiben des Präfekten vor Augen, wird alsbald deutlich, daß wir hier eben eine solche Antwort der Dorfbehörden auf eine Umfrage nach flüchtigen Liturgen vor uns haben.[12] Merkwürdig ist allerdings, daß der ursprüngliche, vom Statthalter autorisierte Antragsteller und der Adressat des Antwortschreibens identisch sind. Daher hatte ich vor Jahren noch darauf geschlossen, daß wir hier mit einem zweistufigen Verfahren zu rechnen hätten – daß der Stratege also zweierlei Ermächtigungen des Präfekten benötigte, eine für die Ausschreibung in seinem eigenen Gau und eine weitere für die Ausweitung der Suche auf das gesamte Land; dann wäre nur der Monatsname seines ersten Schreibens in dem eingangs zitierten Dossier fehlerhaft.[13] Nach allem, was wir über die Kompetenzen der kaiserzeitlichen Amtsträger wissen, kann dies jedoch kaum das Richtige treffen, so daß hier wohl ein Sonderfall vorliegen muß, dessen Hintergründe noch nicht ersichtlich sind.

    Das komplexe Verfahren, das für die landesweite Suche nach geflüchteten Liturgen und ebenso nach Straftätern in Ägypten gebräuchlich war, ließe sich demnach wie folgt rekonstruieren: Begab sich ein Liturge oder Straftäter auf die Flucht, pflegte der Dorfschreiber den zuständigen Strategen hiervon zu unterrichten. Unter Nennung von Namen und Tatumständen leitete der Stratege daraufhin eine entsprechende Umfrage unter den übrigen Dorfschreibern seines Gaues ein; blieb diese negativ, wandte er sich an den Präfekten und bat ihn um eine landesweite Fahndung. Der Präfekt antwortete mit einem Edikt, das der Stratege wiederum in Abschrift seinen Amtskollegen zukommen ließ. Diese hatten dann ihrerseits entsprechende Umfragen unter ihren Dorfschreibern durchzuführen; das Ergebnis ging schließlich zusammen mit der Anfrage in ihre Akten ein.

    Vergleicht man dieses Verfahren mit den sehr viel häufiger behandelten Suchaktionen nach entlaufenen Sklaven,[14] ist zunächst zu bemerken, daß letzteres in der Kaiserzeit, anders als vielleicht noch unter den Ptolemäern, grundsätzlich als Privatangelegenheit des jeweiligen Herrn galt; erst seit dem späteren II. Jhdt. war offenbar auch hierfür eine gewisse staatliche Unterstützung zu erwarten.[15] Als Kronzeuge hierfür gilt eine Verlautbarung des Strategen der Kleinen Oase, die, gerahmt von einer formelhaften Einleitung und dem abschließenden Publikationsvermerk, wortwörtlich ein diesbezügliches Schreiben des busiritischen Amtskollegen zitiert.[16] Der öffentliche Aushang derartiger Suchanfragen, die von Strategen anderer Gaue kamen, sollte demnach gängige Praxis gewesen sein. Hiermit scheint es allerdings bereits sein Bewenden gehabt zu haben; von einer Umfrage unter den Dorforganen ist jedenfalls nicht die Rede, vor allem wird im Zusammenhang mit entlaufenen Sklaven nirgends eine Anordnung des Präfekten erwähnt. Im Unterschied zu dem aufwendigen und streng formalisierten Verfahren, das bei der Suche nach flüchtigen Liturgen und Straftätern gebräuchlich war, hielt sich die staatliche Unterstützung demnach doch in relativ engen Grenzen. So steht sogar zu fragen, ob überhaupt eine Verpflichtung zur Amtshilfe bestand oder dies nicht eher dem Engagement des einzelnen Amtsträgers überlassen blieb; damit ließen sich jedenfalls auch gut die vielfach belegten privaten Suchaktionen der Herren erklären.

    Dieser Annahme scheint indes ein Briefwechsel zwischen dem gynaikopolitischen und dem oxyrhynchitischen Strategen über den Ausgang einer solchen Suche zu widersprechen.[17] Entgegen dem ersten Eindruck geht es hier jedoch gar nicht um den entflohenen Sklaven, sondern um den Mann, der ihn angeblich aufgenommen und der inzwischen selbst verschwunden war, folglich um einen Straftäter; galt doch das Verbergen von Sklaven nach der lex Fabia de plagio als Offizialdelikt. Demnach gehört dieser Papyrus vielmehr zu dem oben rekonstruierten Verfahren, wo er zudem als Zeugnis für den bisher nicht belegten letzten Verfahrensschritt eine wichtige Lücke füllt: Die Rückmeldung des um Unterstützung gebetenen Strategen an seinen Kollegen über den Ausgang der Nachforschungen im Nachbargau.

    So viele ähnliche Züge die beiden Verfahren – die Suche nach flüchtigen Liturgen und Straftätern einerseits und die nach Sklaven andererseits – auch aufweisen, sind die Differenzen im Detail insofern doch überdeutlich. Grund hierfür war zweifellos eine unterschiedliche Bewertung seitens der römischen Administration. So ging es bei der Suche nach entlaufenen Sklaven wesentlich um die Wahrung des Rechtsfriedens, weswegen staatliche Organe die Suchaktionen der Herren durch öffentliche Bekanntmachung, gegebenenfalls auch Festsetzung der Gesuchten unterstützten. Die Flucht von Liturgen oder besser Fiskalschuldnern ebenso wie die von Straftätern betraf dagegen die Interessen des Staates unmittelbar. In diesem Fall meinte man sich folglich nicht allein mit bloßen Ausschreibungen begnügen zu können, vielmehr wurde zur Ergreifung der Verdächtigen der gesamte Apparat in Bewegung gesetzt, vom allerletzten Dorfschreiber bis zum höchsten Repräsentanten Roms.

    Appendix: Neuedition von SB XVI 12750.7–14

    Trotz mancher Überlegungen des Herausgebers waren die genaueren Zusammenhänge in dem stark fragmentierten und mit zahlreichen Abkürzungen durchsetzten SB XVI 12750 bisher unklar geblieben.[18] Tatsächlich dürfte es sich bei dem aus dem Jahr 155/56 datierenden Text, wie oben dargelegt, um eine Antwort der lokalen Behörden auf die Nachfrage des Strategen nach geflüchteten Liturgen handeln. Erhalten sind lediglich das Präskript und der Beginn des Schreibens, in dem die κωμογραμματεῖς bzw. kommissarisch amtierenden πρεσβύτεροι κώμης den ihnen vom Strategen übersandten Brief des Präfekten zitieren. Dessen Schreiben trägt bisher folgende Gestalt:

    [Σεμπρώνιος Λιβ]ελᾶρις Ὀνομάστῳ στρ(ατηγῷ) Θε(μίστου) καὶ
    8 [Πολ(έμωνος) μερίδων χα]ίρειν· τοὺς ὑπογεγρ(αμμένους) οὓς ἐδήλ(ωσα)
    [      ± 10      χρεί]ας τὰς ἐνχιρισθείσας αὐτοῖς
    [      ± 13      ]ἀνακε[χ]ωρηκέναι ὡς ἠξίωσ(α)
     ̣  ̣[      ± 10      ]  ̣αμε̣ν̣ας  ̣  ̣  ̣[  ̣  ̣ ἐ]ντὸς ἡμ̣ερῶν
    12 πεν[τήκοντα  ̣  ̣  ̣  ̣] ἔγραψα περιγενομένοις̣̣  ̣  ̣
    τα[      ± 10      ]  ̣των αὐτοῖς ἐὰν δὲ μηδὲ
    τα[      ± 10      ]  ̣  ̣ας ἵνα  ̣  ̣̣  ̣επιτ[  ̣  ̣  ̣]
    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

    7 Der nach dem Photo auf Tav. VII teilweise recht starke Abrieb des Papyrus scheint nicht sicher erkennen zu lassen, ob Θε(μίστου) hier tatsächlich abgekürzt war; vom Platz her wäre ebenso gut die ausgeschriebene Form vertretbar. Das Präskript Θεμίστου καὶ Πολ(έμωνος) in Z. 1 f. bietet immerhin beide Formen nebeneinander. Da zu Anfang 13 Buchstaben und damit etwas mehr verloren gingen als in den folgenden Zeilen, mag der Beginn des Statthalterbriefes in Ekthesis geschrieben gewesen sein.

    8 Die vom Präfekten erwähnte Information zu 'den unten genannten Personen' kann höchstens noch von einer dritten Person ausgegangen sein, die dann zu Beginn von Z. 9 genannt gewesen sein müßte, keinesfalls aber von ihm selbst. Wie in P.Berl.Leihg. II 46.3 ff. liegt vermutlich jedoch auch hier die Antwort auf ein entsprechendes Schreiben des Strategen vor. Aufzulösen wäre folglich οὓς ἐδήλ(ωσας), vgl. auch P.Berl.Leihg. II 46.5 f. οὓς γράφεις ἀναπεφευκέναι bzw. als Referat Z. 43 ff. ὥς (l. οὕς?) φησιν der Stratege ἀναπεφευκέναι. Zur Verwendung von δηλοῦν bei Informationen durch andere Amtsträger vgl. etwa die Einleitung des Edikts des M. Mettius Rufus P.Oxy. II 237 col. VIII.27–43 = M.Chr. 192 = Jur.Pap. 59 = Sel.Pap. II 219 = FIRA I 60 (1. oder 31. 10. 89), bes. Z. 28 ὁ ... στρατηγὸς [ἐ]δήλωσέν μοι; vgl. auch den Ersatzvorschlag für einen Liturgen P.Oxy. LX 4067.15 f. (ἀντὶ τοῦ δεῖνος) δηλωθέντος ἀνακεχω(ρηκέναι) (16. 1. 184); bes. P.Oxy. XII 1422.6 ff. mit der Antwort eines Strategen auf eine entsprechende Nachfrage seines Amtskollegen ὃν ἐδήλωσας [ἐγκεκλῆσθαι?] ὑ̣πὲρ ὑποδοχῆς δού[λου (Anf. 128).

    9 f. Am Anfang dieser beiden Zeilen wird man am ehesten – vermutlich in einer Partizipialkonstruktion – eine nähere Bestimmung zu den Umständen erwarten, unter denen die am Ende aufgeführten Personen geflohen waren. Da es sich bei den Geflüchteten, wie auch schon Daris in der Ed. pr. aufgrund des in Z. 9 erhaltenen Begriffes ἐγχειρίζεσθαι erkannte, höchstwahrscheinlich um Liturgen handelte, ließe sich etwa an eine Wendung [λειτουργίας τιν]ὰς τὰς ἐνχιρισθείσας αὐτοῖς | ἐκφυγόντας denken, wie sie von Sempronius Liberalis selbst in seinem großen Edikt SB XX 14662 = BGU I 372 = W.Chr. 19, 5 f. vom 28. 9. 158 belegt ist; schwache Reste des ε und vor allem des κ ließen sich sogar zu Beginn der Zeile noch erkennen. Da sonst zu Zeilenanfang ± 12 Buchstaben verloren gegangen sind (weswegen in Z. 9 vielleicht mit einem weiteren Iotazismus λιτουργίας zu rechnen ist), reicht dies freilich kaum aus, um die Lücke zu füllen. Indes ist auch die Lesung des folgenden ἀνακε[χ]ωρηκέναι keineswegs so sicher, wie die Ed. pr. es darstellt. Nach der beigegebenen Tav. VII sind vor allem Zweifel an dem vermeintlichen ν anzumelden, da in allen anderen Fällen die Längshaste von dem Querstrich gedeckt wird und außerdem nicht gebogen ist. Insofern sollte es sich hierbei eher um das zweite α und Teile des κ handeln; die Spuren zwischen den Löchern könnten zu einem erneut recht breit geschriebenen ε gehören, und vom χ scheint noch ein kleiner Rest unterhalb des rechten Loches sichtbar. Demnach sollte sich der größte Teil des ersten α jedoch noch in der Lücke befunden haben, so daß die folgenden Buchstabenreste lediglich als dessen Abstrich und als rudimentär erhaltenes ν zu deuten sind.

    10 Die Parallele in P.Berl.Leihg. II 46.4 ὡς ἠξίωσας sollte außer Zweifel stellen, daß auch hier auf ein Ersuchen des Strategen Bezug genommen ist. Zwar ist dieses Verb vor allem aus Anträgen von Privatpersonen an Behörden geläufig – erinnert sei nur an die entsprechenden Wendungen in Todes – oder Geburtsanzeigen, die regelmäßig mit den Worten schließen ἀξιῶ ταγῆναι τὸ τούτου ὄνομα ἐν τῇ τῶν ὁμοίων τάξει o.ä.; vgl. nur L. Casarico, Il controllo della popolazione nell'Egitto romano, 1. Le denunce di morte (C.P.Gr. II) (Azzate 1985) S. 17 f. bzw. A. Jördens, Komm. zu P.Bingen 105, 12 ff. zu den Geburtsanzeigen –, doch wurde dies offenkundig auch verwaltungsintern verwendet, wenn Amtsträger niedrigeren Ranges bei übergeordneten Stellen um bestimmtes Handeln, insbesondere Ermächtigungen nachsuchten. Entgegen der Ed. pr. ist die 1. Ps. Sg. hier schon deswegen nicht herzustellen, weil der Präfekt in einem solchen Fall gegenüber Untergebenen, wie erneut aus P.Berl.Leihg. II 46.6, 45 ersichtlich, stets κελεύειν verwendet; weitere Beispiele – um nur die frühesten zu nennen – etwa in BGU IV 1199 col. III.7 (4. 6. 4 v. Chr.); I.Hibis 1 = I.Prose 53 = SEG VIII 794 = OGIS II 665 = IGRR I 1262 = SB V 8248 = CIG III 4956.21 (7. 12. 48); SB XIV 11346.5 (41–54); I.Hibis 4 = I.Prose 57 = OGIS II 669 = IGRR I 1263 = SB V 8444.16, 21, 35, 41, [48], 53 (6. 7. 68); vgl. auch unten den Komm. zu Z. 11. Ob das Wort tatsächlich abgekürzt war oder die Endung vielleicht mit einem schmalen Papyrusstreifen am rechten Rand weggebrochen ist, ist nach dem beigegebenen Photo nicht zu entscheiden.

    11 Der Ed. pr. zufolge ist hier eine Partizipialendung ] ̣αμε̣ν̣ας zu erkennen, deren femininer Akk. Pl. freilich kaum einzuordnen ist; nach den Resten zweier Buchstaben und einer knappen Lücke folgt darauf, durch ein deutliches Spatium abgesetzt, bereits die Fristsetzung für die Geflüchteten. Dieser neue Gedanke kann allerdings nur mit einem sehr kurzen Wort eingeleitet worden sein, da entgegen der Ed. pr. in der Lücke außer dem ε von ἐ]ντός höchstens Platz für einen weiteren Buchstaben ist. Die vorhandenen Tintenspuren, vor allem die lange Haste am Wortbeginn deuten auf ein bloßes ἵν̣α̣, was eine weitere Stütze durch die analoge Formulierung in P.Berl.Leihg. II 46.6 f. ἐκέλευσα προγραφῆναι, ὅπως ἐντὸς ἡ̣[μ]ε̣ρ̣ῶν εἴκοσι κτλ. erhält. Betrachtet man daraufhin das erste, in starker Verschleifung geschriebene Wort noch einmal genauer, legt sich auch hier eine Lesung ]κ̣ελευϲαϲ nahe. Da der Abstrich am letzten Buchstaben kaum anders denn als ϲ zu deuten ist, hätten wir damit freilich nach wie vor ein Partizip und nicht das erwünschte Hauptverb vor uns. Angesichts der sonstigen Übereinstimmungen darf hier allerdings wohl mit einem Kopistenfehler gerechnet und also ἐ]κέλευσα{ς} hergestellt werden. Der zugehörige Infinitiv muß in diesem Fall vorausgegangen sein, ist folglich zu Beginn der Zeile anzusetzen; die nur sehr schwachen Buchstabenreste am linken Rand könnten durchaus zu dem erwarteten π̣ρ̣ο̣[γραφῆναι gehören.

    11 f. Nach den Beobachtungen von N. Litinas, "Official Deadlines in the Documentary Papyri of Roman Egypt," APF 45 (1999) 69–76, bes. S. 74 seien längere Fristsetzungen äußerst selten anzutreffen und zumal 50tägige Fristen bislang nirgends belegt, weswegen statt des von der Ed. pr. vorgeschlagenen πεν[τήκοντα vielmehr πέν[τε herzustellen sei. Für die Rückkehr Geflohener scheint dies allerdings kaum eine realistische Frist, wie denn auch in P.Berl.Leihg. II 46. 7, 45 hierfür 20 Tage eingeräumt werden. Ein mittlerer Ansatz, also πεν[τεκαίδεκα, dürfte demnach den Vorzug verdienen, so daß den Flüchtigen rund zwei bis drei Wochen Zeit zur Rückkehr verblieben. Obwohl in den Papyri für "fünfzehn" zumeist δεκαπέντε verwendet wird – vgl. nur 198 Belege gegenüber den 13 Beispielen für πεντεκαίδεκα nach PHI # 7 der DDBDP –, scheint in der Verwaltungssprache letzteres üblicher gewesen zu sein, und zwar gerade auch bei Fristsetzungen; vgl. etwa P.Oxy. XII 1408 = Sel.Pap. II 224.2, 8 (210–14); W.Chr. 73 = IGRR I 1356 = SB V 8534 = OGIS I 210 = CIG III 5069.7 (247/48); SB XVIII 13295 = ChLA XLI 1187.8 (298–300); P.Beatty Panop. 2.125 (15. 2. 300); allerdings δεκαπέντε in M.Chr. 87 = P.Lond. II 196 (S. 152 ff.).17 (um 141).

    12 f. Das in der Ed. pr. hergestellte ἔγραψα περιγινομένοις ... αὐτοῖς ergibt keinerlei Sinn, zumal das Partizip von περιγίγνομαι gewöhnlicherweise als Neutrum Plural für 'Erträge, Überschuß' begegnet und also kaum als Objekt zu ἔγραψα aufzufassen ist. Den Schlüssel bietet erneut die Parallele in P.Berl.Leihg. II 46 ὅπως ἐντὸς ἡ̣[μ]ε̣ρ̣ῶν εἴκοσι ἐνφανεῖς γενόμενοι ἐπὶ τῶν τόπων (Z. 7 f., vgl. auch Z. 45 f.), wonach auch hier vielmehr ] ἐνφανεῖς̣ γενόμε̣νοι ̣ ̣ ̣ ̣ ̣ zu lesen ist; zu der auch dort belegten Schreibung ἐνφανεῖς – zur Form des ν vgl. bereits den Komm. zu Z. 9 und bes. das große ν in Z. 13 ἐάν – F. Th. Gignac, A Grammar of the Greek Papyri of the Roman and Byzantine Periods, Vol. I: Phonology (Mailand 1976) S. 168 f. Entsprechende Erklärungen sind auch aus Liturgeneiden sowie –bürgschaften geläufig, vgl. bes. P.Oxy.Hels. 20 col. I.19 bzw. col. II.14 ff. mit Komm. Zu ersterem zuletzt auch P.Harr. II 193.15 ff. mit Komm.; zu letzterem ist inzwischen P.Oxy. LXI 4113.16 ff. (17. 12. 138) zu ergänzen; vgl. auch SB XXII 15494.7 f. (II./III. Jhdt.); zum Gegenteil etwa P.Oxy. LX 4060.9 ff. ἀφανεῖς γενόμενοι ἐκελεύσθησαν ὑπὸ Ο̣ὐ̣ολουσίου Μαικιανοῦ τοῦ λαμπροτάτου ἡγεμόνος ἀναζητεῖσθαι, ähnlich auch Z. 73, 103. Der Rest der Bestimmung bleibt unklar; möglicherweise wurde vor allem die Wiederaufnahme der ihnen übertragenen Tätigkeiten hervorgehoben.

    13 Der mit ἐὰν δέ beginnende Satz sollte bereits Regelungen für den Fall enthalten, daß die Geflüchteten endgültig nicht mehr zurückkehrten; vgl. auch P.Berl.Leihg. II 46.9 ff.

    14 Die aus der Ed. pr. übernommene Transkription ist an dem Photo auf Tav. VII nicht zweifelsfrei zu verifizieren.

    Daraus ergäbe sich folgende Rekonstruktion:

    [Σεμπρώνιος Λιβ]ελᾶρις Ὀνομάστῳ στρ(ατηγῷ) Θε[μ(ίστου)?] καὶ
    8 [Πολ(έμωνος) μερίδων χα]ίρειν. Τοὺς ὑπογεγρ(αμμένους), οὓς ἐδήλ(ωσας)
    [λειτουργίας τιν]ὰς τὰς ἐνχιρισθείσας αὐτοῖς
    ἐ̣κ̣[φυγόντας] ἀ̣ν̣ακε̣χ̣ωρηκέναι, ὡς ἠξίωσ(ας)
    π̣ρ̣ο̣[γραφῆναι ἐ]κέλευσα{ς}, ἵν̣α̣ [ἐ]ν̣τὸς ἡμ̣ερῶν
    12 πεν[τεκαίδεκα] ἐνφανεῖς̣ γενόμε̣νοι  ̣  ̣  ̣̣  ̣  ̣
    τα[      ± 10      ]  ̣των αὐτοῖς. Ἐὰν δὲ μηδὲ
    τα[      ± 10       ]  ̣  ̣ας ἵνα  ̣  ̣  ̣̣επιτ[  ̣  ̣  ̣]
    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
    7 l. Λιβερᾶλις    9 l. ἐγχειρισθείσας    12 l. ἐμφανεῖς

    Sempronius Liberalis dem Onomastos, Strategen der Themistu und Polemonos merides, Grüße. Die unten genannten Personen, die nach Deiner Auskunft verschiedene Liturgien, die ihnen übertragen worden waren, aufgegeben haben und geflohen sind, habe ich, wie Du wolltest, (öffentlich) auszuschreiben befohlen, damit sie innerhalb von fünfzehn Tagen wieder in Erscheinung treten und (sich der) ihnen (obliegenden Pflichten annehmen?). Wenn (sie) aber nicht einmal ...

    Notes

      1. H. Braunert, "Ἰδία. Studien zur Bevölkerungsgeschichte des ptolemäischen und römischen Ägypten," JJP 9–10 (1955/56) 211–328, bes. S. 267.return to text

      2. Vgl. SB XX 14662 = W.Chr. 19 = BGU II 372, bes. col. I, 3 ff.; zu den verschiedenen Ergänzungsmöglichkeiten der in Z. 4 bestehenden Lücke zuletzt S. Strassi Zaccaria, L'editto di M. Sempronius Liberalis (Triest 1988) bes. S. 56 f.return to text

      3. P.Berl.Leihg. II 46, mit den Texten (a) Z. 3–12; (b) und (c) Z. 13–23 bzw. 24–35; (d) Z. 36–38; (e) Z. 39 f. sowie (f) Z. 41–51.return to text

      4. Der Nachfolger Herakleides ist zugleich der erste Stratege, der zusätzlich zur Θεμίστου μερίς auch die Πολέμωνος μερίς verwaltete, was nach ihm für fast 120 Jahre die Regel werden sollte, vgl. zuletzt J. Whitehorne, Strategi and Royal Scribes of Roman Egypt (Str.R.Scr.2). Pap.Flor. XXXVII (Florenz 2006) S. 35, 39; bes. auch D. Hagedorn, "Der erste Stratege der vereinigten Themistes- (sic) und Polemon-Bezirke," ZPE 44 (1981) 137–140. Terminus ante quem für seinen Amtsantritt in der Themistu meris ist mit SB XVI 12504 col. II der 24.–28. 8. 136, während der bei Whitehorne, a.a.O. S. 35 genannte 17. 4. 136 nach den folgenden Ausführungen durch den 1. 4. als terminus post quem zu ersetzen sein dürfte. return to text

      5. Zu Verwechslungen gerade dieser beiden Monate vgl. etwa auch das Begleitschreiben zu den in die Patrika eingelieferten Amtstagebüchern des mendesischen Strategen P.Lips. I 123, die die Monate Mecheir, Phamenoth und Pharmuthi, genauer den Zeitraum vom 18. Dezember 135 bis zum 29. Februar 136 umfassen. Mit Ausnahme des Verso, wo tatsächlich ein Schreiberversehen vorliegt, handelt es sich sonst allerdings durchweg um Fehllesungen des Herausgebers, vgl. bereits BL I, 216.return to text

      6. Also 18. bzw. 22. Phamenoth = 14. und 18. März. return to text

      7. Vgl. nur P.Berl.Leihg. II 46.28 ff. ἀναφυγὼν σὺν αὐτῷ προεγράφη ἐπὶ τῶν τόπων σὺν τῷ Σώτᾳ. Ἐπὶ δὲ (l. ἐπεὶ) μέχρι τούτου οὐδὲ ἕτερος αὐτῶν ἐμφανὴς ἐγένετο, παρακαλῶ, κύριε, κελεῦσαι αὐτοὺς καὶ παρὰ σοὶ προγραφῆναι.return to text

      8. P.Oxy. LX 4060 (5./6. 161), bes. Z. 10 f. 71 ff. 84 ff. 99 ff.return to text

      9. Vgl. P.Oxy. LX 4060.37 f. 79 f. δηλοῦμεν μηδένα τῶν προγεγραμμένων διατρίβειν ἐν τοῖς ὑφ᾿ ἕκαστον ἡμῶν τόποις ἀλλὰ καὶ ἀγνοεῖν αὐτοὺς τῷ καθ᾿ ὅλου bzw. Z. 95. 119 δηλοῦμεν ὁμοίως.return to text

      10. P.Oxy. L 3571 (wohl 6. 11. [sic] 286).return to text

      11. So beim Wiederabdruck von P.Daris inv. 186 recto als SB XVI 12750, ed. S. Daris, "Lo stratego Onomastos," Aegyptus 63 (1983) 128–134.return to text

      12. Eine entsprechende Neuedition von SB XVI 12750, 7–14 vgl. unten in der Appendix.return to text

      13. So in dem Vortrag, den ich am 23. 1. 2002 unter dem Titel "Wanted: Chairemon, Sitologenschreiber, und andere Liturgen auf der Flucht" auf Einladung von Prof. Dr. D. Hagedorn am Institut für Papyrologie in Heidelberg gehalten habe. Den Diskussionsteilnehmern, insbesondere Dieter Hagedorn und Clemens Kuhs, mit dem ich mich des längeren über diese Fragen austauschen konnte, habe ich für Kommentare und Anregungen herzlich zu danken. return to text

      14. Wiewohl auch hierzu nur etwa ein halbes Dutzend einschlägiger Zeugnisse aus römischer Zeit erhalten ist, ist die Literatur zu dieser Frage sehr viel umfangreicher, worauf hier nicht im Detail einzugehen ist; hingewiesen sei immerhin auf das nach wie vor grundlegende Werk von H. Bellen, Studien zur Sklavenflucht im römischen Kaiserreich (Forsch. ant. Sklaverei 4) (Wiesbaden 1971) sowie die neuere, recht nützliche Zusammenfassung von S. Llewellyn, "The Government's Pursuit of Runaway Slaves," New Docs 8 (1997) 9–46.return to text

      15. So v.a. Bellen (wie vorige Anm.), S. 5 ff., bes. S. 10 ff.; zu abweichenden Deutungen zuletzt S. Llewellyn, "P.Harris I 62 and the Pursuit of Fugitive Slaves," ZPE 118 (1997) 245–250, bes. S. 245 f.; vgl. auch ders. (wie vorige Anm.), S. 26 f. return to text

      16. P.Harr. I 62 (1. 9. 150, mit BL III, 76; XI, 88); hierzu auch Llewellyn, op.cit. (o. Anm. 14), S. 29 f.; bes. ders. (wie vorige Anm.). Das Schreiben des busiritischen Strategen erscheint lediglich in dem auf dessen Amtsbereich verweisenden ἐκείνου τοῦ νομοῦ in Z. 11 abgeändert; hierzu auch Llewellyn, ebda. S. 250. Weniger überzeugend ist indes seine Vermutung, daß wir hier das an den oxyrhynchitischen Strategen weitergeleitete und dort öffentlich ausgehängte Exemplar vor uns haben, da die Verlautbarung eines für einen anderen Gau zuständigen Strategen im Oxyrhynchites keinerlei Relevanz besaß, seine Rolle insofern allenfalls die einer beliebigen 'Durchgangsstation' gewesen wäre. Vielmehr muß es sich hier um ein tatsächlich in der Kleinen Oase publiziertes und archiviertes Dokument handeln, das erst sekundär, also wohl nach seiner Makulierung, zur Zweitverwendung in den Oxyrhynchites gelangte.return to text

      17. P.Oxy. XII 1422 (Anf. 128).return to text

      18. Vgl. nur Daris, op.cit. (o. Anm. 11), S. 130 f.: "Dalle poche parole leggibili con una qualche sicurezza, risulta pressocché improbabile conoscere i contenuti della missiva prefettizia alla quale dovevano uniformarsi i funzionari locali; pare di intuire però che l'interesse principale della comunicazione vertesse sul mancato soddisfacimento degli obblighi liturgici da parte di alcuni individui che si erano sottratti con la fuga al proprio dovere. Di qui l'ordine, da parte del prefetto, di sanare la situazione entro precisi limiti di tempo, forse entro cinquanta giorni dalla lettera stessa; alla inosservanza delle norme si provvedeva con ulteriori disposizioni." return to text