Die Moslim's in Bosnien-Hercegovina; ihre lebensweise,
Hangi, Antun, 1866-1909., Tausk, Hermann, tr.

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Page  [unnumbered] ANTON HMNQI S-LI DIE S LI MAo 'S IN BO5NIEN - HERCEGOUINA IMRE LEBENSWEISE, SITTEN UND GEBRMlUHE 8UTORII1ERTE U(BERSETZUNQG ON HERMANN TAUSK 5FRRRJEUO PRUCK UND UERLA/G UON DANIEL A. KAJON 1907.

Page  [unnumbered] ALLE RECHTE VORBEHALTEN.

Page  I VorredZ deS VerfasserS. Als ich vor zehn Jabren als Lehrer niach dein reizend gelegfenenl ilaglaj an der Bosna kam, tat s ich vor mir eine rieue, bis dahin vc~lliog unbekannte Welt auf. Bis dahin hatte ich einen Moslirn sozusagen gar nieht zu Gesiehte bekommeni. nun solite ich untcr ihnen. leben. und ihre Kinder unterrichten. Dank dern freundlichen Entgegenkommen der Mitglieder der sehr angesehenen Begfarnilie U ze i rb e g o vi ffhiite ich mich unter den neuen Verhaitnissen b:,ldd heimisch und lernte die dortigen Moslirns wegen ihrer gernissigten Lebensweise und wegen ihrer Ebrenhaftigkeit und Aufrichltiotkeit sc~hatzen und (aehten. In der Folge nach versehiedenen Gegyenden des Landes versetzt, urn dort den Lebrberuf auszutibei, so nach Livno, Bihac' und Banjaluka, Uiberzeugte ichi mich, dass die Moslims in. Bosnien. tberall gleich ehrlich und aufrichtig sind. Indern ich mit ihiuen geselligen. Verkehr unterhielt und. in ihren lliusern Einlass fand, lernte ich sic, immer inaher kennen, so dass ich nun daran zu gehen vermag, ihre Lebensweise und Gewohnheiten wenigstens in den Hauputzgen niedersebreiben zu dtirfen. Ich widme, dieses Buc~h ihnen und meinen Landsleuteu in Kroatien. JIm vorliegenden Werke babe ich Alles verzeichnet, was ich (lurch zehn Jahre h6rte uiid sah, oder von verlasslichen Personen erfuhr. Blos bei der Besebreibung der Kaaba-Bejtullah hielt ich mich an Edbem Riza und dessen.Beschreibung, und betreffs der Darstellung des F'lirtens unter jungen Lenten versehiedenen Gesehicebtes (Avsikovanje) und der Brautwerbung bediente ich mich teilweise der darauf beztiglichen Arbeit des j ungen Beg Kuliin o v i, welehe in der Ausgabe der SUdslavischen. Akademie in Zagreb (Agram) im Buche "Zbornik za narodni zvivot i obi~aje juz~nih Slavena" (Kompendium des Volkslebens und der Gewohuheiten der Sudslaven) gedruckt ersehienen ist.

Page  II iv Unter denjenigen, die mir das meiste Materiale fur mcin Work lieferten, muss ich ganz besonders die alto Frau Baranovica in Bihac, eine Muhamedanerin, nennen die einon lcbhaften Verkehr in moslimischen Hausern aller Gesellsehaftschichten unterhalt. als Wahrsagerin gilt, die bbeschricenen" Kinder hoilt, bei Beschneidungen von Knaben und bei Hochzeitsfesten deii Hausfraucn aushilft und die Speisen zubercitet, ferner eine alte Katholikin, die als cltcrnlose Waise yon acht Jabren in einer der vornelmsten Begfamilien in Banjaluka Aufnahme fand und hier ihr ganzes Leben verbrachte. Von diesen beiden Frauen erfuhr ieh Details fiber die Kindheit, das Liebesleben, die Ehe und die Totenbrauche, dass ich mich bewogen fahle, ihnen an dieser Stelle zu danken. Ferner gingen mir beim Sammeln des Materiales meine frulheren Schultr an der Handelssehule in Banjaluka, Muhamed Hodzi(c und Selim Ali6 sehr an die Hand, welehe weibliche Verwandto besitzen, die sehr viele schone Haremslieder kennenl und mir dieselben aufschrieben. Auch ihnen sei hier der beste Dank gesagt. Uber den das religio3se Loben behandelndcn Teil dieses Bnchcs belehrten mich bereitwilligst befreundetO Hodzas in Bihac und Banjaluka, die jedoch nicht wunschen, dass ibre Namen genannt werden.. Die obigen Worte habe ich der im Novemb)er 1891.) erschicnenen ersten Auflage dieses meines Buches vorangTestzt, die bereils vollkommen vergriffen wurde. Um dem Dranigeli der Leser, welehe das Buch zu besitzen wiinschen, zu enlsprochen, habe ich mich dazu entschlossen, eine zweit e wesentlich erweiterte und verbesserte Auflage zu veranstalten und den Verlag derselben der strebsamen Buehhandlungsfiriiia Dan iel A. K aj on in Sa raj evo zu ubertragen. Bei der Zusammenstellung und Abfassung des Buches hatte ich vornehmilich den Zweek vor Augen, meiole Volksgenossell in Kroatien, Slavonien und Dalmnatien mit dem Leben und den Gewohnheiten der o nalihe stammverwandten Moslims in BosnienHercegovina bekannt zu machen, was umso notwcndiger crscheint,

Page  III V als sich diesbeztlglich namentlich in der Tagespresse vielfach ungenugende Kenntnis, ja sogar vOllige Unkenntnis kundgibt. Zum Sbhlusse sei der vcrchrten Direktioni dcs Laldcsmnuseurms fur Bosnien und die Hercegovina Dank gesagt fur die Bercitwilligkeit, mit welcher dieselbe durch freundliche Uberlassung zahlreicher Clichis es ermoglichte, dieses Buch durch niannigfachen und nach dem Leben angefertigten Bilderschmuck zu vcrvollstandigen und interessanter zu gestalten. Sarajevo, im Oktober 1906. Der Verfasser. Vorrede des Ubersetzers. Uber die Moslims in Bosnien und der Hercegovina sind in europaischen Landen auch heutc noch vielfach falsche, unklare und irrige Ansichten verbreitet. Aus Grunden, deren Erorterung an dieser Stelle unzulassig erscheint, hat man die Moslims uns schon in der Schule als Element dargestellt, das sich in den Rahmcn der europaischen VWlkerfamilie nur schwer oder gar nicht cinzufttgen vermag. Dadurch wurde auch in den gebildeten Krcisen cin vollig unbcgriUndetes und unbercchtigtes Vorurtcil grossgezogeni welches der auf ihre sonstige Vorurteilslosigkeit so stolzen westlandischen Intclligcnz nicht wurdig ist. Das crwahnlte Vorurtcil hcrrscht jedoch nicht bios in dcm vom Wohnsitze der bosnischen Moslims raumlich entfernten, durch Vcrschiedenheit der Abstammung und Sprache doppelt fremden Europa, es bcstcht wic der Herr Verfasscr dieses Buclics in scincr Vorrede zugcsteht, sogar in dem nach Sprache, Abstammung und Nationalitat fast idcntischen, tiberdies mit Bosnien raumlich zusammenhaingenden Kroaticn. Der Herr Vcrfasser hat das Seine getan, um das Vorurteil bci seinen Volksgenossen zu zerstreuen. Als genaucr Kenncr des moslimischen Lebens hat cr dies in kroatischer Sprache bcschricbcn und damit cine fuhlbare Luickc rfolgrcich ausgeftillt.

Page  IV VI Aber die Moslims in IBosnien-Hercegovina verdienen es reichlich, dass man auch anderswo Ober sie gerccht urteile. Urn die s zu erm~oglichen, intissen weitere Kreise mit ihrer Lebensweise, ihren Sitten und Gewohtiieiten, in denen sich der Charakter dieses Volkes spieg-elt, bekannt g'emaeht werden. Seit mehr als anderthaib Dczcnnien im Lande und in fortwalbrendem Kontakte mit diesem. wackeren Volke babe ich dcr Aufforderung des Verfassers und der Verlagsfirma, das Buch des Herrn H an gi dem, deutschlesenden Publikum, dureb eine tVbersetzung z uglanglich zu rnaeheni, bereitwillig entsprochen, tiberzeugt, damit der V63lkerkunde einen gutgemeinten, wenn auch vielleicht unwesentlichen Dienst erwiesen zu haben. 1db war bestrebt, bei Abfassang der tCbersetzung das Lokalkolorit des Originales tunlichst zu wahren. Schwierigkeiten ergaben sieh bios bei der Verdeutsehung der zahlreichen Volkslieder und Gesainge, deren eigeuartiger Rytbmus sich nieht leieht in deutseher Sprache wiedergeben lasst. In solchen Fifllen musstc freilich zur freien. tGbersetzung gegriffen werden, die jedoch die Eigenheiten. des Originales iingstlich zu vermittein. bestrebt ist. Weder das Original noeb die lubersetzung erheben Anspruch darauf etwas Anderes sein zu wollen, als eine e i n fa ehe B esehreibung und Aneinanderreihung von Sitten und Gebraucene, die seit Jahrhunderten in der besebriebenen. Weise g-etbt werden. Dies zur Erkliiruncg der vorhandenen ktinstierisehen Miingel. Die Belassung des kroatiseheii Originaltextes der im, Bubeh ver~ffentlichten Volkslieder gesehah au f besonderen Wu nsch des Verfassers. Sarajevo, April 1907. Der Ubtrsetz~r.

Page  V M. LLBLNWSI15L,

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Page  1 Die Moslims in Bosnien utid der Hercegovina sind slavischer Abstainmmun g. Naehdem das emnst ruminreicdie IK~nigreich Bosnien im Jahre 1463 unter osmanische llerrsehaft geratcn war. verliessen zahireiche Bosnier den Glauben ihrer Vater und Ubertraten zum Isl'am, zu dessen treuesten Anhiaigern sic noch lieute gclilhrenl. Weil sic ilhr Glaubensbekenntnis engre mit Jenen verknupfen, von welchen sic es anigeniommen haben, mit deni Ttirken, nennien sie sich selbst gerne Ttirken und ilire Religion die ttirkische.,,Bei ineinem tiirkischen Glauben" ist eine gew~hnliehe Beteueruiigsftormel. bei den Moslims. Bei wichtigen Anlassen fragt Einer den Andercn: ~Was ist gesehehien? Sprich. wenn du en rTurke bist!a,Stehe Rede, wvenn du cmn Tiirke bist!"...Frag-t Einer urn Rat.oder aussert er eine Bitte an einen Glaubensgenosseni, so gesehielit -es mit dcii Worten:,Was soil ich tuni? Rate, weiin du emn Turke bist!"..,HIIilf, wenn du ein Tiirke bist!-" Das vaterlandisehe Gefflhl ist bei den Moslims auch heute noeh in Bosniien-Herceg-ovina, schwach entwickelt. Das Hauptgewicht wird auf das relig-i~se Moment gelegt. So batten sic bis zur neuesten Zeit, bis zur Okkupation, keine Kenntnis davon, welcher Nafionalitat sie angehi~ren. Die Begs, angesehenen Agas und die Gebildeten unter jinen erkiaren sich als Bosnier und bezeiclinen ihre Sprache als die kroatische, die grosse Masse des Volkes bat jedoch noch heute kein Verstandnis hiefiir. Ausser den bodenstcandigen Moslims gibt es in BosnienHercegovina audi Nach~kommen echter Osmanen, deren Ahnen sich nach dem Falle des bosniseheni Kunigreiehes zumeist als Beamte.

Page  2 -2 Handwerker oder Kaufleute hier angesiedelt haben. Diese Eingewanderten und ihre Naehkommen nennt das Volk,,Turkusche", um damit den Unterschied zwischen ihnen und den eingebornen Moslims zu kennzeichnen. Echter,,Turkusehe" von reinbltitiger osmainischer Abstammung gibt es heute in Bosnieni-Hercegovina nur s ~hr wenige. D urch vicrhu ndertjahrigen Verkehr u nd Eheschliessu ngen mit Einheimischen erlernten sie die Landessprachc, nahmen die Sitten des Volkes an, verloren Jt5 ii ii allinahlich ihren urspruinglichen Charakter und erhielten einen i cuene, rein slavischen Typus. '. t Der bosnische Moslim ist 7:i'. zumeist ein hochgewachsener,; * ' ": breitschultri, er, muskelkraftig er Mann. Er ist stolz wie das ~: Lanld' ill welchem er geboren und erzogen wurde. Dieser Stolz spiegelt sich in seinem Gange, in seinem Blicke, er sitzt auf seiner hohen Stirne. Das Volkslied charakterisiert ihn in folgender Weise:,,Ja kakav je Suljo barjaktare, Tainka stasa, rumena obraza, Crna oka kano u hajduka, A pleda mu Aira od arsina. (Wie stattlich ist Suljo, der Fahn entrager, Schlank von Gestalt, ger5tet von Antlitz, Schwarzaugig wie ein Hajduk, Mit S llultern mehr als ellenbreit. Der bosnische Moslim ist Altbosnische Tracht dier adeligen Moslilns mit massi in Speise und Trank, ei reicher Silber-, Gold- und Seidenstickerei. zidrtlichlier Gatte uiid ausgezcichn *) Bosna ponosna -- Das,Stolze Bosnien", nennt der Bosnier von altersher sein Land.

Page  3 .- 3 neter Familienvater. Er ist ehrlich und vcrlasslich, gastfreundlich und zuvorkommend. Einem aufrichtigen und verlasslichen Freunde ist er treu bis zum lcetzten Atemzuge. Den Feind hasst er und verzeiht angetanc Beleidigungen nur schwer. Er halt sich an das arabische Sprichwort, welches lautet:,,Der abgeschossene Pfeil kehrt nicht mehr zuruck"

Page  4 - 4 CD CD CD CD ccl CD N CD S C-T CD CD CDCD CD CD CD CD CD CD CD 1" - x, I r ~ st ~~~~r ~~W,. ` ~: " 1. i, r. ~;J-:i "" il~;:.~~ "ffS,;,~;. Al "I

Page  5 _ _ Der bosnische Moslim ist ein Freund der Jagd ulld ritterlicher Uburngen. B3osnien ist das einzige Land ii Europa. in welchein sich die Falkenbeize bis auf die Jetztzeit erhalten hat, wenn auch dieser rittcrliche Sport bereits zu verfallen beginnt. Die Falkenjagd pflegen bloss noch die adeligen Familien der Uzeirbegovice in Maglaj an der Bosna, der Sirbegoviee und der Smailbegovi6e in Tesanj. Treffliche Jagdfalken werden im Ozrengebige gefangen und zur Jagd abgerichtet. Der Falke sitzt wailirend der Jagd auf der Faust der Jagers, den Kopf mit einer rotenI Kappe bedeckt. Erblickt der Jagcr ein geeignetes Wild, nimmt er dcm Falken die Kappe- ab, worauf der Vogel pfeilschnell die auserseliene Beute verfolgt? dieselbe erhasclht und seinem Herrn bringt. Der Falke jagt Wachtcln, Rebhtihncr und Sclinepfen, greift jedocli aucli gr6ssere Viogel an. Der Falke lernt seinen Herrn selir sclinell kcinen. Sclon nacl wenigcn Woclen der Abrichtung wird er zur Jagd verwendet und fliegt seinem Gebieter niclt melhr davon. Aucl der Habicht wird zur Jagd auf kleinere V6gel abgericlitet und benlttzt. Der Falke ist des Moslims Lieblingsvogel, derii er ist das Symbol der Ktiinheit und des Mutes. Die Tapferkeit des Mannes wird nicht nur im Volksliede, solldern aucll im gewihnlichlen Gesprach mit der des Falken vergliclen. Will der Moslim cine besondere Schnelligkeit bezeichnen, so sagt er,sclhnell wic ein Falkc'. Der Held ist ilm nicht nur tapfer wie dieser Vogel, er hat auch ein Falkenauge. Der Freund nennt seinen Freund schmeihellnd..mein Falke". Auch Vater und Mutter nennen ihr S3hinchen liebkosend,,mein kleincr Falke". Im Volksliede spielt der Falke naicst der Sclwalbe die Rolle des Liebesboten: Beg Mustaj-beg ikindiju klanja, Siv mu soko na ramena sjeda, Iz kljuna mu listak knjigu hiti. (Mustaj Beg betet die Ikindija, Eiii grauer Falke setzt sich auf die Schulter ihm, Mit dem Schnabel reicht er ihm ein Briefchen). Die Madchen vergleichen sich mit einer Wachtel, ihren Liebsten mit einem Falken:

Page  6 -- 6-,,Pripelica jeste za sokola, Za Rizvana ovaka divojka'. (Dem Falken gehirt die Wachtel, Rizvan braucht ein solches MIdchen.) Die bosnischen Moslims sind ein Agrikulturvolk und sehr hauslich veranlagt. Mit grosser Liebe hangen sie an der von den Vatern ererbten Scholle und trennen sich nur schwer von derselben. Ein Verkauf von Grundstiicken geschielit nur aus hichster, iusserster Not. Die U-sache der bisherigen Verkaufe und in friheren Jahren ziemlich haufiger Auswanderungen nach Asien liegt darin (lass die leichtglaubigen Leute von Elementen, die in den Besitz der moslimischen Liegenschaften gelangen wollten, auszuwandern tiberredet wurden. Als die Moslims jedoch hinter die Absicht ihrer sogenannten Freunde kamen, hlrte die Auswanderung wie mit einem Schlage auf. Die Hingebung der bosnisehen Moslims an ihre Religioi ist bei alldlren Vilkern kaum anzutreffen. Sie leben und sterben fur den Glauben, lichts kann sie derart beleidigen, als eineVerletzung ihrer religiosen Gefuhle. Sic vertrauen auf Gott, den,grossen Allahl und sind bereit 'olterqualen zu erdulden und ihren ganzen Besitz in die Schanze zu schlagen fur Dinge, die ihncnl heilig sind. Der Glaube lehrt (lde Moslim, dass Alles, was auf dieser Welt geschieht, von Gott so verftigt wurde. Darum crtrdigt er gleilhmiitig Gutes und B;ses, denn er ist tiberzeugt, dass Beides voi) Gott im V\orauis bestimmt sei. Die bosnischen Moslims sind ein Herrenvolk, von der Uberzeugung durchdrungen, dass sie zum Befehlen. alle Anderen zum Gehorcheii gesebaffen sind. Dieser Uberzeugung passen sie auch ihr Betragen an. Der Moslim ist immer ruhig und wurdevoll, er spricht wenig und a(lltet strenge darauf, nilht Etwas zu sagen, was eines Menschen in hi;hercr Stellung unwiirdig, ware. Selten, und das auch erst in den letzten Jahren, hirt man, aberauch nur den gemeinsten Moslim, gotteslasterlich fluchen. wie dies bei der nichtislamitischeln Mehrzahl der Bevulkerung firmlich Volksbrauch ist.Der Moslim hasst und verachtet diejenigen, die Gott lastern und begreift es nicht, wie Gott seine Lasterer nicht auf (ler Stelle mit scinem Blitzc

Page  7 -7 - verniclitet. In einem Eisenbahnabteil, unter dessen Passagicren sich ein bosnischer Moslim befand, entstand ein Streit zwischen dem Schaffner und einem sich zu den intelligenten Volksklassen zahlenden Reisenden, im dessen Verlaufe der letztere den,Gott des Schaffners" beschimpfte*). Der Moslim sprach hierauf mit ruhiger Wtirde:,Gott hat dir den Mund gegeben, auf dass du ihn lobest, du aber lasterst ihn. Das ist eine Schmach!" Beschaimt von den Worten des einfachen,unglaubigen", Moslim schwieg der robe,Intelligente." Ein hauptsachlicher Charakterzug des bosnischen Moslims ist sein Festhalten am gegebenen Worte, das er unter allen, auch unter schwierigen Verhaltnissen zu erftillen bestrebt ist. Die Luge ist ihm ein Grauel, der Diebstal eine uberaus seltene Erscheinung...l..,,e.,. ~,.. ',............................ Ceif — Keif. *) LandesUblicher Fluch, wegen seines aussert rliden Inhaltes unubersetzbar

Page  8 - 8 Der Sebreiber dieser Zeilen hat jabrelaug in Sarajevo in einem fast aussebliesslich von Moslims bewiohnteni Viertel gewohult und daE; Haustor nachts nicht abgesperrt. Es war unn~itig. Der Moslim. neigt mehr zu. einem besehauliehen Leben als zum, Nachdenken und zu. Geistesanstrengungen.I Besonders die Bejahrteren und Wohihabenderen, welehe von keinen Sorgen urn die Existenz gedriiekt sind, sind ernst und wie in Gedanken urn eine fernliegende, unbestimmte Jdee versunken. Manche von ihnenl vermi)gen stundenlang am U~fer eines Baches zu sitzen und dern Ilupfen der Wellen zti folgen, ohne emn Wort zu. sprechen. Ebenso vermL~gen sie bei einer Pfeife Tabak, einer guten. Zig-arette, ganze Nachrnittage im. Sehatteii einos breitiistigen Baumes Zn sitzen, den Vogelfiug oder die vein Winde gejagten Wolken Zn beobachten, ohne dabei an iro-end Etwas zu denken oder zu empfinden. Das ist der sogenann~te..e~ff Ke~ff= Dolce far niente. Den,.decff kennt ausser den Moslims vielleieht kein anderes, Volk der Welt. So wie der,,Esprit" als Eigentiimliehkeit der iFrainzosen, gilt der,,deff' als Eigrentamlichikeit der Moslims. Nur dass unter ",Esprit." etwas Lebendiges, Bewvegliches verstanden wird, wAbrend der,,eY'ff das gerade. Gegenteil davon bedeutet, namlich unbedingte Rube des Kiirpers und Geistes. Dec- Moslirn definiert dieses Gefuthl folgrend: Oeff-' ist, wenin du dich v~3llig in das Reich der Endlosigkeit autschwingst, far einen Auge nbick. vergissest, das du atmest, Kaffee sclhiirf-st oder eine Zigarrette ratielist. Dag Wothat jedoch auch eine andere Bedeutuno, ilii e icv sic jubeo". Haufig- hbrt man auf die Frage,,Warum hast du Dieses, oder Jenes getan'?" die Antwort:,,Es war nach meinem Oe~f". (So hat es mir gefallen), oder:,,Es war nicht nach meinem,,6eff"', (Ich mochte einfach nicht). Ist der Moslim. unterwegs, blickt er immer vor sich hin, bleibt niclit steheni und sieht sich nicht urn. Irn IKaffeebause und bei geselligen Zusammenktiniten (sijelo) berrscbt bedlichtige Ruhe. In ibren Versammiungen gibt es weder Larm noch Geschrei, die Gesprache werden ruhig und ernst geftihrt. Auch das Auseinandergehen gfeschieht in vollster Ruhe, ohne Larnm. Die Moslims sind emn h~ichst konservatives, alien Neuerungen abboldes Element. Dieser Konservativismus war die Ursache, dass

Page  9 -9 - sich die bosniischen und hercegoviniseben Moslims imnmer alien R-eformen der Sultane widersetzten, sro dlass die Reformen in diesen IUiidern nur nach Clberwinidungy oft blutig-en Widerstandes eingefahirt werden konnuten. Eine typiseh-charaktei-istische Gestalt dieser konservativen Riclitung, spielte im ersten Drittel der XIX. Jahrhundertes noch eine bedeuteiidc Rolic und maclite das osrmanische Reich in sciuien Grunidfesten erbebeil. Es war dies der Fiihrer des stolzen bosnischen erbgesessenien Adels, der beldenhafte HusseinK'.apetan GradaS'evic', der im Volke iioch heute uiter der ruhmenden Bezeichnun~g.,Zmaj od Bosne", der,.Dr ache von tBosnien". erwahnt wird. Hussein.-Kapetan stelite sich ini Jahre 1 832 aii die Spitze des mit dein Neuerungen des Sultans Mahmud II. unzufriedenen bosnischcn Adels, urn die,,alte Ordluong" mit den. Waffen in der Haind zu. verteidigetn. Erst nach harteii Kampfeii und infolge Verrates im eigenien. Lager wurde die Armee des -,,Drachein von Bosnien" in der Nathe vont Sarajevo endgiltig gesehiagen und Hussein Kapetan endete traurigy in der Verbannung. Den konservativen Neigungen der bosniisehen Moslims ist es auch zuzuschreibeni dass sic bis zum heutigen Tage im Verkehr unter sich noch die metrischen Masse unid Gewichte nicht aniwenden, sondein die Oka 1.28 kg. resp. 1.28 L als Gewiclits- nod Ilohimass, unid dcii Ar-sii, die alte ttirkischc Elle, als Langenmiass beriutzeii, ti-otzdcrn das metrisehe Sy-stem mift der Okkupation. im Jahrc 1 878 cingeftilirt wurde. Eiiie Oka enthalt vier Litra, eine Litra hunidert.,,Dram-'. Grt~ssere Gewichtsmnengcn berechneni sic nach Jovar", dem Inhalte ciner Tragticrlast. Emn Tovar fasst hiundert Oka. Vierhundert Dukaten wiegen einie Oka. Der,,Arsyin" enthalt 0.75 m, ciitspricht demnach der mittleren Schrittlange cines M-annes. Auch im Geidverkebre bentitztcu die Moslims vor der Emnfilhrung der Kronenwahruiig veraltete Benennunigen, die auch heute tcilweise noch im Schwungc sind. 'Sic rcchncii nach Grosehen, Para und Ak'a, feriier nach Zwanizigern, Talcrni, Marijas-. Zolota und Wizvlin. Als MiUnzeinheit gilt der Groschein, der in Bosnien sechzehn, in der Hercegovina zwanzig Heller 'wert ist. Zwei Heller gelten in Bosnicii ftunf, in der Hercegovina vier Para. Vier ileller haben die cinhecitliche Bezoichinung,,Marija~". Emn,Wizvlin"I gilt in

Page  10 - 10 - Bosiiien vieruiidzwainzig, in der Hereegoviria dreissig, Heller. Der Zwanzioger enthlt sechsundsechzig oder achtundsechzig Heller, der Taler vier Kronen. Mlosehee eines StUdtchens oder Marktfleekens. Die bosnischen Moslims erffillien ibre religiiisen Pffichten mit gr~5sstcr PiInkthliekeit. Ftlnfmal taiglieh wird die Mosehee besuclit. MVit Tageosanbrueh ersehallt der Rut des Muezzin zum Friihgebet,

Page  11 - II (Sabah), urn (lie Mittagstunde findet das Mittagsgebet statt, zwei Stun~den vor Son nen untergang der Nachmittag-sgottesdienst, (Ikindija), nach Sonnenuntergaiig das Abe udgebet, (Aksvar) und zwei Stuniden spater das Naehitgebet, (Jacija). Auf der Reiso oder wenn er niclht zur Mosohee kann, uin seine Andaoht zu verrichten, betet der Moslrn dort, wo ihn die Gebotzoit antrifft, auch in der Fronide und miter And ersglaubigon. Er breitet ruhig seiiieii Gebettoppich, (Sordz-ada), den or immer mitftihrt, auf dern Boden aus, wendet das Antlitz in der Richtting von Mekka, vorgisst an allos Weitlibeo, blickt weder nach rechts, noch naeh links,7 sondern botet zu seiiiom lieben Allah (Gott). Wabrend die Manner Hibre Andaeht in der Mosehee verrichten, beten die Frauen, T~chter und kicinoron Kinder -zu Hause, denii den Frauen ist der Besueh der Mosoheen irn Allgemneinen vorboten. '' Sie haben zu denselben bios an gewvissen. Tagon Zutritt. namnenthlih wahroiid des Fastenmonates,. Ramazan", wo sie die Predigt anh~ireni. Beirn Betreten der Mosohee beriffhrt der Moslim die Oliren mit deii Daumeii zurn Zeichen, daso u otih ig ln und taub gc~worden soi und tritt dann vor den Mlihrab, den Altar.

Page  12 - 12 - Za ihm gesellt sich eini zweiter und. dritter, bis, die Reihe yoll ist. Hinter der ersten Reihe stellt sich die zweite, dritte u. s. w. auf. Der Abstand zwisehen den Reihen muss so gross sein, dass die Betenden einander bei den gottesdlienstliehenl Ki~rperbeugungen uiebt hinderlich sind. Der Jelistliche der Mosehee, der ein Hodz'a, Imam oder MIufti ist, steilt sich vor die Glaubigeii hin und dlie Dova, das Vorhof und Eingang zur Begrova Moschee in Sarajevo. Vor der Mlosehee sieht man den Springbrunnen und die Wasserleitung zur Abdestnahme. Gebet. beginnt. Vor Beginn des Gebetes und wahrend. desselben herrscht heilige Stille, Nieman d sprichit, laeht oder dreht sich urn. Auf emn Wort des Vorbeters beugen sich Alle, knieen. nieder und. berlibren den. Boden. mit der Stiriie. Dann~ stehen sie auf, urn die Prozedur wiederholt vorzunehmeti und zwar beim Morgengebet,

Page  13 --- 13 - Sabah, viermal, zu. Mittag zehnmal, beim. N~achmittagsgebet, Ikindija, achtmal und beim. Naehtgebet, Jacija, dreizehnmal. Walirend der ganzen Dauer des Gottesdienstes h~5rt man in der Mosehee keinen anderen Laut, als den Gesang des HodZ~a vor dem. Altar und des Muezzin auf dem. Chor, (Mahfil), (das Rausehen der Kleider Und das Knacken der Gelenke der Betenden, nebst einzelnien frommen Senufzern. Nach BeendigUng des Gebetes wird die Mosehee ebenfalls in der gri3ssten Ruhie verlassen. Erst in einiger Entfernung von der Mosehee und inach Verrichtung eines Gebetes f~r das Seelenheil Verstorbener, begin nen die Gesprache. Die Mosehee betritt der Moslim. entweder barfuss,7 in Strfimpfen,,oder in weichen Schuhen, (Mestve). Wohihabendere und hervorragende Moslims, namentlich die Begs und Agas, tragen Doppelschuhe, die Alten leicht abstreilbare, unf~rmige,Jemenije", die junge Welt trag-t Gummisehuhe. Vor dem. Eintreten in die Mosehee werden die tUbersehube abgestreift und vor der Pforte zurtickgelassen. Vor dem. Gebete verrichtet der Moslim. die rituelle Wasehung, Abdest oder Avdest. Diese besteht darin, dass er das Gesicht, deii Hals, den Mund, die Hande and die FRisse waseht, urn rein vor seinem. Gott zii erseheineni. Deshalb werden die Moseheen zumeist in der Nahe von Quellen, Bachen und FlUssen errichtet. Wo dies niecht m~iglich ist, wird das Wasser in Rtohren oft aus grossen lEatfernungen zugeleitet. Ist kein Wasser zur Hand, urn den Abdest zu -verriehten, muss es der Moslim. suclien. Findet er trotz aller Bemuhungen keines, beruhrt er den Boden, oder welin er sich in,der Wa~ste befindet, den Sand mit der Hand und ffihrt mit den Ha~nden die Bewegungen. des Wasehens der vorgesehriebeneii K~rperteile aus, wahrend er die beim. wirkliehen Waschen' vorgeschriebenen Gebete hersagt. Die.,trockene" Wasehung, Tejemmlum, hesitzt den Wert der nassen, wirklichen. Alle Moseheen in. Bosnien sind nach dern Vorbilde der Aja Sofia in Konstantinopel gebaut. In den D~5rfern und kleineren Orten sind die Moscheen naturgemiiss unanselinlieb, vielfach aus Holz gebaut. Sowohl, innerlich wie ausserlich sind sie bi~chst einfach.

Page  14 - 14 Neben den Moseheen befinden sich hohe, schmale und runde Minarets, von deren H5he die Muezzins die Glaubigen zum Gebete aufrufen. Ausser an der Wand angebrachten Illschriften, aus Koranversen bestehend, gibt es in keiner Moschee Bilder oder sonstiges Zierat. Sammtliche Moscheen sind gen Osten, nach Mekka gerichtet. In der gegen Mekka gerichtcten Hauptwand ist eine schmale, erhjhte Vertiefung in Form einer Nisehe angebracht, der,,Mihrab", wo der Vorbeter seinen Platz hat. Links vom Mihrab ist der,Kjurs", die Kanzel fur den predigenden Hodza, rechts der,,Mimber', wo jeden Freitag fir den Chalifen, dem geistlichen Oberhaupte der Moslims, und am 18. August, demGeburtstage des Kaisers und K5nigs, Gebete verrichtet werden. Einen,,Mlimber" besitzen nur jene Moscheen, die hieftir eine bosondere Erlaubnis des Sultans, einen,Berat", erhielten. Ausser dem Gebete fur den Sultan wird auf dem Mimber an jedem Freitag wahrend des Mittagsgottesdienstes vor dem allgemeinen Gebete das Festgebet,,Hudba"' und der,,Dzumaj" verlesen, die sonst noch blos je am ersten Tage des..grossen" und des Kurban-Bajram, diesen einzigen grossen Feiertagen des Islamabgehalten werden. In Moscheen, (lie den erwahnten,Berat" nicht besitzen, befilldet sich kein,,Mimber". Die Glaubigen bcsuchen an Tagen, wo,,Hudba' und,,Dzumaj" vorgeschrieben sind, solche Moscheen, die einen Berat haben. Alle iibrigen gottesdienstlichen Verrichtungen, namentlich die ftinf vorgeschriebenen Tagesgebete, konnen auch in den kleineren Moscheen abgehalten werden. Gegenuber;:em,,Mihrab" befindet sich der Chor, (Mahfil) von welchem der Muezzin wahrend des Gebetes dem Vorbeter antwortet. Der Fussboden der Moscheen ist in seiner ganzen Ausdehnung mit Teppichen belegt. Armere Moscheen ersetzen die Teppiche teilweise mit Rohrmatten. Der Teppich gehort tiberhaupt zu den beliebten, fast unentbehrlichen Einrichtungsstiuken einer moslimischen Wohnung. Man findetin Privathausern oft die herrlichsten Teppiche, wahre KabinetstUicke der Webekunst. Selbst das Haus der armeren Klasse entbehrt dieses beliebten Schmuckes nicht. Offenbar verbreitete sich der Gebrauch der Teppiche nach Bosnien mit dem Islam aus dem Orient, denn der Teppich ist fur den Moslim ein unerlassliches Utensil beim Gebete. Deshalb hat sich

Page  15 Teppichweberei.

Page  16 - 16 - die Teppichwebekunst in von Anhangern des Islams bewohnten Landern zu ihrer grosseh Hijhe aufgeschwungen und sich aueh in Bosnien und der Hercegovina als Hausindustrie schr verbreitet. Die Fcrtigkeit der bosnischen Frauen unit Madchen im Weben kunstvoller Teppiche hat die bosnische Landesregicrung veranlasst, eine Teppichwebeschule zu errichten und dadurch dem Volke eine ergiebige Erwerbsquelle zu verschaffen. Die Produkte dieser. zu anerkannt hoher BItlte gela ngten Anstalt, habe, einen europaischen Ruf errungen und finden im Auslandc reiehen Absatz. So wie das moslimische Volk in seiner ilppigen Fantasie fiber die Entstehung fast aller Dorfer und Stadte Sagen dichtetet weiss es auch allerlei Sagenhaftes uiber die Erbauung der grosseren und schoneren Moseheen zu erzahlen. Die Erbauung der FerhadijaMosechee verherrlicht nicht nur eine Sage, sondern auch ein Volkslied. Das Letztere beruht auf teilweise tatsiachlichen Ereignissen, die Sage ist reine Ausgeburt der bunten Fantasie der Moslims. Das Tatsachliche am Volksliede ist das Folgende: Die FerhadijaMoschee in Banjaluka verdankt ihr Enstehen dem dortigen tiirkischen Gouverneur Ferhad Pascha. Dieser schlug im Jahre 1592 ein kaiserliches Heer unter General Auersperg, dessen Sohn Engelbert in die Gefangenschaft des Pascha geriet, der den Gefangenen gegen ein hohes Losegeld freiliess, gentigend, um die Kosten des Moscheebaues zu decken. Die Volkssage fugt hiezu: Als die Moschee erbaut war, fragte Ferhad Pascha den Baumeister Rade, ob or eine noch schonere Moschee zu erbauen im Stande ware. Rade antwortete. er konnte es, jedoch gegen bessere Belohnung. Ferhad Pascha war uiber die Antwort so aufgebracht, dass er Rade und seine Gehilfen ins Minaret einschloss und ihnen anktindigte, er werde sie nach drei Tagen hinrichten lassen. Aber Rade fand einen Weg zur Befreiung. Im Minaret fand er Bretter aus Lindenholz, die vom Bau ubriggeblieben waren. Hieraus verfertigte er fir sich und seine Genossen Fliigel und am Morgen das dritten Tages machten sich die Haftlinge auf den Weg durch die Ltfte. Rade flog uber den Fluss Vrbas bis zu dem Orte, wo das Dorf Rebrovac steht. Hier fiel er zu Boden und brach eine Rippe, woher das Dorf seien Namen erhielt. (Rebro -- Rippe). Seine Gefahrten landeten

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Page  17 - 17 - an anderen Orten, Pavo in Paviovac, Simun in Simi6. Ivan iir Ivanjska, Dragoje in Drago Blato, und nach ilinen. wurden spAter die Ortschaften benatiilt. In der Nahe griissei-er Moscbeen, iiamentlieh in Sarajevo, Banjaluka und Mostar, befinden sich Mausoleen (Turbe), welehe die sterbliehen Vberreste der Erbauer der betreffenden Gotteshatuser bergen. In diesen Mausoleen verrieliten an jedemn Freitag Softas (Theologen) und Hodzvas Gebete fdr das Seelenheil der dort Bestatteten. In gP~sseren Orten befindet sich neben den Hauptmoscheen,auch cin Uli-turm (Sahat kula), dessen Uhr die Zeit a' la Turka angibt. Wohi bei keinem Volke bat das Glaubenisbekentnis einent derart entseheidcnden Einfluss auf die aligemneine Denkweise, xvie bei den Moslims in Bosnien- und der Hereegovina. Der Glauhe ist ihnen die alleinige Riehtsehnur ini alien Lebetisverhaltnissen. Der Moslim glaubt an cinen. cinigen und einzig-en Gott, der alignadig und allbarmherzig ist, die Handlungen der Menseheni beurteilt und sic nach Vcrdienst belohnt oder bestraft. Gott hat Himmel und Erde ersehaffen,7 die Sonne, den Mond und die Sterne und Alles was sich auf diesen befindet. Es ist dem. Moslim, strenge untersagt, Bilder uryd Abbildung-en aus Gold, Silber, Holz oder Stein anzufertigen. damit das Volk sich nieht der Bilderanbetung hingebe. Die islamnitisehe Seh&pfungsgesehiehte lehnt sieb v4Llig an die mosaiseb-biblisehe an. Die ersten Menseheni waren der Profet Adam, (Adem pejgamber a,-lejhi selam -— Friede sci mit ihm*) und die selig-e Eva (hazreti Havva). Gott schuf den Menseben aus Erde und hauebte ibm eine unsterbliehe Seele cin Das Weib sehuf Gott aus der Rippe des Mannes. Deshaib miuss das Weib dem. Manne ergeben und untertan scmt. Ausser den Mensehen sehuf Gott auch viele Engel (Meleki), deren oberster Dzvebrail (Gabriel) ist, der Bevehlshaber von Sonne und Mond. Er braehite die beiligen Buceher *)Bei ErwAhnung des Namens eines Profeten vergisst der Moslim nie hinzuzufogeri: Alejhi selarn, Friede sei mit ihm. Blos hei Erwiihnung Muhammeds wird gesagt: Alejhi selam veselam! als Auisdruck hoehster Ehrerhietung.;4 2

Page  18 - 18 - -vom. Himnmel auf die Erde und tibergab sic den Profeten. Der zweite Engel ist Mikail (Michael), der nach dem Willen Gottes den Regen niederfallen lasst. Der dritte ist Jzrafil (Rafael) Gebieter der Winde und der vierte Azrail, der die Seelen der Verstorbenen iibernimmt. Jedem. Mensehen stehien zwei Engel zur Seite. Der eine sitzt; auf seiner reehten, der andere auf seiner linken Schulter. Der zur rechteu verzeichnet die guten, der andere die bdsen Taten. Die Engel beschfltzen. den Mensehen vor allem. Thsen. Emn HaremsVolkslied erzahlt, wie emn Vater seine unschuldig angeklagte Toebter dreimal voin Turme seiner Burg hinabwarf. urn zu sehen ob sie sehuldig sei oder nielit..,Uze Tidz'u za bijelu ruku Pa je baca niz visoku kulu,-. (Er fasste Tidz'a (HatidZ"a) an der weissen Hand, Sehleudert sic hinab vom hohien Turme). Aber jedesmal finigen sie ihre Sehutzengel mit (den Handen auf'. und es wurde ihr kein Schaden zugeftigt..,Hatidzvu Su melec'i 6uvali., Ne sloniila nii noge, ni rake". (Hatidz'a beselhUtzten die Engel. Sie brach weder Arm noch Bein.) Deir Moslim. glaubt jedoch nicht nur an gute, er glaubt aueh aa biise Geister, ~ejtane (Satan). Als Gott die ersten Mensehen ersehaffen. hatte, befalil er den Engein, sic zu begrUssen. und fils, ihinen, den Engeln, gleichgestellte Geschipfe Gottes zu betrachten. Alle Engel gehorchten dem g~ittliehen. Befehie, nur ibr Oberhaupt Iblis, v erweigerte den Gehorsam. Er sagte:,,Wie vermag das, Lichit sich vor der Erde zu. beugen? Deshalb verfluchte Gott den Iblis und gab ihin viele Kinder. Diese, Kinder sind die b~3sen (leister (Sejtani, Djavoli), welehe zur Erde berabsteigen und die Mlenscben zum Bdsen verleiten. Von Iblis und semnen Kindern stamint demnach das Bi~se in der Welt. Die Religion hat Gott den Mensehen durch seine Profeten (Pej gamber) verliehen, deren es urn Gan zen einrnalhu ndertvieru nd zwanzigtausend gibt. Die hervorragen dsten sind: Adem Pejgamber Adam), dem der Engel Dzvebrail zehn Gebote Gottes (Suhuf) vom

Page  19 - 19 - I1immel herabbrachte. Der zweitc ist Ibrahim Pejgainber (Abraham), der ebenfalls zehn Gebote erhielt. Hierauf folgen Musa PIjgamber (Moses), dem Gott durch den Engel Dzebrail das Buch der Gesetze (Tevrat, Thora) tiberschickte. Nach ihm Daud Pejgamber (David), der das Buch.Zebur" (Psalmen) bekam, Isa Pejgamber, (Jesus) welchem das Buch,,lndzil" (Evangelium) zuteil wurde, bis endlich der gr;3sste der Profeten kam,Muhammed alejhi selatu veselam (mit dem Gottes Friede sein mige). welcher das Bueh,,Kur'an" erhielt. (,Kur'an" und nicht,,Koran" nennt der Moslim sein religiises Gesetz). Muhammed ist der wahre Abgesandte und Liebling Gottes, er brachte dell wahren Glauben und das wahre Gesetz Gottes auf diese Welt. Nach ihm wird kein Profet nehr erstehen bis zum Tage d,'s schrecklichen, hiechsten Gerichtes (Kijamet). Jeder Moslim ist verpflichtet, seinen Glauben nach Kraften u lter Andersgliubigen zu verbreiten. Wer fir den heiligen Glauben den T'od erleidet, gelangt in's Paradies (Dzennet). Der Islam lehrt scinen Glaubigen, dass ihnen Ort, Zeit und Art des Todes im Voraus bestimmt sei. Der Moslim geht darum heiteren Gemutes il\ vlie Schlacht und kampft mit tapferem Mute,denn er ist davon iiberzeugt, dass er sich in der Hand Gottes befindet, fallen werde, wenn ibm dies beschieden ist, und dass er, wen er fallt, in Paradiese aller jener Gentisse teilhaftig wird, die Gott den Rechtglaiubigen verheissen hat. Ist ibm jedoch dec Tod nicht beschieden dann werde er aus dem heftigsten Kugelregen mit heiler Haut hervorgehen. Aus ehrlicher Anhainglichkcit an ihren Glauben waren die Moslims in Bosnien-Hercegovina bestrebt, auch die Christen zu demselben zu bekehren. Weil diese jedoch dem Glauben ilrer Vater treu blieben, bestand in diesen Landern bis zur neuesten Zeit, bis zur Okkupation, ein stiller Glaubenshass und Religionskrieg zwischen Moslims und Christen. Es w-ar kein offener Kampf, es wurden bios auf beiden Seiten Gewalttaten und Gesetzwidrigkeiten verubt. Niemand war seines Lebens und Eigentums sicher. Trotzdem darf nicht behauptet werden, dass der Islam als Religion die Schuld daran trage. Der Islam wird wohl gewihnlich als intolerant dargestellt. Wer jedoch die Lehren dieses Glaubens *2

Page  20 - 2)0 - grundlieher kennen lernt, wird. sieb davon. uberzeugen, dass der Islam semnen Anhangern Liebe und Tolerarnz gegen die Bekenner anderer Religione n gebietet. Das Gebot Gottes ain seinen gr~5ssten Abgesandten Muhammed. beflehit, die Mensehhieit auf den Weg des wahren Glaubens nieht mit Gewvalt. nielit mit Feuer und. Sch-weit, wie dies vielfach irn Okzident behauptet -wird, sondern durch Weisheit, gute Ratsehlage und. freunidliehe Erimabnung zu ftihreii. Dass tier Islam an sich oegen andere Bekenntnisse tolerant ist, lehren zahireiche Ifiieher religio-sen Inhaltes (Kitab) und die, Gesehiehte selbst. Der Chalif von Bagdad, der Abbaside Mutevelil. Allah, hatte in seinem Reiche ftir Niecltmoslims an den Kleidern anzubrinigende Unterseheidu ngszeieheni eingefithrt. Dieses Gebot des Chalifen widerspraeh den JBestirmmungen des Religionsgesetzes. es wurde deshalb nieht nur von den Ulema. der obersten Geistlicbkeit, sondernl auch von den grebildeten Muslims weltijehen Standes verworfen. Unter seiniem Naehfolger Ebu Djaffer Mansuri, eirnem tfli htigen. Herrseher und gelehrten islamitisehen Theologen, wurden die Abzeiehen. auci sofort abgesebafft. D jafler erbaute in seiner Residenz mebirere jildisehe Teinpel und christliehe Kirehein und behandelte seine Untertanen eben im Sinne des Religionsgesetzes (Seheri., Seheriat) granz gleiehnizssig, ohlne sich urn ihr Glaubensbekenintnis zu kminmerii. Der bertihmteste Chalif von Bagdad, der sag-enberuihinte Harun Arrasehid, batte eillen Christlichen Leibarzt. Es sind auch Becispiele genug, bekannt, (lass Muslims ihre rein religii4sen Sehulen, die Mekjtebs,. von Christen reorganisieren liessen uiid gestatteten., dass diese in sozialen Wissenschaften Unterriclht erteilen. Das wtirde der' Islam nieihtgOestat~ten, wenn ihn der Vorwurf der Jntoleranz imit Berechtigung trafe. Das Scheriatsgesetz befiehlt den Moslims. gregen jeden Menschen oline Unitersehied. h~3flielli und tolerant zu seim. Eben auf Grund dieser Lelire gab es n1ielit nur im ottornanisehen Reiche, sondern auch in Bosniien rnehrere Pasehas unid Veziere, ferner andere hoehgestellte Beamte ('hristlichen oder jtidischen. Bekenntnisses, die im Staate und. am Hofe hjervorragende Stellen einnahmen ohne' zurn- Glaubensweehsel gezwungen worden zu sein. Man wird. gegen diese Behjauptungen vielleiehit einwencwen. dass es den ii (dell mit der Toleranz des Islam nicht weither scmt

Page  21 21 - nmtsse, hat es doch in Bosnien-flereegovina vor der Okkupation. d ureh die U~sterreic~hisch-ungarische Monarchic zahlreiche Christenverfolgun —en. o-eo~eben. Dergeleiheni kam wohi. vor, aber die Sehuld daran trifft in keinem Falle den. Islam- als solehen, sondern ausschliesslieh einzelne Fanatiker, bei denen sich zurn religi~sen Ubereifer auch noch Grainde pers~tilihelie Interesses geseliten, (lie ihre Glaubensgenossen zum Hasse gegen die Christen aufstaehelten. JDie Christen wieder blieberi den Mloslims nichts sehuldig und bezahlten Gleichies mit Gleichem, wodurelh der Hass und die Kiuft zwisclien Beiden. tdglieli vergr~;ssert und erweitert wurde. Alhnliehe betriibende. Frsehleinungen verzeiclinet die Gesehichte tibrigens zum Uberfiuss auch unter den einzelnen clhristlichen Bekentitnissen, die sich g-egeiiseitig mit w~ihnwitzigem Hlasse zu. verniebiten. traehiteten, anstatt das Gebot des Heilands von der Ndclistenliebe zn befolgen. FA erner ist die unbestreitbare Tatsache zu verzei,-hnen. dass die Katlioliken in IBosnien-Hereeg ovina nur selten von den Moslims Verfolgunigen. zu erdulden batten, well sie sieli ruhig verhielten und nieht zit Gewalttcutig-keit~en neigten, was dem Verdie nste der eiiigeb Dren en Fram iskan er zuzusebreiben ist, welehe auf ihlre Gladhigeii beruhigend cinwirkien unid sie von Blutverwiessen abbielten, wabrend sie anderseits von dcii Sultanen vielfache Privilegien ulnd Erleielbterungen far die Katlholiken zu erwirken verstanden. Sehon. im ersten Jahire nlach dem Verfalle des bosniselhen K611igturns im J. 1463 erwirkte der Guardian des FranziskanierKiosters in Fo~jniea, Ira Angelo Zvizdovi(6 vomn Sultan Mahmud H. cinen Freibrief, dessen. Original im Klosterarehiv verwahrt wird, welehler den K athol ikeni frele Religions6 bung gestattet. Aber die Franziskaner waren niclit bios erf'oigreichec Vermnittler zwischen Moslims und Katholiken; sie verstanden. nicht nur die meisten Streitigkeiten in Gilte zu sehlichten, sic griffen audh selbst im aussersten. Notfalle zu. Handz'ar und Pistole, urn ihre Herde vor Angriffen Einzelner zu. schiitzen. Deun trotz aller Bestrebunge n der tuirkisehien. Beh6rden u nd hervorrage nden Notablen. konnte in. diesen Landern bis auf (lie neueste Zeit keinle volistandige Ruhie hiergestellt werden. Immer gab es einzelne nmehr oder miuder heftige~ Zusammenst6sse und persi~niche Streitigkeiten mit fast immer blutigem Ausgange.

Page  22 - 22 Charakteristisch ftr die frilleren Zustande, wie auch fir die Gesinnung mancher in ihrem herrischen Ubermute zu Gewalttaten neigenden Moslim's ist der folgende Vorfall: Im Jahre 1890, als ich in Livno Schulleiter war. feierte der seither verstorbene, allgemein geschatzte, grcise Frallziskaner Fra Alto Curic das Fest seiner goldenen Messe. CuriC war ein Manill von herkulischem Korperbau, sein Schlurbart fiel bis auf die Schultern herab, seine Haltung war noch im hohen Alter die eines Jiilglings, unid sein Augc verriet, was er in der Jugend gewesenl scin mochte. Der richtige Typus des Hercegoveen. Nach der Feicr kehrte ich mit einem Freunde nach Hause zuriick, und holten wir unterwegs einen angesehenen Aga ein. Als wir auf seine Fiage nach dem,,Woher"? erzahltel, dass wir bei Curiewaren. sagte er lacheud:,Ich kenlne ihn. Das ist eill ganzer Maln. Zur Zeit del turkischen Verwaltulg ritt ich eillmal von Livno iiach Prolog. Uber deln Bach Sturba ftihrte damals noch keine Brticke. Der Fraler, Curic, dell ich am Bache einholte, trieb sein Pferd in's Wasser um hiniiber zu reiten. Als er mitten im Bache war, zog ich die Pistole aus dem Guirtcl, legte sie auf ihn an und befahlihm, abzusteigei. Er gehorhete,Aufsteigen, Pfaffc!* kommanldirte ich daiauf mit vorgehaltenlel Waffe. Ftiulfmal liess ich ihn das Auf- und Absteigel wiederholeii bis ich ihm gestattete weiter zu reiten. Dann lenkte ieli meinenl Braunien ins Wasser. Als ich mitten im Bache war, hire ich auf eiiimal den lauten Befehl:,Absteigei, Turke!` Es war der Pfaffe. der mit seiner Pistole auf mich zielte. Er bezahlte mir Gleiches mit Gleichem. Ftinfmal musste ich vom Pferde steigeii und miel wieder in dei Sattel schwingenl dain erst ritt der Pater weiter. lll argerte mich nicht dartiber, dass er an mir gerechte Vergeltung tibte. dass er es aber nicht der Mihe wert fand, siclh aucll nur einmal nach mir umzublicken. krankt mich Iloch heute:. * * Diejenigen Moslim's, welche sicli im Leben an die Glaubensvorshlrifteai halten und dieselben erfillen, gelangen nach dem Tode in's Paradies (Dennlet), die Sinder in die HOlle (Dzehennem). Der Islam bietet den Moslim's dariin cicite namhaften Trost, dass er lehrt; dass die SUlnder nur solaige inl der Holele ibien bis sic ihre Siiuden abgebusst haben. Der Islan kennt demnaclh nilit die Strafe der ewigen Vcrdammnis.

Page  23 - 23 - Die griissten Sfijden sind. die Lilge, der Diebstahi, das Fluehen mid die Verleumdung, namentlich, wenn dureh Lilge und Verleumdung dem. Nachsten Sehaden zugefdgt wurde. Das Paradies eittialt neuii Stockwerke. Je frommer und gerechter der Verstorbene im Leben gewesen, in emn umso h~heres 'ntoekwerk gelangt er riach dem Tode. Das Paradies gleicht einem ungeheueren,. wunderseh~ineii Garten mit einer endlosen Fttlle der verse~hiedensten Obstbaume. Durch den Garten fliesst ein grosser Flus~, in welehien mehrere kliene Bache munden. Wer aus diesem. Flusse oder aus den Bachen trinkt, wird niemals Durst leiden. Die Hauser im. Paradiese shid. aus purem Gold und Silber und bleibt darin keiii Wunschi unerftillt. Die Gereehten werden im. Paradiese kirperlichie und. geistige Geniisse haben, deim sie werdein leiblich und geistig auferstehein. Der Verstorbene muss zuerst die Brocke,,Sirat" passieren. Diese Brticke hat eine Lange von tausend Jahren menseblieher Wanderung bergan, von tausend Jaliren bergab und. von tausend Jahren in der Ebene. Die Brtieke ist dhinner als emn Haar und seharfer als emn Sabel. Die Gereehten werden die gefahrliche BrUcke leicht und. in einem. Augenblicke passieren, die Stinder schwer, his sie am Ende doch in die H6lle absttirzen. Dort erdulden sic vielerlei Qualen', besonders grosse Hitze, grosse Kalte, Hunger und Durst. Trotzdemn die Moslims strenge an dem. Glauben von Belohnung unid Bestrafung nach dem. Tode festhalten, erwahnen sic doch niemals, dass Jemand in der ildile sci, denn Gott ist nicht nur allgerecht, sondern audi allbarmberzig. Er nimmt jeden Moslim gnadig auf; der vor dem. Tode ftir seine Slinden Busse tat, verzeiht ibm und gewahrt ihm. einen Platz im. Paradiese. Aber auch von einem. schlechten. Menschen, dem. nach semnen Handlungen im Leben und deshaib, weil er vor dem Tode nicht Busse tat, die. H61le gewiss erseheint, darf man nicbt sagen, dass er in derselben brate, denn der Profet Ibrahim sagte:,Diejenigen, die mir folgen, gehiirec zu mir. Denjenigen aber, welehe memoe Gebote tibertreten und ihnen keinen. Gehorsam leisten, wird. der barmherzige Gott das Urteil sprechen!" Und Musa, der Profet, sprach von grossen Siindern:,Gott, wenn Du ihnen eine Strafe auferlegst

Page  24 - 26d4 - bleiben sie doch Deine Diener. Wenn Du ihnen verzeihst, bist Iiki immer der giltige, barmherzige Gott!" Der Glaube untersagt es deni Moslim's, ihr Geld auf Zinsen auszuleihen und den Kaufleutern, melir als zehn. vom. Hundert reinen Nutzen an ihren Waren zu nelimen. Ebenso untersag-t der Glaube den Genuss geistiger Getriinke, die den Verstand in Verwirrung bringen k~5nnen. Auch manehe Speisen wie Schweiuiefleiseh, Sehnecken a. dgl. siiid dem. Moslim. verboten. Deshaib werden bei den Wohihabenderen die Speisen mit Butter zabereitet, bei den Armeren. mit iRiiider- oder Hamrrelfett. Alle religio5sei \Torscbriften der Moslims sind im. Kur'an. enthalten, der heiligen Scbrift, wvelehe Gott dureh deii Engel Dzvebrail dem Profeten Mubammed tUberreichen liess. Alle tibrigen Sehriften religii~seni Inhaltes heisen,,Kitab-", die Sehirift. Die Moslim's feiern auch einige religi&5se Feste; die wichtigsten sind der,,Ramazan-BajramI', der,,Kurban-Bajram'` und der Geburtstag des Profeten Muhammed,.,,Mevlud". Den Ramazan hat der Profet selbst als Monat des Fastens und Gebetes eingefdhirt. Der Moslim. kennt keine andere Fastenzeit als die des Ramazan. Er darf allezeit shmmtliehe nieht durehi besondere Vorschrifteii untersagte Speisen geniesseu. Der Ramazan fal11t nieht immer auf denselben. Tag, des Jabres., sondern jeder folgende Ranmazan beginnt urn zehn, Tage frtiher als der vorhergegangene. Demgemass kann der IRamazau zu alien Jahreszeiten gefeiert werden. Er dauert dreissig Tage, von einem. Neumond zum. anderen. Nachdem. die Moslims, das Mondjahr Von 360 Tagen haben und der Ramazan immer urn zehn Tage frither begiiint als irn Vorjahre, wird der Kreislauf, dementsprechen d n ach seehsaunddreissig- Jahren vollendet, nach welehem. Zeitraume der Fastenmonat an demselben Tage beginnt, wie, vor dieser Zeit. Wablrend der ganzen Dauer des Ramazan diirfen die Rechtghiiubigen vom. Tagesanbruch bis nach Sonnenuntergang keine Nahrung nehmen, noch trinken oder Tabak rauchen. Wer aueh nur einen Tag das Fastengebot tibertritt, m~ige das Fasten ganz bleiben lassen, denn es hat keinen Wert mehr. Nur in schwerer Krankheit kanna das Fastengebot ausser aeht gelassen werden. Wenn aber der Kranke gesundet, muss er die fehienden Fasten

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Page  [unnumbered] Ein Had~ija im Gespractie mit seimen limeten in der Car~ija. Den K{opf 1)edeckt ein mit einer weissen,,AXchmedija" oder einem goldgestickten Tuche umiwundener Fes. Er tragt einen Pelzmantel (Curak). die Ffiqse stecken in,Jemenije" oder,,irale".

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Page  25 25 - tage nachholen. Auch fur auf der Reise befindliche Moslims gilt das Fastengebot nicht, ebenso ftir den Soldaten im Kriege fur Glaube und Heimat. Ferner konnen Schwachlinge, die durchaus das Fasten nicht ertragen, dasselbe brechen. Unterstiitzung von Armen gehlrt zu den rcligiisen Geboten des Islam, soil jedoch besonders zur Zeit des Ramazan geubt werden. Im Fastenmonate obliegt jedem Mioslim die Pflicht, den vierzigsten Teil seines diesjahrigen Reineinkommens an Bargeld und den vierzigsten Teil des Ertragnisses von in diesem Jahre verkauftem Getreide an die Armen zu verteilen. Dies nennt man mit einer arabischen Bezeichnung,,Zekat", was ebenso Wachstum wie Reinigung bedeutet, denn wer,,Zekat" iubt, dessen Vermogen wird wachsen und zunehmen, er wird auf Erden Segen und Wohlergehen geniessen und nach dem Tode von Sunden gereinigt der ewigen Seligkeit teilhaftig werden. Die Verteilung des,Zekat" ist ein direkt von Gott stammendes Gebot ffir alle mainlichen und weiblichen Bekenner des Islam. In der vierzigsten Zeile (Ages) des zweiten Kapitels (Surah) des Kur'an steht geschrieben:,,Beobaehtet die Gebetzeiten, betet zu Gott und verteilet Zekat!' Als der Profet Muhammed seinen SchUler Muaz ibni Dzebel nach Jemen sandto, um dort del Glauben zu lehren, sagte er ihm:.,Fordere sie auf zu glauben und anzuerkennen, dass es nur einen Gott gibt und dass ich der Abgesandte Gottes bin. Wenn sie dies angenommen haben, dann setze die Belehrung fort und sage ihnen, dass Gott taglich ftinf Gebetzeiten vorgeschrieben hat. Hast du sie auch dafir gewonnenl dann belehre sie dartiber, dass Gott verftigt hat, den vierzigsten Teil des Einkommens (Zekat) an die Armen zu verteilen." Der,,Zekat'* gehort nach dem Gebete zu den ersten und wichtigsten Geboten, welches von jedem Bekenner des Islam ohne Unterschied des Geschlechtes gewissenhaft erfiillt werden soll, wenn sie wollen, dass es ihnen auf Erden wohlergehe und dass sie nach dem Tode im Paradiese der ewigen Seligkeit teilhaftig werden. Diese Verftigung des Profeten Muhammed bezweckt, den Ulterschied zwischen Reichen und Armen tunlichst zu verringern,

Page  26 -26 ferner den Arbeitsunfahigen, den verlassenen Frauen und armen Waisen die Existenz zu ermoglichen. Wer,,Zekat"' verteilen kann und es nicht tut, ferner wer nicht soviel gibt als er nach der Vorschrift geben soll, dessen Fasten wird von Gott nicht wohlgefallig angenommen und es wird ihn gewviss in diesem Jahre ein Ungliick treffen. Einem meiner Bekannten in Banjaluka, Salih Effendi B. verbrannte eines Nachts das Waarenlager sammt dem Geschaftslokale. Ich sprach ihm mein Beileid fiber den Ungliicksfall aus, er aber erwiederte ruhig:.,Wer weiss, wozu dasgut ist? Vielleicht habe ich nicht genugend,Zekat' verteilt, und es ist immer besser, dass ich hienieden leide, als im Jenseits!" Durch Fleiss und Sparsamkeit hatte er den Schaden bald hereingebracht, aber er wurde auch in der Uberzeugung bekraftigt, er mtisse fortab eine gewissenhaftere Schatzung seines Vermogens vornehmen und an,Zekat" soviel zur Verteilung bringen, als die Vorschrift befiehlt, damit nicht Gott wieder Strafen iiber ihn verhange. Ferner gebietet die Religion den Moslims, auch andere Werke der Barmherzigkeit zu iiben, Kranke zu besuchen, fur Verstorbene zu beten, Wittwen und Waisen zu trosten und zu untersttitzen. Ein Beispiel fir Viele. Eine arme christliche Wittwe, Mutter von sechs unmundigen Kinldern, hatte vor Weihnachten eine Ladung gekauft Holz. Weil sie dasselbe nicht wo unterzubringen hatte. sie liess es vor ihrer Wohnung auf der Gasse abladen. Das Wetter war kalt, die arme Frau dtirftig bekleidet, weshalb sie das Holz zn spalten begann, um im Hause Feuer zu machen und sich und ihre Kinder zu erwarmen. Ein angesehener Moslim, der zufallig vorbeiging, sali, wie die Wittwe sich mit der schweren Hacke abmuhte und wie ihre Kinder sie vor Kalte zitternd und zahneklappernd umstanden, nahm der Frau die Hacke aus der Hand, spaltete das Holz, trug es in's Haus und entfernte sich eiligst, um den Danksagungen der Armen zu entgehen. Er war zufrieden, ein gottgefalliges Werk getan zu haben, fur das ihln Allah gewiss belohnen wird. Die strenge Pflicht im Ramazan zu fasten gehort zu den Hauptgeboten des Islam. Sie beginnt bei den Knaben mit deni ftinfzehnten, bei den Madchen mit dem zehnten Lebensjahre und

Page  27 - 27 - dauert his an das Ende des Lebens. Je fruher emn Knabe oder ein Madehlen zu fasten beginnt, desto gr~5sser (las, Verdienst vor Gott. Wahrend der Fastenzeit muss die Andacht beim Gebete besonders innig scmn, minissen Predigten besucht, Almosen verteilt und aile reiigi~5sen Vorschriften besonders genau erftillt 'werden. Wer bios fastet und die anderen Vorsebriften nicht beobaehtet, dessen Fasten hat keine Wirkung vor Gott. Das Ramazanfasten beginnt an dem Tage, anl weichem die blasse Siehel des Neumondes am Horizont bemerkt wird. Nebst der Kasteiung und dem Gebete ist der Ramazan auch. der Freude, und dem Vergniigen gewidmet. Die einschlagige Vorschrift lautet:,,Die Tage des Ramazan sind,,ubarekj"', gesegnete Festtage. Ani denselben mtissen sich die waliren Bekenner des Islam tiber das gewiihnliehe Alltagsieben erhieben und sich in jene Spharen aufsehwingen, in denen aussebliessliche Reinheit der Seele in alien Handiungen vorherrschen muss. Die Ramazantage siind Tage der Wohltatig-keit, der lBusse, der Besehieidenheit, des Gebetes, der Unterstlitzung des Nebenmenschen mit moralisehen und matericlien Mittein), auch wenn es sich urn persimliehe Feinde handelt. Diese gesegneten Tagc hat Gott der Allmaehtige deii Moslims, geschenkt, darnit sic ihrc Stinden und schlechten Angewiihnungen berecun und gute Werke tiben. Dureh die heiligen Bliceher ist es erwieseii, dass jedes irn Ramazan getibte gute Werk zehnfach vergolten wird und dass ftir cmn jedes zehn Stinden ausgelischt werdlen. Diese heiligen Bticher heissen:,,Hadisi Seherifi" und enthalten das Vermtiehtnis des Prof eten Muhammed an seine Anhanger, wahrend der Kur'an bios die aussebliesslich von Gott selbst stammendeii Gebote aufweist. Wer im Ramazan inbruinstig betet und seine Stinden bereut, dessen Gebet wird der Allmaehtige zweifellos erh~5ren und ihm Vetzeihung angedeihen lassen. Einem Stinder, der in diesem -Monate Busse tut und den Entschluss fassi;, nicht mehr zu, stindigen, wird Gott aile Sllnden vergeben, mt~gen diese noch so gross and seliwer sein. Der Ramazan ist demnach auch der Monat, inl weichem aile SUnden und Vergehen verziehen werdeln.Am Abende des Tages, ait welehem, die Siehel des Neumondes bemerkt wurde. wird di eses, Ereignis durch Kanonen- oder

Page  28 - 28 - Biillerschtisse verkiUndet. Der Muezzin besteigt das Minaret und verkundet den GlAubigen, dass der Fastenmonat begonnen hat. Nach alien vier Himmeisriclitungen ruft er hinaus:,,Allahu ekber! Allahu ekber! Eschhedu enle-illahe-il lellali! Esehhedu efme Muhamnmeder resul-ullah! Hajje alesselah! Hajje allel-felal! Allahu. ekber! Allahu ekber! La Illahe il-Ellah!'- Was iii freier Ubersetzung bedeutet:,,Gott ist allmachtig! Gott ist allmjehtig! Ich bezeuge Und glaube, dass es Dur einen Gott gfibt uiid keinen Anderen ausser Ibm! Ich bezeuge, dass Muhammed Gottes AbgesMndter ist! Ejiet zum Gebete! Ejiet zur Freude! Gott 1st allmachtigt Gott ist alimaclitig! Es gibt keinein anderen Gott!"~ Diesen Ruf lasst der Muezzin zu alien ftinf Gebetzeiten erschalleni. Zuerst wendet er das AntliZ gegen Mekka, nach Osten, dann bewegt er sich nach reehts in alien vier Himrnelsrichtungen. Wahrend der Ruf des Muezzini ert~nt, werden die Minarets Und das Ininere der Moseheen mit zahilosen Lampen beleuchtet. Die Rechtg-iaubigen strdmen in hellen. Scharen naeh (len Gottesbausern, urn zu Gott zu betet, und der Mosehee Opferkerzen zu spenden, womnit die Moscheen den ganzein Monat hindurch beleuchtet werden. Je seh6ner und glinzender eine Mosehee illuminiert ist, desto mehr Ehre gebiihrt demn Sprengel, in welehem sie sich befindet. Deshaib erstrahien auch die grossen und reichen Moscheen in den Stadten die ganzen Naclite hindureh imn Glanze von hundeiten von Kerzen, Lampen und Lampions, welehe letztere. ati den Wanden der Moseheen auf Drate gereiht angebrachit werden. Das Innere der Gotteshauser gemahnt an die Bescbreibung aus.Tausend und eiuer Naehit." Im Glanze der vielen Liehter verrichten die Manner gemeinsam ilire Andacht, wahrend die Frauen daheirn in der Stille der Hauslichkeit beten. INach Beendigung dies Abendgebetes (Aksvam) gelien die Lelite teils nach Hause, teils zu iliren Et-eunden, die Meisten jedoch suchen die Kaffeehauser auf', wo sie im traulichen Gesprache, Kaffee oder Limonade schht~rfend und dazu Zigaretten rauchend, oder auch mit allerlei Gesellschaftspielen, deren Preis eine Tasse Kaffee, oder ein Glas Limonade ist, sich die Zeit vertreiben. Wahrend des Ramazans sind fast alle moslimischen ilauser, Kaufladen und Einkehrhauser (Han) die ganze Nacht hindureli

Page  29 - '29 - beleuehtet. In den Kaffeehausern wird musiziert, oder ein Greis mit schneeweissen Haaren hat sich iii eiiner Ecke niedergelassen und singt unter Begleitung der,,Bugarija'" die moslimischen ileldenlieder, in denen der Ruhm und die Taten der Altvordern verherrilelit werden. Den greisen Barden umgibt immer eine Menge, aufmerksamer Zuh~rer, die schweigend, Sehulter an Schulter gelehuit, jede Bewegung des Sangers verfolgen und jedem seiner /!l Moslimr'seher Volkss,,5nger im Dorfe. Worte mit Bewunderung lausehen. Die Zigeunermusikanten maclien die Runde in den Hausern und spielen zum Feste aufwoftir sie zum Bajram mit Geld und Ttlehern besehenkic werden. Die Instrumente auf denen die Ramazanmusik gemacht wird, bestehen aus dem trommelahnlichen Talambas, den der eine Musikant mit zwei Stabchen auf beiden Seiten bearbeitet, wahrend Einer oder h~chaten Zwe au derXurnl',einer dtinnen Holzflt~te blasen. Die Musik ist bei den Moslims im aligemneinen und bei detn bosnisehen besonders nur wenig ausgebildet, obwohl sie von Natur

Page  30 30 - sehr musikaliseh und. ihire Volkslieder ht~chst rnelodi~s sindI. Ebenso steht es mit den iibrigen austlbenden Kftnsten, mit der Bildhauerei und Malerei. Der Glaube verbietet sie zwar iclict ausdrticklieb, aber er f6rdert sie auch nicht, aus Furelit, das VJolk kL~nnte dadurch vom (4lauben abgelenkt werden. Wenn der Muezzin die Jacija, das Naehitgebet durch weithin schallenden Ruf verktindet, stri~men die Leute abermals, in die Moseheen, urn nach beendigtem. Gottesdienste die begonnene, Unterhaltung fortzusetzen, bis urn zwei Uhr nachts emn Kanonen- oder P6llersehuss meldet, dass es Zeit sei, die MahIzeit einzunehmen. Auf dieses Zeichen ejien alle heimwiirts, die Sehiafenden werden. aufgeweckt, urn das Essen einzunehmen, zu raucheii und Kaffee zn trinkens. Mit dern Anbruch der Morgenrdte donnert abermals. ecn Schuss. Die Mahlzeit Nvird abgebrochen, die brennende Zigarette weggeworfen, die Kaffeetasse beiseite geschoben und das Ruhelager aufgesuceht. Wahrend die Manner sich in den Kaffeehausern oder in gesciligen. Zusamrnenktinften verg~nugen, besuchen sich auci die Frauen gegenseitig und vertreiben sich die Zeit mit Gespra~chen, Sang und. allerlei wveiblichen Spielen. Aber sie bleiben. nielit solange vorn ilause weg, wie die Manner, deunn sic misscn. sich beeilen, das Essen bis zurn ersten Kanonensehusse fertig zu stellen. Deshaib brechen sic sehon. nach Mitternaclit aus der Geslilsehaft auf und gehen in Gruppen unter Vorantragung von Papierlaternen heimivarts, urn das Haus zu. bestellen. bevor die Manner heimkomrnen. Die Rarnazannachte bieten. emn vollstandiges Buld des Karnevals. Die von Moslirns bewohnuten Stadtviertel sind festlichl beleuehtet; uberall herrscht gerauschvolles Leben, aus den Kaffeehausern dringt der Schall, vou Musik und. Gesang hervor. Aus einiger Entfernung hart man die dumpfeni To~ne der Zigeunertromrnel und. den selirillen Klang von allerlei Blasinstrumenten; fur das musikalisehe Olir eine nicht besonders angenehme Musik; aber man hat die Empfiudung, dass sic hier auf jirem Platze ist, dass es anders nicht richtig wflre. Der Morgen. nach einer solchen Nacht stellt sich v~llig anders dar. Alles ist ruhig, schiaft und traum~t. Alle Kautladen, alle Kaffec

Page  31 -31 hauser und Werkstatten sind geschlossen, die Gassen wie ausgestorben. Wusste man nicht, wo man sich befindet, und wiirde das Gebell der Haushunde die Stille nicht unterbrechen, man wurde sich in eine Totenstadt versetzt wahnen. Erst etwa zwei Stunden vor Mittag werden die Kaufladen geoffnet, die Schlafer erheben sich von ihrem Lager und gehen ihrer alltaglichen Beschaftigung nach. Um Mittag ftillt sich die Moschee mit Andachtigen. Nach dem Gottesdienste halt der Hodza den,,Vaz", die Predigt ab und belehrt die Glaubigen dartiber, wie sie leben und sich verhalten sollen, wenn sie Gott gefallig sein wollen. Nach der Predigt gehen die Leute spazieren oder suchen eine andere Zerstreung, blos die Armen, die sich keine Zerstreung ginnen dirfen und fur den ttiglichen Unterhalt sorgen mtissen, verrichten ihre gewmhnlichen Arbeiten bis zum Nachmittagsgottesdienste, der Ikindija. Da verrichten sie wieder ihr Gebet, nach dessen Beendigung die Hodzas und Softas den Kur'an vorlesen, taglich zwilf Blattseiten davon. Der Kur'an enthalt 360 Blattseiten, wovon auf jeden Tag des Ramazan zwilf fallen, so dass bis zum Bajram die Vorlesung der hciligen Schrift beendet wird. Ist der Hodza ein,Hafiz", ein Gelehrter, der den Kur'an auswendig kennt, tragt er aus dem Gedaichtnisse vor. Wenn er kein Hafiz ist, liest er aus dem Buche vor und die Softas sprechen ihm Satz fur Satz nach. Diese Vorlesung dauert bis zu zwei Stunden und heisst,.Mukabella." Mit Sonnenuntergang kracht wieder ein Kanonenschuss, die Minarets, die Moscheen und die Kaufladen werden beleuchtet, das Fasten hat ein Ende, die Rechtglaubigen begeben sich zum Abendgottesdienst in die Moscheen und verbringen die nachste Nacht gleich der vorhergegangenen. So dauert es durch dreissig Tage und Nachte, bis der Neumond sich wieder zeigt. Wurde die blass leuchtende Sichel in welchem von Anhangern des Islam bewohnten Lande immer am Horizonte wahrgenommen, verkiinden Telegramme von Land zu Land das freudige Ereignis, dass der Fastenmonat zu Ende und der grosste Feiertag des Islam, der Ramazan-Bajram angebrochen sei. Am letzten Tage des Ramazan begeben sich die Manner nach dem,,Ak~am" nicht mehr zu geselligen Zusammenktnften oder in die Kaffeehauser, sondern jeder eilt nach dem Marktplatze, der

Page  32 - 32 - CJargiaur das Notwendige. fur den morgigein Feiertag chizukaufen. Der Einkauf erstreckt sieli hauptsacilbich auf' Fleiseh., Kaffee, Zitronen, Orangen und andere Slldfriicbte, denn. morgen kommen die Freunde und Bekaunten, urn zum Festtage Zn gratulieren. Da muss wohi Kaffec und Limonade in FV11le bereit sein, urn die Gatste zu bewirten. An diesem Tage sind. die Kaffeehauser verlassen, jedermann. ejit aus der Mosehee nach Seinem Heim, urn den Festtag mm Kreise der Familie zu verbringen. Gleich nach dent Nachtessen. wird dass Lager aufgesucht, denn mit Tagesanbruch ruft der Muezzin zum Gebet. Mit Tagesgrauen verktiliden Kanon~ensehttsse und die Rufe der Muezzins die Zeit des Morgengebetes, (Sabah). In Feiertagskicidern stro-men die Rechtglaubigen zu demselben, denn jeder, auch der armste Moslim. setzt allens daraii, fdr den Bajram ein neues Kicid. anzusehaffen und. besonders sch~in ausgestattet zu sein, das nach dem Feste sorgfallig aufbewahrt und erst am nachsten Bajram. wieder angelegt wird. Nach dent Sabab werdeii Almosen. verteilt und. wird der Bajramgruss,,Bajram mubarek~j olsun", (der Bajram. miige gliieklieh sein), ausgetauseht. Hierauf werden. die Friedhife besucht und dann erst das Frtihsttick eingenommen. Nach dem. Friibstflek besuchit man sich gegenseitig, um sich zu begltickwilnschen. Am Bajram miissen sich Feinde vers~hneii und muss jederman getanes Unrecht nach geleisteter Abbitte verzeihen. Friede und Liebe muss herrschen. in der ganzen i-slamitischenDWelt. Der,Grosse'- oder,,Ramazan-Bajram' dauert drei Tage. Zwei Monate Und neun Tage nach dent "Grossen" folgt der,Kleine" oder Kurban-Bajram zum Andenken daran, -dass der Profet Ibrahim (Abrabam) auf Gottes Befehilsemnei SohnlJsmaeM (Isak) optern wolite. Hatte Gott sich Abrahams nicht erbarmt und ihn. einen Widder gesandt, den er anstatt des Sohiies zurn Opfer brachte, wtirden die Mensehen. noch heute Blutopfer bringen. Zur Erinnerung an die unterbliebenie Opferung Ismaels schlachtet an diesem. Feste jeder Moslim, dessen Verhaitnisse es gestatten, einen I etten Widder als,,K-urbaD" Opfer. Die Reichen sehlaehten Kurbane iiicht nur zur Stihne ftir sich, sondern auch ftir ihre Frauen. unad Kinder, selbst ftir die n Oeh ungeboreinen. Die Schiachtunag der ~Kurbane"l wird nach dent Morg-engebete vorgenommeni.

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Page  33 - 883 - XWer kein Blut zu seheni vermag unnd deshalb selbst ntieht seblachteni kfin n verrichtet ein. Gebet., ergyreift danni ein Messer und fahrt mit demselben dem Opferwidder Oier den Hals. ohne jedoch das Tier zu verletzen. Die Sehlachtuwg vollzieht eini Anderer in seinein. N(,men. Das Blut der Kurbane wird. in Gruben. aufgefangcn, denin. -es w~trc cine Stinde. in demselben herumzutreten oder es vonHunden. aufleeken zu lasse~n. Ini Hause. wvo das..Kurban' gre,schilacbitet wird, behbilt man bios einen Hintersehenkel zum eigeneni Gebrauehe zurtick. Der Rest des Fleiselies wvird an arne Naehbarn nd. sonstige Bedtirftioge verteilt. Der erste Tag- des Kunrban-IBajram besitzt fUr die islam~itiselie Welt deshaib grosse WAiehtigkeit, weil. sieli ani dernselben die Mekkapilger aus alien. Lindern urn die Kaaba versammeiri und dort die Knrbane opfern. Jede MosIm der soviel Verm~oeii erworben oder ererbt bat, urn seine Familie bis, so seinem. Tode mfthelos zo erhalten, soill bei Lebzeiten die Kaaba in Mekka, ferner Medinia besuehen, die Stdtten, an weichen der Profet lebte und seine Lelire verktindete. Dieses Gebot hat Mohammed selbst erlassen indem er sagfte: ~Wer niein. Grab besucht, dern bin ich Schutz zu gewaliren verpfliieltet. Wer mich nach mneinem Tode besuelit, hat emn solehes Verdienst, als ob er mieli besucht liatte. wahrend. ich noch lebte". Die Mekkapilger (Hadz~i) aus Bosnien-Hercegovina treten ilrix, Fahrt nach Arabien gewthnlich am vierten Tage des RamazaniB ajram, an. Solange die Kommunikationeti nielit ihre gegenwartigoe Entwiekelung batteni, worde die Reise sechs und mehr Monate, vor dem, Bajram. angetreten, wollten die, Pilger anders reehtzeitig in Mekka eintreffen. Nach dein Ausbau der Mekkabahn wird die Reise niattirlich noch mehr abgyektirzt werden. Jeder Mekkapilger maeht von der Abreise nach den heiligen stattenD des Islam sein Tebtament, urn ftir den Fall seines unterwegfs erfolgenden rTodes seine Verhaltnisse zu regein. Dann veranstaltet er cin Abschiedsmnal fur Seine Verwandten und. Freunde. Der Absehied. voil der Familie wird sehwer. Er umarmt seine Angehornigen den Reihe nach. und bittet sic urn Vergebung f~r etwa getanes Unrecht. Vor dem Hanse hat sich indebsen eine 3

Page  34 - 34 grosse Menge Rechtglaubiger angesammelt, die den Hadzi nochmals sehen und ihm,Lebewohl" zurufen wollen. Ist der Abschied von der Familie voruber, ruten die Draussenstehenden mit lauter Stimme:,,Allahu ekber! Allahu ekber!" Auf diesen Ruf verlasst der Pilger sein Haus. urn sich in Gesellschaft der Reisegefahrten und von einer grossen Menschenmenge gefolgt nach der Moschee zu begeben, wo Gebete ftir die gltickliche Reise verrichtet werden. Von da geht es in langem Zuge zum Bahnhofe. Voran schreiten. die HIadzi, an deren Seite das geistlichc Oberhaupt, der Mufti, geht. wenn sich ein Geistlicher dieses Ranges im Orte befindet, ferner der Kadi, die Hodzas, dann die Notablen, dann die Schuljugend unter I'thrung ihrer Lehrer, die einzelnle Kapitel aus dem Kur'an rezitieren. Der Absehied von den Pilgern gestaltet sich ebenso herzlich wie feierlich. Die Reise ftihrt in der letzten Zeit zumeist iiber Triest, wo sich die Pilger einschiffen und nach Passierung des Suezkanals in Jambok, dem tHafen von Medina an's Land steigen. Nachl mehrtagigem Aufenthalt und Vorbereitung fuir den Karawanen — marsch nach Medina, den (lie Pilger auf Kameelen zurucklegen. geht es weiter. jedoch zumeist nur withrend der Nachtzeit, denin wahrend der Tageshitze ruhen sie unter mitgenommenen Zclten. Sehr hiufig sind die Falle, in welchen Pilgerkarawanen von rauberischen Beduinen tiberfallen und ausgepliindert werden. Besonders sind Nachztigler von diesem Schicksal bedrobt. Deshalb sind die Teilnehmer an der Karawane bemtiiht. tullichst dicht beisammen zu bleiben. Die Empfindungen des Mekkapilgers beim Anlblicke der Mauern von Medina, wo sich das Mausoleum (TurbN) des Profeten Muhammed befindet, schildert ein arabischer Reiseschriftsteller wie folgt:, Als ich die Mauern der Stadt Medina erblickte, war ich erschuttert und rief unwillktirlich aus:,,Gott, hier ist der Harem, (so wird jede dem Profanen entzogene Ortlichkeit genannt, nicht nur die Frauenabteilung des Wohnhauses, sondern auch die unmittelbare Umgebung der Moscheen und anderer heiliger Orte) deines Heiligen. Dies ist der heilige Ort, von welehem Deine Lehre ausging! Gestatte mir, Gott. hinzu zu treten! Moge es mir ein Schild sein gegen alles Bi5se. Erweise mir, o Gott, das Gliick, wurdig zu

Page  35 35 werden des Vermaichtnisses des Profeten! Dies ist der Ort, an welchem Dein Abgcsandter deln reinenl Glauben lehrte. wo er im Kampfe fiir denselben sein Leben verbrachlte und wo er zul(tzt zur Erde gebettet wurde mit dem Ausrufc: Gott. errettc mein Volk!" In Medina angekommeln iehlmei die Pilger vorcrst ein Bad und legell hierauf neuc Kleider al. uml am Gralbe des Profeten _-,,; d, I j j.... -I, F., -- $" -,-~. Lr I I;, -. (;ralh der Stannilltter Eva inl T)idl.l;. viirdig zu erscheinen. Fruiher jedoch salben sic den Ki;rper mit wohlriechenden FlUssigkeitell. Danl begeben sic sich nach dem,,Mesdzidel-Haram", der Moschee des Profetell und ktissen die Erde, auf welcher der Profet gewandelt und den Glauben verkindigt hat und von hier nach dem.,Revzai Mutahhere'* dem Grabe des Abgesandten Gottes und verrichten ein Dankgebet daftir, dass es ihnen vergnint war, gesund und lebendig hier einiztreffen. Nach 3*

Page  36 — 3 6 - Verrielitungo des Dankgcebetes amn Grabe des Profeten wird der Wegy nach Mekka angyetreten zur Erinnerung an die Fluecht Muhammeds (Hidf'ret' von. Medina Inach Mekka (622 ii. Chr.). Von der erstereni Stadt fihre nticnh der letztercn zwei Wege, der alle dureb die Wriste, der neuere zuraek naci *Jarnbok, von da imit dein Dampfer iiaeh Dz'idda und danni durell die Wtiste nach Mekkn. Die bosnisehen Pilg.er scaebge fast immer die letztere Route eml und besuehen in Dz'idda das Grab der Stammutter Eva (Hazreti Hav-va). Nach einer Rast in Dz'idda wNird die Pilgyerfalirt inach Mekka aufl Karneelen fortge~setzt. Die Reise dauert zwei Tage und wNird wOegen der grossen Hitze zuiniist zur Naehitzeit zurlilekgelegt. Die meisten Pilg-er bentitzen jedoeh die erwivhClnte, alte Karawaiienstrassec voin Medina nach Mekka. quf weleher die iReise dureb die Wi~sto zeln Tagye danert. Diesen. Weg beniitzen auch die Truppen des Sultans (Machnef). welehe die reiclhen Geselieike des Behierrsehers der Glaubigen eskortiereni und aueh den Karavanen als Bedeekung, geg'en die Araher dienen. Ist die Karawanec im Angresiehte voT) Mekka, aingelangt, steigeii die, Pilger von den Kameelen, urn zn Fusse in die heilige Stadt einzuziehen. Sie werden von Deii e mpfangeni und iiach den ihnen 1)estimmteni Quartieren. geleitet. Die.,Delili — sind die Fremdenfiihrer v-on Mekka, welebec dafiir Sorgec tragen, dass die Pilgrer alles Notwendigec erbalten. Nachdexn die Pilger sieh in deii ilincn zugewicseneni Quartiereti einige Rast gegi~nnt. gehien sic gruppcenweise nach dem ~,Mesdz'idel-Hararn'- urn beim ~Bejt-Ullali'. der Kaaba, die erste Andacht zu verrichten. Der Besuch von Mekka und der Kaaba ist bios Moslirns gestattet, den IBekennern anderer Religioneni jedoch strenge untersagrt. Das..Bcjt-Ul1ahi4- (Hans Gottes), dic Kaaba wird siebenmal unkreist, ebenso der Wocg von..,Merva'- his,,Safa"' und von..,Safa'iiaeh -.Merva". zur Erinnerunog an die Irrfahrten der Hadz'era (Hagar), dcr Fran des Pr feten Ibrahim, umf XWasser flir ibrein Sohn Isrnael zu suehien. Dannt snehen die Pilger Hire Quarticre auf mid erwarten den. Anbrueh des Festtages Kurba n-Bajrarn.

Page  37 ;7 - Die Kaaba. das groisste Heiligtum der Moslims. beschreibt Edhem-Riza wie flgt:,.In der Mitte der Stadt Mekka befindet sich aln einer crhohten Stelle das..lesdzidel-tHaram". das ist ein mit einer zwanzig Arsin (Ellen) hohlin Mauer voli alien vier Seiten umgebene,.Harem". Die Lainge desselben betragt vierhundert, die Brcite drcihundcrtsechzig Arsin. In das..Harem" ftihrei siebzc:n Tore, die Mauer wird von sieben Minarets iiberragt. Lings der inneren Mauer stehen in drei Reihen ftilfhundert Marmorsiiulen, durch gewilbte Bogen mit einander verbunden, vonI deinn je drei eine Kuppel (Turb') tragen, zusammen etwa huidertitinfzig Kuppeln, welehe alle mit Inschriftenl und Arabesken verziert sind. In der Mitte des..Harem" befindet sich die,,Kaaba-Bejt-Ullah", zu welcher von der Umfassungsmauer siebell Wege fuhreni. Die Kaaba hat eine Hihhe von achtuiidzwanzig Arsii. Die vier Ecken trageii beso(nderc Namenl. Die i;stliche,Hadzerul-Esved', die ni;rdliehe.Irak'' (lie westliche.,Sami'" (Damaskus) und die stidliche die.,Jemen"Ecke. Von der Ecke Hadzerul-Esved bis zu jener von Irak betragt (ie Entfernu ng zweiunddreissig, von hier bis jener von Damaskus zweiundzwanzig, von da bis zur Ecke von Jernen einunddreissig und von dieser bis zum Hadzerul-Esved zwanzig Arsin. In dor i;stlichen Ecke ist der merkwiirdige schwarze Stein eingemauert, von welcher sie ihren Namen erhielt. Dieser Stein erhebt sich anderthalb Arsiin tiber die Bodenoberflache und bezeiclinet die Stelle. an welcher der..Tavaf". die Umgehung der Kaaba beginnt..leder Pilger druckt seine Lippen auf den Stein, wenidet sich nach rechts und umkreist die Kaaba siebenmal. Der Weg, auf dem die Pilger urn das Bejt-Ullah wandeln, ist mit schwarzem Marmor gepflastert und neun Arsin breit. Der iibrige Raum ist mit Sand bestreut. Der Eingang zum Bejt-Ullah befindet sich an der Nordostseite zwischen der Ecke Hadzerul-Esved und der von Irak. Die Pforte ist vier Ariii iiber dem Fussboden, sechs Arsin hoch und dreieinhalb breit. Sic ist aus kostbarem Holze (Sadz) angefertigt und reich mit Gold und Silber verziert. Die Kaaba wird in jedem Jahre mit einem neuen, in Egypten angefertigten Teppich aus schwarzer Seide verhiillt. Rings um die Mitte des Teppichs ist eine Surah (Kapitel) des Kur'an mit Silber eingestickt. Der

Page  38 - 38 - alte Teppich verbleibt dell Hitern des Heiligtums als Geschenk, die silberne Stickerei wird eingeschmolzen und zu Ringen verarbeitet, die als kostbarstes Andenken an die Pilgerfahrt in alle Lander wandern. Rings um das Bejt-Ullah befindet sich ein vergoldetes Gitter, welches die Kaaba vom Mesdzidel-Haram trennt. Zwischen den Gitterstaben hangen Lampchen, welche das Bejt-Ullah glanzend beleuchten. Den grossen Seidenteppich, mit dem die Kaaba verhullt wird, sclenkt alljahrlich der Sultan als Nachfolger des Profetell. Denselben tberbringt die militarische Eskorte der Pilger. Nach Anlangen des neuen Teppichs ibcrnehmen, wie bercits gesagt, die Hiiter des Harem, die Scheichs, den alten Teppich und zerschneiden ihn in Streifen, die sie denT Pilgern verkaufen. Diese verrichten auf del Streifei ihr Gebet oder schenkeni dieselben ihreni Moscheen in der Heimat als fromme Stiftung (Vakuf). damit mit denselben jene Toteni bedeckt werden, deren Hinterbliebenen zu arm sind. um cine Leichenidecke zu kaufen. Dic Kaaba hat der Profet Ibrahim erbaut. wie die Mosllms glauben. Sie diente den Arabern schon vor Entstchung des Islam als Tempel und enthielt vcrschicdene Gitzenbiler. Als die Araber in der Folge den Islam annahmen, blieb die Kaaba auch fernerhin ihre heiligste Statte. Spater ward sie zur,Kibla", zu jenem Orte nach welchem sich der Moslim beim Gebete wendet. Uber die Erbauung der Kaaba wird in den heiligen Bucllerll Folgendes erzahllt: Der Profet Ibrahim hatte eine Frau Sarahl Tochter des Nahor. Er hatte bereits ein Alter von hundertfiinf Jaliren erreicht und war noch ohne Kinder. Eines Tages riet ibm Sarah, ihre Sklavin i1adzer (Hagar). welche ihr ein Kinig zum Geschenke gemacht hatte. zur Frau zu nehmen. Ibrahim befolgte den Rat und Hadzer gebar ihm einen Sohn, der den Namen Ismael ehielt. Nacli kurzcr Zeit vermochtc sich Sarah mit Hadzer nicht mnehr zu vertragen, und Ibrahim hat Gott, ihlii ill Traumc zu rateii, was er tun soil? Gott sagte ihm, er moge Hadzer und ihren Sohn auf ein Kameel setzen, ihnen Brod und Wasser mitaeben und das Kameel ziehen lassen, wohin es will. Wo das Kameel stehen bleibt, mogen die Beiden absitzen und ihrem ferlneren Schicksale tiberlassen bleiben. Als lbrahim Hadzer und ihren Sohn auf das

Page  39 - 39 - Kameel setzte, zog das Tier aus Damaskus (Sam), wo der Profet Iebte, in der Riehtung, wo lieute Mekka liegt. ibrahim begleitete sie. urn das Kameel spater heimzubringen. In eir~cr Wtiste angekommen blieb das Kameel auf ein von Gott erhaltenes Zeichen stelien, Ibrahimn hob Hadz"er und den Knaben vom Tiere herab tibergab ihncn Wasser und Brod und kehrte nach seinem Wohnorte zurlick. Als Hadzvera und ibr Kind das rnitgenornmeiie Brod und W\Tnssor vcrzehrt hatteni. wurdevi Beide von Hunger und Durst gequalOt. Das Kind begann bitterlieb zu. weinen, und die verzw-eifelte Mutter maclite sich auf die Suche niach Wasser, konnte jedoch. keines finiden. Unweit jener Stelle lagen zwei StAdtchen, das eine hiess Merva, (las andere Safa. Hadzvera livf siebenmal von Merva nach. Safa und zui-tck, ohnc. jedoch das ersehnte Wasser findeni zu k~nnen. Als sie zum siebeniten Male an dem Kinde vorbeigivig, das vor Durst fast umkam, bcmerktc sic, wie tinter dern Fusse des Knaben eini Quell hervorrieselte und immer starker zu sprudehi beganvi. Sic ersebrack, dass das Kind irn Wasser crtrinken k~niite uvid ricf,,Zem, zem!"- (Hi~r' auf, hiir` auf!). Daher erhielt die Quelle den Nameni.,Abu zcrnzem". Gleich darauf vcrnahm Hadzvera eine Stimme aus der WIlhe, welehe ihr zurief:,T Wenn du Hungrer hast, trinke vori dieseim Wasser, nod dui wirst satt. Wcnn du Durst least, trinike. uvid du wirst deiviev Durst k~shehn. Wenn du krank bist, trinke davon.und du wirst genescn!" An diec~er Quelle verweilte Hadzver volle dreizehn Tag-e. Naclh dieser Zeit zog in der _NNahe civic Karawane vorbei, welehe auf Kameclen Waren fifhrte. Alle xvaren hungri g und durstig und viele anch kranik. Sic suchteni nach Wasser, vermoehten jedoch keines zu finden. Da rief Eincr von ihnen aus: jWer in der W-iiste Wasser finden will, suche es nicht auf dern Boden, sondern in der Luft!-" Sic blickten nach dem. Himmel uvid sahen civic Taube, die civien grewissen Punikt umkreiste. Sic gingen dorthin, fandeni die Quelle uvid an dersclben Hadzvera und iliren Sohn, trankevi von dern Wasser, l~schtcn darnit Hunger und Durst uvid dic Kranken genasen.

Page  40 - 40 - Zu derselben Zeit traumte Ibrabimn, Gott babe ibm befoblen, seinen Sohn Ismatil Zu opfern. INaebdem sich derselbe Traum dureb drei Naehte wiederholte, erhob er sich in der dritten Nacht vo~n seinem Laoger, bestieg, emn Kameel und zog aus, semenD einzigen Sohn zu suchen, urn ihn Gott zum Opfer darzubringen. Er gelang-te ain denl Ort, wo Had "'er mit dem Kinde weilte und. teilte ibr seinen. Traum mit. Als sic die Worte Ibrahims vernommen batte) sprach sie:,,Wenn Gott dir eineni soleben Befebi erteilt bat, nimim deii cn, SobD und opfere ibni!"- Da zog er sein Messer, urn denl Sohn zu sehlaebten, vermochte jedoeb den Hcals des Kindes nicbt zu durelisehneiden. Dann bieb er mit dem Messer auf den Steini, auf' dem. der Knabe kniete und spaltete ibin von oben. bis unten. Der Stein. ist nocb beute sichtbar und in den Spalt sclbieben zur Erinn erUng an das Ereignis die Mekkapilger ibre Hande. Indess war der Engel Dzvebrail (Gabriel) aus dem Paradiese berabgestiei~en und reiebte Ibrabim einlen scbwarzen Widder mit goldenlen H~irnerti, denl nun Ibrahim ail Stelle des Sohn1es opferte. Rings um die Quelle Abu Zemzem erbaute Ibrahim eine Stadt, in welelher sich die Mitglieder der erwahiiten Karawane nebst ibren. Naehkommeni ansiedelten. So wurde der Profet Ibrahirn der Begrtinder von Mekka. Zur Erinnerung daran, dass Hadzver fur ihi-en. Sobn Wasser, suehte, umkreisen die Mekkapilger siebenmal die Kaaba, und die Scbeicbs, welehe das Ileiligtum und den schwarzen Stein Hasdz'erulEsved bewachen, verkaufen in Blechgefasse geftilites Wasser aus. dem Brunnen Abu-Zemzem anl die Pilger, die es aufbewabren. und n-ach der Heimkebr ibren. FreUndenl und Bekannten verteilen'. darnit sic in der Todesstunde davon Gebrauch. machen. Der Brunnen Abu-Zemzem ist mit einem Kuppelbau iiberdacht. Seine Tiefe wird mit siebenundsechzig, Arsvin: 50.25 MI angegeben. Das Wasser ist sebr sehmackhaft und gilt den Moslims, als wundertiitig. Vierundzwanzig S-ebritte vom Brunnen. befinldet sieb der mehrfach erwtihnte sehwarze Stein Hadz~erul-Esved, nachst dern.,Bejt-Ullah'" dass gr5sste lleiligtum des Islam. Uber die Entstehung des,,Hadzverul-Esved" wird. Folgendes, erzahlt: Als Gott den Profeten. Adam erscbaffen hatte, trug ein

Page  [unnumbered] 1. i'l I -11 — w "Op -.1,,o% , -, I.1-110 PA %, 40$ ~i~:.,-,y;>' ' u * ' i * 4, AMekka. In der Mitte der schwarze SLein,,Ilad2erul Esved" nlleeben von Mekkapilgern (Hadiije'.

Page  41 - 41 Engel Gottes den Stein aus dem Paradiese auf die Erde herab und legte ihn an derselben Stelle nieder, wo heute Mekka liegt. Der Stein war anfangs weisser als Milch und glanzender als die Sonne. Er hiess Almaz. Anlasslich der Erbauung Mekkas durch den Profeten Ibrahim baute dieser deni Stein in die Stadtmauer auf die Weise ein, dass eine Halfte in der Wand steckte und (lie andere aus derselben herausragte. Jeder Hadzi (Mekkapilger) beruhrt den Stein mit den flachen Handen und macht dann die Bewegung des Abdest, der rituellen Waschung, indem er mit den Handen das Gesicht und die Arme his zum Ellbogen streift, damit seine Stindell auf dem Steine haften bleiben. Deshalb ktisst man den von der Kaab.a heimgekehrten Pilgern nicht den Handriicken, sondern die Handflache, welche den Stein bertihrt hat. Der Hadzerul-Esved wird taglich schwarzer, denn er nimmt die Stinden der Menschen auf. Doch kehren wir wieder zu unseren Mekkapilgern zurtick. All' die Tausende von Pilgern begeben sich zwei Tage vor dem Bajram nach Arefat, einem etwa drei Stunden von Mekka entfernten Orte. Es liegt auf einer Ebene von etwa einem Quadratkilometer am Fusse des Dzebeli Rahmet. Hier verbleiben die Pilger bis zum Rtisttage des Bajram, welchen sie,,Jevmi arefe" nennen. Zu den Pflichten der Pilgerfahrt (Hadz) gehort demnach nicht blos der Besuch von Medina und Mekka, sondern hauptsachlich der Tag in Arefat. Hier herrscht darum ein ausserordentlich reges Leben; jedes kleinste Platzchen ist gedringt voll. Das Besteigen des Berges Dzebeli Rahmet ist nur der Sekte Safi (Safi mezheb) gestattet. Die Moslims zerfallel namlich in vier Sekten, unter welchen jedoch lange keine so wesentlichen Unterschiede bestehen, wie unter den verschiedenen christlichen Bekenntnissen, denn keine der islamitischen Sekten andert den Charakter des Islam, welcher die Begriffe Schisma und Haresie nicht kennt. Allen Moslims gilt der Kur'an als heilige Schrift, deren Gebote sie unbedingt einhalten. Der Unterschied unter den islamitischen Sekteu aussert sich blos in den Zeremonien. Die bosnischen Moslims gehoren zur Sekte,Azam" oder,,Eazem". Zwischen ihnen und der,,afi"-Sekte besteht

Page  42 - 42 blos der Unterschied, dass ulie bosnischen Moslims beim Gebete die Hande derart vor sich halten, dass sie die Handflachen anblicken, wahrend die Safi-Sekte die Hinde sinken lasst. Auf dem Gipfel des Dzebeli-Rahmet steht ein Geistlicher (Imam), der eine Predigt halt, welche die Zeit vom Mittagsgebete bis zur Ikindija ausftillt. In gewissen Augenblicken gibt der Imam ein Zeichen mit einer Falne, und die Hunderttausende der am Fusse des Berges weilenden rufen einstimmig:,Lebbejke! Allahum lebbejk!" Der Eindruck dieser Szenen ist auf die Teilnehmer ein unendlich gewaltiger. Vielen drangen sich Tranen der Begeisterung in die Augen. Erst wenn Kanonenschusse die Zeit des Aksam, des Abendgebetes verktinden, verlisst die Menge den Platz. Auf dem Wege nach Mekka im Ortc Muzdelifu -werden Abendgebet und Nachtgebet (Jacija) zusammen verrichtet. Dann wird der Weg nach dem Stadtchen Mina, anderthalb Stunden von Mekka, fortgesetzt. wo die Pilger mit Tagesanbruch des Bajram anlangen. Am Morgen wird die Schlachtung der Opferwidder (Kurban) vorgenommen und die Pilger sind nicht verpflichtet, das ftir den Bajram vorgeschriebene Morgengcbet zu verrichten. In Mina briingen die Pilger alle drei Tage des Bajram zu. Sie gehen blos taglich nach Mekka, absolvieren den,Tavaf", die siebenmalige Umkreisuiig der Kaaba. und kehren dann sofort nach Mina zuruck. Dies Stadtchen ztihlt an dreihundert aus Steinmateriale gebaute Hauser und ist blos an dell Bajramtagen bewohnt. Aber an diesen Tagcn geht es dafiir bier umso lebhafter zu. Die Pilger haben die Hauser in Miete genommen, und was darin keinen Platz findet, kampiert unter Zelten im Freien. Wahrend des Bajram herrscht gerauschvolles Feiertagsleben. Musikkapellen spielen aut, Kanonen und Biller krachen, Feuerwerke werden abgebrannt, das Knattern von Gewehr- und Pistolenschiissen ruht keinen Augenblick. Das ganze Stadtchen hat sich in einen bunten Bazar vcrwandelt, in welchem orientalische Handarbeiten, Stoffe, Stickereien u. dgl. feilgeboten werden. Was die Bewohner der Umgebung im Laufe des Jahres anfertigen, bringen sie am Bajram in Mina zu Marktc. Mit dem,,Tavaf" am drittenl Tage des Bajram baben die Pilger ihrer Pflicht entsprochen.

Page  43 -- 43 Wahrend die Pilger an den drei Tagen des Kurban-Bajram die heiligen Orte besuchen, Opfer darbringen urkd Gebete verrichten. versammeln sich ihre Glaubensgenossenl in der Heimat in ihren Moscheen und beten fur die gliickliche Heimkehr der I'ilger aus fernem Lande und erwarten mit Sehnsucht den Augebllick des Wiedersehens. Bei ihrer Heimkehr werden die l'ilger von der ganzen islamitischen Bevolkerung empfangen, lherzlichi mit Ulrarmungen und Ktissen begrusst und im Triumpfe nach ihren Wohnungeni gelcitet. Hier angekommen verteilen sie die mitgebrachten Geschenke an ihre Verwandten und Bekanntenl. zumeist tiirkische Kleider und orientalische Wohlgertche, die zu Hause nicht erhaltlich sind. Die Mekkapilger stehen beim \TVlke in Bosnien und der Hercegovina hoeh in Ehren. Ein..Hadzi"' ist die geachtestste l'ersi3nlichkeit in seinem Stadtviertel oder Lorfsprengel. Aber nicht nur das Voik schatzt sie ganz besonders, es glaubt auch, dass sie besondere Lieblinge Gottes sind und dass Gott ihretwegen \rWuIder thue, um zu bekunden, wie wert ibm die Mekkapilger sind. Ein Beispiel: In Banjaluka lebte vor mehreren hundert Jahrcn eill sehr frommer Mann. In der Nahe seines Hauses stand ein holier Lindenbaum. unter welchemr ein heller, klarer Quell hervorsprudelte. Aln dieser Quelle verrichtete der Fromme taglich die vorgeschriebenen religiosen Waschungen (Abdest) und hier verrichtete er sein Gebet. Einmal fasste er den Entschluss. nach der Kaaba zu pilgern. Am Vorabend der Abreise begab er sich an die Quelle. nahm den Abdest und betete. Nachl Beendigung des Gebetes ging er il sein Haus, vergass jedocli sein Tueh auf dem Baume. Am nachsten Tage trat er ohne das Tuch die Pilgerfahrt an. In Mekka angelangt suchte er eine Quelle auf, uin die vorgeschriebenen Waschungen vor dem Gebete zu verricliten. Wie erstaunte er jedoch, als er auf dem Baume, der nebenl der Quelle stand, ein dem seinen, zu Hause vergessenen ganz iihnliches Tueh erblickte. Der Manl langte das Tuch vom Baume herunter, es war ilas seine. Da tat er einen Riss in dasselbe und hieng es wieder aln den Baum. Als er nach vollendeter Pilgerfahrt heimkehrte. war sein vergessenes Tuch an derselben Stelle zerrissen. Das Volk erhielt von der Sache Kenntnis und war iiberzeugt. Gott habe ein Wunder getan. um zu

Page  44 -44 zeigen. wie wohlgefallig ihm dieser Hadzi sci. Nach seiiiem Tode errichtete ihm das Volk ein Turlb (Mausoleum) und der Baum, unter welchem er seine Gebete zu verrichten pflegte, erhielt den Namen,.Linde des Hadzi" (Hadzijina lipa). Baum und Turb, sind noch heute gleich hinter Banjaluka rechts neben der nach Jajce fuhrenden Strasse zu sehen. Jeder Moslim. der den Entschluss fasst, nach Mekka zu pilgern, lasst vorerst den Bart wachsen. denn so habc es schon der Profet Adam (Adem pejgamber) angeordnet. Der Vollbart verrat den edlen. ernsten und ehrenhaften Mann. der strenge nach den Befehlen Gottes lebt. Deshalb wird einem Bartigen Vieles verabelt, was man einem Bartlosen verzeiht. Der Bart steht bei den Moslims sehr in Ehren, und alte. birtige Manner werden mit den Titcl,Hadzi" oder,Hadzija" ausgezeichnet, selbst wenn sie niemals in Mekka gewesen sind. Aber nicht nur (lie Hadzi und die alteren, vornehmereni Mos1ims tragen einen Vollbart. denselben lassen auch solche wachsen, die fruher dem Trunke ergeben waren oder sich in anderer Weise gegen die gi;ttlichen Gebote vergangen haben. Hat ein solcher Sunder beschlossen sich zu bessern und in Zukunft wie ein echter Moslim zu leben, lisst er den Bart wachsen. Zumeist beginnt man damit vierzig Tage vor dem Bajram, damit diese Manneszierde am Feiertage schon eine ansehnliche Lange aufweise. Am ersten Tage des Bajram nach dem gemeinsamen Morgengebete ruft der reuige Sunder dem versammclten Volke zu:,,Der Hodza hat fur meinem Bart ein Gebet (dova) verrichtet!" Jeder Hodza verrichtet das,Bartgebet" sehr gerne, und die Glatbigen rufenl wahrend desselben laut jedesmal Amin! Amin! (Amen). Nach dem Verlassen der Moschee gratuliert das Volk dem Bekehrten nicht bios zum Bajram. sondern auch zum Barte mit den Worten:,Bajram mubarekj olsun!" und gleich darauf,Gesegnet sei dein Bart!" (Mubarekj brada),woraufder Begltickwinschte erwiedert:,Allah razi olsuln! Gcstatten es die Verhaltnissc des Bussers, ladet er hierauf seine Freunde, Bekannten und Verwandten zu sich in's Haus, wo

Page  45 - 4.5 er sich durelh den Barbier Bart und Sehnurbart den religi6sen Vorsebri ften entsprechend zustutzen Iasst und be wirtet die Geladenein sodann mit Kaffee, Limonade und Scherbet. Verharrt ein soleher Btisser auch ferinerhin und dauernd auf dein Pfade der Tugend, erftillt er getreulich die Gebote Gottes und des Profeten Muhamnmed, so dass emn Rtiekfall bei ibm ausgesehiossen erseheitit, dann wird er als vollendeter Moslim betrachtet und ge,niesst die voile Aehtung Gottes und der Mensehen. Der ",Meviud", oder riebtiger der "Mevludi Serif" ist der Geburtstag des Profeten Muhamnmed, und wird am zwblften Tage des Monates Rebiul Evel gefeiert, zur Erinnerung an die Naeht, in weleher Profet Muhamnmed der Korejsehite als Sohn des Abdullah, Enkel des Abdul Muttalib und Urenkel des Hasehim in Mekka geboren ward. In der Geburtsnaeht des Profeten Muhamnmed, ereigneten sich mebrere Wunder. Aile ibhte Gott aus, urn den Menschen zu verktinden, dass Muhammed sein Liebling und der gr6sste Profet sei, der die reine Lebre Gottes auf die ErdJe braehte. Der Monat, in welehem die Geburt Muhamnmeds erfolgte, hiess Rebiul Evel. Diesen Namnen ftihrt derselbe jetzt nur bis zum Geburtstage des Profeten. Von da, ab bis zumn Ende heisst er MevIud. Am Vorabend des Meviud werden die Minarets und Moseheen ganz so beleuehtet, wie im Ramazan und am Bajram. Wabrend des Gottesdienstes am MevIud bringen manehe Glaubige in Gefassen jeder Art von zumneist blauer, r~tlieher oder grunlicher Farbe Scherbet (stisse Fruehitsafte) und lassen die in der Moschee anwesenden Glaubigen, und wenn sich eim Andersglaubiger zufallig dort befindet, auch diesen, aus dem Gefasse trinken. Das Gefass wird jedoeh nicht direkt an die Lippen gesetzt, sondern der Trunk durch emn auf die Mun - duing gebreitetes Gewebe (Bez, Byssus) geschliirft, deun so babe es der Profet Muhamnmed. empf'ohlen. Das Scherbettrinken geschieht zur Erinnerung daran, weil die Mutter des Profeten gleich nach dessen Geburt emn Gefass yoll Seherbet austrank, das man ihir auf Verl'angen. reichte.

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Page  47 47 - Nachdem die Glaubigen del Scherbet ausgetrunken haben, werden sie mit Weihrauch, Nelken und einem aus Mekka mitgebrachten wohlriechenden Holze berauchert und mit Rosenwasser und anderen Wohlgeruchen besprengt, denni die Engel haben nach der GCeburt des Profeten dessen Mutter ebeiifalls berauchert und mit Vohlgeriichen besprengt. Alle Moslims, auch die in Bosnien und der Hercegovina, lieben die Wissenschaft, deren Pflege zu den religiosen Geboten (Fars) gehiort. Wer nicht bestrebt ist, Wissen zu erlangen, verstindigt sich vor Gott und an den Menschen. Der hervorragendste Abgesandte und Liebling Gottes, der Profet Muhammed, lehrt an einer Stelle:,,Die Wissenschaft ist religioses Gebot fiir jedeii miinnlichen und weiblichen Bekenner des Islam', und an einer anderen:,Suche die WVissenschaft, und sollte es auch in China sein". Das intelligenteste und aufgcklirteste islamitische Volk, das arabische, hat cine Menge Sprichwirter und weiser Lehrsatze, von denen Eines lautet:,Suche Wissellschaft von der Wiege bis zum (-rabscheit". und ein anderes:,,Lerne von Jenem, der dich belehren kann, dein kein Menscli besitzt das WTissen fiur sich allein. sondern zum Nutzeln Anderer". Die Religion gebietet dem Moslim, Belehrung zuvsrderst bei Glaubensgeiiossen zu suchen. Findet er hier niclit genug, dann wende er sich auch an Andersgliubige. Niichst del Moslims ist vorerst die Belehrung bei jenen Menschen zu suchen. die an einen Gott glauben (Ehli Kitab), dann aber auch bei Bekennern der Vielgotterei. Deshalb lehrt auch Ali Imami:,Die Wissenschaft ist nicht auschliessliches Gut der Moslims. Erwirb sie, wenn es sein muss, auch von Heiden". Oder:,Wenn du dich zu Jemand gesellst, beachte seinen Geist und nicht seinen Glauben. Der Glaube ist seine Sache, aber von seinem Wissen kannst du Vorteil schopfen". Die Moslims in Bosnien-Hcrcegovina sind zwar an Bildung hinter ihren Glaubensgenossen, namentlich hinter den Arabern, zurickgeblieben, aber dafiir trifft nicbt sie das Verschulden, sondern ihre geografische Lage und ihre geringe Anzahl, besonders jedoch der Umstand, dass sie bis zur neueslen Zeit, bis zur Okkupation im Jahre 1878, dtrch Jahrhunderte fortwahrend blutige Kriege

Page  48 - 4S - und Kampfe fulirten. Und,inter arma silent musae", wo die Waffe herrscht, dort ruben die Wissenschaften. Die Moslims in Bosnien-LHercegovina sind ein von Natur kraftiges, gesundes und geistig frisches Element, das noch zu grossen Fortschritten berufen ist. Dies bekunden schon ihre bisherigen Erfolge. Sie haben ihr Schulwesen verbessert. einen Unterstiitzungsverein fuir arme Schtler,Gajret"' errichtet, illre religijsen Stiftungel (Vakuf) geregelt, einige Zeitungen begrundet und der kroatischen Literatur einige tuchtige Poeten und Schriftstcller gegeben. M/ h I Moslim'scher Bauer. Eim Element, das in den wenigen Jahren, durch welche ihm eine ruhige Entwickelung vergonnt war (seit 1878), auf kulturellem Gebiete solche Leistungen aufzuweisen hat, kann weder als indolent, noch als fur die Kultur unfahig bezeichnet werden. * * * Die Moslims in Bosnien-Hercegovina zerfallen in Begs, Agas, Kaufleute, Handwerker und Landleute. Die Begs, diese Nachkommen

Page  49 - 49 - des alteii bosniseheni Feudaladels, ferner zahireicbe Ag-as siiid Besitzer gNisserer oder kleinerer Grunidkomplexe, weiche von Baueru, fibren Kmeten, bearbeitet werden. Die Kineten sind zumeist Christe n beider Bekeniitnisse, Katholiken oder Orientaliseh-Ortodoxe; es kommen jedoch baufig- genug aueh Kineten vor, die sieh zum Islam bekennen. Reiche B~gs und Agas haben soviel Grundbesitz, dass darauf melirere hunldert Kmetenfamilien ihi- Auskommen finden. Der gailze Komplex der einer Kmetenfamilie zug-eh~rigen Grundstfieke heist,,schifluk". fin Zentrum des Tsehifluk hat sich der Grunldbesitzer geow~hnlieh cin Grundsttick als Allodialgut vorbehalten, den i,,Beg-luk", auf welehem die Begs und Agas ihre Sommerwolinungen (Tschardak) errichten. Hier verbringen sie die Sommermonate his in den Herbst', falls sie den Tsehardak nieht etwa verpaehten oder ihreni Verwaltern. (Subascha) zur Wohnung, anweisen. Diese sind zumeist intelligentere, Moslims, die lesen und schreiben k~5nnen und die Lan~dwirtsehaft verstehien. Wenn die, Ernte, bevorstehit, sehatzen sie deren. Ertragnis auf den Grundsttieken der Begs und Agas ab, urn die H6he des dem Grundherrn nach dem G-esetze zufallenden Drittels des Ertrages (Tretina) zu, bemesseii. Das Einkommen eines Subasehia besteht gew~ihnlieh in einem Zehntel der eingebraehten Tretina. Naeh (lem ottomaniseben. Gesetze vom 12. Safer 127-6 inach der Hedzvra ist der Kmet vom Grundherrn volikommen unabhangig. Er ist pers~nlieh. frei, muss jedoch emn Drittel. alles dessen an den Aga abliefern, was auf dessen Grundsttieke geerntet wurde. tVberdies bezabit er- die staatliehie Steuer in der Hdhe eines Zelintels (Zehent, Desetina) des Ernteergebnisses von lieu, Getreide, Obst und CGemtIse. Von Rindern, Pfei'den, Schafen und andereii Haustieren hat er an den Grundherril niehts zu. entriehten bios eine Steuer an den Staat vom Kicinvieb, (len Sehafen und Ziegen. Solange der Kmet an den Grundherrn das gesetzliche Drittel. und die Staatssteuer bezahit, kann ihin der Beg oder Aga weder von seinem Grundsttieke entfernen, noch verffigen, wieviel und von weleher Fruchtgattuing er im Jahre anzubauen habe. Ebenso darf der Kmet nieht ohne sehwerwiegende Griinde und ohine die Erlaubnis, der Beh~;rde semnen Aga oder Beg verlassen und sieh zu einemn anderen Grundherrn begebe-n. 4

Page  50 -- 50 - Der Kmetenbesitz fibergeht vom Vater auf den Sohn unter den friiheren Bedingungen. Der Kmet vermag sich jedoch loszukaufen, wenn er sich mit dem Grundbesitzer daruiber verstandigt und den vereinbarten Ablosungspreis entrichtet. Aus dem Kmeten wird dann ein Freibauer und unbeschrankter Besitzer seines Grundes und Bodens. Die Hauser der Moslims in Bosnien und der Hercegovina sind zumeist aus Holz gebaut. Erst in den letzten Jahren haben einige hartes Materiale, Steine oder Ziegel, zuin Baue ihrer Hauser verwendet. Wahrenl der ottomanischen Verwaltung gehorten ge-.c^ " -r...,..* N -:. --.,,,?. 5,:. 1 t ' I -e f Moslim'scher Landmann aus Mittelbosnien. mauerte Hauser zu den Seltenheiten. Einen solchen Herrensitz nannte das Volk,,Kula" (Turm) und schatzte nach deren Ausserem den Reichtum ihres Besitzers ab. Die Hauser besitzen immer einen viereckigen Grundriss, sind innen und aussen mit Kalk weiss getincht und zeichnen sich durch reinliches Aussehen aus. Nahezut alle moslimischen Hauser in Dorf und Stadt sind einstockig. Das Erdgeschoss vieler Hauser ist aus Steinen aufgeftihrt; auf dasselbe wird ein Stockwerk aus Holz oder Ziegelwanden aufgesctzt. Alter

Page  51 Kahvana und moslim'sches Hauschen am ))BentbaPi(( an der Miljacka in Sarajevo.

Page  52 tilmliche Hauser in Bosnicn, namentlich jedoch die der Moslims, sind im Erdgeschoss schmaler als im Stockwerk, so dass das letztere den Unterbau bedeutend tiberragt. Im Erdgeschoss wohnt der Moslim im Winter, im Stockwerk wahrend der warmeren Jahreszeit. Das Erdgeschoss bietet wenig Luft und Licht, denn es besitzt blos wenige Fenster. Daftir besteht das erste Stockwerk fast ganz aus Fenstetrwanden. Aus dem Erdgeschoss ftihrt nach oben gewohnlich eine schmale, steile Treppe mit einem Gelander aus geschnitzten Brettchen, das zumeist rot oder gelb angestrichen wird. Die Treppe mUndet nach oben in ein grosses, polygones Vorzimmer, aus dem die Ttiren nach den tibrigen Wohnraumen fihren. Das ist eine nicht blos praktische, sondern vielfach hochst notwendige Einrichtung. Die bosnisch-hercegovinischen Moslims sind grosse Naturfreunde und habhl daftir wenig Sinn, dass ihre Hauser an der Strasse oder irn ieihen neben einander stehen. Sie siedeln sich am liebsten an Bachen und Fltissen und an Bergeshangen an, wo sich ihnen ein freier Ausblick in die Natur nach alien Seiten darbietet. Der Dachstuhl der Hauser ist steil abfallend, zumeist hoher als das Haus selbst. In waldreichen Gegenden werden die Dacher mit schmalen Holzbrettern eingedeckt, in waldarmen, namentlich in der Hercegovina, mit Steinplatten und in neuerer Zeit mit Dachziegeln. Jedes Haus weist auf dem Dache cine Offnung auf, durch welche der Rauch entweichen kann (Badza). Auch bei den vornehmsten Moslims wird auch heute noch auf offenem Herde Feuer gemacht. Sparherde sind eine Errungenschaft der neuesten Zeit und ausserst selten. In den DTrfern, Flecken und auch in manchen Stadten, namentlich im nordwestlichen Teile Bosniens, der,,Krajina", (Turkisch Kroatien) und dem Gebiete der Save ist fast jeder Hof eines moslimischen Hauses von einer hohen Bretterwand (Tarabe) eingefasst, damit kein Unberufener einen Blick in den Hofraum zu werfen vermag. Zwischen den Fenstern des Harem an der Strassen

Page  53 1, P rfn' f'a!:~ k, * \ * v q, P \,a V}' I'" t "iL '. (V 54D fv Jw d; ~ A-. t f I M- I r I,I d,, i r a.a? Zs t Y b ; C~? '^'' ""~x fi c r I I. A:,.X/, 2 - ^ N) Moslim'sches BauerulgehOft, das Erdgeschoss gemauert, der Oberbau voll Holz.

Page  54 - 54 - seite befindet sich vielfach auch der Kukuruzspeieher, oder bei Wohihabenden deren mehrere, die niclit bios die Stelle des Zaunes vertreten, sonde rn. zugleich den Reiehtum des Besitzers zu verktinden berufen sind. Die Kukuruzspeicher ruhen auf festen Pfeilern aus LHolz oder Stein, bestehen aus Flechtwerk oder Bretterwanden. und sind. mit. Brettern oder- Dachziegeln gedeekt. Die Haluser der Reichen, namentlich angesehenier Begs oder Agas, besitzen eine hohe Umfassungsmauer, welelie von alien Seiten den Eiublick in den Hofraum verwehrt. Haufig kommt es vor, dass vermo-gendere Moslims, Begs, Agas oder auch manche Kaufleute, zwei Wohnhuiuser besitzen. In dem einen wohnt der Hausherr allein und empfanigt hier die Besuche seiner Freunde und Bekannten, im zweiten haust die Familie. Das Wohnhaus des Hausherrn heisst,,Selamluk" oder.,,Ahar", das der Familie,,Harem" oder,,Haramluk". Der armere Moslim empfangt den Gast und. den Freund in demnselbenl Hause, in welehem auch seine Familie wohnt, jedoch in cinem abgesonderten,7 hiefur bestimmten Gemaebe. Es gibt audi Ahars, in deren erstern Stockwerk d er Hausherr wohint, wahrend das Erdgeschoss, in diesem Falle der Keller (Podrum) als Stall fir Pferde und Rinder dient. Das Pferd ist das Lieblingshaustier des Moslim. Die Freude leuehtet ihm aus den Augen, wenn or sich auf den Rtieken ~des gemasteten Schimmels" werfen kannl. Die Moslims besitzen auch sehiine Pferde, wohl von kleiner Statur. aber lebhafte Tiere mit feurigen Augen, dabei schnell und h~cehst ausdauernd. Sehr viel zur Seh~inheit und Gtite der bosnischen Pferde hat die Veredlung mit reinem arabisehem Blute beigetragen, die schon zur Zeit der ottomanisehen Verwaltung von den Gouverneuren (Vali) und. aueh von ottomanisehen Offizieren hie und da gef~rdert wurde. Systematiseh und mit anerkanint grossein Erfolge wird. die Veredlung der Pferderasse erst seit der Okkupation betrieben. In jedem Jahre werden Zuchttiere reinster, arabischer- AbstammnMUg eingeftihrt. VYberdies veranstaltet die Landesverwaltung alljahrlieh in den deir Pferdezucht obliegenden Gegenden des Landes Ausstellungen VOn Fiffllen, gewahrt den Zichtern namhafte Pramnien und reich dotierte

Page  55 -55 Wettrennen fur einheimische Pferde. In Bosnien und der Hercegovina stehen zur Zeit achtzig edle arabische Vollbluthengste zu Zuchtzwecken in Verwendung. Jedes moslimische Haus besitzt sowohl in der Mannerabteilung (Selamluk, Ahar) als auch im Harem Balkone, welche einen Ausblick in den Garten gewahren. Diese Balkone heissen,,Divanhane" (Plauderecken) oder,,Kamerije", (vom italienischen Camera?). Im Fruhling und Sommer bilden sie den beliebten Aufenthaltsort der Moslims. Der Moslim ist ausserordentlich gastfreundlich und sieht es sehr gerne, dass ihn namentlich an Feiertagen recht viele Freunde und Bekannte besuchen. Er sieht den Andersglaubigen ebenso gerne zu Gaste wie den Glaubensgenossen; besonders freut er sich tiber den Besuch angesehener Personen aus allen Schichten der Gesellschaft. Er tiberbietet sich f6rmlich in Liebenswtirdigkeit gegen seine Gaste und in Zuvorkommenheit gegen dieselben. Sobald sich die Giste auf den rings an den Wanden des Gemachs entlang laufenden gepolsterten Banken (Minder) niedergelassen haben, werden die uiblichen Begrtlssungen ausgetauscht. Man fragt sich gegenseitig und wiederholt nach dem Befinden. Die Formel hiefur lautet:,,Wie befindest Du Dich?" - Dank sei Allah, gut!" - Worauf sogleich die Gegenfrage und dieselbe Antwort erfolgt. Dann bringt ein aufwartender Diener auf einer Tasse,Slatko", stisses Kompot von Rosenblattern, Apfeln oder Quitten in Honig oder Zucker eingelegt. Das,Slatko" wird auf kleinen Glastellerchen von blauer oder roter Farbe herumgereicht und mit silbernen, haufig genug auch mit goldenen L5ffelchen gegessen. Jedem Gaste wird ein solches Tellerchen angeboten. Man nimmt davon ein Loffelchen voll und trinkt gleich Wasser darauf. Mit einem Handtuch, das der Diener tiber die Schulter geworfen tragt, wird dann Mund und Hand abgewischt. Nachdem den Gasten der Reihe nach,Slatko" herumgereicht wurde, erscheint ein zweiter Diener mit einer Tasse, auf der sich soviele Glaser Limonade oder Scherbet (Sorbet) befinden, als Gaste vorhanden sind und reicht diese herum. Ist diese Bewirtung vortiber, erhebt sich der Hausherr und reicht jedem Gaste eine Zigarette mit der rechten Hand, wahrend er die linke flach auf die Brust legt und sich dabei verbeugt. - Sind alle Gaste

Page  56 56 mit Zigaretten verschen, steckt der Hausherr dieselbell jedem Einzelnen personlich in Brand. Im Winter werden die Zigaretten vielfachmit gliihenden Holzkohlen aus der,Mangala" (Kohlenbecken) angebrannt, die der Hausherr mit der oft reich verzierten Feuerzange fasst und der Zigarette des Gastes nahert. Die,Mangala" ist ein ziemlich tiefes Becken aus Kupfer, Messing oder Tonerde, womit die Wohnungen, Kaufladen und Werkstatten erwarmt werden. Die untere Halfte wird mit Holzasche, die obere mit Holzkohle gefiillt, welche in Brand gesteckt wird. Um den schadlichen Wirkungen der Kohlengase zu entgehen, wird die Mangala solange im Freien gelassen, bis die Kohle ganz gltihend und das schadliche Gas entwichen ist. Der besseren Sicherheit wegen wirft man ein Sttick Eisen oder ein anderes Metall in die Glut. Auch wohlriechende Krauter werden in die Glut getan, zumeist ein Sttickchen einer Pflanze, welche die Mekkapilger von der Kaaba mitbringen und die im Volksmunde deshalb,,Kaaben trava", das Gras von der Kaaba heisst. In der,Tcharschija", dem Bazar, sieht man an jedem Morgen eines Wintertages vor jedem Kaufladen eine mit brennenden Kohlen bis hinauf geftillte Mangala und vor derselben einen Lehrling, der mit einem Stticke steifen Papieres oder einem kurzen Brettchen die Luft in Bewegung setzt, um den Verbrennungsprozess der Kohle zu beschleunigen. Erhalt ein alter, angesehener Beg oder Aga den Besuch eines lieben Gastes, und huldigt der Hausherr dem Genusse der,Nargillau (Wasserpfeife), setzt er diese in Brand, macht einige Ztige und reicht das Mundsttick darauf dem Gaste zum Rauchen. Nach dem Rauchen wird Kaffee herumgereicht. Nach der zweiten Tasse erheben sich die Gaste, nehmen vom Hausherrn unter Verbeugungen Abschied nnd machen anderen Gasten Platz. Der Handedruck als Begrtissung ist bei den Moslims nicht tiblich. Die zweite, einem Gaste vorgesetzte Tasse Kaffee ist fur diesen das Zeichen, seinen Besuch abzukurzen. Das Volk nennt die zweite Tasse deshalb auch die,Peitschea oder,Sikterusa" (,Sikter = hinaus). Einen besonders werten Gast und guten Freund oder einen lange nicht gesehenen Verwandten lasst der Hausherr auf seinen eigenen Platz niedersetzen und bedient ihn selbst nicht nur mit

Page  57 - I ---- I z-zz-z =;m - - - - - - — -T I I I

Page  58 - 158 Tabak, sondern auch mit Speise unid Trank. Im Volksliede heisst es daruiber: Lipo ga je pasa do~ekao. Na svoje ga misto posadio, Svojim ga je C'urkom ogrnuo, Se'erli mu kahvu dodavao. (Freundlich emfing der Paseha ilin. Liess auf semnen Platz ihn niedersetzen. Htillt' mit seinem Peize jim ein Und reiebte ibm den gezuckerten Kaffee). In ahnlieher W~teise bewirten sich auch die Frauen unter einander. Es ist hier bios tiblich, dass die Hausfrau einer besonders lieben Gastin die Zigarette anztindet und aus derselben zuerst einigc Zttge macit, ehe sic dieselbe der Freundin darreicht. Die Einriehitung eines Harem sowohl, wie die eines Selamluk ist nach europ~iischen Begriffen hi~elist einfaeh und keineswegs mit der Einrichtung eines europaischen Hauses zu vergleiebein. Die moslimscien, Wohnungen zeiclineni sieh in ibirem Innern durci peinlidlie Reinliclikeit und. grosse Einfaclhicit, dabei jedoch durci praktische Einrichtunw aus. Das gauze Meublement in Emipfangszimmer (Selamluk) eines Moslim bestehit in cinem langs der Wande befindlichen, am Fussboden befestigten, niedrigen und ziemlici breiten Holzgestell (Sec'ija), das mit einem Teppichstoffe (Makat) tiberzogen ist. Bei deni Reicien und. Vornebmen ist der,Makat" mit Gold und Silber gestiekt. Anstatt mit Matratzen ist die ~Sec'ija" mit,, Minder", d. i. mit Schafwolle geftillten Polstern belegt. Mancie f~ulen die Polster mit feinen Grasern. Bei den Reichen ist der Minder mit Sammt und Seide tiberzogen, die Armereni breiten Deeken aus Wollstoff dartiber. Die Armen begntigen sich mit der ~Seh'j'a", welche mit Rohrmatten bedeckt wird. In den Hausern der Reicien finden sich auf der Sec'ija an die Wand gelehnt fein ausgestattete Kissen von gleicher Farbe und Gewebe wie die Minder. In keinem, auch nicht iin armen, moslimischen Hause feilt der Fussbodenteppich. Die Reichen treiben. mit feinen Teppichen grossen

Page  59 Fi9 - Aufwand und besitzen. haufig hi~chst kostbare Teppiche. Nur die Armsten bedecken den Fussboden. ihrer Wohnungen mit Matten oder mit selbstgewebten. Teppichstrei fen aus Kei ederresten. Beim Betreten des Hauses, sowohi. des fremden wie des eigenen, legt der Moslirn die Schuhe oder Pantoffel Ab und tritt barfuss oder in Strtimpfen in's Zimmer, urn den Teppich nicht zu besclimutzen. Hinter der Ttire eines jeden moslimisehen ilauses stehit emn holier, schbmaler, jedoch vortrefflieher Ofen, gfewbhnlieh mit gelber oder roter Farbe angestrichen. Neben dem Ofen im Sehlafzimmer befindet sich das,,Hamam", der Baderaumn, wo sich die Leute wasehen 31 — Ilaus eines Moslim's der drmeren Kiasse. und die rituelleii Wasehungen vornehmeti. Naehst dem Hamnam befinden sich Wandsehranke (Dolaf), in. denen die tibliehen. Gebrauclisgegenstande, Pfeifen, Tabak, Glaser u. s. w. aufbewahrt werdenl. Tische uind StUhie haben moslimisehe Wolinungen his in die letzte Zeit niecht gekannt. Auch heute finden sich diese MWbelstticke bios in den Hausern der Vornebmen und Gebildeteren. Den Waudeschmuck vornehmer moslimiseher Hauser bilden. gew~3hnlieh kalligrafisech ausgefuhirte Kur'an -Verse oder Abbildungen der heiligen

Page  60 Harem. An den Fenstern sind die ))MuSebeci(( (Gitter) sichtbar. "-~* I i _ _M! a ',1 t..m.".",. 'C_'- - — '''-. _.,. /,,4C _, I

Page  61 - 61 Statten der Moslims. Profane Bilder und besonders Skulpturwerke besitzen sie nicht, weil die Religion dies nicht gestattet. In vornehmen Hausern sieht man auch grosse Pendeluhren und Spiegel an den Wanden, obwohl der Spiegel nach dem Religionsgesetze eigentlich nicht gestattet ist, denn derselbe weckt die Eitelkeit. In den Schlafraumen sind die Bettgestelle unbekannt. Zum Schlafen werden Matratzen und Polsterauf den Fussboden gebreitet. Am Morgen nach dem Aufstehen werden die Matratzen und Polster in die Wandschranke oder in massive Truhen aus Nussholz gelegt, welche an der Vorderseite schin und reich geschnitzt sind. Auch /7 -w- V Ibrik und Waschbecken links oben nebst diversen bei den Moslirns gebrauchlichen Luxusgegenstanden. Kleiderschranike kennt das moslimische Haus nicht. Sie hangen die Kleider an in der Wand befestigte Nagel an. Die Frauengewander und Waschestticke werden in Truhen aufbewahrt, denn es gilt als grosse Schande, die Kleider der Frauen gleich denen der Manner frei an der Wand hangen zu lassen. Nach dem Aufstehen am Morgen wird der,Ibrik" als Waschgefass benutzt. Es ist dies ein schmalhalsiges, an die griechische Form erinnerndes Gefass aus Kupfer oder Messing. In demselben wird das Trink- und Waschliasser aufbewahrt, ebenso das Wasser ftr die rituelle Wasebung. Bei armeren Moslims slichttet die Frau Kleier n inderWandbefstite Ngelan. ie rauegewnde und~~~~~~~~~!~ Wacetik edni rhnafear~dn sglt als~'~~

Page  62 - 62 -2 oder emn Kind dem Manne das Wasser fiber die Hande. Bei reichell Leuten besorgt diese Verrichtung emn Diener, der in der einen. Hand den Ibrik, in der anderen. die Wasebschussel (Legenj) halt und mit dieser das von den Handen abrinnende Wasser auffhngt. damit es nicht auf den Fussboden fliesse. Der ~Legenj " sowohi wie der ~Ibrik" sind oft reich vcrziert. Nach verrichteter Waschung, nimmt er von der Sehulter des Dieners das bereitgchaltene Handtuch (Pes"kir), hockt sich'nieder und trocknet sich die Hande ab. Auch der Diener wartend hockend ab, bis der Herr das Handtuch abgibt. Das Hocken. bei versehiedenen. Verrichtungen ist in Bosnien nicht bios bei den Moslims iibiich. Treffen sic~h ihrer mehrcre im Freien, wo es keine Sitzgelegenheit gibt, hocken. sic nieder und verbringen in dieser Steliung oft stundenlang in Gesprach, ohne Bcschwcrde zu ftthleu. Baden und Wasehen. des Kcirpers ist den Mloslims rcligi6ses Gebot. In alien gr~issercni Orten Bosniens und der Hercegovina gibt es darum 65ffentiichc Badeanstaiten, die gleich dem Baderaume im Hause ebenfails ~Hamam" (Warmbad) heissen. Im Volksliede wird der Bader i~ftcr Erwahnung getan, besonders iebhaft wird das Baden der Madehen und die Toilette nachi dem Bade beschricben: Kad to 6ulua Ajkuna divojka, Uze ibrik i raku safuna, Ona ode u vruc'e hamamne, Umivala bilo lice svojc, iNagizda se vsto god mozve bolje". (Ais Ajkuna, das Magdiein, dies h~5rte, Nahm den Ibrik sic und die Raka-Scife, Begab sich niach dem heissen Bade, Wusch sich ihrc weissen Wangen, SchmUckte sich, so scl~n. sic, konntc.) Der Moslim liebt das Familienieben sehr. Sobaid er in der Lage ist, eine Familie zu ernahren, gruindet er cinen. hiusiichen Herd und teilt mit seiner Lebensgefahrtin ailes Gute und Unanigcnehme, welches das L-ben bictet. Der Mann ist das Oberhaupt der Familie, dem sich Fran und Kinder gerne und ohne Widerpruch unterordnen. Zum Zeichen der Ehrcrbictung der Gattin gegen den Mann

Page  63 - 63 - nennt sie ihin niemals bios bei seinem Namen, sondern ftigt demselben immer die Bezeichnung,,Aga" oder Beg" hiezu, wenn dem, Manne auch diese Ehrentitel nicht zukommen. Seine Kinder liebt der Moslim ausserordentlich und behtitet sie wie seine Augapfel. Aueh die Gattin liebt der Moslim hauptsachblich als Mutter seiner Kinder. Das Familienleben des Moslims in Bosnien zeichnet sich durch besondere Innig-keit aus. Obwohl es den Moslims gestattet ist, his zu vier Frauen ZU nehmen, sind Falle von Polygamie h~5ehst selten. Werkstatte eines moslim'schen Metallarbeiters. Bios in Ausnahmefallen, wenn die erste Frau gar keine, oder bios weibliehe Kinder gebart, nimmt der Moslim eine zweite Frau. Diese ist der ersten v~;1ig gleichgestellt und besitzt dieselben Reebte. Aber nicht nur eine mehrmalige Ehesebliessung ist dem Moslim g~estattet, er kann auch seine Frau leicht entlassen, jedoeh muss er hieftir sehwerwiegende Grtinde, besitzen. Wenn emn Mann seine Frau entlasst, muss er ihr einen ftir diesen Fall vor den Hocbzeit vereinbarten Geldbetrag auszahlen. (Ni~ah).

Page  64 -- 64 -.Broji njojzi gospodske ni'ahe,.Broji njojzi stotinu. dukata". (Herrschaftlic~h bezahit er ihr den Nic'ah, Hundert Dukaten zahit er bar ibr auf.) Auch die Frau darf den Mann verlassen, nur ist dieser in einem, solehen Falle zu keiner Zahiung verpflichtet; er hat sogar das Reelit, die Kleider zuruck zu. verlangen, die er ihr vor der lochzeit gekauft hat. Entlasst emn Mann seine Frau, darf er sogleich eine zweite Ehie eingehen. Die entlassene Frau darf jedoch nicht heiraten, bevor der,,Iddet", das heist emn Zeitraum von vier Monaten und zehn Tagen, vom Tage der Scheidung gerechnet, verfiossen ist. Eiue Wittwe kanln eine weitere Elie ebenfalls nur nach Ablauf des, Iddet" eingehien, das ist vier Monate und zehin Tage nach dem Tode des ersten Maniies. Eine gesehiedene Frau heisst im Volke Pus~enica, Entlassenle. Im Volksliede werden die,Entlassenen" haufig erwAlhnt. Emn Bursche wurde mit einem ungeliebten Madchen verheiratet. Anstatt das Brautgemiach (Halvat) aufzusuchen, ini weichem ihn die ungeliebte Braut erwartete, nahim er das nationale Instrument. die Tambura, zur Hand und sang:,,Sada misli Hata Hadzvagina, Da ja ijubim prebijelo lice. Ne 6'u, Hate, ti mi zviva bila I tako mi ti sugjena bila, Jal' divojkom, jali udovicom, Jal' ako C'e tin put puAC'enicom." (Nun glaubet wohl Hadzvagas Hata, Dass ich kiisse lilienweisse Wangen. Mag nicht, Hata, du solist fur mich leben, Du solist die mir Bestimmite sein, Ob als Madehen, ob als Witwe, Oder aber als dreimial Entlassene.) Die moslimischen Frauen und Madchen verhitllen ihr Antlitz. weil die Religion es so verlangt. Besonders die Frauen mllissen sehr darauf aebten, dass emn fremder Mainn ihr Angesicht nicbt sehie. Deshaib sind auch die IHauser der Moslims mit hohien Mauern

Page  [unnumbered] I 11 11"m"", - ",7""'. GiehOft ejinus Nolilliabonjden Moslims.

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Page  65 - 65 oder Bretterzaunen umgeben und die Fenster der Frauenabteilung mit dichten Gittern versehen. Diese sind aus Holzstaben (Mugembak) oder aus Eisenstaben (Demir). Auch die Altane (Divanhana) sind mit Musembaks oder Demiri versehen. Die Frauen und Madchen konnen hinter denselben die Vorgange auf der Strasse beobachten, ohne selbst gesehen zu werden. An nahezu jeder Eingangtur eines moslimischen Hauses befindet sich ein Kloppel, den der Ankommling in Bewegung setzt, damit die Hausleute ihn horen und in das Haus einfuhren. Der Kloppel fehlt blos an den Hausttiren ganz armer Leute. Trotzdem aber wird kein fremder Mann ein Haus betreten,. ohne durch einen Schlag an den Bretterzaun oder an die Ture seine Anwesenheit anzuzeigen, oder einen der mannlichen Hausgenossen beim Namen anzurufen. Wenn sich der Angerufene nicht meldet, dann ist dies ein Zeichen, dass er sich nicht im Hause befindet, und der Suchende geht von dannen. Der Schlag mit dem Ttirkloppel oder mit dem Stocke an Tuire oder Bretterzaun ist den Moslims so sehr zur Gewohnheit geworden, dass sie ihre Anwesenheit auch dort auf die althergebrachte Weise anktindigen, wo dies nicht notwendig ist. Damit die Frau nicht in die Lage komme, von einem fremden Manne gesehen zu werden, muss ihr der Mann oder ein anderes Hausmitglied alles Notwendige in's Haus zutragen. Fur die Madchen besteht die Verhtillungspflicht nicht in jenem Masse wie fir Frauen, aber sie mtissen besonders darauf achten, von keinem Andersglaubigen gesehen zu werden. Deshalb durfen sie von einer nlaheliegenden Quelle Wasser holen, aber in keinem Falle im Bazar Einkaufe besorgen. Es gibt tibrigens in Bosnien und der Hercegovina einige wenige Gegenden, in welchen sich die Frauen und Madchen der Moslims nicht verhullen, wie im Talgebiet des Flusses Rama, wo nachst den Moslims blos Katholiken wohnen und im nordwestlichen Teile der Krajinia (Turkisch Kroatien). Weshalb sie sich im Ramatale nicht verhtillen, weiss ich nicht.*) In der Krajina diirfte die nahe Grenze *) Hieruber hat vor einigen Jahren in der Zeitschrift des Sarajevoer Landesmuseums, dem,,Glasnik zemaljskog muzeja", ein Hod2a (moslimischer Geistlicher, Lehrer) Auifklarung gegeben. Danachl vollzieht sich die Eheschliessung bei den sich ausschliesslich mit Landwirschaft befassen5

Page  66 - 656 - von Kroatien darauf eingcewirkt baben, ferner die Armut der Bev61kerung, welebe auch die Frauen n~tigt, gleieb den Mannern alle Arbeiten zn. verriebiten. Allgemein ist der Glaube verbreitet, dass die moslimisebien Franen in Bosnien nichit arbeiten. Diesen Irrglauben lbaben viele sonst gut in formierte Reisesebiriftsteller verbreitet. welebe Bosi ieii -und die Ilerceegovina zwvar bereisten, aber iiiebit Gelegenbeit biatten, die Moslims. ihre Lebensweise, Sitten und Gebrauehe kenneni zu. lernen und zu. studieren. Die Frauen der bosnisceber Moslims sinld imi Gegenteile zumeist niebit niur sebir fleissig, sondern auch gute und sparsame Hausfranen. Sic verriehiteni samnmthliee licuusliche Obliegenheiten, wie die Fraueni anderer Lander, sic versehien die Ktiche, wasehien, bringen das Hans in Ordniung, weben, spinnen, niaben und. stieken, und die vonl ibinen mit Seide. Gold und Silberfaden. ausgeftibirteni Stiekereien sind selir sebi'n und gesebmiaekvoll, o ftg(eradlezu ktuinstieriseb oemacbht. Die Mussestunden verkitirzen sieb die Franen dureb Gesprahell bei Zigaretten uid scbwarzemn Kaffee. Sie weebisein biaufig unter einander Besunebe und empfangen sebir gerne europaiseb Dae bei siebi. welebien sic mit besonderer Auszeicbiunng begegnenl. Diesen zeigen sie ibren Schmuck und Aibre Toiletteni, erkundigen sieb nacli den ihnen fremden europaiseben Sitten, loben Hibre Manner und freuen sieli. wenn sieb die fremde Dame ill ibirer Geseliseliaft wvolil. ffthlt. Einern solebien Gaste gegentiiber ist die moslimiselie Fran. sehr zuvorkommenid. sie lasst die Gastin die eigene Toilette und. deni eig'enen reicheni Sehmueck anlegren und aussert bielle Freude dartiber, wenn alles lhabscib passt. Giticklieb sind sic, wvenn die Fremde ibire Kinder lobt nnd liebkost. Jedes den Kinderni etwa dargereiehte Gesebienk wird reiebliehi erwi edert. Oft entwi ekeinl sieb in nige, freundsehaftliebe Beziebnugwen zwiselien den nioslimi seheni und den den Mosliryns jener (Gegendt ir, Formn eines Katires (ter Frau urn einen vereirbarten fletrag. [lieclurcih wird. die Frau gewissermassen cdas g-ekaufic Eigentnrn dles Mannesl seine Sklavin, rinc far Sklavinnen besteht dlas Gesetz der Yer-hUliun g nicht. Dieser Ausweg, wviirde dlarum einlgesehiageii, -weil nicht geniliend rni~nnliehie Kr~fte fflr die Feldarbeiten vorhandlen smdl undA sich ancLh (lie Frauen an (lenseihen werkt-Atig beteiligen mfissen. Diese ehenso 1i'teressa nte wvie clharzAkter-istische Dairstellun~g diirfte d er Herril 'Verfasser entg-angen scin. - (Anmetrkung dles lUbersetzers).

Page  67 - 76 - kaufen erhalten kann. In der Mitte des Ladens sass dessen Besitzer mit unterschlagenen Beinen auf einem Teppich. Er war ein etwas bejahrter Mann von wurdigem Aussehen, trug eine weisse Ahmedija und rauchte eine Pfeife mit BernsteinmundstUck. Ein Teil der Ware lag ringsherum auf dem Boden, das tibrige auf an der Wand befestigten Brettern. Trotzdem das Lager ziemlich reichhaltig und dem Anscheine nach in grosser Unordnung war, kannte der Mann doch genau die Lage eines jeden Stuckes. Ein Griff mit der Hand nach der betreffenden Stelle und die Ware lag vor dem Kaufer. Konnte er das Verlangte nicht hockend erreichen, wies er mit der Hand nach der Stelle wo es lag und sagte dem Kunden:,,Reich es hertiber!" Nach dem Preise gefragt gab er diesen an, und wenn der Kaufer auch nur einen Heller weniger bot, sagte der Kaufmann ruhig und wtirdevoll:,Jok!" (Nein!) oder,Zurucklegen!" wobei er mit einer Handbewegung gebot, die Ware dorthin zu legen, von wo man sie genommen hatte. In den Stadten hat sich heute hierin Manches geandert, aber in den Dirfern sind noch viele Kaufleute die Alten geblieben. Ausser mit dem Handel befassen sich die Moslims auch gerne mit dem Kleingewerbe, obwohl dieses nicht im solchem Ansehen bei ihnen steht, wie die Beschaftigung mit Landwirtschaft und mit dem Handel. Unter den Handwerken betreiben sie zumeist das der Schuhund Pantoffelmacher, Schneider, Ktrschner, Opankenmacher (Opanak - der landesiibliche Bundschuh), Tragsattelarbeiter, Sattler, Silberfiligranarbeiter, Goldarbeiter, Messerschmiede, Backer und Barbiere. Als Gerber geniessen die bosnischen Moslims mancher Gegenden einen begrtindeten Ruf und betreiben sie dieses Gewerbe in manchen Orten, wie in Visoko und Banjaluka, in grossem Uinfange. Der Kaufladen des moslimischen Kaufmannes befindet sich fast niemals in seinem Wohnhause, sondern ist immer davon abgesondert. Die Kaufladen bilden tiberall ganz besondere Stadtviertel, die Carsija. Hier ist Laden an Laden, in denen die zum Verkaufe gelangenden Waren zumeist auch erzeugt werden. Die Carsija (Bazar) befindet sich zum griossten Teile im Mittelpunkte derOrtschaften. In diese munden vielfach die engen Gassen und Gassehen. Die einzelnen Laden gleichen einander so ziemlich in Bezug auf ihre innere

Page  68 - 68 - betreffenden D~vemat auf Grund eines fur die Dauer eines Jahres, Von einem. Georgitage bis zum anderen (23. April) abgeschlossenen Vertrages. Nach Ablauf der Vertragsfrist erfolgt eine Neuwahi, doch kt~nnen die frftheren Beamten abermals gewahit werden. Die Bezahiung des llodzva und des IMuchtair besteht in Naturalien. Und in Bargeld. Der Hodz"a steht auch im. Genusse ein.er Naturalwohnun', die sich immer im. Schuihause, dem.,Mekjteb"-, oder wie man in IBosnien sagt,,,Mejtef" befindet und er erhalt auch das notwendige llolz zum Beheizen der Wobnung. Ferner versehaffen sie sich emn mitunter nielit unwesentliches Nebeneinkommen dureb Ausstellnng von Amuietten und ffur die von ihnen. zu verfassenden. Trauungseheine. Beim Volke beliebte Hodzvas werden von ibren Sprengelangehdrigen auch gerne beschenkt. Die Bezahlung eines Muebtar besteht ausser den bedungenen Naturalien noch in einem. kleinen Geldbetrage von jedem. Hause, zumeist einer Krone jalrlich. In besonders armen Diematen werden. die Hodzvas aus der Kasse des Religionsfondes. (Vakuf) bezahit, oder der Vakuf und der D~vernat teilen sich in die Last seiner Erhaltung, indem. der Vakuf die Barbezahiung und der D~vemat die Naturalien beistelit. DerV,Vakuf'- (Religionsfond) bestelit aus frommen und wohitatigen. Stiftungen von Sultanen, Paschas und Vezieren, oder von reichen Begs und Agas, die Moscheen erbauten und fUr deren. Erhaltung reiche Mittel widmeten. Vielfach hinterlassen wohihabende und fromme Leute grdssere Betrage fur die Erhaltuing der Moseheen unter der Bedingung, dass darin Gebete fair jir Seelenheil verriclitet werden (Hatma). Emn Vater kann seine ungeborsamen Kinder in der Weise auf Grund der Scheriatsgesetze enterben, dass er sein. ganzes Vermiigen einer Moschee vermacht. Ebenso falit das Verm~igen von Personen,7 die keinerlei Kinder oder sonstige gesetzliche Erben hinterlassen, dem. Vakuf zu. Fur diesen kann man nicht bios Bargeld. sondera auch Hauser und GrUndsttieke sammt den darauf wobuenden Kmeten hinterlassen. Daher ist es verstandlich, dass viele Vakufs in Bosnien und der Hercegovina sehr reich sind und grosseii unbeweglichen, Besitz haben. liber dass gr6sste Vakufverm~igeni verfutgen. die,,Ca

Page  69 - 69 - reva" und die,Husrev-Beg" Mosehee in Sarajevo, die JFerhadija" in Banjaluka, und die ~KaragJoz-Beg" Mosehee in Mostar. Sammtliche Vakufs im Lande reprasentieren eiuen Gesammtwert von Uiber zehn Millionen Kronen. Seit der Okkupation von Bospien-Hercegovina im Jahire 1878 hat sich unter der von der Landesregierung geubten Kontrolle der Wert des Vakufbesitzes verdoppelt. Zahireiche Ortschaften im Lande haben ihiren Namen von Vakufs erhalten, wie z. B. Kulen-Vakuf, Varcar-Vakuf, Skender-Vakuf, Gornji (Ober) und DoInji (Unter) Vakuf. Varcar-Vakuf hiess friiher Varcarevo und erhielt semnen gegenwartigen Namen erst, nach~dem emn gewisser Kolar-Aga dort eine Mosehee erbaute und fur dieselbe einen ansehulichen Vakuf begrttndete. Skender - Vakuf wird nach einem Skender Beg, Kulen-Vakuf nach der angesehenen Begfamilie der Kulenovi~i genanut. Von dem Zinsenertragnisse der Vakufstiftungen werden Moscheen gebaut, erhalten und ausgebessert, die Muezzins und die Moseheendiener, manclimal audh die Hodz"as besoldet. Besitzt ein Vakuf Liegenschaften, so kt~nnen diese bios auf eine bestimmte Anzahl von Jahiren verpaclitet, aber in keinem Falle fur immer verkauft werden. Ferner werden Vakufkapitalien in Zinshausern angelegt und auf 60io',,-120/o Zinsen je nach iVbereinkommen ausgeliehen. Emn Teil der Vakufeinktlnfte wird zu wohitatigen Zwecken, zur Unterstuitzung von Armen und fur Stipendien an Studierende verwendet. Die Verwaltung des Vakuf ruhlt in den Handen eines,,Mutevelija" (Verwalters) und zweier,Medflise" (Beirate), weiche vom Volke gewahIt werden. Diese werden durch den,,Kadi" (Richter) beaufsichtigt, obne dessen Wissen und Einwilligung in einer Moschee keinerlei Reparaturen vorgenommen, noch Neuanschaffungen gemacht werden dtirf en. Am Ende eines jeden Jahres legen die Vakufverwaltungen die Gebahrungsausweise und Rechnungen dem Steueramte vor, wo dies elben gepriift werden. Die oberste Behuirde Uiber sammtliche Vakufs ist die Vakufkommission mit dem Sitze in der Landeshauptstadt Sarajevo. Dieselbe bestehit aussehliesslich aus Moslims. -Ibre Amtslokalitaten befinden sich in einem eigenen, dem Vakuf gehuirigen Hause. Die

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Page  71 -7 1 - oberste Aufsicht tiber sammthlice Vakufgllter und Uiber die Vakufkommission uibt die Landesregierung fur Bosnien-Hercegovina. Die Vorgesetzten der Hodzyas sind die Kadis. Diese waren wahrend der ottomanischeii Verwaltung Richter in religi~sen tind buirgerlichen Prozessen. Die Reehtsprechung erfolgte nach dem islamitischen Religionsgesetze, dem,,Scheri"- oder ~,S cheriat" gleiehmassig ftir Moslims und Bekenner anderer Konfessionen. Weinn jemand mit dem Urteile des Kadi iticht zufrieden war, komite er dagegen an den Mufti als, an die hBhere Instanz appellieren. Die Entscheidung des Mufti, welche,,etva"' hiess, war inappellabel uud entschied den Prozess endgiltig. Wahrend der gegenwartigen Verwaltung ist jedem Bezirksgerichte emD Kadi zugeDerwisch. teilt, dessen Rechtsprechung sich auf religitose Angelegenheiten und Streitigkeiten unter Glaubensgenossen erstreckt. Zu. den religib5sen Angelegenheiten geb ii en au ch Eheschliessungen u nd Scb eiduingen, Verlasse nscbafts- u nd Erbrechtsangelegenheiten. Die, Muftis" sind gegenwartig geistliehe Bebh~rden ftir je einen bestimmten Sprengel. Zu ihrer, Berufspfliehten geh~5rt die Aufsicht Uiber moslimische re1igi~se Anstalten und Schuleni. Die Schulen zerfallen nach der Rangordnung in Mekjtebi-Iptidaije, Ruvdij'e, Medresse und mosliinische theologische Seminarien. A~n den letzteren wirken die Muftis auch als Lelirer. Bosinien und die Hercegovina sind in sechs

Page  72 - 72 - Verwaltaugskreise eingeteilt, deren. jeder (der Sitz eines Mufti ist. Die Kadis und Mtuftis werden aus aligemeinen Landesmittein und nicht von ihren Glaubeasgenossen besoldet. Das Oberhaupt sammtlicher Kadis und MNuftis gleichzeitio- das geistliche Oberhaupt des Islam in Bosnien-Herceg-ovina ist der Ae~s-el-Ulemna", "das Haupt der Geistlichkeitu. Die demn geistlichen Stande aageh~3rigen Personen der Moslims, in Bosnien und der ilercegovina, die llodz'as, Kadis, Muftis und Muezzins, ferner die ~Softas", (Z6icgliuge der h&~heren religio-sen Leliranstalten (Medresse)] unterseheiden. sich wie bei aaderen Konfessionen von der Laienwelt dureh ihre Traclit. Diese besteht in einem sehr weiten Beinkleid aus Tuchstoff oder Haibseide (Salvare). einem his auf die Fersen reichenden schwarzeni, kaftaiiahnliehen Oberrock (Diube) und einem mit einem weissen Leinen-streifen (Saruk oder Ahmedija) umwickelten Fes. Alle moslimischen Geistlichen tragen den Voilbart und mllssen verheiratet sein. Dies ist zwar keine ummittelbare religio3se Vorsebrift, aber emn unverheirateter Geistlicher geniesst im Volke keinerlei Ansehen oder Vertrauen. Emn ahnliches Kleid wie die Geistlichen tragen oft auch die Mekkapilger, sie wickeln urn den Fes bios anstatt der weissen Ahmedija emn feines Gewebe aus geiblicher Seide, das sie aus Mekka oder Konstantinopel rnitbringen, und weiches haufig goldene oder silberne Stickercien aufweist. Zu der moslimisehen. Geistlichkeit geh~ren in gewissemn Sinne, auch die Derwische, welehe in Sarajevo auf der H~5he der bergansteigenden Logaviiiagasse ihre Jekija"l (Kloster) haben. Der Erbauer dieses Kiosters war der bertlhmte ttlrkische Heerfahrer und Statthalter in Bosnien Sinan Paseha, weicher der TekiJa semnen Namen gab (Sinan Tekija). Es ist dies emn altes Gebaude, neben weichem sich eine Moschee mit schlankem,7 zierlichem Minaret befindet. Im. Hofraume steht emn reichverziertes Mausoleum (Turb6), welches die Gebeine des BegrUnders birgt. Der giuosse Hofraum ist mit Bluimeni und Weinireben bepflanzt. Hier befindet sich audi, der Friedhof der Derwisehe. Am Vorabend des Freitag, demnach jeden Donnerstag abend, halten die Derwische einen besonderen Gottesdie'ist ab. zu weichem auch Anderglaubige und deren Frauen gegen emn Eintrittsgeld zugelassen werdein, welches zu etwaigen Reparatureni

Page  73 -73 -.I. f, ". - — io,, 't '. :, j!. p,, I I I i I i a) / a) a) - c, 0 S a) a) 0

Page  74 -74 - der Moschee verwendet wird. Die Zuschauer versammeln sich auf einer Gallerie. Der Gottesdienst ist eine Busse fur begangene Siinden. Im Anfange ahnelt derselbe vollkommen den Gebettibungen in jeder anderen Moschee und ist auch nichts anderes, als eine solche. Auf ein vom Scheich gegebenes Zeichen erheben sie sich von den gegerbten Schaffellen, auf denen sie hocken und die Gebetformeln des Scheich in stets anwachsendem Tempo nachsprechen, knieen dann nieder, beugen sich mit der Stirne bis auf den Boden, um gleich darauf einen Kreis zu bilden der sich mit Bewegungen von stetig steigender Heftigkeit bald nach rechts, bald nach links dreht, wobei die einzelnen Teilnehmer jeder fur sich den Oberk6rper an's konvulsivische grenzende Bewegungen machen lassen, bis manchem der Schaum vor dem Munde steht und sie in krampfhafte Zuckungen verfallen, denen oft Ohnmachtsanfalle folgen. Tritt dieser Fall ein, dann nahert sich der Scheich, welcher wohl an allem teilnahm, sich jedoch in seinen Bewegungen grosser Ruhe und Massigkeit befliss, dem am Boden liegenden oder in den Armen eines anderen sich in Krampfen windenden Manne, blast ibm in's Ohr, und in den meisten Fallen hs5ren die Zuckungen auf. * * * Die bosnischen Moslims beschaftigen sich sehr gerne mit dem Handel. Viele von ilhnen tun es jedoch blos, weil sie keine feste Beschaftigung haben und einigen Grundbesitz mit einer Anzahl Kmeten ihr Eigen nennen, von dem sie zur Not zu leben vermo;gen. Fur solche ist der Handel sowohl Zeitvertreib, als auch Erwerbsquelle. Es gibt in Bosnien und der Hercegovina eine Menge moslimischer,Kaufleute", deren ganzes Warenlager keine zwanzig Kronen Wert besitzt, aber es gibt auch viele tuchtige und routinierte Kaufleute, die ausgedehnte Handelsbeziehungen mit Konstantinopel, Triest, Fiume, Agram, Wien und Budapest unterhalten Zumeist vermitteln sie die Ausfuhr von Kolonialwaren und Industrieartikeln. Aus Konstantinopel fuhren sie feine Gewebe ein, den,Bez", der oft mit farbiger Seide, mit Gold- und Silberfaden durchwirkt ist, ferner allerlei orientalische Gewebe, fertige orientalische Kleider, feingesticke Frauenpantoffel, Schmuckwaren, Gtirtel, Armbander,

Page  75 - 715 - Perlen, eehte asiatische Seide and Atlas, Gold und Silberwaren, Gewiirze, wohiriechende Flttssigkeiten, namentlich fein es Rose nol, Weibrauch, Kupfer und Messinggefasse. Auch mit echten Smyrnaund Perserteppichen, die ebenfalls aus Konstantinopel bezogen werden, wird lebhafter Handel getrieben. Alle tibrigen Handelsartikel werden aus der i5sterreiebisch-ungarischen Ivlonarchie eimgef tihrt Der bosnische Moslim. ist emn h~chst origineller Kaufmann. Er sitzt vom. frtihen Morgen bis zum. spaten Abend in seinem Laden, liest im. Kur'an oder in einer Zeitung, raucht seine Zigarette, denkt tiber den Weltenlauf iiaeh oder untorhalt sich mit dem. Nachbar nebenan, oder mit dem. auf der anideiren Seite der schmalen Gasse. Meldet sich ein Kaufer, wird er mit aller Seelenrube bedient, ohne lautes Wort, ohn1e A npreisung der Ware. Feilseheii wird nicht zugelassen, emn Nachlass am geforderten Preise gehijrt zu den gr&~ssten Seltenheiten. Er hat seine von der Religion gestatteten zehn Perzent Nutzen berechuet und darnach den Preis der Ware bestimm~t. Will der Kaufer nicht soviel bezahien, tut nichts; er wird ruhig und h~iflich aufgefordert, die gewtunschte Ware hbibsch liegen zu lassen und eine billigere Einkaufsquelle zu suchen. Hat der Kaufmann irg-end eine geforderte Ware nieht auf Lager, sucht er keine AusflUichte, spiegelt der Kundschaft nicht vor, das Verlangte his morgen oder tibermorgen zu b-esehaffe~n, sondern gibt Auskunft dartiber, wo die gesuchte Sache erhaltlich sein dtirfte, und wenn der andere Kaufmann sein grdsster Konkurrent ist. Hat dann der Muezzin am Abend vom. Minaret herab die Glaubigen zum. Aks-am. (Abenidgebet) gerufen, schliesst unser Kaufmann ruhig seineni Laden, gelit in die Moschee, verrichtet unter den vorgeschriebenen Verbeugrungen sein Gebet und begibt sich danni nach Hause. Im. Jahre 1879, demn~ach gleich im. ersten Jahre nach der Okkupation, kam, ich auf einem. Schitlerausfiuge nach dem. Stadtehen N. nahe der kroatischen Grenze. Hier beobachtete ich zum. erstenmale das Gehaben des bosnisehen Moslims als Kaufmann. Umn einen etwas ansehnlicheren Kaufladen hatten sich einiige Soldaten nebst mebreren. Landleuten versammelt, um. ihre Einkaufe zu besorgen. iNeugierig drangte ich mich hinzu, um. zu sehen, was man da zu

Page  76 - 67 europaischen Damen und diese missen ihre Freundinnen recht oft besuchen, da es doch der tirkischen Frau nicht moglich ist, ofter in einem europaischen Hause zu erscheinen, wo sie furchten muss, fremde Manner anzutreffen. Einzelne moslimische Frauen sind selten auf der Gasse anzutreffen. Zumeist verabreden sich ihrer mehrere zu gemeinsamen Besuchen oder Ausfliigen. Reichere Frauen gehen nicht gerne zu Fusse, sondern fahren im geschlossenen Wagen aus, zumeist in Begleitung einer Dienerin und der Kinder. Bei Abendbesuchen werden ihnen selbst durch die beleuchteten Gassen der Stadt Papierlaternen vorangetragen. Ohne eine solche und ohne zumeist mannliche Begleitung, welche vom eigenen Manne oder einem der nachsten Blutsverwandten besorgt wird, darf bei den Moslims keine Frau und kein Madchen am Abend oder in der Nacht das Haus verlassen. Wenn eine Frau ihre Freundin besucht, streift sie vor der Haremsture die Uberschuhe oder Pantoffel ab und lasst dieselben draussen zurtick. Daran erkennt der etwa von auswarts heimkehrende Mann, dass seine Frau fremdcn, weiblichen Besuch hat und sucht dieselbe niemals in ihren Gemachern auf, bis die Besucherin sich nicht entfernt hat. Bei den unteren moslimschen Volkschichten wird die Frau,,Bulla'" genant, Vornehmere heissen.,Hanuma", alte vornehme Damen,,Kada" oder,Kaduna". Wcgen ihrer Frauen und Tochter sind die Moslims bestrebt, tunlichst von den Bekennern anderer Konfessionen abgesondert zu wohnen. Ein von Moslims bewohntes Viertel heisst,,Dzemat", richtiger,.Dzemaat". dessen Mittelpunkt eine Moschee bildet. In manchem Dzemat gibt es zwei oder noch mehr Moscheen, die von den Angehirigen desselben erhalten werden. Jedes Dzemat ]lat einen Hodza (Geistlichen), der als Vorbeter in der Moschee und als Religionslehrer fungiert. Ferner besitzt jedes Dzemat einen,,Muchtar", Viertelmeister, der die Stelle eines behordlichen Aufsichtsorgans versieht und die Durchftihrung der behordlichen Verordnungen llberwacht. Das Zeichen seiner Wurde ist ein,Muhur", Amtssiegei, welches er auf behordliche Vorladungen und andere amtliche Schriftstuicke aufdruckt. Die Bezahlung des Hodza und des Muchtar besorgen die Bewohner des 5*

Page  77 - 77 - Einrichtung, die sich durch grosse Einfachbeit auszeiebnet. Das Materiale, aus dem sie erbaut sind, ist fast immer Holz. Auf der Holzwand ragt ein hohess, steiles Dach empor mit einem breit ausladenden Vorsprung nach der Strassenseite zum Schutze gegen Reg-en und Unwetter. Die Versehliessvorrichtung eines soleben Ladens ist bh~ebst primitiv. Sie besteht aus zwei Bretterladen, von denen der eine aufgesttulpt und am Daehstuhle befestigt wird, wahrend der andere berabgelassen auf Holzpfosten zu ruben kommt und als, Auslageraum. fur die Waaren dient, aber auch als Sitzplatz ffur etwaige Besucher des Besitzers, die bier im traulieben Gesprache ibre Zigarette rauchen und ihren Kaffee sebhlirfen. Es ist einfach ausgeseblossen, dass ein den Ladeiibesitzer besuehender Gast nicht mit Kaffee und Zigarren bewirtet wtirde. Gleichen sich jedocb die einzelnen Laden in Bezug auf ibre einfacbe aussere Ansstattung, sind sie in Bezug auf ihren Inhalt und dessen materiellen Wert h~5ehst versehieden. In maneben derselben sind wertvolle und reicbe Warenlager aufgestapelt, withrend in vielen die darin enthaltenen Waren wenige Kronen betragen. Die letzteren bat ibr Besitzer nur aufgetan, damit er unter die Leute komme und zeige, dass er eine Beschiiftigung bat. Will der Kaufmann oder der Handwerker in der Oargija seinen Laden sebliessen, lasst er den nacb oben befestigten Bretterversehiag berab, hebt den unten wagrecht aufliegenden, zielit dartiber einen Querbalken, der mit einem efilfachen Vorlegeschioss gesichert wird. Das ist der ganze Versebluss. Trotzdem dies eine sebr primitive Art ist, sein Eigentum vor diebiscben Handen zu scblltzen, geb~iren Diebsmtahle in der Cars-ija doch zu den gr~ssten Seltenbeiten. In den letzten Jabren werden in den Stadten nac-h und nach Kaufladen aus festem Baumnateriale aufgeftihlrt und mit eisernen Rollladen verseben. Diese Neuerung verandert alimalig das ursprfinigliche Buld der Carsvija. In gr~isseren Orten gibt es mebrere Bazarviertel, in Sarajevo selbst auch eine prilebtige, allen modernen Anforderungen einer grossen Stadt entspreehend eingerichtete Markthalle. In der Car-sija werden ausser Handelsartikein aucb Lebensmittel fur den taglichen Bedarf feilgreboten. Man erbalt hier frisches und gebratenes Fleiseb, Gefiuigel. Holz, Getreide, Mehl. Hen, Eier, Obst und Gem-use. In

Page  78 - 78 - der Carsija herrscht darum ewig ein bewegtes Lebenl hier wickelt sich der ganze Gross- und Kleinhandel (des Ortes ab. Wer etwas braucht, eilt dahin, um seine Bedurfnisse zu decken. Im Gegensatze zur Carsija sind die ubrigen Gassen und Glisschen eines bosnischen Stidtchens ruhig und gerauschlos. An Markttagen geht es in einer bosnischen Carsija sehr lebhaft zu. Voc den Kaufiaden auf offener Gasse haben die Gemusegartner, zumeist Bulgaren. ganze Berge von Kurbissen, Zucker- und W\assermelonen, rothen und grtinen Paprikaschoten, Kastanien. Kartoffel, Alotiv aus der Basch-Carsija in Sarajevo. Oben ein Topfer, unten ein Flickschneider, Flickschuster, Op;nkenmacher und andere arme IHtndwerker oder Kaufleute. Zwiebel, Kohl, Obst und allerlei Ruben aufgehauft. Auf Holzbanken schroten Fleischer den Nationalbraten, am Spiesse gebratenes Lammumd Schaffleisch aus und preisen ihre Ware an, indem sie aus voller Kehle rufen:,,Heiss! Heiss! Sehet, wie es dampft!" - Oder.Kommet! Heiss und fett wie cin Arm". - Oder:,,Kommet ihr Helden. dass euch die Wolfe fressen!" Freilich dem Reime zuliebe,

Page  79 C ~ a r ~... ~*1. i A* --,.i a'.! ~,,, tI i 'ro Alte. Cars'ija (MalklplaLtz) in flogulica (Sdidostbosnien).

Page  80 -- 80 - den "Junaei" - Helder) und ",Kurjaci" - W~iffe, reimt sich, und solebe Reline liebt das Volk. Neben den Fleisehern haben die ",Somu ndiije", Verkaufer von "Somun", einem Geback aus weniger feinem Mehl., das jedoch sehr beliebt ist, ibren Stand aufgesehlagen, und loeken die Kaufer mit lauten Rufen: I.Heiss, und noch dazu wie heiss!" an. An den Fleischbanken Und in den Baekstuben hangen abgehaqutete Laimmer und Hammel und warten darauf, in maehtigern irdenen Gefassen im Ganzen gebraten zu werden, oder aber im klienen urn frisehen Zustande ausgesebrotet zu werden. Die Verkaufer von Limonade und Seherbet schreien sieh die Kehlen heiser mit dem Rufe: "Kalt, eiska-a-a-]t!", nnd wie ihinen zum Trotze brtillt emn Arnaut mit derber, holperiger Stimme: ~Halve! Halve-e-e!", womit er sein Produkt, emne klebrige, mit Mandeln und Nusskernen durehsetzte sflsse Speise anpreist. Urn das larmende, disbarmonisehe Konzert zu erganzein, drangt sich emn blasser, hohliiugiger, zerlumpter Junge dureb die Menge, einen Korb oder emn Sieb mit gebratenen Maisk~rn'ern auf dem Kopfe und sebreit urn sebrillen Diskant:~ He-e-e Kitir&&~-~ he-e-e Kitir&&II6-!" Eine woffifeile Ware, von weleher fiinf Schalen yoll zwei Heller kosten. Kurz emn Lirrn, Schieben, Brausen und Driingen wie tiberall auf Miirkten, nur dass das ilussere Bild durch die bunten und mannigfaltigen Trachten sieh noch lebhafter gestaltet als anderswo. Die Moslims lieben die Geselligkeit und sind in der Lage, dieselbe zu pflegen. Die grossen, schweren Sorgen urn die Existenz, bedriieken sie weniger, als andere, denn ihre Kmeten sorgen zum grossen Teile ftir ihren Lebensunterhalt. Sie finden deshalb reelit viel Zeit ffir gesellige Zusammenktinfte (Sijelo). Am liebsten versammein sie sich zu freundschaftlichen Gesprachen in Kaufladen der (iarsvija oder in deni landestiblichen Kafleehbiusern (Kahvana, Kahva). Unter den Ietzteren darf man sich keine Iluxuridsen oder nur komfortablen R:Ciume wie im europiiischen Westen vorstellen, sondern es sind enge, riiueherig-e Stuben, in denen der "Kaffeetie'r" (KahvedZ'ija) am Feuerherde sitzt und Kaffee,,briit". Der bosinische Sprachgebraueh hisst das Brod niirlich,,kochen" und den Kaffee,,braten." Solcher Kaffeehiiuser gibt es in Bosnien die schwere Menge, jedes

Page  81 - 81 - zehnte, zwanzigste moslimische Haus ist eine,Kahva". Die innere Einrichtung einer solchen ist miglichst einfach. Langs der Wande laufen festgemachte Banke mit Wollkissen darauf. die mit blauem Inneres einer )Kahva(( (Kaffeehaus). oder rotem Tuchstoffe bedeckt sind. In einer Ecke befindet sich eil etwas breiterer, bequemerer Sitzplatz (Siljte) mit einem grosseren Kissen, der gewihnliche Stammsitz eines angeseheneren Beg 6

Page  82 - 82 - oder Aga, der taglicher Stammgast da ist. Der -Boden ist mit Matten, in besseren Lokalen. mit Teppichen belegt. Haufig baut man die Kaffeehauser an oder tiber dem Wasser auf starken Pfahlen, die das ganze luftige Gebaude trageni, oder auf Anh~iheD, von denen sich emn freier Ausblijk in die Umgebung darbietet. Der Moslim hangt gerne semnen Gedanken nachi, und dazu eigneii sich solebe Orte., murmelnde Bache, sehine Aussichtspunkte am besten fur ihn. In einfacheren,,Kafana s" scblagt oft auch eiu Barbier seine Werkstatt auf. Man ldsst'sich dort -den Bart und das Haar sehneiden oder rasieren und trinkt Kaffee dazu. Der Barbier ist zugleich,,Kaved'ij'a" oder er hat den Laden zusammen mit einem soichen gemietet, weil er den Zins nicht allein zu erseliwingen vermag., und. nun fahren Beide ibre Gesebafte in Frieden und Eintraeht neben einander. Eine derartige, mit,.Kaffeehaus-" verbundenie Barhierstube verraft schon auf den ersten Blick, wi e gering der Anspruch ist. den ihre Besitzer und ihre Gaste an das stellen, was der Mensch als Komfort oder gar Luxus bezeichnet. Wir sehen eine Brett(-,rbude mit schiefem, vorspringendem Dach, niedriger, allerlei Spruinge und Ritzen aufweisender Ulme, kleinen, sehr engen, schmutzigen Fenstern und einem Fussboden aus festgestampftem Lehim, selten, und auch,dann ht~ehst Unvollkommen, mit Brettern belegt. Wenn diese Bretter trocknen, entstehen zwischen ihnen breite Spalten, in weichen sich,dann allerlei Sechmutz und Abfall sammelt. Manebmal sind die Wiinde in diesen Buden mit Kalk getulneht, zumeist jedoch mit kunterbunt dureb einander befestigten,,Bildern" bedeckt, als da sind: Illustrierte Preisanzeiger, aus Zeitungen hberausgesehuittenie Bilder u. dgl. Hie und da findet sich auch eii. primitives,Schlachtengernalde" im Rahmen, odor an dessen Stelle mit Holzleisten an die Wand befestigt, emn Buld von jener Sorte, wie sie von ambulanten,,Kusthndlrn"auf Dorfjahrmiirkten verkauft werden. An der Wand ist dann noch emn Brettersehrank zu sehen, angefftdlt mit,Ibriks" und Kaffeekannchen (Dzvezva); daneben Flasehen mit Citronade und Rosensyrup, Schachteln mit feingemnalenem Kaffee und mit Zuckerstticken angefullt.

Page  83 - 83 Das wichtigste Einrichtungsstuck eines solchen Kaffeehauses ist ein grosser bosnischer Kachelofen, in welchem Sommer und Winter vom frtlhen Morgen bis zum spaten Abend Feuer unterhalten wird. Am Feuer steht ein grosseres Blechgefiss, zumeist eine oben abgeschnittene Petroleumkanne mit heissem Wasser. Daneben stehen in Reihen kleine Kafleekannchen, ebenfalls mit heissem Wasser geftillt, in denen der Kaffee zubereitet wird, indem der,Kaffeetier' ein oder zwei Loffelchen des gleich Mehl fein gemahlenen Kaffees schtttet und denselben zweimal aufsieden lasst Ist dies geschehen, wird der Trank mit einer. Verbeugung kredenzt. In jeder Barbierstube befindet sich ein von Wand zu Wand reichender Querbalken, an welchem an einer Kette ein kleiner, mit einem Wasserhahne versehener Kessel hangt. Hat der Barbier seinem Gaste das Haar und den Bart rasiert, wickelt er ihn in eine Umhulle aus Leinen oder Baumwollstoff, schiebt den Kessel ilber seinen Kopf und offnet den daran befindlichen Hahn. Aus -demselben stromt warmes Wasser auf den Kopf des Rasierten, eile milde Douche, die vielen Genuss bietet. Dann wird man vom Barbier mit einem Tuche abgetrocknet, macht es sich in einer Ecke bequem, ziindet eine Zigarette an, trinkt eine Tasse Kaffee dazu und geht dann seiner Wege, wenn man sich grlindlich abgetrocknet hat. Est ist recht interessant, das Gehaben der Giiste in einem solchem Kaffeehause zu beobachten. Der eintretende Gast setzt sich ohne viel Umschau zu halten oder scheinbar von den Anwesenden Notiz zu nehmen auf den,Minder" und macht es sich bequem. Dann zieht er mit einiger Umstandlichkeit den Tabakbeutel aus der Tasche, stopft den Cibuk und setzt ihn gemachlich in Brand. Die junge Welt raucht keine Pfeife, sie liebt die Zigarette. Wenn der Tabak qualmt wird der Kaffee bestellt. Standige oder angesehenere Gaste eines Kaffeehauses haben ihre Stammsitze, die von Jedermann respektiert werden. Fremde oder seltenere Gaste mussen mit dem vorhandenen Platze vorlieb nehmen. Gehort der,Kafedzija" noch zu den Leuten vom alten Schlage, wird er den neuangekommenen Gast ruhig gewahren lassen, ohne ihn nach seinem Begehr zu fragen oder sich ihm sonst zu niahern. Der Gast kann sich setzen, wohin es ihm gefallt, kann 6*

Page  84 -84 mit seinen Sitznachbarn Gespriche anknupfen und bleiben, solange es ihm beliebt. Solange er dem Wirte gegentiber keinen Wunsch iussert, wird ihn dieser nicht ansprechen. In den von Moslims besuchten Kafanas geht es gewoihnlich schr ruhig zu. Die Gaste kommen ganz stille, fiihren ihre Gespriche in ruhiger Weise und gehen eben so ruhig davon, wie sie gekommen. Das beliebteste Gesprichsthema bei Kaffee und Zigaretten ist die,,Politik". Die Behauptungen und Darstellungen werden mit grosser Wiirde gemacht, und hat Einer seine Meinung gesagt, fest iiberzeugt, dass dieselbe von grosser Wichtigkeit ist, lasst er seinen Bart zur Bekraftigung des Gesagten durch die Finger laufen. Tritt wahrend dieser Gesprache ein Fremder oder Unbekannter in das Lokal, verstummt die Unterhaltung entweder ganz, oder sie wird im Fliistertone weitergeftihrt, gleichviel, ob der Ankommling ein Moslim oder keiner ist. War das durch die Ankunft eines Fremden gest6rte Gesprich nach ihrer Meinung wichtige Gegenstande betreffend, wird der Gruss des Fremden, besonders wenn er kein Einheimischer, sondern ein,,Schwabo" ist, mit Schweigen beantwortet; hichstens dass sich ein Einziger herbeilasst, mit offenkundigem Widerwillen zu antworten. Bleibt der Fremde lingere Zeit sitzen, andern die Anwesenden das Gesprachsthelma, streichelt ihre Barte und werfen sich irgerliche Blicke zu, in denen die deutliche, wenn auch unausgesprochene Frage liegt:,Wer ist dcnn das? Woher ist er gekommen und was sucht er hier?" Jedem Fremden, der das erstemal eine bosnische Kafana betritt, werden zahlreiche Kreidestriche an den verschiedenstcn Stellen des Lokales auffallen. Von der Zimmerdecke abwarts sild die Wande mit grosseren und kleineren Gruppen solcher Striche bedeckt. Dieselben reprasentieren die Schuldenkonti der einzeliien Stammgaste, sie zeigen, wie hoch diese beim Kafedzija,in der Kreide stehen". Die Stammgaste namlich geniessen den Vorzug und habcn die Gewohnheit, ihre tagliche,Zeche" nicht tiglich zu bezahkln. Dies geschieht gewohnlich auf einmal zu Georgi (23. April) oder vor dem Bajram. Trotz des phanomenalen Gedachtnisses eincs

Page  [unnumbered] Kahveodzak. (Kaffeeherd). Auf dem KafTeeherde Kohlenglut. Im Vordergrurde eine Feuerzange und verschiedene RafTeegeschirre; Ibriks. Serbetgefasse, Kannen, Flaschen mit Rosenwasser etc. Oberhalb der Feuerstelle sind die von den Stammgasten getrunkenen Kaffeeportionen mit Kreidestrichen bezeichnet.

Page  85 - 85 - bosnischen K afe d "ija ka nn sich dieser doch nicht immer genau merken, wieviele "Dzvezvas" Kaffee der eine oder der andere Stammgast im Laufe der Monate getrunken hat. Desbaib erhalt ein. jeder soiche Gast ein zwischen ihm. und dem. Kafedzvija vereinbartes und bios ihneii Beiden verstandliches Zeichen, neben weiches dainn soviele Striche gemacht werden, als der Gast Kaffeekannen geleert hat. Eine ebenso einfache wvie wohifeile und dabei volikommen verlassliche,,Buchlialtung". Denn Kafedzvija und Gast sind beidc -ehi-lich und keiner will den anderen tibervorteilen. Kaffeehaussehalden werdeni immer bezahlt. Es ist kein Fall bekannt, dass eine soiche Schuid eingeklagt werden musste. Ist die iRechnung berichtigt, werden die Striche weggewischt, n-ur das vereinbarte Zeichen bleibt stehen ftir neue Rechnung. Der,,Rabosv", das "Kerbholz" bleibt, denn es gehL~rt zu den grLossten Seltenheiten,,dass emn Stammgast sein gewohntes Lokale mit einem. an~deren. vertauscht. f In einer Kafana im. Stadtchen N. unweit der Save hatte ich eif~mal eiii ebenso interessantes wie charakteristis-ches Erlebnis. Auf einer nachtlichen Wagen fahrt nach dem, angrenzenden. Slavonien kam. ich mit Tagesanbruch nach dem. Stadtcheii. Alie Wirtshauser waren gesehlossen, bios in einer Kafana schimmerte das matte Licht einer Talgkerze. Ich kehrte dort emn, urn mich nach der kalten Fabrt zu erwarmen und mit einem. Kaffee zu erfrischen. Die Zimmerdecke in der Kafana war hoher als gewt~hnlich Alle Wande waren bis unter die Decke hinauf mit den bewussten Strichen bedeckt, bios an der Decke selbst gab es einigen freie n Raum. In der Mitte der Stube stand der wohlgenahrte Kafedz'ij'a auf einer Kiste, hielt eine lange Stange mit an der Spitze hefestigter zugespitzter Kreide in der Hand und zog damit Striche oben -an der Decke, wahrend ibm, sein nebenstehender Diener die Zahi angab. Als ich die Stube betrat, grtisste ich laut ",Guten Morgen!' IDer Kafedz"ija warf mir von der llthe seiner Kiste einen Seitenblick zu, gab aber keine Antwort. Ich setzte mich auf dem. Minder zurecht und sah den Beiden neugierig zu. Der Wirt tat ruhig, als ob ich gar nicht da ware. sondern steilte kurze Fragen an den

Page  86 -- 86 - Bursehen, die dieser ebenso kurz beantwortete. ~Un d Suljo09"-,,Fflnf!" -,,iluso?" -, Drei!" u s. w., worauf bei den betreffenden Zeichen ebensoviele Kreidestriche gemaeht wurden. Der von mir bestellte Kaffee wurde mir wortlos gebracht. Meine Versuche, mit dem Wirte cini Gesprach anzuknUpfen, hatten keinen Erfoig, denn er antwortete unwilligo auf alle meine Fragen mit durch die Zahne gebrummtemn, einsilbigem,,Ja" odcr,,Neiin", kaum, dass ich den Grund seines sonderbaren Gehabens zu erfahren. vermochte. Es war namlich am vorhergehenden Abeni frahzeitig zur Ruhe gegangen, hatte dem Bursehen die Wirtschaft tiberlasseri, und kreidete nun die in seiner Abwesenheit gemachten Zechen an, die der Bursehe ihm diktierte. Als ich sah, dass der missmutige Wirt zu keiner Unterhaltung zu be~wegen war, bezahite ich meinen Kaffee und setzte meine Reise fort. In gr~s-seren Orten gibt es auch besser eingerichtete Kaffeehauser, die sowohi 'nh la Turca", auf turkische Art, wie auch ah la Franca" mit Stttihlcn und Tischen eingerichtet sind. In den letzteren herescht gew~hnlich musterhafte Ordnung und Reinlichkeit, weiche in den landesubliehen,,Kafanas" sehr viel zu wtinsehen iibrig lassen. Gemneinsehaftlieh ist jedoch in beiden der vorziglicier Kaffec, wie man denselben auch nieht im besten. europiiischen Restaurant in so trefflieher Qualitat geni essen kann, wic in der letzten Dorf'- Kafana" in Bosnieii. Das Geheimnis licgt darin, dass die bosnisehien Kafedzvije den Kaffee sehr gut zu rU~sten verstehen. Derselbe darf namlich nieht ganz dunkeibraun ger6stet werden, sic lassen ihn nur sehwach braunen, wei er dann ~seine Kraft", wic sic sagen und scmn Aroma behalt. Die gcr6steten Bohlien. werden in einem Holzmbrser, bestehend aus; einem jungen Linden- oder Weichselbaumstamm, mit cinem cisernen St~3ssel fein gestossen. Der gestossene Kaffee wird durchiecm dichtes, Sieb durchgesiebt, die ftbriggebliebenen gr~ibcren K~r-ner gelangen nochmals in den M6rser, und die Prozedur wii-d solange fortgesetzt bis aller Kaffee f ein wie Mehl zerstossen ist. Das ganze wird hierauf in Blechbtiehsen fest verseblossen und erst vor Gebrauchnahme gebffnet.

Page  87 -8 7 Der Kaffee wird ffir jeden Einzelnen. in gr~5sseten oder kleiiieren Kannehen,.,Irik" oder,,Dzvezva-", besonders gekoelit, oder wie dlie Moslims sagen gebraten" und in,, Fidae" lin ud bUnltbern~alte Porzellantassen geftilit. Der gew~hnliche Preis eines. Fildzvan Kaffee betragt - auf dem Dorfe- ohine Zucker zwei, mit Zucker vier Heller. In Sarajevo und in den Sti-idten ist der Preis ent~sprecliend h&~her, bis zu zehn Hellern, und es besteht auch ein Untersehied in den mei~teni Kafanas zwisehen eingeborenen Bosniern und deni Eingewanderten, den,,Schwabas". Die letzteren bezahlen gew6hinlichi etwas mehr.' was sic jedoch selbst verursacht haben, denn sic woliten mehr b?zalilen ahs der Eingcborene. Sehliesslieh ward es zur Gewohnheit. WiInscht emn Gast einen besonders starken Kaffee. danun verlangt er einen ~malsus", (speziellen), worauf dann ftir ihin der Trank aus einer doppelten Gabe grestossenen Kaffees lbereitet wird, was er jedoch entsprechend bezahien muss. In den einfaeben Kafanas reicht der Kaffeewirt seinem Gaste die Kaffeetasse, in dem er dieselbe unten mit dem Daumen, dem Zeige- und dem. Mittelfiniger der rechten Hand fasst, (lie linke Hand a-.uf' die Brust legrt und sich dabei verneigt. Zum Kaffee geht~rt die Zig-arette, ohuii welehe der Genuss nicht volistandig- ist. Kaum hat der Gast den Glimms'euigel hervorg-ezogyen, ersebejint auch der dienstbereite Wirt, oder seinu Bursche unaufgefordert mit einer von (iner Feuerzangc gehialtenen g~tihenden Koble tind steckt die Zigarette in Brand. Ini den,,besseren" Kafanas wird der Kaffee se~hon nach westlandisehiem Muster auf einer Platte gereiehit und ein Glas Wa~sser dazu gegeben. Die Moslims lieben den Kaffee ausserordentlich. Sic behaupten, derselbe sei nicht nur ein angenehmes, sondern auch ein die Gesundheit f~5rderndes Getrank, denn er Ikihie im Sommer, erwarme, umn Winter. erquicke am Morgen und kraftige am Abend. Deshaib wird bei einem Moslim sofort mit Kaffee aufgewartet, man m~ige ihn in seiner Privatwohnung, in seinem. Kaufladen oder sonst wo besucheii. Jeder Kauf und Verkauf wird mit Kaffee besiegelt, bei jedem frohen Ereignisse wird Kaffee herumigereieht. Die Moslims vertragen ungemeine Mengen Kaffee ohune wahrnehimbaren Schaden. ftir ihre Nerven. Keiner von ihinen klagt fiber

Page  88 -- 8 - Nervositat. Ein Hodza in Livno trank fast jede Nacht im Ramazan ftinfzig und mehr Tassen Kaffee und rauchte zu jedcr cine Zigarette. ohne irgcnd einen Nachteil fir seine Gesundheit. Ein moderner Europaer wiirde vom Genusse solcher Mengene Kaffee und Nikotin unfehlbar zugrunde gehen, wahrend der Moslim. der an den Kaffeegenuss vom zarlesten Kindesalter angefangen gewi;hnt wird, davon keinerlei sicltbare Nachteile zu haben scheint und daran das gr6sste Vergntigiil findet. Der Moslim meidet del Genuss alkoholiscler Getrainke, ftihlt keinerlei Neigung zu aufregenden Abenteucrl, sondern lebt ruliig und bescheidet siell damit. was ilm Gott beschert hat. Wozu sich auch um weltliche Dinge plagen und bektimmern? 1st doeh das Schicksal eines jeden Menschen im Voraus besiegelt! Darum hat der Moslim auie stililerne Nerven, denen nicht einmal Kaffee und Tabak zu schaden vermi6gen. Kaum hat er ami Morgen nachl dem Gebete die Mosehee verlassen oder siel von der zu Hause verricliteten Andacht erloben, lenkt er seine Seliritte nae]l der naelisten Kafana, schliirft sein Tassehen und rauclit seine Zigarette dazu. Dann erst macht er sich an sein Tagewerk, um den Tag hinldurch bis zum Schlafengehell noCl ungezalilte Tassen zu trinken und Zigaretten zu rauehen. Im Winter begeben sieh die Moslims frthzeitig zur lRuhel stehen jedoch auch selir frilh auf. Weil sie den Morgelgottesdienst (Sabah) nielit gut im Hause abwarteii kiinnen, suclien Manehe sclhon um vicr Uhr nacli Mitternacht die Kaffeehauscr auf. \o sie verweilen, his der Muezzin die Glaubigen von der Ho1he des Minarets zum Morgengebete aufiruft. Auch nacli dem Mittag- und Abendessen besuclhen sie die Kaffeehauser, wo sie die Zeit bis zum Abendund Nachtgebete (Aksam und Jacija) mit Spielen und Gespriiclien verbringen. Kaufleute und Haldwerker sidll keine so eifrig-el Kaffeehausbesucher. Ihr Bcruf gestattet es nicht. Aber deshalb (ntbelren sie die beliebten Kaffcegesellsclaften doch nieht. Sie crhalten die Besuche von weniger beschaftigteln Freunden und Bekannten il ihren Kaufliden und Werkstatten und trinken den Kaffee il ihrer Gesellsehaft. Um nicht jedesmal ins Kaffeellaus shieken zu muissen, verbinden sie ihr Lokale mit delnselbeC durli cinenl starken Bindfaden, an dessen Ende einc klcine Glocke angebracht ist, die get'

Page  [unnumbered] A IKns T ^s I l Is i e 1.S t I I l

Page  89 - 89 - zogen wird, so oft man einen Kaffee wunscht. Der Kafedzija kennt jede einzelne Glocke genau ujd steht deren Besitzer sogleich zu Diensten. In rein moslimisehel Ortschaften Bosiliens gleichen (lie iber die Gasse gezogenen Gleckenztige nach den Kaffeehaiuser cincm diehten Telefonnetz. Naehst dem Kaffee ist der Tabak das hauptsAichlichste (Genussmittel der Moslims. Sic fang'en in der Kindliheit zu rauchenl ain und rauchen bis an ihr Lebensende. Bei den Moslims raucht Alles, Manner und Frauen, Alt und Julg, Arm und Reich. Bios inl denl vornehmeren T-THusern rauchenl die Kinder niclit in Gegenwart ihlrer Eltern, weil es eine Respektwidrigkeit waire. derell sieh wvolilerzogene Kinder nicht sehuldig machen dtirfen. Die jungen Leute und die Frauen rauehen blos Zigaretten. (lie Manner auch noch Pfeife und die Greise tiberdies Nargilla. Niclltrauclher sind s lhr selten, schnupfen jedoeh daftir. Es schickt sich nielit fiir die Jugend. sich in die G-esellsehaften alterer und ernster Miinner cinzudraugeni. oder (ar sich in illre Gesprachc zu miselen. Junge Leute auf dem Laide gehen dartum selten in Kaffeeliauser. Sie verbringoen die Zeit zumeist im Freien mit verscliedenen korperlichen Spielen. Sehr beliebt ist das,Steilwerfen von der Schulter". Sieger bleibt. wer den schwerei Steinl auf die grosste Entfernung von der Selihulter zu schlileuderin vermag. In frtiheren Zeiten schleuderten sie Speere nacli einem b)estimmten Zicle und erreiehten darin eine grosse Fertigkeit. In der Gegenwart hat das Speerwerfen voillig aufgeh;rt. Nachst den Zusammenktinften in Kaffeehiiusernl und Kaufladen lieben die Moslims auch gemeinsame Ausfltige ins Freie (Teferih), an denen jedoch Manner und Frauen gesondert teilnelimen. Die Frauen und Madehen machen ihre Ausfltige gewohnlich am Freitag, die Manner, weln sie die Lust dazu anwandelt. Die Vorbereitungen zu einem,Teferi('" nebmen weder viel Zeit noeh Miihe in Anspruch. Einige Bekanlte oder Freunde, die sieli zufallig treffen, nelllnen Esswaaren und das zur Kaffeebereitung nlotwendige Geschirr mit und gehen in's Grine, am liebsten in eil sehattiges W.ildchenl oder in einen Garten in der Nahe von Quellen. Bachell oder ltissen. Die Madchen unter sich veranstalten eben falls gemeinsame Ausfitige, bei denen sie singem, sich schaukeln und die jungen Leute neckein,

Page  90 - 90 - welehe sich tunfehibar irgendwo hinter einemn Zaune verstec~kt haltein urn- die MNadehen zu beobachten. Die Volkslieder der Moshims sind sehr melodiu-S uld. dem I uhialte naelh hi~lhst. sinniig. Sie gleichen vielfach den ttirkischen Liederni. Besonders sehcni sind. die Klagelieder urn verlorenes Liebesglilek (Sevdalinike). Es- ist dus-serst sehwer, diese ini Noteni zu setzeii deiiii die Sanigeri-nnen moduliereni die Melodien it-'s Unendlielie und tremoliereni sehr. Ftir den Europiier ist die Art eigenitlmlich. wie sich die Moslrns, gegenseitig begrtissen. Wenni sieh zwei Bekannte oder Freunde~ auf der Strasse treffen., machien sie das,Temena", d. h. sie fuhren die reehte Hand zur Brust, zum Munde unid zur Stirnie. Man unterlegrt diesem Grusse die Bedeutunig:,Ieh begriisse dielh vorn Herzeni, drileke dies mit dem Munde aus unid erweise dir Ehre mnit dem Verstande". Am Morgen sagt der Jftngere tiberd'ies zum Alteren,SeLam alejkiim". Friede sei mit dir. worauf die Erxviederung lautet:,.Alejk~tinu selamn auhmtdrsi Friede. Gleich darauf sag e E~rste: ~Sabah hairolla." o gickliehen Morgen,. und der andere antwortet:."Allah razosuilK Gott gebe ihn- dir. Zu iM'ittag folgt dern,,Selani alejktimu" unid der Erwiderun-g der Gruss,,Merliaba", sei gegriisst (Aye!), am Abend: Ak-Sam 'Serif hajrosun" oder kurz..Ak'am hajirolla". gruten Abend. mit dem Gegengrusse,,Allah razosunl' Oder dern gleilchbedeuteniden.,Allah ernanet ola". Auch die Stanimesgenosseni andereni Glaubens, werden von- dem Moslims in derselbeni Weise begrusst. wvie die eigrienen Glaubensgenossen und leisten den Gegenigruss ebeniso. Nur wird der Moslim dem Andiersglaiubigen ienieals,Merhaba" sageni und sieht es niclit g-erne~ wenii emi Andersglaubiger ibmn georentiber diese Formel. gebrauehit, die den Moslims unter sieh vorbehalten bleibt. Der Moslim nimmit die Kopfbiedeckung- niemials ab, weder in der AMosehee oder in eincrn Privathause. noeh beim Grusse. Wt~rde, cmi M'oslim vor dem Anderen die Kopfbedeekung Itiften,. witirde dies, als Verspottung mund seliwere Beleidigrung anigesehen wed. Betritt eim Mloslinm cii Kaffeehaus, emn anderes Lokal oder emn Privathaus. setzt er sieb zuerst nieder, o-hnre emi Wort zu spreehern. und sagrt dann erst, Selam al ejktim". worauf die Anwesenden. er

Page  91 - 91 - wiedern:,,Alejkiim selam". Dann erst ruft man ihm der Rcihe nach unter Anrufung seinens Naamens,Merhaba" zu, z. B.,Merhaba Huso!" Er antwortet Jedem in dcrselbel Weise, in dem er das,,Merhaba" mit dem Namen des Angesprochenen vcrbindet. Beim Weggehen sagen sie einfach,Ich gelie" oder,,Ejvallah!', zu guter Stunde, worauf ihm zugerufen wird:,Ejsahadillc', gehe mit Gluck. Begibt sich Jemand auf cine weite Reise, begruisst cr die Bekannten im Voriibcrgehen mit,,Ejvallah", und diese begleiten ihn mit dem Zurufe,Ejsahadille!" Nach der Rtickkehr von einer Reise wird der Ankoimmling mit,Hos gjeldun', dem Willkommgrusse empfangenl, in Bosnien mit dem volkstimlichen Grusse,,Migest du gut gekom' men sein", (Dobro dosao), worauf der Begriisste antwortet:,,Ho bulduk", ich wiinsche dich wohl angetroffen zu habell. Hierauf folgen die Detailfrage,,Zdravo?.... Mirno?", gesund?.. ruhig? Bist du ruhig gereist?... Und wie geht es dir?" Befindet sich in einer Gesellschaft von Moslims wo immer eil Andersglaubiger, begriissen sic sich zuerst unter einnander in ihrcr Weise, dann erst den Frcmden, und mige dieser noch so angesehen sein. Es ist dies eine Religionsvorsclirift, die strenge eingehaltcln wird. Wenn tin Moslim als Gast oder Hausfreund im Hause eines; Andersglaubigen erscheint oder cine noch so hervorragende Gesellschaft Andersglaubiger betritt, und es befindet sich ein noch so bescheidener Moslim da, begriisst er diesen vor allem, mit dem iiblichen;.Merhaba:' und dann erst die Ubrigen. Geht ein Andersglaubiger mit dem armsten Moslim oder mit seinem Diener, der sich zum Islam bekennt, und begcgnet er einem Moslim, mit dem er noch so freundschaftliche Beziehungen untcrhalt, wird dieser doch zuerst den Glaubensgenossen begrussen. auch wenn er eill blosser Diener ist und dann erst den andersglaubigen Herri. Eigenttimlich ist die il Bosnien bei alien Eingeborenen, nicht blos bei den Moslims bliche Art, nach dem Grusse auch auf der Gasse gleich die Frage zu stellen:,Wie befindest du dich?', oder.,Wie befindest du dich, Herr?" Diese Frage wird immer mit den Worten:,,Gut, Gott sei Dank" und mit der Gegenfrage nach dem Befinden des Anderen beantwortet. Ehrwiirdige Greise, angesehene Persinlichkeiten oder hohe Wuirdentrager werden im Vorbeikommcn nicht in der Weise be

Page  92 92 - grtisst, -wie andere Leute. Vor ihnten erhieben sich Alle. von iliren Sitzen und bleiben lautlos stehien, bis der zu Begrassende an ilinen vorbeigekommen ist. Er maeht vor jedem Einzelnen das,Temena". welehes Alle erwiedern und. sicli dann lautlos niedersetzen. In ebenlsoleher Weise wverden an ges-ehe ne Personeii tiberall dureb Erbeben von den Sitzen begruisst. Vornelime. Leute gehen niemals allein tiber die Gasse, sie sind immrer von einern (der rnelreren Begleitern (Sefz) gefolot. Der Vornelime gelit voraus, die Begleiter hinter ilim:,.Sebi najde do deset momaka, Da ga sluzve i hodaju S-njime". (Er suehte sieh zehn Gesellen. aus, Die ihin bedienen und. begleiten). Besuelit cmn vornebmer Mann seine Besitzungen und die auf deinsellbcn hausendein Kmeten. dann reitet er voraus und seine Begleiter hinter ilim. Zur Zeit der ottomanischen Verwvaltung war emn auf seine Besitzungen reitender Gutsherr von einer bis an die Z.-hne bewNaffiieten Eskorte begleitet. Die Statthalter des Sultans. die Paschas. Veziere, Kajmekarne (Bezirkshauptleute)., Mutesarife, (Kreishauptleute) und andere h6here staatliehe Beamte liatten eine AbteilUng- Genidarrnerie (Kawassen') zur Begleitung. Auf semnen Spaziergangen liess sich emn vornelimer Mann von Dienern begleiteni. die ihim (Jibuk und Nargille nachtrugeni. damit er rauchen k~inne. wairn es ihm beliebt. Der Reiclitum des Herra drflckte sieh in der Kicidung seiner Diener aus. Je reicher der Herr, desto prunkvoller die Kleidungseiner Dienersehaft:,, Odijelo momeim pokrojio, Sve u srmi i u suhu zlatu. (Er selinitt den Dienern Kicider zn Mit Silber reich geziert und. troek'nem Golde). Eini Vornehmer gebt niemals in. einer Reihe mit Geringeren oder Jiingercen. Diese lassen ihn. immer emn wenig vorausgehen. Ebenso verhalteni sich die S~bne dem Vater gegenu-ber und. sprechen

Page  93 -93 - in Gegenwart des Vaters nur danim. wenn er das Wort an sie richtet. Qberhaupt wird bei den Moslims das Alter sehr g-eaehtet. Die Jun gen beg-rtssen. einiie Alten immer dureh -Erheben von den Sitzen urid sprechen nur dann., wenn er sic fragt. Die bosnisehen M1'oslims sind gYrosse Pferde- und Waffenliebhaber. Eij gutes Gewehr und emn gutes Pferd selluitzen sic ausserordentlich. Infolge dessen gab es in Bosnien immner ausgezeichuete Waffenschmiede und besonders Bflehsenmaeher. Vor der Okkupation ogehijrte das Btichsenmacherhandwerk zu den ersten Gewerben und waren in jedem griisseren Orte auch mehrere anerkannte Vertreter repr~isentiert. die nicht nur treffliehe Stutzen und Kugeibtiebsen, soiidern aueh ausgezeichniete Pistolen antertigteni, for welehe der Bosnier ciioe ganze Menge von Bezeichnungoen hatte. Alle Feuerwaffen wurden mit Gold oder Silber verziert, was dieselben sehr verteuerte. Ein Paar Pistolen wurde mit dem Preise his zu zehn Dukaten bezahlt, was nach bosiiischen Verhaltnissen sehr hoeh war. Besonders beriihmt waren die in Sarajevo angrefertigten Knglelbtiehsen (Sis'ane). Ausg-ezeichnete Pistolen machte Jiassari Peenkovic' im Dorfe Ilotinae bei Bihae', der eine zeitlang fur den besten Baehsenmacher in ganz Bosnien galt. Die besten Waffen wurden jedoch aus Albanien eingeftuhrt. Diese tibertrafen die bosrnischen beiweitem an Vortreffliehkeit und wareni auch dementsprechend viel kostspieliger. Eine gute m1it Silber und Gold eingelegte Pistole wurde mit fiinfzehn his zwan Zig Dukaten bezahIt. Geladen wurdeni die Gewebre mit Haekblei, Kugelin oder ~Sindzvirlije" (Sindzvir =- Kette), Kettenkugeln, das heisst mit runden 1Projektilen. von dernen immer je zwei dureb emn Kettchen mit cinanders verbunden waren. In Bosniien wurden his vor Kurzem fast ausschliesslieh Vorderladegewebre verwendet. Hinterlader kamen selten vor. Der Ladestoek der Vorderladegewehre bestand aus Eisen und stack in einer an der Holzschaftung der Waffe angebracliten Hilise. For die Pistolen wurden, Arbije" als Ladestdcke verwendet. Das sind eiserne oder h~51zerne Stabehen, die, etwds langer als

Page  94 - 94 der Lauf, in diesen genau hineiipassten. Derjenige Teil des Ladstockes, welcher beim Laden in der H-and ruhte, endete mit einer runden, vier- oder sechseckigen Verdickung, die gewi;hnlich ebonfalls mit Silber oder Gold eingelegt war. Die eisernen,,Arbije" truigen eine Vorrichtung zur Anbringung einer kleinen Feucrzange, mit wtlcher der Besitzer der Waffe Kohlen zum Anbrennen seiner Pfeife oder Zigarette anfasste. Von Pistolen standen bios solche mit Feuersteinschloss in Gebrauch. Das,,F'euer am Feuerstein". (las Ziindloch, war mit Silber eingefasst. Die Pistolenliufe waren gewi5hnlich zwei Mannesspannen lang, manchmal noch langer. Die Gewehre wurde'i an einem Riemen uiber die Schulter gehangt getragen, die Pistolen, oder wie man sie nennt,,kleinen Gewehre", im Waffengtrtel (Bensillali). Die letzte:en waren aus schwarz, gelb oder rotgefarbtem Leder angefertigt und enthielten fuif bis sechs Abteilungen. Im,Bensillah" hatten auch die,,langen Messer", die Handzare ihren Platz nebst allerlei kleinen Dingen fir den alltaglichen Gebrauch. wic z. B. das aus Feuerstein und Stahl bestehende Feuerzeug, das Handtuch, um sich nach dem Abdest abzutrocknen. Damit die HIandzare beim Geben oder Reiten nicht hinderlich sind, war an der linken Seite des Waffengirtels ein starker Doppelriemen aus Leder angebraclit, der das untere Ende der Handzarscheide hielt, so dass sie festsass. Es waren zweierlei Messer im Gebrauche. Die einen hatten gerade Klingen, waren sehr scharf unil fein zugespitzt und dienlten zumn Zerkleinern des Fleisclies und anderer Speisen. Ein solches Mcsser hiess,Bicak". Als Waffe. und dabei als sehr gefahrliclhe Waffe diente der aus dem besten Stall angefertigte Handzar mit zumeist weissem Knochengriff, der am oberen Ende die Form einer Ohrmuschel hatte, weshalb er auch der,,Wcissohrige" (Bjclouska) hiess. Die Klingei beidel Arten von Messcrn stacken in h1lzernen, zur Halfte mit Metallblech iiberzogencn Scheiden. Reiche Leute besassen mit Silber geziertc Sche'del, dcren getriebene Arabcsken mitunter wahre Kunstwerke waren. Hervorragendc Persolnen und hl;herc Beamte vcrvollstandigten das mitgetragcne Arsenal versclhicdencr W'ffen noch durcl cilcn

Page  95 -an einem tCberschwungriemen getragenen Krummsabel der bekannteni, ttirkischen" Form (Pala). Gruff, Scheide und selir oft auch die Klinge -der,,Pala" war reich mit Silber oder Gold eingelegt und oft selir wertvoll. Besitzer von Hinterladegewelii-en trugen ausser demn,,Bensillah" noch Patronentaschen (Sillah) von denen jede zehn Patronen enthielt. Volibewaffyiet trug der Mann vierzig Patronen mit. Neben den Patronentasehen hieng emn kleines Gefass mit einem in Gel gretraunktell Lappen zumn Reinigeni der Gewebre. Die Patronentasehen waren gew~3nlich aus starkem Leder angefertigt. Haufig traf man faber auch reich verzierte silberne. Die Bewaffaung vollendete emn an der rechten iltIfte an drei dtinnen Kettelien am Waffengi~rtel. hangendes Horugefass mit feinem, Schiesspulver zumn Aufschtitten auf die Pfanne des Feuersteiinschlossgewehres. In der Stadt trugen die Manner nur eine oder zwei Pistolen im, Gurtel. Auf der Jagd, auf Reisen oder beim Besuehe ilirer Kmeten behufs Eintreibung ihirer Gcbtfihren (Hak) legten sic vollen. Waffensebmuck an. Cberdies ttihrten sic Kawasseni mit. die ihnen -im. Bedarfsfalle 'Waffen zureichen m ussten. Jeder wohliabendere Menseli trug sein. Bargeld in. einem um den blossen Leib gesehnallten Ledergtirtel. SelteD liess demand sein Geld zu Hause, sondern trug, es in Dukaten umgewechselt auf die angegebene Weise immer mit sich. Vor der Okkupation gab es in Bosnien und der Hercegovina fast gar keine Strassen, iioch Verkehrswege. Der gesammte Verkehir wickelte sich zu Pferde ab. Nur die gr6ssten Herren batten Wagen, kouinten dieselben jedoch eben wegen Mangel an fabrbaren Strassen nicht oder nur selten bentitzen. Den Wagen lernte die Beviilkerung des Landes erst nach der Okkupation kennen. In der Saveiniederung hatte das Volk wohl ausserst primitive Wagen, deren. Rader ans Holzstiieken roh zugehauen waren. und das ganze Vehikel wies keinen einzigen eisernen iNagel auf. Bentitzte ciii Moslim. cinen sole-hen Wagen. dann stopfte er das Innere mit lieu voll. breitete

Page  96 96 darfiber einen Teppiehi und setzte sich mit unterschiagenen, Beinen darauf nieder. Er machte es sich so bequem, als er es unter den gegebenien Verhliatnissen koiinte. Besondere Wagensitze waren vor der Okkupation g-anz unbekannt. Wenn die Frauen der Moslims Ausfahrten zu Wagen maeliten. wurde tiber dieseiben emn Dach gesparnut, damit kein unberufenes Auge in das lInere blieken k6nne. Das Wagen(lach bestand aus Matten oder Teppibehen, die tiber eine Reihe von l~olzreifen g-ezog-en waren. Derartige Fuhrwerke siehit man Ubrigens aueh hieute noch oft genug, nieht bios auf dem Lande, sondern auch in den St —idten. Blos die Wagen selbst sind anders geworden, sie sind fest gebaut und bequeni eingeriehtet. Die Kutsehe, welehle frtiher nur die grossten Herren im Lande besassen, trifft man jetzt hi.-iufig auch in D6rfern. deun. das Lohinfuhrwerk hat sich durch den starken Fremdenzufluss sehr entwiekelt. Aber das Pferd wvar in frVIheren Zeiten das einzige Verkehrsmittel nieht bios fur die Mkensehen, aueh der gesammte Warenverkehr wiekelte sich mitteist Tragtieren ab. Ailes wurde und wird noch in manehen Gegenden trotz der tiberrall befindlibehen vorzfiglichen Strassen auf dern Riiken des Pferdes, des Esels oder des Maultieres bef~;rdert. WM~e, Bettzeug, Kieider, tleu, Hoizbalken und Bretter, Brennholz. Baumnaterialien. Dtin ger, kurz Ailes, was von einem Orte nach dem anderen gebraeht werden soil. Im Handel Bosniens und der Hercegovina war his auf die jilingste Zeit den Tragtieren eine, grosse Aufgabe, zugewiesen. Alle Waren wiurdeii auf ibrem ThVicken befdrdert. Der konservative Siuln des Volkes benhitzt das Tragytier auch dort noch, wo es gute Strassein und Eisenbahneii gibt. Selbst in der Hauptstadt sielit man namnentlich an Markttagen. heute noch endlose Karawanen) seliwerbeladener Tragtiere in gemaehlichem Zuge dureh die Strassen scbreiten. Der Ftibrer geht voran und zieht das vorderste Pferd am Zilgel oder Halfter, die tibrigenl trotten nach. An der Seite der Karawane gehien gemietete Treiber. In friiherenl Zei ten, als die Sieherheit in IBosiiien und der Hercegovina noch eine sehr mangeihafte war, und die Ge '.,end von Ranbern (Hajduken) wimmelte, weiche sowobi den einzelnen Reisenden, wie anch den Karawanen auflauerten, um sie zu berauben, waren die Karawaneni oft sehir zahireich und ihre Begleiter bis

Page  97 - 97 - al die Zahne bewaffnet. Blutige Kampfe zwischen Handelskarawanen uind Raubern gehiirten keincswegs zu den Seltenheiten. Heute gibt es keine Rauber in Bosnien mehr. Die persionliche Sicherheit steht zumindest auf derselben Stufe, wie in den zivilisiertesten Lindern Europas. 7

Page  98 __I _ _ -- 8 - Dass die Karawanen oder reitende Reisende nur langsam vorwarts kamen, bedarf keiner besonderen Betonung. Die Reisenden mussten unterwegs oft einkehren und zu diesem Behufe waren iiberall Einkehrhauser (Han's) fur Mann und Pferd vorhanden. Unter einem,Hanu darf man kein komfortabel eingerichtetes Einkehrhaus verstehen. in welchem der Reisende alles vorfand, wessen er bedurfte. Die ganze Speisekarte bestand in Kaffee, Schwarzbrod, Eiern und am Spiesse gebratenem Lamm- oder Schaffleisch. Seit der Okkupation ist auch hierin ein Fortschritt zu verzeichnen. Es gibt schon genug,Han"-e, in denen Bier, Wein, Branntwein und andere Getranke erhaltlich sind. Diese sind jedoch bios in solchen Han's zu bekommen, welche von Christen gehalten werden. Wo der,Handzija" (Wirt) ein Moslim ist, muss sieh der Reisende mit Kaffee begnugen. Daftir halt aber jeder Haindija eiinen entsprechenden Vorrat von Heu und Hafer fdr die Pferde, und immer befindet sich in der Nahe ein Brunnen, eine Quelle oder eine Zysterne, um die Tiere zu tranken. Ftir die Menschen ist im Han weniger ausreichend gesorgt. Es gibt wohl Raum zum Schlafen, aber weder besondere Zimmer noch Schlafstellen oder Betten. Der Boden ist mit Matten bedeckt, auf welche sich die Gaste hinstrecken und schlafen, wenn sie konnen. Die Giste eines Han machen auch keine anderen Anspruche. In frtiheren Zeiten fihrten die Reisenden Alles mit, was sie notig hatten, eine Decke oder auch zwei. Diese wurden auf die Matten am Fussboden gebreitet und darauf schlief ein mtider Reisender ganz gut. Ein Han besteht gewoihnlich aus einem Erdgeschoss und eillen zumeist das letztere seitlich iberragenden Stockwerke. Im Erdgeschoss werden die Pferde, im Stockwerk die Reisenden untergebracht. In holzreichen Gegenden ist der Han aus Holz gebaut, in holzarmen aus Steinmateriale. In Bosnien gibt es sehr viele Han-e, inanentlich in weniger bev6lkerten Gegenden und in solchen, die dem starken Nordostwinde, der Bora, die hiiufig zur Landplage wird, ausgesetzt sind. In dichter bevolkerten Gebieten mit Dorfern und Stadten sind die Einkehrhauser in den Ortschaften selbst. Im Boragebiete stehen sie vereinzelt an der Strasse, um den Reisenden

Page  99 F r' --- FITW,..1 Ir- - -, VI" -, ~ ----.- -- - I I: i., I. I., I -l * Kaffeehaus und Han (Einkehrhaus) in Slid- oder Sftdwsstbosnien.

Page  100 Fi7-, / / Han (Einkehrhdus) aus Steinmateriale.

Page  101 .- 101 - Schutz und Unterkunft zu bieten, die namentlich in der kalten Jahreszeit wabrend der entsetzliehen Borasttirme hhufig unter oflenkundiger Lebensg-efahr reisen. Am heftigsten wiitet die Bora in der Gegend von Kupres- und S~uica in Nordwestbosnien, dann in der Hercegovina. Degbalb gibt es dort auch schr zahireiche Hani-e. Die Moslims in Bosnicn verstehen es auch, eine ganz vorztigliche Ktiche zu fuliren, wobei sie turkisehe und griechisehe Beispiele befolg-en. Bei sich zu Hause sicht der Moslim nicht auf die Anzahl und die Auswahl der Gange, SOndern darauf, dass die Speisen sehmackhaft zubereitet und recht stark mit Fett versetzt seien. Aiiderst ist es, wenin er Gaste bei sich sieht. Da wird aufgretragen, was die Ktiebe zu bieten vermag, und Mahizeiten von zwblf bis vierundzwanzig Gangen geh~ren nielit zu. den Seltenheiten. Auf Wohigeselirack der Speisen nach eigenein Begriffen wird der griisste 'Wert gelegt, denni der Moslim verstelit es, in seiiier Art emn ausg-esuchiter Feinschrnecker zu. scin: "Spremaj Meho gospodsku ve~eru. Sto je slano, nek je i biberli, Sto je medeno, nek je i -&e~ei, Sto je masno, nek je i primasno." (Richte, Meho, emn herrschaftlich Essen. Spar' das Salz iiicht, und auch nicht den Pfeffer, Niclit den Honig und den sussemi Zucker, Fiv~e reiehlich Fett den Speisen Z U.) Die Moslims halten ihre Mabizeiten zwischen zehn und ejif Uhr vormittags und gegen ftlnf oder seebs Uhr abends. Das Abendessen ist imnmer reichlicher, als das Frflhstack. In manchen Hiusern. befindet sich der Ktlehenraum im Hause selbst, in vielen ist er abgesondert. Die abgesonderten Ktichen (Mutvak) sind durcb gedeckte Gange mit den Wohn- und Speiseratumen verbunden. In der Mitte der KMicbe befindet sieh emn gemauerter offener Herd. tVberdies besitzt jeder Kilehenraum einen Kamin auf weichem der

Page  102 -102 Kaffee gerostet und zubereitet wird. (Odzak). Jede Kiiche enthalt selbstverstandlich Schranke und Gestelle fur die notwendigen Kiichengerate. Das Kochgeschirr besteht bei den Armen aus Ton, bei den Wohlhabenderen aus verzinntem Kupfer oder Eisen. Ganz so verhalt es sich mit dem Essgeschirr. Der Armeverwendet Tonschisseln, der Wohlhabende verzinntes Kupfer oder Porzellan. Fltissige Speisen werden mit Holzliffeln zum Munde gefuhrt, alle ubrigen mit den Fingern. Zu den Lieblingsspeisen gehoren gekochtes oder gebratenes Hammel- oder Lammfleisch. Kalbfleisch geniesst der Moslim nie. Bosnien und noch mehr die Hercegovina besitzen vorzugliche Gebirgsweide, welche dem Fleische der Hammel und Lammer einen besonderen Wohlgeschmack verleiht. Die hervorragendsten Weideplatze befinden sich auf dem Vlavsigebirge bei Travnik, auf der Alpe,Krug" bei Livno, auf dem Hochplateau von Kupres, am Fusse des,Cincar"-Gebirges und in der ganzen Hercegovina. Hier werden Herden von tausenden von Schafen und Lammern gehalten, deren Fleisch fur besonders vorztiglich gilt und auch jenseits der Landesgrenzen von Bosnien und der Hercegovina einen wohlverdienten Ruf geniesst. Am meisten wird das Lamm- und Hammelfleisch am Spiesse oder in einem geschlossenen Becken (Tevzija) gebraten. Es dtirfte in Europa wenig Lander geben, in denen soviel derartig zubereiteter Lamm- und Hammelbraten gegessen wird, wie in Bosnien-Hercegovina. Nachst dem Spiessbraten ist der,,Pilaf" Nationalgericht. Derselbe besteht aus Rind-, Hammel- oder Lammfleisch, oder Geflugel mit Reis. Zu den Delikatessen gehoren mit feingehacktem Fleisch und Reis geftillte Paprikaschoten (Dolma), Tomaten (Paradeisapfel) und junge Kurbisse. Ein weiteres schmackhaftes Gericht ist die,,Jahnija", die auf folgende Weise bereitet wird. Fettes Fleisch wird in kleine Sticke geschnitten, mit feingehacktem Zwiebel und Knoblauch vermengt und tuchtig mit Pfeffer versetzt. Die Mischung gelangt in einen hermetisch verschlossenen, irdenen Topf und wird solange gekocht, bis sich das Ganze zu einem Brei gestaltet. Auf dem Tische eines Moslim fehlt das Kraut (Sauerkohl) nicht. Derseibe wird frisch und gesauert gegessen. Man bereitet daraus

Page  103 - 103 Suppen. ftillt damit die.,Pita" genannte Mehlspeise und verwendet es zur,,Kalja", mit Kraut gekochtem Rind-, Hammel- oder Lammfleisch. Beliebt sind auch viele Mehlspeisen, namentlich die,,Pita" und verschiedene Backwerke, die in tonernen Gefassen auf Dreifilsse gestellt unter der Glut gebackcn werden. Das Brod wird auf folgende Wcise hergestellt: Der gegohrene Teig wird an eine fruher durch starkes Feuer erhitzte Stelle gelegt, mit einem Deckel zugedeckt, auf den man Glut scharrt, bis das Gefass damit vollstlandig und dickschichtig bedeckt ist. Das Brod wird unter der Glut solange gelassen, bis es gar ist. Europaische Hausfrauen wird es zu erfahren interressierel, wie die Lieblingsmehlspeisen der Moslims, namentlich die,Pita" und die,Kolaci". kleine Backwerke, bereitet werden. Unter den,Pita"Arten steht die.,Burek-Pita" obenan. Dieselbe besteht aus einem mit feingehacktem Rind- oder Hammelfleisch gefullten sogenannten Strudelteig. Die,,Baklava' ist eine Pita aus feinem Melil, mit Zucker und Rahm geknetet und mit Nusskernen und trockenen Pflaumen gefiillt. Dieser Pita werden verschiedene Formen verliehen. Vielfach hat sie die Gestalt einer Rose und heisst dann,Gjul-Baklava" (GjulRose). Die..Lutma' ist eine Baklava, die nach der Fertigstellung mit Hoiiig begossen wird. Die Moslims sind gar grosse Liebhaber von Honig. Sie geniessen denselben nicht nur in allerlei Mehlspeisen, sondern auch rein und mit Wasser verdiinnt. Dies Getrank halten sie fur der Gesundheit sehr zutraglich. Die Pita wird auch mit Kase geftillt und entspricht dem Kaseoder,,Topfen"-Strudel. Gerne gegessen wird auch die,,Misiraia", das ist eine mit feingehackten egyptischen Kiirbissen geftillte Pita (Misir-Egypten), die vor dem Anrichten noch im Becken mit Rahm begossen wird. Die.,Jajarusa" (Jaje - Ei) ist eine mit Eiern gefillte Pita. die besonders gerne gesehenen Gasten vorgesetzt wird. Auch mit feingehacktem, ttichtig mit Salz und Pfeffer versetztem frischem Kraut wird die Pita oft geftillt. (Krautstrudel). Die,Paluza" wird aus feinem Mehl und Zucker bereitet. Mehl und Zucker werden ttichtig verriihrt und am Feuer gut aufgesotten. Hierauf wird das Ganze an einem kiihlen Orte aufbewahrt, zer

Page  104 - 104 - drdckt und ist dann einem,Sulz"- (Gallerte,) GeV~e) alhnlicb. Die,,Paluza" kommt bios in reichen Huiusern auf den Tiscli und zwar am Ende der Mittags- oder Abendmalzeit. aber auch nur dann, weln. besonders angesehene G~ste da sind. In armeren Familien wird anstatt der,,Paluza" die Mahlzeit mit susser oder saurer Milch beschlossen. Emn weiteres beliebtes Baekwerk sind die,,Hu rmiee", die aus Maismehi, Eiern und Zueker hergestellt und. mit Zucker bestreut oder mit Honig begossen gegessen werden. Die Hurmice werden besonders vom. weibliehen Gesebleebite gerne gegesseti und den W~5ehierinnen in's Woehenbett von ihren Freuiidinnen zunm Gesehenke gebraeht. Eine den,Hurmiee" Thlnliehe Mehispeise sind die,Gurabije". Als bestes unid kostspielicgstes Backwerk gelten die.,Gjunlari`, eine in Butter gebaekene Eierspeise. die auf folgende Weise zubereitet wird. Eine entspreehende Anzahl Eier wird zersehlagen und dureh zwei bis drei Stunden fortwahrend umger~ihrt, bis sie sich in einen festen Schaum verwandeIn. Der Schaum wird mit feinenx Meii zu einem Teige vermiseht und dies,,r in kleinen Stllcken. in heisser Butter gebacken. Die,Gjunilari'- kommen bios auf den Tisci reicher Leute und zwar nur an Festtagen, oder wenn besondere Gaste anlwesend sind, denn die Ilerstellung der Speise ist nieht nur verhaitnissmassig kostspieiig, sie erfordert auch grosse Sorgfait und Mil~ie. Die Frauen haben es nieht gerne, wenn man l1inen bei Anfertigung, der,,Gj unlari" zusieht, weil sie glauben, dass den Eiern der,,b~se Blick" zu schaden vermag, so dass sie sich nicht gut zu Schaum. verrtihren lassen. Mit den angeftihrten Speisen (ier Moslims ist naturlich ihir Kllchenzettel noch lange niehit erschipft; damit aber diese Beschreibung niclit das Aussehen eines Kochbuches erhalte, sei nur noeh die bereits erw~hnte Hialva" beschrieben, das beliebte Naschwerk der Kirnder. Es gibt zweieriei Haiva, eine harte und eine weiche. Die letztere wird auch von moslimisehen Frauen zubereitet, die harte Halva wird. aussehliesslich von Arnauteni angefertigt, die in jeder gr~sseren bosnisch-hercegoviniselhen Ortschaft angesiedelt sind und. von der Zubereitung der 'Halva und anderen Zuckerwerks leben. Die harte Halva ist weiss und wird aus Starkemehl, Mehi, H onig -oder Zucker,7 Eiern und Mulch gemaeht. Das MisehUngsverhaltnis,

Page  105 - 105 - der einzelnen Bestandteile ist Geheimnis der Anfertiger. Die angefiihrten Ingyredicuizien werden in einem. grossen Kessel solange umgertihrt, bis die Masse steinhart wird und nur mit Mtihe geschnitten werden kann. Die fertige Halva, tragt der Arnaute nift anderen Zuckersachen zusammen auf einem Brette auf dem Kopfe in die Carsvija zum Verkaufe aus. Eine bosnische Cars'ija ist ohne Amiiauten nieht gut de nkbar; sie gehbiren zu den standigen Strasseinfiguren, deren Abwesenheit von der Bev~lkerung unangenehm, empfunden wiirde. Sic sind recht interessante Typen. Auf dem Kopfe tragen sie eine Holzplatte mit Halva, Und sonstigem, selbstbereitetem Zuckerwerk und Backereien. Die eine Hand halt emn Holzgefiiss mit schneidiger,,Buza" geftilit, die andere einen klienen Kessel sammt Kohienpfanne, Aihlieh den Siedekessein der ambulaniten Wiirstelverkaufer. Da-rin damnipft siisser,Salep", ein Abg-uss der Knabenkrautwurzelknolleni (Orehis militaris). Vom frilliesten Morgen, noch ehe der Muezzin zum Sabbali gerufen, bis zurn sphften Abend durchzieht der arnautiselme Halvaverkaufer die Strassen und lockt die Kinder dureli laute Rufe ami,Halva, Halva-a-a!" Und die Kinder sammein sich in Seharen unid kaufen den stissen Liebliingsleckerbissen. Vor Schulbeginn hat sieh vor jeder Sehule gewiss cin Arnaute mit seiner Ware eingefunden, denn die Schulkinder sind die besten Kunden der zahen Gesellen mit den blitzenden schwarzen Augen. Besonders ergiebig ist der Fastenmonat Ramazaim. Da 1st der Arnaute die gauze Naeht auf den Beimnen, zieht von Strasse zn Strasse, von Kafana, zu Kafana uiid nach alien Orten, an denen sieh die IWannerwelt versammelt und bietet seine Ware feil, die immer willige Abnehmer findet. Der Ramazan ist die Erntezeit des arnautischen Halvaverkaufers. Da nirnmt er viel Geld emn. Die Moslims speisen rings urn einen ftinfuniddreissig bis vierzig Centimeter hohen, auf einem W~lzernen Dreifusse aufruhenden Tisch (Sofra) gelagert. Unter die,Sofra" wird eine Decke (Besofra) gelegt, damit die Brosamen und AbfAule niicht auf den naekten Boden fallen. Die Wohlhabendcren sitzen beim. Essen auf Teppichen, die Armen auf dern blossen Boden. Vor dem. Essen reinigt sich jeder zuerst die Hande und den Mund. Das Essen wird auf grossen, flachen Schtisseln (Dimirlije) aufgetragen, die fast so gross sind als

Page  106 106 - der Tisch selbst. Wahrend des Essens ruht gewbhnlieh jede Unterbaltung. Es berrseht bei den Moslims namlieli der Glaube, dass die Engel die ~Sofra" w~hrend des Essens auf den Handen halten; und in Gegenwart von Engein schieke es sich nicht zu singen oder Larm Zn machen. Zum Essen wird klares Wasser oder Limonade getrunken, nach dem Essen Kaffee ohne Zueker. Zum Kaffee wird Tabak geraueht. Sind Gaste im Hause. falit das MAhI viel reicher und reichlieher aus wie sonst. Vor dem Essen erseheinen dann DienerY welehe jedem Gaste anstatt der Serviette emn kleines Handtuch tiber die linke Schulter legen, mit welehem wahrend des Males, Mund und Hande abgewischt werdeni. Uberdies wird allen. Gasten emn langes weisses Handtueh tiber den Schoss gelegrt, welehes allen die Kniee bedeckt. (Sofra-Mahrama). Dieses Tuch soil verhiftten, dass den Gasten die Brosamen und Speiseabfallc die Kieider besehmutzen. Naeh dem Male hebt der Hausherr die,Sofra'" auf, denn es ist bei den Moslims nieht tiblich die Speisen vor den Gasten langere Zeit stehen sn lassen. Ist dies gesehehein, erseheinit der anfwvartende Diener, tragt die,Sofra'- sammt dem Essgesehirr hinaus, wahrend andere Diener den Gasten die Hande wasehien. Begonnen wird damit beim Altesten und naeh reehits forgesetzt. Jeder der Diener halt in der linken Hand eine XWasehse-htssel, in der reehten eine Kanne (Ibrik) mit Wasser und auf der linken Sehulter eim Handtueh, mit welehem sieh jeder Gast die Hande abtroeknet. In besonders vornehmen Hausern gibt es fur jede Verriehtung besondere Diener. Die Einen tragen Kaffee aug, die Anderen bringen die Pfeifen und setzen sie in Brand. Die Ersteren heissen,,Kafedzvije-", die Letzteren,Tutundzvije". (Tutum-Pfeife).,,Tutundzyije 6ibuk zapalisve, Kahvedzyij'e kafu donesos-e." (Die Tutundzvije zttnden die Pfeife an, Die Kahvedzvij'e tragen Kaffee dann auf.) Die Moslims sind grosse Anhanger des Kneipp-Systems, obwohl die wenigsten von ihnen den Namen des verstorbenen Pfarrers Kneipp auch nnr jemals gehbrt haben durften. Sie wasehen sich wenigstens funfmal taglich mit frisehem Quell- oder Flusswasser,

Page  107 - 107 - baden 6fter, leben cinfach und. sehr massig, und wenn. sie erkranken, machen sie zuerst kifihle Umschlage, ferner benfttzen sie allerlei Hausmittel, wie Maiweni, Brennessel. und andere fur beilkriiftig geltende Pflanzen, wie sic der verstorbene Pfarrer Kneipp so lebhaft empfahl. Uberdies verstehenr sie sich auf Zubereitunrg versehiedenen Arten von,,Balsam" (Mehiem), mit denen sie nicht bios Wunden, sondern. auch innere Krankbeiten behandein. Zn der Kunst der Arzte oder zu deii von diesen. verschriebenen. Medikamenten haben die Moslims im. ailgemeinen. cm sehr geringes Vertrauen. Helfen Hausmittel nicht, nehrnen sic ZU ~Zauberktinstiern", Kurpfusehern und. -zn Amuletten. ihre, Zuflucht. Die Amulette werden. besonders gegen. Obmnaehtsanfidlle, Kopfschmerzen und.gegen Kriimpfc angewendet. Sic suchen. die Ursache der genanntcn- Leiden im.,,bL~sen Bli ek", demn Verschrieen.- oder Besehrieenwerden, und. dagegen anerkennen sic kein besseres Mittel als das, Amulett. Dieses steilt der Hodzya aus. Er wirft auf cmn Stuckehen. Papier cinige Verse aus dem Kur'an oder cinem anderen heiligen. Buche, und wickelt das so besebriebene Papier in cinen Leinenlappen, der mit Waehs besebmiert wurde. Dieser Lappen. heisst ~Musvemma", wird vomHodzva in cmn kicines, Tuebtasebehen getan. und dem Kranken. in der Weise urn den Hals gebuncien, dass das Amulctt an der linken Brnstscite oberhaib des Herzens zu liegen kommt. Manchc trag~en Amulette in der liblichen Kopfbedeckung aus rotem Filz, dem. Fes, Manche in dcei Kicidern eingenabt. Es gibt Amulette, die der Hodzva ins Feuer wirft und vcrbrcnnen lasst, wahrcid. der Kranke. den. Geruch und. Ranch derselben einathmet. Andere werden. ini die Winde verstrcnt, wieder andere in's Wasser getan. INach ciniger Zeit trinkt der Krankc das Wasser odci' waSCht sich damit Ab und. ist tlbcrzcugt, dass ihm das Mittel die Gesundheit versehaffen werde. Im Volksliede der Moslims, werden. die Amniette haufig erwahnt und. ihrc Zanberkraft anerkaunt. In einem. dieser Lieder wird erzahlt, wie cmn junger Mann Amulette seb-rieb, umnecm untreu gewordenes Liebehen zu strafen. Er fcrtigte drei Amulette an, sandte eines in den Wind, warf das zweite in's Feuer und. das dritte in's Wasser, worauf die ungetreue Maid crkrankte und starb und ihrc Untreuc mit dem. Lebena btisste.

Page  108 - 108 --- Auch zu kranken Haustieren wird der Hodza gerufen, damit er Amulette anfertige. Diese werden in Brot gewickelt und dem kranken Tiere zum Fressen gegeben. Wenn Kiihe keine Milch geben, bohrt ihnen der Hodza eine Offnung in eines der Horner und legt das Amulett hinein, oder man wickelt dasselbe in einen Lappen und bindet es der Kuh um die Horner. Schine Pferde oder Fullen werden gegen den,,bsen Blick" durch Amulette geschlitzt. Das Amulett wird in einen roten Lappen gewickelt und dem zu schtitzenden Tiere um den IHals gebunden. Dann kann ihm der,,bse Blick" nicht schaden. Amulette werden von Madchen getragen, um sie schon zu machen oder um ihnen die Liebe junger Burschen gewinnen zu helfen. Diese wieder lassen sich Amulette machen, um mit deren Hilfe das Herz einer unzuginglichen Schinen zu erweichen. Auch dienen dieselben als Schutzmittel geoen Krankheiten, als Forderungsmittel im Handel und Wandel, als Talisman auf Reisen u. s. w. Sind die von einem Hodza verfassten und verteilten Amulette wirkungslos geblieben, dann wendet sicll der Moslim um solche an christliche Geistliche. Es gibt genug Moslims, welche del Amuletten christlicher Geistliclier grossere Wirkung zuschreiben, als denen der Hodzas. Anderseits wenden sich auch Christen oft an Hodzas um zauberkraftige Amulete, namentlich an solche, die im Rufe stehen, gute und wirkungsvolle Amulette zu verfassen.*) *) I)iese Neigung zum Aberglauben im Volke wird in Bosnien von einem Teile der Geistlichkeit aller Bekenntnisse nicht nur nicht bekampft, sondern sogar gefordert, und dies ganz offen. Welche Meinung die Amulettschreiber von ihren Zaubermitteln selbst haben, illustriert das Folgende: Ich kenne in Sarajevo einen von Christen und Moslims viel in Anspruch genommenen Amulettlieferanten, einen Hodza, der mir auf meine Frage, ob seine Amulette auch nitzen, die ruhige Antwort gab: )Je nachdem. Mir nfitzen sie gewiss. Mache ich es nicht, macht's ein Anderer.( Der Mann erhalt namlich ffr jedes Amulett zwei Kronen und hat eine grosse Familie zu erhalten. (Anm. des Ubersetzers.)

Page  109 B. SITTEN UND QGWOHNHEITEN.

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Page  111 I. Jei der Geburt. Bei den Moslims in Bosnien-Hercegovina haben sich die verschiedenartigen und mannigfachen Sitten und Gewohnheiten, die im Leben aller Stidslaven eine so grosse Rolle spielen, besonders erhalten. Die nun folgende Beschreibung soil diese Sitten und Gewohnheiten in tunlichst erschopfender Weise darstellen. Begonnen sei mit dem Beginne des Lebens, mit der Geburt. Die moslimsche Ehe hat vor allem den Zweck vor Augen eine recht zahlreiche Nachkommenschaft zu hinterlassen. Die Ehe gilt blos dann als gliicklich, wenn sie reichen Kindersegen aufweist:,,Beg Mustajbeg sretno se ozeni, Lip je porod beze izrodio, Troje zensko, a 6etvero musko, Nek' ne zeli ni sina, ni scera, Ni nevista, ni mladih zetova." (Beg Mustajbeg ist glucklich in der Ehe, Reich an Sprossen ist dieselbe, Drei der Madchen, vier der Sohne, lbrig bleibt ihm nicht zu sehnen, Sich nach Tochtern oder Sohnen, Nicht nach jungen Schwiegerkindern.) Je mehr Kinder eine Frau gebar, in desto grosserem Ansehen steht sie, desto mehr gilt sie. namentlich ihrem Gatten. Auch der

Page  112 - - 112 - allerarmste Moslim freut sich mnng fiber die Geburt eines jeden ihm beseherten Kindes, denn. die Kinder vertreten Vater und Mlutter im Alter. und jedes bringt sein eigenes Gluek (Nafaka) mit auf die Welt. Unfruchtbare Frauen werden ihrer-n Gatten verhasst, miigen sic vordem noeh so sehr geliebt wordensein. Sie werden im Voiksliede als Baum ohne iFruehit, als Rosenistraueh ohue Bitite betraclitet, die umgehauen zu werden verdien en. Der Schwager sprieht zu. sei ner (kinderlosen) Sehwagerini:.Vid' nevista te zvute naran~e, Da naran~a svake godine ne ragja, Davnio bi je bratac posikao. Vid' nievista tog '2utog limuna. Da limun svake godine no ragja, Davno bi ga bratac posikao. Vid' nevista rumene ruzvice. Da ruz~a svake godine ne evate, Davno bi je bratac posikao." (Sieh', Sehwagerin, die gelbe Orange! Wenn der Baum niclit jahrlich Frtiebte trftge, THatt' der Bruder ihn langst schon gefallt. Sieb, Schwagerin, die gelbe Zitrone! Wenn der Baum nicht jahrlich Frtiehte trtige, Hatt' der Bruder langst Ihn sehon gefhillt. Sieh', Schwiigerin, hier die rote Rose! TrVig' die Rose nicht alljahrlieh Biliten, Lanogst sehon hatt' der Bruder sie gefillt). Beg Ali Beg hat eine wundersehb3ne Frau, die er sehr liebt. Mehrere Jahre hat die Ehe sehon gedauert, ohne dass der Kindersegen sieh eingestellt hatte. Das maeht ihin traurig und zornig zugleich. Eines Tages, begab er sich in emn Dorf auf seine Besitzungen,, befahi. jedoch frtiher seinem Binder, dem Schwager seiner FrauY di ese umzubringen:.O Boga ti brate Muhamede!.,Ja odoh u nove Timare. Kad ti dogje mlada nevistica,

Page  113 - 113 - Ti je vodi mladu u haz bas'Cu, Pa je onda mladu ti posici. Kad ja nemam od srea eviada, Nek mi nije ni nje miade! (Im iNarnen Gottes. Brudcr Mluhamed! Jeli geb' hiumus auf die neueri Giitcr. Weuin die junge Schwagerin du siehest, Fiihr' hinaus die Junge in den Gartein, Briiige urn sic dort ani Ort und. Stolle. Wenii sic keiine Kiinder mnir grebluret, Will auch iclh die Juiige niielit mehir hiaben). Die junge Frau des Mustaj beg- rtihmt sich vor ibren Freundinnen der grosseni Liebe ihres Mannes. Sic crzahlt: 11Da vi zia~tc drage druge moje, Kako li ine Mustaj bez'e dr~i'?! Kad ja spavarn. biser graliom mave, Budi me od jorgovaiia granom: Usa suo, granul je sunce! Kad ustamiem iia mneke dus-eke, Svojim 'e mue c'urkom ogrnuti. Dvore mene do dvije robinje; Jedna drzyi kalajli legena, U masvtrcafi bijele gjulsije, Druga drz'i S-erbc medovinlu. Na tabaku rumeiiu ruz'icu, Da utiramn to rumeno lice". (Dass ihr's wisset, ihr Freundiniucn alle, Wie Mustajbeg mich gar innig liebet'? Im. Schiafe facehelt er zu mir Kiithlung, Wecket mich mit cinies Flieders Zweige: Steli' auf Liebeheni, die Sonn' ist aufgegangen! We-nn ich daimu auf weichemn Kissen sitzc, Hitlict er in scinci Pclz mich warmend. Zwei Sklavinneni horchen meinien Winken; Eine reicht das., Wasehbecken mir fr&~hieh, WNeisse T~cher. (lie iiach Roseni duften, 8

Page  114 - 114 Stisses Honigwasse r bringt die And're, Auf der Platt', dazu 'ne rote Rose, Dass iech wasehe meinie, Rosenwangen). Aber die Freundinineii neideii der seh~nen Frau ihr Scbicksal, und die Eine ruft 1ihr zu:,Zaludu ti fala i imanje, Kad ti nejmas- od srca evlada.'-' (Vergebenis klinget dein pra-blend Rtihmen, Hast du doch dem Mann' kein Kind geboren). Wenn sich civic juvige Frau Mutter fiihlt, freut sich dartiber das ganze Haus. Die kttiiftige Mutter wird gehatschelt wie ein keienes Kind. Jedermanvi suelit ihr Freude zu machen, streichelt sie und bezeugt ihr Aehitung. Nochi grilsser 1st die Freude viach gilicklich vergangevier Geburt, besonders wvenin das Kind manviuichen Gescblechtes ist. Der Gatte, die Hausgenossen, die Verwandten vivd die naclisten iNachbarell eilen herbei und beschenken die WL~chneriin und das neugeborene Kind:,,Daj mull-tulink, miadi gosp odine! Rodi miada Mustaj begovica. Rodila je (10 dvn sina mlada. ZIatne ruke i ziatna per~inal Kad to &,uo diver Muhamede, Trkom tre-i niladoj nlevistici, Posipa je Z~utim dukatima. Doletila inlada zaovica, Zaovica Malimud pas-inica, Pas'inica 6ledo povijala, Jedno onia, drugo Muhamede". (Gib Gesehienke, mein junger Gebieter! Mustajbeg-s junge Gattin hat geboreni. Sic gebar zwei lieblich junge Knaben, Gold'tier Haindclien und goldener Loeken. Als dies hi~rte Mluhamed der Sehwag-er, Eileiid lief er zu der jungen Mutter,

Page  115 - 115 - Streuet auf sie gelbe Goiddukaten. Auch die Sehwag'rin kam herbei gelaufen, Mabmud Paschas vielgetreue Gattin, Und sie wickelt emn das eine Kinablein, Sie das Eine, Muhamed das And're). Der 0Gatte, so berichtet das Volkslied, war abwesend, als das freudige Ereignis eintrat. Als er die frohe Kunde bei seiner Heimkehr vernommen: 7, on leti uz visoku. kulu, U 6izmama i u. kal~i nama, Te on ode ijubi u odaju, Posipa je sa sitnim biserom." (Laufend stracks erstieg den hohen Turin er Schwer bestiefelt und in ilbersehuhen, Ejiet flugs in das Gemnach der Gattin, Und bestreut sic mit kostbaren Perlen). Dass der Mann in,.Stiefeln und in ilbersehuhen" in das Gemach seiner junger Gattin eilte. bekundet seine u-nsagbare Freude dartiber, dass er Vater geworden; denn emn Moslim von vornehiner Familie wiirde unter gew~hnilichen Verhaitnissen die Wohuraume, seiner Frau niemals im Reisekleide betreten. Aber nieht nur die Maniner, auch die Frauen aller Stande sind giticklich in ibren Kindern. Eiii Volkslied besingt eine Gesellsehaft vornehmer Frauen, die sich zu. cinem Festmahle (Zijafet) zusammengefunden haben. im ilause der Almaz Kaduna. Die llausfrau. sagt zu. ihren Freundinnen:,Weshalb leben wir deun, wenn nicht wegen der Kinder? Wortiber freuen wir uns mehr, als Uiber unsere Kinder? Weshalb erwerben wir und plngen urns, wenn nicht wegen der Kinder? Sie m~igen nur wolgeraten sein uud nicht vom riehtigen. Wege abweichen." Die Gemalin eines Paseba (Pa-Sa Hanuma), die sieb ebenfalls in der Geseilsehaft befindet, be statigt die Worte ihrer Freundin und ftugt hinzu.:,,,Freilieh, Sechwster. Ich versiehere dich bei alien heiligen Schriften Gottes, wcrn Gott, er m~3ge mich nicht strafen, gute Kinder geschen ktht, der ben ~tigt kein anderes Gilick." Undeine Dritte, 8*

Page  116 -116 - fuigt hinzu:,Guter Gott, was sind Kinder! Wer keine hat, wessi nicht, was Freude heisst. Er ist auch am Bajrammorgen elend und traurig, mag es ein Mann sein oder cine Frau". Der Moslim liebt alle seine Kinder gleichmassig, obwohl er es lieber sicht, wenn ihm mehr Sohne als Tichter geborer werden. Die Mutter hat dafdr mehr To(chter lieber, denn sie sind ruhiger und den Eltern von grosserem Nutzen als die Sohne. Besonders gross ist die Freude, wenn das erste Kind ein Knabe war. Da kennt die Gluickseligkeit von Vater und Mutter kcine Grenzen. Wenn ein Madehen als erstes Kind geboren wird,ist wohl die Freude nicht so gross, wie bei einem Knaben, aber man freut sich doch. Gott hat es so geftigt, es kann nicht anders sein. Die Eltern tri3sten sich dann mit dem alten Sprichwort:,Knaben gewinnt man mit Groschen, ftir Madchen gibt man Dakaten". An dieser Stelle mogen die verschiedenen Arten von Volksglaubeln und Aberglaubeni verzeiclinet werden, welche auf die Geburt eines Kindes, auf dieses selbst und auf die Woclhnerin Bezug haben, so wie das Volk sie ibt und kennt und erzahlt. Wic das zu erwartende Kind aussehen wird, kann kein Mcnsch sagen. das weiss nur Gott allein. Zumeist wird es dem Vater, der Mutter oder einem der Verwandten ahnlich. Zumeist erbt das Kind aueh das Temperament der Eltern. Ist der Vater heiter veranlagt, werden es seine Kinder auch sein. Trunkenbolde zeugen Alkoholiker. Aber auch das Kind eines braven Vaters kann missrateni ebenso das Kind eines Trunkenboldes fromm und brav werden, und alle geistigen Getranke seheuen. Ebenso knnlen die Kinder eines heiter vcranlagten Vaters kopfhiangerische Melancholiker sein, die einhergehen, als hatten sic alle Angehorigen zu Grabe getragen. Es ist auch nicht gewiss, ob das Kind iiusserlich dem Vater oder der Mutter iihnlich sehen werde. Die iussere Ahnlichkeit des Kindes haingt mehr von der Mutter als vom Vater ab. Zumeist werden die Kinder dcrjenigen Person ahnlich, welche die Mutter wahrend ihrer Schwangcrsehaft am liebsten hat. Wen eile in gcsegnetcel Umstiinden befindliehe Frau zur Zcit des Neumondes oder des Vollmoldes intensiver an cine gewisse Peison denkt, durfte das zu erwartende Kid dieser Person ahnlieh sehen. Weinn das Kind

Page  117 - 117 - im Mutterleibe das erste Lebenszeichen gibt, wird es derjenigen Person ahnlich sehen, welche die Mutter in jenem Augenblicke angeblickt hat. Wenn Vater oder Mutter im Augenblicke der Empfangnis an einen gelehrten Mann denken, wird das Kind ein Gelehrter. Drangt sich ihrer Erinnerung im entscheidenden Augenblicke ein Trinker oder Taugenichts auf, wird das Kind diesem ihnlich werden. Isst die Mutter wahrend der Schwangerschaft Orangen und Quitten gerne, wird sie Cin sehr schines Kind zur Welt bringen. Dasselbe tritt ein, wenn. sie in demselben Augenblicke, in welchein das Kind sich zuerst bewegt, in einen Spiegel schaut. Aussert das Kind im Mutterleibe besonders lebbafte Bewegungen, wird es ein unruhiger Geist oder lustiger Kumpan, der nicht erwarten kann, auf die Welt zu kommen, um allerlei lose Streiche und Kunststticke auszufthren. Ein Kind, das im Mutterleibe still liegt und sich kaum bewegt, wird aucl im Leben ruhig und verschlossener Natur sein. Es wird kaumn Brod erwerben kiOnnen. Trifft eine schwangere Frau einen Fuchs oder eine Sclilange an, wird das Kind Gltick haben und lange leben. Sprinlgt ein Hase vor ihr uber den Weg, dann wird das Kind ungluckliclh, selbstsuchtig und ein verkommener Mensch werden, der seinen Mitmelschen keinen Vorteil bringen wird. Hat eine schwangere Frau das Ungliick, dass ihr ein Hase uber den Weg lauft, mruge sie sofort umkehren und ja seinen Weg nieht kreuzen, datin kann weiteres Ungltick verhiitet werden. Frauei in gesegneten Umstanden sollen aus keinen schadhaften Gefassen essen oder trinken. damit das Kind keine versttimmelten Lippen (Hasenscharte) bekomme. Schwangere Frauen mogen sich auch in acht nehmen, dass sie niemand verspotten, damit das Kind keine schielenden Augen bekomme. Auch mtissen sie darauf achten, nur mit vollkommen reinen Handen zu essen. Welehe schwangere Frau mit mehligen Handen isst, deren Kind wird einen Aussehlag auf dem Kopfe haben. Frauen in gesegneten Umstanden haben oft die absouderlichsten Essgeliiste. Verlangt eine solehe Frau nach einer Speise, die sie

Page  118 - 118 - essen sieht, mt~ge man ihren Wunsch erfulle-n. Es ware eine Slinde, es nielit Zn tun. Einmal trieb emn Mann eim Tragtier mit einer Last Kirsehen vor sich her. Eine schwangere Frau, die ihn unterwegs traf, bekam. Lust ant die Kirsehen und bat den Mann urn eine einzige. Der Mann war hartherzig und liess siell nur mit seliwerer Miihe herbei, das Verlangen der Frau zn erfUllen. Als die Frau die eine Kirsehe verzehirt hatte, bat sie flehentlich noeh urn eine, aber dazn war der b~3se Mann nicht mehr zn bewegen. Die Frau sttirzte nieder, verfiel in heftige Krampfe und gab an Ort und Stelle den Geist anf. Als man der Toten den Leib anfsehnitt, fand man darin emn Zwillingspaar. Das eine Kind hielt eine Kirsehe im Munde und saugte daran, das andere hielt den Mund weit offen. Jener Mann setzte sem~en Weg fort und brach unterwegs im. Gebirge den ilals. Das Kind wird jene Speisen am liebsten haben, welehe die Mutter wiihrend der Schwangerschaft am liebsten ass. Wenn eine seliwangere Fran nieht das erhalten kann, worauf sie ein Geltiste hat, wird das Kind immer darnach verlangen. Jsst eine schwangere Frau etwas versteekt und greift dann mit der Hand nach einer Stelle ibres K6rpers, wird das Kind an derselben Stelle ein rotes, oder sehwarzes Muttermal haben. In Geselisehaft einer sehwangeren Fran sollen keine gruseligen Gesehiebten. erzahlt werden. Denn wenn. sich ihr das Haar vor Angst strdubt, vird das Kind furchtsam, wird nicht wagen, naehts allein auf die Strasse zu gehen und immer vor Gespenstern und Vampyren (Vukodlak, plur. Vukodlaci) ftirchten. Es wird anch immer allerlei schreekliehe Erseheinungen sehen und vor Angst starr werdeii. Eine sehwangere Fran darf auch keine Leiche sehen noch an eiinem. Leiehenznge vorbeigehen, soust wird das Kind schwachlich sein und eine Leichenfarbe haben. Es kommt oft vor, dass Franen tote Kinder zur Welt bringen. Solehe Franen haben stisses Bint, werden im. Sehiafe von der Alphexe (Miora) und anderen Gespenstern heimgesneht, die sie drticken und reiben und das Kind in ihr t~ten. Damit emn Kind nicht schon im. Mutterleibe sterbe, nebme die Fran emn Hufeisen von einem umgestandenen Pfeirde an sich. Hierans soil der Sehmied urn Mitternaeht einen Reifen anfertigen, den die Frau solange am Leibe zu

Page  119 119 - tragen hat, bis sie entbunden wird. Hierauf m~;ge sie den Reifen dem, Kinde in die Wiege uniter den Kopfpolster legen. Es ist auch gut, dass eine Frau, die, ffirchtet emn totes Kind zu gebaren, in der Nacht vor die iMosehee geht und aus der Tragbahre ftir Tote, die dort aufbewahrt wird, einen Nagel herauszieht. Aus diesem. Nagel fertige emn Sebmied urn Mitternaeht einige kleine Ringe an, weiche die Frau bis nach ihi-er Entbindung bei sich zu tragen. und dann dem Kinde ani das Haubehen festzunahen hat, dainit ibm die Hexen, namentlich die geftirehtete Aiphexe (Mora) niehts anhaben k6nnen. Wenn einer Mutter die Kinder frtihizeitig absterbein und sie keines aufzuziehen vermag, verlang'e sie von neun Witwen je eineu Leinenlappen, ndhe daraus dem Kinde ecin Hemdchen, und es wird am Leben bleiben. Auch eine Flocke Wolle von einem Schafe,7 das emn Wolf zerrissen hat, leistet gute Dieuste. Die Wolle wird reingewasehen, gekammt unid gekrempelt und dann auf der gew~5hnlich im Gebrauche stehenden Wolispindel fein gesponne~n. Ist dies geschehen, wird daraus emn kleiner Gtirtel gestriekt und dem Kinde urn den Leib getan. Damit muss jedoch Unmittelbar nach der Geburt des Kindes begounen werden, denn Verspatungen sind h6chst sehadlich. Sehon eine einZige Minute Verspatung maeht Alles unwirksam. Kinderlose Frauen m~3geni dureh neun Monate ihre armen Naehbarinnen mit Alinosen beteilen. Gott ist gross, er kann ihr emn Kind sehenken. Ganz selbstverstandlieh bereitet jede Frau in gesegneten Urnstanden fur das zu erwartende Kind die notwendige Kinderwasehe vor, wobei nattirlich die Verm&~gensverhaltnisse in Bezug auf Menge und Qualitat entscheidend mitwirken. In den letzten Tagen vor dei' Entbindung verlasst die Frau das Haus nieht und empfaingt keinerlei Besuche. Wenni wabrend der Entbindung- Jemand das Haus betritt, werden die Sehmerzen der Frau dadurch vergrt~ssert, denn sie muss far die Stinden Aller biissen, die davon Kenntnis haben,7 dass die Frau Geburtswehen hat. Es ist selir vorteilbaft, wenn sieh walirend und nach der Entbindung in der Nahe der Frau eine,,Masva", eine langrstielige eiserne Feuerzange befiuidet. Wenn die W6chnerin das Zimmer verlassen muss, stiitzt sie sich auf die Zange, vor deren Kiange alle b~3sen Geister (Dz-in, Sejtanu = Satan) und Hexen die Flucht ergreif en. Dem neugeborenen Kinde wird aus demselben Grunde

Page  120 -- 120 eine kleine Feuerschaufel- oder Zange an's Haubchen befestigt. Es ist dann sicher vor bisen Geistern. Bei schweren Entbindungel werden allerlei Mittel angewendet. Die gewohnlichsten sind die folgenden: Ein,,Tespih" Rosenkranz, (der im Oriente bei allen Konfessionen in Anwendung steht), wird aus einander gelissen und die Perlen in ein mit Wasser gefilltes Gefass geschuttet. Dies Wasser gibt man der Gebarenden zu trinken. Mit der Schnur, auf welcher die Perlen des Rosenkranzes angereiht waren, wird die Nabelschnur des neugeborenen Kindes gebunden. Sehr wirksam ist,,das Handchen der Hazreti Fatima" d. i. eine in den aus Mekka mitgebrachten heiligcn Biichern beschriebene, einer Hand ahnliche Wurzel, die als das Abbild der Hand der seligen Fatima, (Hazreti Fatima). der jungsten Tochter des Profeten Muhammed gilt. Dies wird in cin Gefiiss mit Wasser gelegt, mit einem Tuche bedeckt und lltngcre Zeit stehen gelassen, ehe man der Gebarenden davoi zu trinken gibt. Woien sich die Adern am,Handchen der seligen Fatima" im Wasser aufiisen, dann wird die Frau glicklicl entbundcii werdel und am Leben bleibeun, wenn nicht, besteht die Gefalhr, dass die Frau sehr schwer gebart und bei der Entbindung auch sterben kanni. Ist die Entbindung glticklich vortiber. sehickt es silh. das,:Haindelen( der seligen Fatima" zu beschenken. indem das Getider an demslbein nmit Seide, Gold oder Silberdraht umwnxviden wird. Ferner ist es sehr gut, vor die schwer gebarende Frau cinen aufgeschlagncen Kur'an hinzulcgen und sie uiber dcmselben Wasser trinken zu lassen. Schlieslich muss in jedem Hausc Zucker vom Geburtstag des Profeten (Mevlud) vorhanden sein. Dieser Zucker wird in Wasser aufgelist und dei' Frau zu trinken gegeben. Auch gibt es gewisse Kapitel im Kur'an, die gelesen werden: auf dass die Frau gltcklich entbunden werde und am Leben bleibe. Uberdies ist es vorteilhaft. die Frau aus einem dichten Sieb WAasser trinken zu lassein. Es erleichtert die Geburtswrelhce eincr Irau sehr. wenn sie ihre Schmerzen dem Manine oder der Pflegerin. welehe sich bei ihr befindet. klagt. Sie teilcn ilircn Schmerz, der dadurch verringert wird. Die Pflegerin (Ebejka) ubernimmt das ncugeborene Kind, badet es, kleidet es an und legt es neben die Mutter. Dann beginnt sic

Page  121 - 121 - ihm. das Kiipfehen ~zu riehten", damit dieses sch~ner und. regelmassiger werde. Besonders wird darauf geaehtet. dass das Kind keine zu hohie Stirne habe, denn die Moslims, lieben hiohe Stirnen nuicht. Kinder mit hiobei Stirneii werden. verspottet. Damit sieli der Kopf des X<indes,regelmfiissig" entwivikele, wird derselbe fest eingewiekelt. Eine Wiekelbinde greld von der Stirnle zum Nacken und. wird dort befestigt, die zweite wird unterhaib des Kinns tiber den Scheitel. gezogeni und. dort festgebunden. Diese Binden- werden derart fest angezogenl, dass sie an der Kopfhiaut des Kindes rote, Marken zurtiekiasseni. Aber nieht Dur der Kopf des Kindes wird ciner Versch~5ierungsprozedur Un1terzogen. audh die Stirine, die Nase, die Lippein, die Augren und Ohren, die Augenbraueii und das Kinn. mtissen. sich Verbessernungen. un d Verseb~n eruncgen gefallen lassen. Die Stirne wird mit Oel, dicker Milch oder Speichel. massiert, damit das Ki'id spater keine Falten urn die Augfei bekomm-e. Das Volk glaubt, dass Leute mit soleheii Augeiifalten streitsiiehtig und alles BLosen fiihigr sind. Keiii Madehien wiirde einen jungen Manun mit starken Falten urn dlie Augeii heiraten wollen. Die iNase wiijd ebenfalls (lurch Drticken selimaler o-emaehit de;,,n breite Nasen sind htisshieh. Die Korrektur der Augen bestehit darin, dass die, Mutter dem Kinde, wabrend es an der Brust trinkt, hajufig mit zwiFingyerii von der Nasenwvurzel Daech der Scli~fe ftihrt. Das soill emn helles, kiares, lebbaftes, grosses unid gesundes Ange bewirken.- Grosse AugYen sind schl]n, je, gri9sser, desto seh~ner. Die Ohren werdem. am Kopfe, festgebunden, damit sie klein. bleiben. Und ni~clt lappig werden. Aueli die Lippen der Kinder werden zwisclben den Fingern. zusammengedruckt, damit der Mund k~ein~ bleibe. Der Hals (des Kindes wird oft gferieben, urn die Krop~fbildung zu v~erbtiten und deni Hals schiank Zn gestalten. Die Brust des Kitides wird init Watte bedeckt, damit sie sielh kraffige und gut entwiekele. Audi Arme und Beine des Kindes imnissen. eine Verbesserwunsbeliandlung durebmachen. Sie werden. mit Bindenl fest umwickelt, ebenso der Bauch, damit er nicht zu gross unid das Kind niclit gefriassig wverde. Emn derartig in Korrekturbehandlung befindliches Kind sieht oft einoewiekelt ans wie cine Mumie.

Page  122 - 122 - Ein neugeborenes Kind begriisst die Welt mit Weinen. Das hat semnen Grund in Folgendem: Das Kind will den Mutterleib nieht verlassen, bis ibm die Engel nielit die sebriftijehe Erkiarung (Senef,) geben, dass es nielit sterben werde mi'issen. Dann erst lasst es sich gebaren. Kaum wird es auf den Polster gelegt, springen die Engel hinzu und reissei. ihm die Unisterblichkeitsversieherung aus der Hand. Das Kind ruft weinend urn Hilfe, weil die Engel es betrogen haben, und weil es wird sterben mtissen. Die Pflegerin oder Warterin (Ebejka) ist gew~lhnlich die eigene Mutter oder die Sehwiegermutter der W6chnerin. Sind diese nieht mnehr am Leben, werden Verwandte der Fran oder des Mannes mit der Aufgabe der Warterin betraut. Hat emn Madehen sich weit weg- vom Elternhause, in die Fremde verheiratet, wo weder der Mann noch die Frau nahe Verwandte haben, dann bittet sie ihre heste Freundin, ihr als ~Ebejka" zu dienen. Es geh~3rt zu den gr~ssten Seltenheiteii dass eine Frau eine diesbeztugliehe Bitte abschlagt, trotzdem die Erftillung dieser Aufgabe mit Mtihe und Kosten verbunden 1st. Kaum ist es bekainut geworden., dass eine Fran geboren hat, eilen sehon die Kachbarinnen. herbei und bringen der Wi5chnerin heisses Geback und heisse Ruhreier. Dabei sind sie jedoch neugierig auf das neugeborene Kind -- Weiber sind eben Weiber -- und wollen es selien. Die W~irteriin erlaubt dies jedoch in den seltensten Fallen, denin Cs gibt allerlei Augen, auch solehe mit dem bdsen Bliek, die das Kind versehreien kiunten. Es gib t gliickbringende (bachtli) undl anglue~kbringende (baehsuz) Augeii. Blickt emn Menseh Mit, Baebsuz"-Augen ein Kind an, kann er es unwillikirlich ~verschrej en. Kann die Wiiarteriii sich der Neugierde der Frauen, besonders wenn diese schon bejahrt und von vornehmer Familie sind, niciht mehr erwebren. dann muss sie darauf aehten, dass keine ihre Bewunderung ausdrtickt. Tat es Eine aas tVbereilung, dann. ist das Kind sogleie~h versehrieen. Im {Ybrigen sind aueh die Besueherinnen in dieser Hinsicht sehr vorsichtig, und wenn einer ein LAut oder Wort des Erstaunenis oder der Bewunderuing entsehltipft ist, ftIgt sie gleich ~Maschallah.!" hieza, urn den Zauber des Versebreiens zu balnuen. Hat die Besueherin darauf -vergessen, dann wird die

Page  123 123 Warterin,Maschallah!" rufen, um das Kind zu schitzen. Um vollig sicher zu sein, dass das Kind nicht verschrieen wird, zieht es die Ebejka ein wenig am Naschen. Dann ist es gefeit. Das,,Verschrieenwerden" (Urok) ist bei den moslimischen Frauen ausserst geffirchtet. Deshalb schlafern die Mutter ihre Kinder mit folgender, das Verschreien bannender Formel ein:,San u besu, nesan mimo besu. Rok u besu, urok mimo besu. Uroci ti po gori hodili, Travu pasli, s lista vodu pili, Studen kamen pod glavu metali, Tebi, sine, nista ne udili. Dusmani ti pod nogama bili, Kano gjogi 6avli i potkove. (Schlaf in die Wiege, Schlaflosigkeit hinaus! Ruhe in die Wiege,,Urok" hinaus! Urok soil die Berge durchstreifen, Gras fressen, vom Blatte Wasser trinken, Soil den Kopf auf kalte Steine legen, Dir, mein Sohnchen, keinen Schaden machen. Deine Feinde seien unter deinen Fissen, Wie dem Pferde Nagel und Hufeisen). Dies Schlummerliedchen singt die Mutter auch dann, wenn sie keinerlei Lust zum Singen hat, bios aus Furcht davor, dass ihr Kind verschrieen werden oder ihm die bosen Geister Schaden bringen ksnnten. So schadlich auch der,Urok" ist, kann seine Gefahrlichkeit gebannt werden, wenn man ihn von der Wiege des Kindes fernzuhalten weiss. Wenn die Mutter an jedem Morgen mit Kreide einen Kreis um die Wiege zieht, hat der,Urok" keinen Zutritt. Den Kreis kann er nicht iiberschreiten, und wenn er noch so stark ist. Einige Tage nach der Entbindung erhalt die W6chnerin abermals die Besuche ihrer Nachbarinnen und Freundinnen, die diesmal auch vielfache Geschenke mitbringen, Esswaren, Getranke,

Page  124 -- 124 - gcst-iekte Tticher, allerlei feine Stoffe und Webeni, Hemdeni, Seife, Zucker ui. dgl. Die Verwatidten besehenken das Kind mit einern Kleidchien, die,Ebejka" mit einernmfliibcenlr, an welelhem die Verwanidten Dukaten anbrinigeni. Es wird von Gott als besotiders goutes Werk betrachtet, einer W6ehnierini Esswvaren ini's Wochlenbett als Gesehienke zn bringenl, wie der folgenide Vorfall beweisen soil: Emn Kaufmann begab sieh fetibi am Morgen in die Cars-ija. urn semnen Geschaiften naelizzgeheni. Uniterwegs kamn er an einem Friedhofe, vorbei und Ibirte, wie eiii Toter den andereni aus dem Grabe anirief und auch sofort Anitwort erbielt in der Frage:,Was willst du?"- Der erste sagte dara,-uf:,,Heute erhalten wir Znwaehs ini der Naehbarsc~haft.",Was?" frug der Anidere..Heute wird eine Frau Wasche koeheni, sich dabei verbrtihen und daran sterben." - Als dcr Kantfinann das Zwiegespraeh der Totenl vernahm, erinnerte er sich daran, seinie F"ran babe ihin beirn Weggehen gesagt, sie wolle heute WAisehe koehen nnd werde darum keine Zeit haben, (las Mittagesseni zuzubereiten. Er, der Manm, moge ilir ans der Cars~ija zwei Laibe Brod sehiekeni. Der Kaufmann setzte semnen Weg fort, aber doch erfasste ihni Anigst, dass die Toten von seiner Fran gesproehen haben moeblten. In der Oars'ija angekommen., kanfte er zwei Laibe Brod nnd sehiekte dieseben seiner Fran nacli Hanse. Urn Mittag wnrde er Ungeduldig. konnrte es in seiniem Ladeni nieht rnehr aushalten, sondernl beg-ab siel inach Hause, nm nachi seiner Fran zu sehien. Der Weg fulhrte ihin abermals an jeniem Friedhofe vorbei, nnd wieder hL~rte er, wie die Toten einander ainrufen. Der Erste sprach:,,Jene Fran wird Ihente nicht mehr kommeni. -.Wesbalb nicht'?" frngdrZwie -,Eine Htindin bei jener Fran hat Jnnge geworfeni, nnd die Fran hat der Htindin NahrUngy gereieht. Deshaib hat ihr Gott die Stfnden verziehien nnd ihr das Leben verlan~gert". - Der Kaufmann h~irte anch dieses Gesprach bis znu Ende an und eiute dann nach seinem Hanse. Hier frug er seinie Fran, ob sic Wmische gekochit babe, was sie bejahte.,,Und hast du zn Mittag gegessen'?" frng der Mann. weiter., Nein, antwortete die Fran., Und warnmn inehit? leh1 hatte keine Zeit."-, Und wo bast du das Brod" -,Der eine Laib lieot auf dem Poister, deni anderen babe ich der

Page  125 -- 12.5 iltudin gereicht, die Junge geworfen hat."- Nun wusste der Kaufmann, dass die Toten tatsachuieh von seiner Frau gesproehen hatten. - Wenn es nun eii so gutes Werk ist, einer Htindin, die Junige geworten bat, Nabruiig zu reichen, wie wertvoll ist es erst, ciner Frau in's Wochenbett Esswaren als Gescbeiik zu bringen. Nachidem das neugeborene Kind gebadet wurde, legt die Mutter es an die Brust. Doeh muss sie dabei genau achtgebeni, dem Kinde zuerst die reebte Brust zu reichen, denmi wenn sie das Kind zuerst an die linke Bruist anlegt, wird es scin Leben lang linksh~qndig scmt. Will die Mutter das Kind siiugen, achte sie genaa darauf, sich zuerst die Hiiinde zu- wasehen, damit sie namentlich reine Finger habe. Denn wenn die Mutter ihr Kind an der Brust halt und an iliren Fingoerni nur emn ganz kleines Partikelehben Teig klebt, wird das Kind als Erwachsenier kahilk~pfig werden. Junge Miitter soil man daran erinnern, ihr Kind nieht alIzu. haufig- zu ktissen oder von ibarem Manne ktissen zn lassen, denn ein Kind. welehes von den. Eltern zuviel gekiisst wird, erhalt eine fablie Gesichtsfarhe. Manche Kinder weinen Tag- undI Naeht und lasseni sich nicht beruhig~en. Da gilt es nun zuerst zu erkunden, ob das Kind ",versehrieen" wurde oder nicht. Wurde es verseliricen, muss der,,Urok" von ihm gYenommen, es muss dagegen behandelt werdemi. Ist das Kind nieht versehrieen worden, ist die Behandlung viel einfaeher. Kinder weirfen oft mit Steinen nach Obst auf den Baumen. Soiche Steine bleiben mitunter auf g-abeligen Aksten liegen. Ejin soleher Stein wird bgesucht und vom Baume herabgeholt, wobei man jedoch sehr aehtgeben muss, dass er niehit zu Boden falle, er verliert sonst seine Kraft. Man lege den Stein dem. Kinde unter den Kopf, nud es wird sofort fest einsehlafen, ohne zu. wimmern. Die,,Ebejka" bleibt bis zur siebenten. Naclit nach der Geburt an der Seite de~r W~ehneriin und des neugeborenen Kindes. 1st sie durchaus verhindert, alle sieben Naclite dort zu verbringen, so koinmt s~ic gewiss ini der siebenten Naeht und bringt eine Platte mit Pita und hecisses Gebtiek. tVberdies bescehenkt sie jeden emnzelnen der Hausleute nach ihrer Mijgliehkeit und gibt dem Kinde, dessen Grossmutter sie grew~3hnlieh ist, eine Anzahil melir minder kostbarer u ud wertvoller Kleidehen.

Page  126 -- 126 - Am siebenten Abend veranstalten die Eltern. des neugeborenen. Kindes ein grosses Festmahl, Zn welehem. die gesamte naehste Verwandtschaft eingeladen wird. Nach dem Essen erhalt das Kind einen. Namen, wenn sich die Eltern nieht diesbeztig-lieh sehon. vor der Geburt des Kindes geeinigt haben. In den meisten Fallen erhalt es den Namen. eines der naclisten Verwandten, oder es wird naeh dem Monate beanant, in weichem. es geboreii wurde. Dann. heisst es, das Kind habe sem~en Namen mit auf die Welt gebracht. Im. Ramazan. geborenie Knaben erhalten z. B. den Namen Ramo, Madehen Ramija. Im. Monate Mubaremn geborene Knaben. heisen,,Muharem.", Madehen Muharema u. s. w. Wenn sich die Hansleute (lurehaus niehit wegen des Namens fur das Kind zu einigen verm~5geri, danin wird die Entscheidung des Hodzva angerufeni. Dieser erseheint im Hause, zerschineidet mit einer Sehere emn Stiick Papier in vierzig gleiche Teile, sehreibt auf jedes Sttiekehen. einen Namen, wirft alles in einen Fes, ve'rmiseht sie dureli einander und lasst diann von der Mutter des Kindes emn Zettelehen herausziehen. Das Kind erhalt fur se.mn Leben den auf dem. Zetteleheii befindlichen iNamen, womit sich alle zufrieden geben. miissen. Die Moslims in Bosnien-Hereegovina kennen und Uiben den Gebrauch der Gevatter- oder Patensehaft. (Kum — Pate, Kumstvo = Patensehaft), jedoch nicht bei der Namenserteilung fUr emn Deugeborenes Kind, sondiern blos bei der rituellein BeschneidUng der Knaben (Sunnet), bei der Verheiratung und beim. ersten Haarschneiden. An dieser Stelle sci die Patenschaft beim. ersten Haarschneideii besproehen. Uber die Patensehaft bei der Verheiratung (Beistand) zu. sprechen ist Uiberfitissig, und vom BeschneidUngspaten wird seinerzeit die Rede sein. Wird emn Kind geboren, so schwaeh, dass die Eltern. an seiner Lebensfiihigkeit zweifelnl, d-ann. wird es mit Tagesanbrueh aus, dem Hause auf die Gasse gehraeht und der erste Vortibergehende, Mann oder Fran, Moslim. oder Christ, aslbte Zigeuner, aufgefordert, bei dem. Kinde Patenstelle zu tibernehmen. Eine solehe Aufforderung wird nicht abgelelint. Mit dem Kinde

Page  127 -- 127 - zugleich wird eine Sehere mitgenomnmen. Mit dieser Schere schneidet der auf die beschriebene Art ang-eworbene Pate die Haare fiber der Stirne ab und hat damnit die Stelle als,,Pate beim Haarschneiden" ubernomnmen. Bei einemn Madchen wird die erste vorfibergehende Frau aingesproehen, welche unter denselben Verhcifltnissen die Patensehaft antritt. Im Volke ist der Glaube verbreitet, dass emn krinkliches Kind gesuiidet, wenn es einen Paten erhalt. Ist ihm jedoch der Tod besehieden, werde es dadurc~h friiher von semnen Leiden erlbst werden. Die Gevattersehaft beimn Hanrsehneiden wird jedoeb nicht blos bei kranken, sondern auch bei gesunden Kinderii getibt. Dann aber wird das Kind nicht bald naeh der Geburt, sondern erst nach Vollendung des ersten Lebensjahres auf die Gasse getragen und die Vorfibergehenden angesprochen. Die Patiii besebenkt das Kind mit einem Tuehe,7 einemn Hermdehen, Strtimpfcn und einem Haiubeben, oder, wenn sie wohihabend ist, mit alien notwendigen Kleidungsstucken. Der Pate schenkt die ogesarnte kieine Mttnze, die er bei sich hat, unter Umnstanden. auch mehr. Diejenige Person, welehe das Kind auf die Gasse getragen und den Paten oder die Patin angeworben hat, besebenkt diese dann mit den Dingen, welehe die Mutter des Kindes in Erwartung, der Dinge, bereitgeleg-t hat. Die Patin erhalt gew~ihnlieh emn seidenes Tuch, der Pate emn seidenes Hemd, oder von Wohlhabenderen melirere wertvolle Gesehenke. Dann wiikl das Kind in's Haus gebracht, und seine Mutter wickelt die vom Paten oder der Patin abgeschnittenen Harchen in Wachs emn, klebt dieses an den Querbalken der Zimmerdecke und sprieht dazu: ~Wielange diese Harchen am Querbalken haften, solange mdge mein Kind immer mehr an Verstand zunlebmen". Es wird selbstverstandlich sehr darauf geachtet, dass das Wachs mit den Harchen von seiner Stelle nieht herabgeworfen werde. Wenn die neue Patin nach Qbernahme der Patensehaft nach Ilause gekomnmen ist, backt sie sofort Kuchen Und sehickt dieselben ihrem Patenkinde. Die Patenschaft beim ersten llaarschneiden wird in einigen Gegenden Bosniens und der HereegoVina viel hb5her geachtet, als e bei der Hochzeit Und bei der rituellen Beschneidung der KLnabendi. Nicht nur das Patenkind, sondern auch alle Hausgenossen nennen

Page  128 -- 128 den Paten,Kum" (Gevatter) oder,Kuma" (Gevatterin), ja sie sprechen sich auch alle gegenseitig mit diesem auszeichnenden Titel an. Die Patenschaft beim Haarschneiden (wOsrtlich ibersetzt: geschorene Patenschaft = strizeno kumstvo) wird der nachsten Blutsverwandtschaft gleichgeachtet unll bildet ein Ehehindernis fur die Angehorigen der im Verhaltnis der Patenschaft zu einander stehenden Familien. ferner verhullen sich die Frauen der beiden Familien nicht vor den gegenseitigen Mannern, was nur bei nahen Blutsverwandten vorkommen darf. In frtiheren Zeiten hielt sich das Volk strclge an den Brauch, dass diejenige Person die Patenschaft angetragen erhiilt und annimmt, welche in der beschriebenen Weise zuerst am Hause vjrbeikommt, aus welchem das Kind auf die Patensuche herausgetragen wurde. Heutzutage pflegt dies Vorbeigehen am betreffenden Hause und der Antrag der Patenschaftstibernahme h<iufig im voraus besprochen und abgemacht zu werden, vollzieht sich jedoch unter denselben ausseren Formen, wie die zufallige Patenschaft. Jedoch geschieht die besprochene Art nur bei ganz gesunden Kindern. Bei kranken und schwachen Kindern wird die Wahl des Paten in der angegebenen Weise dem Zufall uberlassen. Die Moslims sind in Bezug auf Anwerbung von Paten viel freisinnfiger, als die Christen beider in Bosnien-Hercegovina wohnenden Bekenntnisse, die Katholiken und Orientalisch-Orthodoxen, denn sie treten mit Cristen ganz gerne in ein Patenschaftsverhaltnis, wahrend es den Cristen von ihren Kirchenoberen wohl nicht direkt, jedoch indirekt untersagt wird, einen Moslim oder eiae moslimische Frau um Ubernahme deir Patenschaft anzusprechen. Die ersten sieben Tage bleibt das neugeborene Kind an der Scite der Mutter im Bette liegen. Am siebenten Tage, nahdem es einen Namen erhalten, legt man es in die Wiege. Diese ist ein einfaches und niedriges AMobel, gleich in der Ausstattung bei Arm und Reich. Der Boden der Wiege wird mit Heu oder Stroh ausgefullt, und daruber ein weisses Leintuch gedeckt. Die erste Wiegenlegung vollzieht der gestindeste und kraftigste Mann im Hause damit das Kind gesund und kraftig werde wie er. Neben das Kind wird in die Wiege ein Kuchen und ein

Page  129 - 129 - Kleidung-ssttick gelegt, oft. auch ein Ei, damit es yolu nud rund w-'rde wNie dieses. Bei (icr Wiegenlegungy erfolgt eine laute, Anrufung Gottes und Zitieren entspreehender Kapital aus dem. Kur'a~n. urn das 0-ldck herbeizuruifen. Dann wird. das Kind bis an die Sehuitern m-it ciner Decke, zugedeekt und tiber (lie Wiegre chic Haille aus Baumwollstoff gebreitet. Die Mutter muss sehr darauf achten, dass die Wiegre, mi"ge das Kind in derselben heg.Cen Oder inict, irnrner zugedeckt sci, denn das Kinid wird. sterben, weun das Zudeckeni unterlassen wird. Das Kind stirbt auch, wennI man (lie leere Wiege schauikelt. Man darf auch dern Kinde keine WVindel unter (len Kopf legen. Es wird senst aus, dencm Min ide tibel riechleni. Die Fraut blecibt gew~ihnlieh sieben Tage niach der FEutbindunlg ini Bette, ohine dieses zu vcrlassen. Reiche Franen delhnenl die Bettruhe bis zu vierzehin. manchina.1 bis zu vicrzig, TagTen aus aber das. Hans verldsst keine vor Ablauf von vierzig, Tagen. Nach dieser Frist wicklelt die Mutter das Kinid in Winideln, bekicidet cs m-it cinem Hcmdethen, daruber cineni Leibelien (Je~ermia) und cinemn Ubcrkleide, bei.M\adchen, Anterija. bci Knabeij,,KoparanL". Danni werden dem. Kinide Arme und Beine, unwickelt und. ibmn cii Hlaubehien auf den iKopf gesetzt, das aus rnchrcren) Stuiekeni versebiedenifarbiger Seide bestelit un1d. mit Scide, Gold o-der Silber gcstickt ist. Die Buntheit des HaubhensCD', sell das Kind vor dein b~seln Blick bewahren. Iber das Haubchecii wvird eiii Kopfftuch aus feinemn Gewebe (Bez') festgeburideai. Mit dem derart ausgestattenen und. eingewickelteni Kinde macht (lie Mutter danii Besuche, zuerst bei der,Ebejka" uind deren ilausleuten, (lenell sic aus diesem. Anlasse Gesehenke verteilt. Das Mittagessen wird l)Ci (icr Ebejka eingenommen. Wenn die Mutter mit dem Kinde das Haus der Ebejka verlasst, beschenkt diese das Kind a~bermals. Hierauf werden bci den Verwandten und. in dcir Nachbarschlaft IBcsuchc abgestattet, iiberalihin Gesehe nke mitge iomnmei n und. durci Geschenke erwidert. Verhalt sich das Kind wahrend der ersten vierzig Tage ruhig, oline viel zu Nveinen, danni wird es immner ruhiog scin und nicht viel sprechen. Ist cs w~alrend der angegebenen Zeit unruhig u-nd weint es hauifig, wird. es gerne viel und hieftig sprechen und andere Leute

Page  130 -130 - nicht zu Worte kommen lassen. Begimnt ein Kind spat zu spreehen, sammelt es seine geistigen Krafte und wird in der Folge klug und hoflich sein. Aber solche Kinder kjnnen auch faule Menschen werden, die sich iitberhaupt schwer zum Sprechen entschliessen. Daucrnd krankliche Kinder ist gut mnit Kleie, jedoch nicht von Maismehl. zu beriuchern und dazu zu stgen:,,So wie die Mensehen auf Erden sich mit Brod nahren, so sehutzt dlie Mutter ihr Kind vor Leiden". Diese Prozedur muss mit Beginn der Abenddiimmerung vorgenommen werden, und das Kind wird mit Gottes Hilfe gesund werden. Weni es zufallig nicht helfen sollte, reibe man dem Kinde die Magengegend mit einem Stticke Knoblauch und lege dieses dem Kinde unter den Kopf. Es wird ihm dann leichter werden. Gegen Appetitlosigkeit der Kinder hilft es, wenn man es mit dem Darme eines Wolfes umwiekelt, es wird dann essen wie ein Wolf, was ihm zur Hand kommt. Aber mag das Kind noeh so viel essen wollen. gebe man ihm beileibe ja keinen Fisch oder aus Fischen zubercitete Speisen. Es bekommt sonst Triefaugen. Das Auge ist der zarteste Teil des menschlichen K6rpers, es muss deshalb besonders vor jedem nachteiligen Einfluss geschuttzt werden. Leidet ein erwachsener Menseh schwer unter Augenschmerzen, um wieviel melhr ein kleines Kind. das nicht zu sagen vermag, wo es Sehmerzen hat und blos weint und jammert, als ob es iebendig gebraten wurde. Viele Kinder leiden viel beirn Zahnen. Manche gehen auch dabei zugrunde. Will eine Mutter, dass ihr Kind friihzeitig Zahne bekomme, miogc sie jeden Abend und jeden Morgen Hirseki5rner in Wasser warmen und mit dem Wasser den Scheitel und die Halssehlagader des Kindes waschen. Dann wird das Kind so rasch Zahne bekommen wie ein Haschen, und sie werden so dicht sein, wie Hirsekurner, ferner so stark wie die eines Pferdes, und sic werden beim Durchbrechen nicht schmerzen. Die Kinder mussen von ihrer Geburt angefangen bis sie heranwachsen vor dem bhisen Auge (Urok, Verschrcien), vor heftigem Schreck, vor dem All) und vor Hexen bewahrt werden. Das,,Versehreien"' kommt von den Augen anderer Leute. Es gibt kein Ding

Page  131 - 131 -- auf Erden, dem das Versebreien nieht Schaden zu. bringen vermag. Vom,, rok" sterben niclit blos Kinder, sondern auch Erwacbsene, und es ist keine SUnde zu. sagen, dass die Haifte der Menschen am Verschreien zugrunde geht. Je kleiner cim Mensehenkind ist, desto leiehter kann es versehrieen werden. Am leichtesten allenfalls emn ganz kleines Kind. Deshalib soil man beim Anblick eines klienen Kindes, Ma-Sallah" oder,Unversehrieen" ausrufen, damit das Kind keinen Sehaden nelime. Mann erkennt daran. dass ein Kind verschrieen ist, wenn es nichit cinselilafen kann, die Mutterbrust niehit nelimen will und ununterbrochien jamnmerliclt weint und sebreit, ferner wein es im Sehiafe haiufig zusammenzuckt, plbtzlich erwacbt und ohne jeden,erkennbaren Grund bitterlich zu. weinen beginnt. Wenni aus deii angegebenenDAnzeichen erkainnt wird, dass emn Kind versebrieeii wurde, muss man sofort den Zauber dureh Gegeiizauber zu banneni traehten. denn nach drei Tagen wird der,,Urok" im Kinde lebelidig und ki;nnte es zerreisseii. Emn Kind wird am ebesten versehrieeii, wenii- viele Weiber in's Haus komnmen, urn es zu. seheii, oder wena die Mutter mit demselben zuviel in der INachbarschaft lierumngeht. Am gefahrliehsten ist es, wenii eine iMutter mit ilirem SaUglin g niach dem Abendgebete (Aks-am) aus dem Hause geht. Urn diese Zeit fliegen allerlei Hexeii, Luftgeister und Gespenister herum. die dern Kinde leicht Schaden zufuigen k~fnneii. Deshiaib ist es vorteilbaft, dass die Mutter die Zauber-sprilche gyegeii das Versehreieii zu rezitiereii beginnt, sobald besuehende Weiber das Hans verlassen habeii, oder ailsogleich, wenn isic von einern Besuche heimgekehrt ist; m~3gliehst bevor das Kind zu. weieiie anfangt und unverztiglich, sobald es zu weinein beginint. Nielit allzustarkes Verschreien kanni dureh Lecken mit der Zunge vertrieben werdeni. Emn verscbrieenes Kind lecke die Mutter von der Nase aufwarts Uiber die Stirne bis an die 1Haarwurzeln. W~hrend des Leckens mache sic kicine Pausen und sage jedesmal:,,Die Mutter hat dich geboren, die Mutter heilt dich. Verschwinde, TUrok, wie die Blatter inDWalde, wie der Sebaum auf dem Wasser, wie das Gold bci gyressen Herren!" Kann cine Frau nichet selbst Zaubersprtielie hersageni, rufe sic cine Andere, die das Versehreien zu bannen versteht. Frauen, 9*

Page  132 - 132 - die gut Zaubersprtiche herzusagen verstehen, ferner die von heftigem Schreck, dem,Entsetzen" (Strava) herrtihrenden Krampfe,zu begiessen" wissen und hiezu cine gltickliche Hand haben, stehen hoch im Ansehen. denn sie konlien mit Gottes Hilfe den,Urok" und die,,Strava" heilen und auch Ehen zwischen Madchen und jungell MRinnern vermitteln. Die Zaubersprtiche werden verschiedenartig angewendet. Hier die eiiie Formel:,,Schlaf, gehe dem Ali (oder wie das Kind sonst heisst) in den Kopf, Urok trolle dich weincnd zur Seite. Was der Urok verschrcit, kaini durch Zauberformcln gebannt werden. Der Urok hat zwei Augen. Ein Auge ist feurig, das andere ist wasscrig. Das wisserige Auge zcrsprang und verlischte das feurige.' -- Oder:,,Der Wolf sitzt auf der \Valdeslichtung, hat sich auf den Stock gestutzt, hat sich mit Fleisch sattgefressen. Weder sitzt der Wolf auf der Waldeslichtung, noch hat er sich auf den Stock gesttitzt, noch mit Fleisch sattgefressen, noch ist Ali mebr vom Urok befallen''. Die Formeln werden dreimal wicderholt und jedesmal das kranke Kind angeblasen. (Aile die Formeln reinien sich im Original, sind jedoch in Reimen absolut unubersetzbar). Weiterc Zauberformeln gegen das Verschreicn lauten:,Das Meer hat keine Brticke, der Stein kein Geliirn. der Vogel gibt keine Milch, das Haar hat kcine Naht, der Rabe hat keine H)rner, Ali keinen Urok mehr!U Dabei wird das bereits crwahnte Verfahrei beobachtet. Oder:,,Mein Ali ist neunmal vom Urok besessen. Von neun sind sicben. von siebeii sind sechs, von sechs sind ftinf, von ftinf siILd vier, von vier sind drei, von drei sind zwei. von zwei ist eirs, von eins ist keines. Dieses eine geht in die hohen Hohen, in die ticfen Tiefen, wo die Feucrschaufel nicht klingt, wo das Sehaf nlicht bl;sckt, wo die Ziege nicht meckert, wo der Hahn nicht kraht, wo der Hund nicht bellt. Und nun m6jge es dort bleiben." Manche beobachtcn folgendes Vorgchen: Mit Anbrechen der DRimmcrung? zuindet die Mutter des vcrschrieecnn Kindes als erste in der Hauscrgruppe eine Kcrze an. Dann legt sic das Kind auf den

Page  133 -133 - Rileken unid sich auf das rechte Knie. Zu Hauipten des kranken Kindes stellt sie die breinende Kerze und spricht (lazu: ~Die Kerze ni~ige verbischen, inein Kind ruhig werden." Bessert sich der Zustand des Kindes nihelt am ersten Abend, wird das Verfahren at) drei auf einander folgenden Abenden wiederholt. 1s-,t Caudi danii noch die, Genesung inicht erf'olgt, danni bringt Jernand im Munde cinen Sebluek Wasser aus einer Quelie. einern Bache oder einem. Brunnen), stelit sich zu. Haupten des Kindes auf und i-tlckt die Wiegfe seitwa-rts von ijirer Stelle. Auf den. Punkt am Fussboden), tiber welehem der Kopf dles Kindes in der Wiege zu. liegen kam, werden drei gitihende Kohien gelegt und mit dem inm Munde gfehaltenen Wasser verhiseht. Mit dem von den Kohlen auf den Fussboden aboerornene-in Wasser benetzt die Person dreimal drei Finger ihrer rechten lHand und Iasst das kranke Kind daran saugen. Die verlL~sehten Kohlen werden in eim Stuck Papier gewiekelt und dem Kinde unter deii K'opf gfelegt, damit der,', irok" nieht melir wiederkehre. Bin. weiteres Zaubermittel gfegen das Verseirelen ist das folgeride: Sobald es dunkel geworden, blieke die Mutter hinaus, ini weleher Richitung sie zuerst den Schein einies Lichtes, erbliekt. Dann nehme sic das Kind auf den Arm und sehwinge es (Ireimal ini der R-iehtung des Lielites, in-dem sic dazu. spricht: ~Mieh ruft die Waldfee (Vila) zur Hoehizeit. Weder gehe ich, noch sehieke ieh mein Kitid, sondern ich sehieke ihr meines S1ihnchens (meiner Toebter) W cinen." Helfeii alle die angeffihirten Mittel nieht, dann wird der llodzva gerufeii, um cini Aniulett zu verfassen oder aus einem heiligen Buehe zn. lesen. IDain wird das Kin-d ganz gewiss gyesund. Der Hlodz'a muss besonders dainn geruifen werdeni, wvenn mani niclit weiss, wer das Kind versehrieen hat. Ist (lie Person bekannt. dann ist die Hilfe leieht. Man verlange von ihr etwas Salz, lasse dieses in Wasser aufl~isen und benetze die Stirne des Kindes damit. Der Urok wird versehwinden, als hatte ihn das Wasser weggcsehwemmnt. Noeli grosseren Schaden kinnen einem Kinde versehiedene Hexen zuftigen, vor allem die Aibbexe. Diese ftihren einen Stachel mit sich, weichen sie dem Kinide in die Brustwarze boblren und ilim das Blut solange aussaugeD, bis es daran zugrUnde geht. Dagegen hilft es, weinn man dem Kinde fair die Naeht die Brustwarze mit

Page  134 - 134 - Knoblauch einreibt. Auch eine kleine Feuerzange. am Haubcheni des Kindes befestigt, vertreibt die Hexen, die den Kiang der Zange fiirehten und sieb niciht in die Niihe wagen. Das Beste ist, eini offenies Messer und emn Sttiek Knoblauch zum Kinde in die Wiege zu legen und es mit einem Stticke eines Pferdekotzens zu bedecken, dann wagt sieh g-ewiss keine Hexe in die Nahie des Kindes. Wenn emn Kind heftig erschriekt und mni Sehiafe plitzlich aufschreit, auch wenn es tagsuiber Augstgreftihle iiussert. daniii hat es, die,Strava"' bekommen. Geg-en dieses Ubcl hilft das ~Begyiessen" und das Hersagen des,. Strava-Gebetes"'. Das,Strava"-Begyiesseii ist nur sehr wenigen Frnucii bekatnut und greschielit auf folgende Weise': Die Frau, welebe die Beschw~irunn der Strava vornimmt, versehaift sich einc Gewelirkugrel, die schion cinmial abgrefeuert war. Mit dieser Kugel berifhrt sie das kranke Kind antider Stirne, am Scheitel, am Nacken zwischeni den Schultern. an der Magenigrube und zuletzt an den Pulsadern. frulber an der rcehten Hand und am linken Bein, daint an (ier linken Hand und ami rechten Bein. Naclidem. dies unter Liersagung des Strava-Gebetes geseb eheni ist, verwuinselht die IBcschw~3rerini die '-Straval" in neun 1 Mfiblen, neuni Felder., neun Hirten, neun Berge uind neun se-liwarzc Felswcande, zuletzt in's M1'eer u~nd seine Tiefen. Den LBcsebluss maclht die, Rezitation dier Formel:.,Das Moor hat keine Briieke. auf der Handffliech waciiest keiii Gold. der Rabe hat keine Hi~rner. das K1~ind keine,Strava" mehr.` Damit ist jedoch die Prozedur crst eitiogeleitct. Nacbidern dies gesehehen, wird die Gewelirkugifel in einern Blechblcffl Liber Feuer zum Sebmeizen grebt-acbt, was in dcir Kriehe tiber Kohienglut bewerkstelligt wird. Die Mutter trciigt danin das, kranike NKind in (lie Ktiehe, leg-t es auf den Ruteken uind dcckt es nut eiriem roten Lappen zu. Mittlerweile hat Jemnand in einem Gefasse frisehies, Wasser von der Quelle, vom B~ache oder vom Brunnen gYebracht. In das Wasser legt sic eine Schere. ciin Messer und einien L~flel. Die Beschw~3rerin fasst das Gefass mit dem Wasser mit der einen, den LU5fl1 mit der geschmolzenen Bleikugel mit der andereii Hand und hasst voni diesem uber dem Kopfe~, der Magengrube und den Beinen. des Kindes Bleitropfen in das Wasser fallen. Das lieisse Bici ziselit auf mid nimmt die Form jenes Gegrenstandes an, vor welehem das.

Page  135 135 Kind so erschrack. dass es die Strava bekam. Zischt das ii's Wasser fallende Blei laut, dann ist die Strava nicht heftig, tont das Zischen leise, daun ist die Krankheit heftig aufgetreten uid das Kind leidet schon laltgere Zeit daran. Im ersteren Falle genigt das einmalige Begiessen, im letzteren muss die Prozedur dreimal wiederholt werden, am besten an drei Markttagen zur Zeit, weiin sich die Marktbesucher scholn zu zerstreuen anfangen. Sic nlehmcn die Krankheit dann mit sich. Doch auch dainn ist die Bcschwi5rung noch nicht beendet. Nachdem das Bleigicsseln vortiber, erfasst die Beschworeriii die im Gefiisse liegellde Schere und schneidet mit derselben das Wasser kreuz und quer, ebenso mit dem Messer uiid mit dem Liffel, denn dadurch wird die Strava vertrieben. Hierauf zieht dic Mutter den roten Lappen weg, mit welchem das Kind bedeckt war, und die Beschwo-rerin wvirft drci gltihende Kohleni in's Wassergcfass. In dieses steckt sic dann die F'ingerspitzen der rechten Hand, benetzt damit die Stirnc uild die Augeii des Kindes. ferner die Pulsadern und zwar zuerst;a1 der rcCliten Hand unld dem linken Fusse, dann aii der liiikein -land und Idem rechten Fussc. sehliesslich die Mageng'rube in der -Weise. dass sic mit den befeuclteten Fingernagein gegen die Beine ilber den Bauch streicht. Den Rest des Wassers be\wahrt die Mutter gut auf und gibt davon dein Kinde an drei Tagcn atuf iiuelitcrllcn Mageii zu trinkets. Das Messer, die Schere und der Liffrel wer(lel oberhalb der Ture angebraclit. damit (lie Strava iicht inmer zuriickkehre. Am dritteiC liorgen, nachdem (das Kilid den Rest des Wassers ausgretrunken. bestreicht die Beschwvrrerinl del Kopf des Kindcs dreimal mit einem Gcldsticke. Sie setzt an der Stirne an und zieht einen Krcis umr den Kopf. Danni wird das Geldsttick. das geleerte Wassercrefiiss, das Blei und die Kohlensticke auf cinen frequenten Kreuz\-eg gelegt, wobei sie utnunterbrochen das StravaGebet h-rsagt. Alle Anstrenlgunglle den Text dieser Gebetformel zu erfahren, wvarcl vergeben s. Die Bcschwi;rerinnIen betrachten ihn als Geheimnis, das nicht verratcn wvcrden darf, weil sie sotist dli Fahligkeit verliere:i die Strava zu heilen. Dieselbe Beschwv5rerin. von welcher ich diese Mitteilungen erhalten habe, warnte mich drilgelnd, auf einem Kreuzwege liegendes

Page  136 - 1-36 - Gold aufzuheben, deuin es k6niinte verflucht oder beim Begiessen der ~"_ti-ava verwendet worden sein. Wer es aufhebt, kann leiclht verUnglucken, ja sogar in. Wahnsinn verfallen. Auch sonstige, auf einem. Kreuzweg grefundene Dinge mbge man niur liegen lassen; man kann sich leiclit Krankheit oder gar den Tod davon holeii. Der ~Strava" Ahnlich, jedloCh noch gefailirlicher, ist die.~gaa die Besesseiiheit. Diese erfasst auch erwachsene Mensehien, wv-ihrend Urok. Hexen und Strava nur IKindern Schaden verursachen. Manl kann von der Ograma befallen werden, wenn manl an Etwas anst~sst, zumeist an weggewvorfen e Fi ngernagelteile. an Nussholz o I er Holzspane., ferner an unreinem. Wasser, feucliten IBodenstellen. an Spinnigeweben und an Eierschaleni. Wenn man in der Naeht tiber einien dieser Ge-enistcunde auch niur hinwvegsehreitet, kann man von (icr Ograrna befallen werden. Urn dieser Gefahr aus dem Wege zu. gehien, gilt es im Ilause peinliche Ordn ung und Reinliclikeit zua beobaehiten. Abgfesehn itteiie Fingernagel mftss,~n in cini Papier gyewiekelt. in einem- Mauerspalt versteckt, oder in's Feuer oder Wasser gewvorfen werden. Naehidem dies geschehein, spreche man dazu: Ich g-ebe dem. iNAde ineine Nagel; er gibt mir sic,, wxieder, sobald ich sic brauche". Hier Sci erwaqhnt. dass die Moslims keine langgcwvachsenen Fingernagel dulden. Wer seine Nagel gleich Krallen waehscn lasst, begehit eine Stinde, fur die er beim. jftng-sten Gcricht zur Verantwortung gezogren wird. Die Teufel (Sej tani) versammeln sich am liebsten auf Nussbaumen; auf diesen halten sic ihre Beratungen ab. Deshaib hiitc mail sich, unter cinem Nussbaume einzuschlafcn, denn maii wird danii leicht von der Ograma befalle n. Wen aber diese Krankheit unter einem. Nussbaume befdillt, der sueht vergebens Heilung. Es ist ibm nie und nimmermebr zu. helfen. V611hg schwarze Katzcen oline cmn weisses oder graucs Zeichen sind dem. Mensehen ebenfalls gcfahrlich, denn in densclbeni hat dcer Teufel ganz gewiss semnen Sitz anfgcschlageil. Im UGbriogen ist es gut. Katzen von allen Farben auszuweichen, denii sie sind listig wie der Teufe~l. Wer in der Nacht cine schwarze Katze trifft, tut am besten daran, sic geheni zu. lassen, wohin sie will. Macht sic Sehaden und ist man darum gezwungen, sic zu verjagen, dann tue man es ja nicht

Page  137 137 mit dem. gew&~hnliehen Selieuehrufe ~Pis!", sondern. scbreie sie mit "Zue!U an-. Dann. vermag sie, cinem nichts anizuhaben, selbst weuni der Teufel in ihr steekt. Muss man in. der Nacbt eine Katze anfassen, dann tue man es beileibe nicht mit der rechten, sonderin immer mit der linken Hand. Auch muss man sich lititen, einer Katze zwei Schlige nacli einander zu. versetzcn. Man kanni leieht der Ograma verfallen, wvenii man e.,, tut. Bei Gewittern jage man die Katze unbedinigt aus dem. Hause. Wabrend derselben versteeken sich die Teufel am liebsten in den, Ktorpern- der LKatzen. Bei jedem Doiinersehiage beten die Engel zn. 0Gott, und die in den Katzen verborglenen Te ufel verspotten sie daftir. Um nun die Teufel zu verjan sehieuderni die Engel Blitze berab, die jedoch aueh das Haus leieht zu treffen uiid Ungluek anzuriehten verm~geii. Gef~hrliebh ist es auceW auf Eiersehalen. zu. treten, denn der Teufel verbirgt siclh gerne dariii. Besonders soil man sich hiiten, eine Eiersehale mit dem Fusse wegzusehiebeni, denn man kann. den in ibr verborbgenen Tenufel zorniig machen. Die OgYrama ist sebr sellwer zu heilen, es ist darum. am bestein manl wii-d von ihr nieht befallen; weshalb man achtgeben muss, wohin mani des Naebits gehit. Will es das Ungitick, dass man die Krankheit doch bekommt, dann rufe man eineii gelehrten Hodval, der sic dureh Vorlesen. aus lheiligeni Biiehern zu bannen vermag.

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Page  139 II. Di: Kirldheit. Nach zurtickgelegtemn zweiten Lebensjahre werdcn die mannlichen Kinder eiingekleidet. Sie erhaltcn einen F'es. ein Unterbeinkleid und eil Beinkleid (I(aksirc). Das Beinkleid xvird aus Tueh, Atlas oder einein besonderren, bios fur Beinkleider verwendeten Stoffe (Dimijaluk) angefertigt. Ucer de(1 Oberk;rper zicht main dern Kinde ein Hemd, daruber im Friihlinfg und lerbste cine Weste (Koparan) und eine Jacke (Fernmel), im Sommer cine leichte Unterjacke (Jeeerma) und einen ebcnsolehelln Koparan; im Winter dieselbenl K lcidungsstticke aus dickerem Stofle und (ltiuber einen Wintermantel (Gunj). Die Winterjmaeke lheisst,,Demadan". Umn den K(orper wird dei Knabeli eill drei bis vier Arsin (Ellenl) langler Shawl aus Wollstoff oder Baunmwollgewebe gesehlungen. Dieser Leibgiirtel ist zumeist rot oder grui g'efarbt, fuhrt den besonderen Namen, Krmez" und kostet gew&ihnlich li;chstens eine Krone. Kinder vornehmer oder reicher Eltern tra2gen seidene oder halbseidene Giirtel von besonders bunten Farbeni, (ie das Volk,Traboloz" nennt und die entspreehcnd kostspielig sind. Eim Traboloz ftir eiiien Knaben von zwei bis ftinf Jahren stellt sich auf ftinf bis sechs, ein soleher fur einen erwachsenen Mann bis auf dreissig Kronen. Als Fussbekleidung dieneun Schuhe unter der Bezeichung,Jemenije" oder,.Firale"'

Page  140 - 140 - kahnfi-riniige, weite Schiuhe, die sich leiclit abstreifen lassen. Europaisehe Schuhe kommen bei Kinderni selteri vor. in frtiheren, den sog~enannten besseren Zeiten der alterogcbrachteii patriarchalischeii Lebensweise wurden die Kleider sowol. der Minner, als auch der Frauen melir weniger reich mit Gold und Silber gestickt unid benaht. Heute geschileht dies nur noch bei den Frauenkleidern; die der Manner werden mit baumnwolleinen, seidenien und halbseidenen Bi~rtchen benahit. Die Klicidug der M~inner unterscheidet sich voni der kleiner Knaben nur ini Bezug auf (lie Gr~isse. Form und Anordnung ist dieselbe bei IKindern. wie bei Jtinglii igen und Greisen. Nur dass junge Leute eiiganliegende, altere Mannmer unid Greise bequeme Kleidung tragen. Begs, Agas unid wohihabende Kaufleute tragen im Winiter iiber der Winterjac~ke noch zumeist mit Fuchspelz geftitterte Rdcke (6urak), die mnitunter reelit kostspieligy siind. Heutzutage ist auch sehoni der Stadtpelz noch europiiisehem Zuschnitt keine Seltenheit. Die Tracht der Moslimns hi Bosnieii-Ilercegovina hat iibrigenis ini den let~zteti Jabrzehniteni bedeutende und wvesenitliche Andruge durchgemaeht. ID frtiheren Zeiteni bestanid sic aus eincem langsc116ssigen Lcibrock (Dolama,,, G~amaseheni (Tozluke) und Beigrader Miinteln. Heute trifit man diese IKlcidnngsstucke niur noch ini deni Truhen minanc-lier vorinebmer F~amilieni als Andeniken an die nguten alten Zeiten" ani. Die Dolama war cii h(3chst kostspieliges Kleidungssttick, denin sic war mit Gold unid Silber reich gestickt unid kostete inituniter mebrere hunidert Dukateni..A njegove haIjine kakve su?! Valja~j muin carskog Carigrada." (Und seinie Kicider wie seheni sic aus'?! Sie wiegen den W~ert voni Konstaiitinopel auf). Die Dolama musste sogar imI Ottom~anisehen Reiche abgestellt werdeui und wird hetite niur noelh von der Leibgardc des, Sultans getragenl. Audh die weoiblichen Kinider tragen deni Fes als KopfbedeckUng; die arinen ohne Trodde], die wohihabenderen mit goldener oder seidener Troddel. Uberdies wird der Fes mit Blumen, Perlen und

Page  141 - 141 - Dukaten geschmiickt. Der K6rper steckt in cinem bis an die Knochel reichenden Hemdchen aus dunner,,Bez"-Webe, welche ausnahmlos im Hause angefertigt wird. Ferner tragen sie ein Unterbeinkleid, dasamlKnochel geschlossen ist und ine,,Dimije", das ist ein weites Beinkleid, welches iiber den Htiften und an den Knocheln gebunden wird. Die Dimije bestehen aus Kattun, Halbseide oder Seide, sild bei armne Leuten cinfach, ohne jedes Zierat, bci Reichen um die Tasclhen uld an den Kniochelu mit Gold- oder Silberborten benaiht. Besonders reiclh Maidchen tragen iberdies den,Fermen", cini mit Gold und Silber vorne und rtickwiirts reich gesticktcs Leibchen, das einll bedcutcnden Geldwert resprascntiert. Gallz so wic die Knaben tragci auch die Madcheii um den Leib geschlungene Gurtel aus Woll- oder Scidenstoff. Wahrend die Knaben jedoch den Gtirtcl drei -bis viermal um den Leib schlingen, wird er bei den Midehenl blos einrnal umgewunden und die Enden hiangen an den Seiten bis uiber die Kniec herab. Auch der bunte,Traboloz"-Gtirtcl wird von IMidehen getragen. Anstatt des Woll- oder Seidenlgirtels tragenl die Tochter rcicher und vorltchmer Familien feine, mit Gold und Silber gcstickte Ledcrgtirtel, die vorne mit Schliallen geschlossen werden, welche schr oft m-it Perleii und Edelsteilncil gcsmiiekt sind. Arne Frauen und Madeheli tragen all den Fiissell Holzpantoffel (Nanulc), die mit Lederstreifen. befestigt sind. Die Wohlha1)enderen tragen Le(ecr- oder Seidenschuhe. Auch bei den erwachsennii Miadchien ulld bei Frauen ist dieselbe Tracht im Gebrauch(, wie bei kleiinen iidlchen, blos reicher, aus feincrIn Stoffen und mchr verziert. Im Volke crzihilt man nocli heute von der tberaus reichen, mit Gold und Silber gesticken Fraucntracht; (Diba), die vor Ctwa hundefrt Jahreni getragcin wurde. Dieselbe war ausschlicsslich aus kostbaren Seilenstoffcn vcrfertigt, die jcdoch unter der Stickerci vilig( verschwanden. Hcutzutagc sicht man davon schon lange nichts mchr, und die Bezeichnung.:Diba" hat sich in cinigcen Gegenden Blosniens, naminctlich beci Banjaluka, wo die reichsten Begs wohncn, ftir besonders rciche und kostbare Kleidung erhalten. Di(, moslimischlln Frauen schmicken sich selbst und auch ilre kl(inenl weibclchcen Kin(der sehr gerne. Am Fes der Kinder

Page  142 -- 142 - befestigen sie Goldmtinzen- oder Blumen, um den Hals Perlenschnuire oder auf Schnlire gereihte Dukaten, die Ohren schmticken sie mit silbernen oder goldenen Ohrringen, an denen Dukaten hangen, die Armc mit breiteii goldenen oder silbernen Armbandern. Anliehen Schmuck tragen auch Frauen und Madehen, nur naturlich kostbareren. Besonders wertvoll ist der Perlenhalsschmuck der Frauen und erwachsenen Madehen. Wieviel Sehmuck Maidchen oder Frauen an sich tragen, beschreiben die Haremslieder. Eines davon erzahlt:,Sumbul mavi u zelenoj travi. Nije sumbul ni suvise mavi, Vec su meni moje drfige mani. Di ja nosim finofes na glavi, Ispod fesa 6eterest dukata, A na 6elu dukat fundukliju." (Blau bluht Hyacinthe im grtinen Grase. Doch die Blaue ist nicht allzu dunkel, Nur neidisch sehen die Genossinnen. Dass den Kopf mir schmiickt ein feines Feslein An dem Rand mit vierzig Golddukaten, Und die,Funduklija" auf der Stirne). Funduklija ist ein vierfacher, sogenantiter Krondukaten. ausschliesslich fiir den Orient gepragt. In einem anderen Haremsliede heisst es:,Kako ju je za malo gledao. Na grlu joj gjerdan izbrojio. Pet stotina diza nabrojio. I pod njima stotinu dukata. I na ruku zlatne prstenove. Trideset je zlatnih nabrojio." (Flutichtig hat er nur sie angeblicket, Konnt' doch am Halsband er zahlen Ftinfhundert,Diz" von reinem Golde, Und darunter hundert Golddukaten; An den Handen viel der gold'nen Ringe. Dreissig gold'ne hat er abgezahlet).

Page  143 -- 143 -,Diz" ist eile kleine ttirkische Goldmtinze. die in einer dichten Reihe am unteren, auf dem Kopfe anliegenden Rande des Fes angebracht ist. ~~ *,-. I; V! II ~~J: '~ j P-^ I t I. DWambas - Pferdemakler. Ein weiteres Haremslied beschreibt den Schmuck eines Madchens folgelldermassen:

Page  144 - 144 -,Jedna glava, C-etvero oglavije, Jedne uvsi, 6etvere mengj use, Jedan vrat, a 6etiri gjerdana. Jedan joj je od drobna, bisera, Koji 6uva vrata, i podvoljka, A tri su joj od zvuti dukata. Privsle su joj struke priko pasa". (Einen Kopf hat sie, ilaran vier PerlenselinUre; Emn Paar Oliren und vier Ohrgehange, Einen Hals und darauf vier,,Gjerdane"; Davon einer aus teinen kicinen Perlen, Schtitzct Hals und Kinin dem sch~3nen Mideheii; Drei besteh'n aus gelben Goiddukaten Reichbend ihr bis unter ihren Gartel).,,Gjerdian" heisst der gesamte, Hals und Brust zierende Schmuck aus Perlen und Mtmnzen. Die Kicidung der Moslims ist sehr kostspielig, daftir jedoch fest und daiierhaft. Das ein-facliste burgeorliche Kieid kostet an vierzig Kronen, feiiiere erreichen den Preis bis zu vierhundert Kronen. Viel kostsp~ieliger siud je-doch die Fraueutrachitcn, denn diese sind oft mit Edeisteinen besetzt urid fast, jimer mit Gold und Silber gyest ickt. Es g-ibt Frauen reicher Begs, deren eine einzige Toilette sich auf sechistansend Kronen belauft, wovon die Fesverzierung und die Ohrrince allein Uiber hundert Dukaten kosten. Das Haarfarben g-ell~t bei den Moslimls zu deii gewL~hlinehen, Sehi-miheitsmitteln. Sic fairbeni die Kopfhaare bei Kiniderii beiderlii Gesehlechtes. Gleichl in ersten Lebensjiahre schimieren. sic dem Kinde das Hlaar mit Petroleum, damit es be-sser waclise und flarben e's mit,,K'na-', einein aus Arabien eingeftlirten Farbstoffe (Hennah) ritlich. Dieser Farbstoff gelangt als grihiliches Pulver in (len Handel und wird zumeist Von den helmkehreuden Mfekkapilgern. aus Mekka, Medinia oder I onstantinopel mitgebraeht. Den Miideheii werden iiieht nur die Haare, sondern auch die, Fingernagel Und Handflachen mit. K'nia gefarbt. Um spater dein Haar der Knaben eine schwarze Farbe zu verleilhen, wird dasselbe mit einem ebenfalls aus Konstan tin opel ei ngefifhrten Farbemi ttel oder mit eiiiem Absud

Page  145 -- 145 - gewisser Baumrinden behandelt, welche die Leute genau kennen. Das Haar der Madchen wird bis zur Verheiratung mit K'na gefarbt. Nach der Verheiratung verwendet man die erwahnten Mittel, um dem Haare eine glanzend schwarze Farbe zu geben. Die moslimischen Mutter kammen ihre Kinder selbst, jedoch immer nur an Montagen und Donnerstagen. Auch sich selbst kammt die Frau nur an diesen Tagen, denn zu anderer Zeit ist es nicht ratsam. An Dienstagen soil man sich nicht kammen, weil Einem sonst gewiss an demselben Tage etwas Unangenehmes zust6sst. Noch weniger an Sonntagen. Wenn sich eine Frau am Sonntag kammt, wird ihr der Mann bald sterben. Das Haar der Madchen wird zu Zopfen geflochten, sobald es lang genug dazu ist. Kleinen Kindern werden die Haare zuerst oberhalb der Stirne, dann an den Schlafen und zuletzt im Nacken geflochten. Bei grosseren und bei erwachsenen Midchen fallt die Haarflechte tiber der Stirne weg, dafiir werden an den Schlafen und im Nacken vier bis eilf Zopfe angebracht. Den Knaben wird das Haar nach riickwarts gekammt. Den Knaben werden nach zuruckgelegtem viertem Lebensjahrc das erstemal die Haare geschnitten und zwar immer am Donnerstag oder an einem,jungen" Sonntag, dem ersten Sonntag nach dem Neumond. Das abgeschnittene Haar wird gewogen und soviel,Dram" es wiegt, soviele Munzen, deren Wert von den Vermogensverhaltnissen oder von der Freigebigkeit der Eltern abhangt, unter die Armen verteilt. Der Barbier, welcher den ersten Haarschnitt vornahm, erhalt ausser der gewlohnlichen Bezahlung noch ein Geldgesehenk und von dem Kinde selbst ein Stick stissen Kuchens. Das Haar wird in Papier gewickelt und an einer hochgelegenen Stelle des Hauses untergebracht. Manche lassen ihren Knaben erst nach zuruckgelegtem siebenten oder neunten Lebensjahre zum erstenmale das Haar schneiden. Der Knabenunterricht beginnt bei den Moslims sehr fruhzeitig schon zwischen dem vierten und dem finften Jahre, jedoch beschrankt sich derselbe auf die Religionslehre. Die Anfangsgrunde des Religionsunterrichtes werden im,Mekjteb", der Religionsschule erteilt, wo die hauptsachtlichsten Lehren des Islam und die Gebete gelehrt werden. 10

Page  146 146 Die Eltern bring-en dem Unterriehte ihrer Kinder clin tberaus lebhaftes Interesse entye0oen. Schoii dem ganz kicinen Jungen, bei welehem an Sehulbesuch noch gar nicht gedaebt werden kanii, beschiceibt die, Mutter das Glaek. d as sic empfinden wird. wenn ihr Liebling die Prilfung aus der Religionslchrc mit Eitfoig abgclegt bat.,Zwanzig Herzcn und Lnez wanzig Mutterseelen- and Augen werdcn sich freuen, ('zwanzigyfaeh wird die Freude scin), wvenn du mein Liebling, die Prtifungf bcstehst, und die Mutter cinc Fcstlichkeit veranistaltet." Dabei lierzt sic und ktisst sic ihr Kind und malt sich im Geiste lebliaft den Atugenblick aus, in wele~hem ilir S~hnchen den Mekjteb verlassen kann. naeh~dci es Alles erlernt 1iat. was es dort lernen kconnte. Die Frende der Eltern flber' die SchuIreife ihrcr Kinder aussert sich auch darin. dass der Kniabe vom Vater fUr den ersteii Schulbesuch vifflig neue Kicider und von (icr Mutter eine selbstverfertigte Schultasehe aus blauem oder graunem Tuch erbalt. Qbcrdies hat ihm der Vater fUr diesen wiehitigfen Tagr neue,Firale", weiche Schuhe ans gelbemn oder rotem Ziegfenleder anfertigren lassen and auf dcni op einn uklneii)elneueci Ftes-, lhtibseh steif gcbtgelt. gesttd~pt. Am Morgcen (Ies im' Leben des Kindes so wivihtigeni Tages ist im Hause Alles freudig aufgoleregrt. am meisten die Mutter. Mit Tagesanhrnucl weekt sic ihir Kind:,,Stehe auf. meine Seele; jetzt wirst du zu gylucklieher St-unde zum erstenmal. in die Sehiuleg(elhen..Wcnn du nach. Hause kommst, wird dir die Mutter Kuehen backen und dir Honig gyeben. damit das Lernen dir stusser wvirl." Nun wird der zuktinftige neue Schulbesucher sorgfailtig- ge-.wasehen und gekammt. was inattirlich die Mutter besorgt, die den erstcii Schulb~esuch ilires Knaben dureli ciii an den Hodz-a (Lebrer) vorausgesehiektes Gesehenk anktindigt, damit sieh das Kind nieht zu sehiamen brauche. Dem Gesehienke folgt dann der junge Sebtiler im schb3nsten, neucn Feosttagsgowande. Bevor er jedoch den wiehtigeii Weg angetreten, kttsst der Kleine der Mutter die Hand and erbittet iliren Segen, der unter Kassen and Gebeten erteilt wird. Nun kommen die Naebbarinnen, am der glckliehen Mutter ibre Seg-enswtunsehe darzubringen. die, weibliehen Verwandten and

Page  147 147 - sonstigen naheren Bekannten versammehin sich ebenfalls uiid sagren:,,Gott gebe,, Weibskopf" (zvenska glavo, die gew~lhiiiliehe Bezeichinung fur Franen), dass es ihm GItiek bringe, auf dass weder ihr, noeh er es jemals bereuen. mi~get. Gott gebe, dass er lerne und erlerne, damit Lebende und Tote von. ihm Vorteil haben, auf dass Alle imit ihm zufrieden scien, dass er ein grosser "Alim" (Gelehrter) werde und es zum,,Mu fti" (Hohier Geistlieher im Bisehofsrange) oder zum,,Muderis"~ (Professor) briinge." In mianehenii Gegelnden Bosniens ist es Sitte, dass die Grossmutter 'ibreii Enkel. anlisslich desseni ersten Sehulbesuchles auf dern Rtieken bis vor deii Eingang der Sehule tragt, denni es lierrseht der Glaube, dass das Kind dann. besser lernien, sich die, Worte des Lebrers besser inerken und die Sehule liebgewimien. werde. Daftir werde er ftir die Grossmntter niach dereii Tode an jedenin Freita~g die Sura,,Savin" aus dem Kur'an, die far das Seelenheil Verstorbener gebetet wird, hersagen. Vor dem Sehiuleinganig setzt die Grossinutter den Knaben auf den Boden niieder, ktisst ihin auf Stirnie uind Wange und gibt ihm den folgeniden. Gltiekwunseh mit:,Gehe S61ineheni zn hundert guten. StUnden. Mbge es dir Gitiek bringen! Auch die Medresse (116here Religionssehule) mt~gest du besuehen. und mit Gottes Ililfe emn grosser Gelehrter werden. Fftir die Pilgerfahrt niaeh Mekka muige dieh noeh Grossmrntiterehen anusrt~steni!" Auf dem Wege zur Sehule wird die Grossmutter mit dem Enakel jedoch nieht allein gehen gelasseni, es begleiten. sie vielmelhr samtliehe Hausleute vom Hausherrn angefangen bis zum letzten Rinder- und Pferdekneeht und alle tibrigen. Dienstboten. Naclidem die alte Frau den Knaben vor der Sehulpforte gesegnet, nimmt; ihn der Vater an. der Hand, und ftihrt ihn in die Mosehee und von da erst in die Sehule. Hier angelangt ist des Vaters erstes Gesehaft, den Lehrer zu besehenken. Das Gesehenk besteht in. Bargeld und ist gewtohnlich reiehlieh, den Vermtogensverhttltn issen des Man nes entspreehend. Doch wird der Lehrer -nicht allein besebenkt. Jeder neue Anfangs-,schtfler erhalt einen. alteren. Knaben als Mentor und. Instrnktor zugeteil t, der mit ihm das Gelernte wiederholt und es ihm. besser einpragt. Anch diesen besebenkt dier Vater. Jedoeb auch die Mutter lo*

Page  148 - 148 bleibt nicht zurtick. Sie schickt dem Lehrer durch den Knaben selbst Backwerk, feine mit Gold und Silber kiinstlich gestickte Tucher (Cevrma), manchmal sogar in ein solches Tuch gewickelt ein Hemd und ein Unterbeinkleid, was alles zusammen ein,Bovsaluk" heisst, damit der Lehrer dem Kinde mehr Aufmerksamkeit zuwende. Im Orient und unter Orientalen gilt noch immer das alte:,,Wer schmiert, fahrt besser". Darum heisst es im Volke:,Will man, dass ein Kind in der Schule etwas Ordentliches lerne, muss der Vater in den Geldbeutel und die Mutter in das Becken greifen, in welchem die Kuchen gebacken werden." Reiche Leute lassen es bei einmaligen Geschenken nicht bewenden, sondern geben oft und reichlich, der Vater Bargeld, die Mutter Esswaren und mitunter feine Kleider. Diese Gewohnheit, den Lehrer zu beschenken, ist tibrigens nicht bei den Moslims allein, sondern iiberall unter Kroaten iblich, wenigstens war es friher so, solange das Schulwesen sich in seinem alten, patriarchalischen Zustande befand und vom Lehrer keinerlei fachliche Vorbildung verlangt wurde. Der neue Schiller ktisst zuerst dem Hodza die Hand und uberreicht ihm dann das von der Mutter gesandte Geschenk, das mit freundlicher Miene und einigen schmeichelhaften Worten an den Vater in Empfang genommen wird. Dann stellt der Lehrer die tiblichen Fragen nach Namen und Alter des Kindes und reicht diesem ein neues Buch, aus welchem es die Anfangsgrunde des Lesens erlernen soll. Der Unterricht beginnt sogleich in Gegenwart des Vaters, damit dieser selbst sehe, wie sein Kind das Gehorte begreift. Der in der unbekannten Umgebung gewohnlich verschtichterte Knabe nickt auf die Frage, ob er verstanden habe, gewohnlich bejahend mit dem Kopfe, was den Lehrer veranlasst, seinen Verstand und seine rasche Auffassung zu loben, und dem Vater natiirlich grosse Freude macht. Indessen wartet die Mutter daheim mit Sehnsucht darauf, dass ihr Sohnchen aus der Schule komme. Dies weiss niclt nur die Nachbarschaft. sondern die ganze Bettlerzunft des Stadtviertels, die nun aufpasst, wer den heimkehrenden,Studenten" zuerst erblickt und die Kunde davon so rasch als ihn seine Ftisse tragen konnen der Mutter iberbringt, um ein Geldgeschenk daftir zu erhalten. Kaum hat die Mutter erfahren, dass ihr Knabe nahe, eilt sie ibm entgegen

Page  149 -.149 - und begrUsst ihn,, als wvare er von eineir langen Reisc aus fernem Lande heimgekommen. Die Mutter nimmt ihn auf del) Arm uiid trag~t ihui unter Liebkosungen uiid Ktissen in's Haus und gibt ihm. Honigkachen zu essen, damit er spater leichter lerne. Die Madehen besuchen ebenfalls die IReligionssehule und beginnen damit gew~5hidich mit dem. Monate Muharrem, dem. islamitisehen Neujalir. Auch mit dei fMr den Schulbesuch vorbereiteten Madehent werden ebenso viele Umstande gemacht, wie mit deni Knaben. Emn gauzes Heer von Nachbarinnen, weiblichen Verwandten und Freundinnen strengt sich an, urn die gew~hnfich schtlchterne und furch~tsame Kleine von der Sehulfureht zu. heilen. Schon Wochen friiher, ehe die Kleine zum. erstenmale zur Schule soil, erhUlt die Mutter im. Harem den Besuch bald der einen, bald der anderen Naclibarin, am Freitagabend den meheerer zugleich,. und alle sprechen unid erzablen, wie sehiin es in der Sehule sei, urn der kttnftigen Schtflerin die Furcht vor dem. Unbekannten zu benebmen und ihr Lust zum. Schulbesuche zu machen. Endlich ist der entscbeidende Tag gekommen, die kleine Schillerin soil den wiehtigsten Gang ihres bisherigen Lebens machen. Am frillen Morgen. kommen die Nachbarinnen, weiblichen Verwandten uiid Freundinnen, weiche der Kleinen bisher die Freuden des Schullebens ausgemalt haben, helfen der Mutter beim. Waschen, Kammen und Ankleiden des Kindes, schieben ibm. em Lehrbuch for die Anfangsgrtinde des Lesens, emn ABC-Buch" (Elif-Ba Suhara) unter die Aclisel, hullen. das Kind sorgsam. emn und die ganze Gesellsehaft macht sich auf den Weg, die kleine Schulkandidatin nach der Schule zu. begleiten. Nachdem das Kind die Sehwelle des Schulhauses tibersebritten hat, ftillt die Mutter emn langhalsiges Kupfergefaqss (Gjugum) mit Wasser und bespritzt den Boden hinter dem Kinde damit, wobei sie sagt: "So leicht, wie das Wasser aus dem Hlase des Gjugum. fliesst, so leicit mo-ge jeder Laut aus dem. Munde des Hodzva bei dir Eingang finden. Du mo5gest so leicht lernen, wie das Wasser fliesst." Bietet das Lernen einem. moslimischen Kinde Schwierigkeiteii, dann heisst es, 7scm Talent 6fne sich schwer. Urn da abzuhelfen, nimmt man zu. allerlei Beschw~irungsformeln seine Zuflucht, ganz so,

Page  150 - 150 - wie beim Beschworen des,,Urok" und der,,StravaL. Ganz zuerst muss die Ursache erkundet werden, wegen welcher das Kind schwer lernt. Auch gibt es verschiedene Mittel, die Denk- und Gedachtniskraft der Kinder zu fordern und zu kraftigen. Dazu gehoren in erster Reihe getrocknete Feigen, die man dem Kinde zu essen gibt, ferner Haselnusskerne. Diese,Sffnen den Verstand" und kraftigen das Denkvermsngen. Das Gegenteil davon hewirken die Kerne von Walntissen; diese vermsigen das kltigste und geistreichste Kind bl6de zu machen und dUirfen Schulkindern deshalb nicht verabreicht werden. Wlenn sich bei einem Kinde,das Talent schwer i5ffnet". kann auf folgenlde Wcise Abhilfe gebracht werden. Man fangD( eine Hausschwalbe, schaitte ihr einige Tropfen klaren Wassers in den Schnabel und ftihre dann den Schwalbenschnabel in doen Mnnd des schwer begreifenden Kindes ein. damit es die Wassertropfen aus demselben aufsauge. Das wiederhole man einigemale, und das Kind wird scharfsinnig werden, sein Verstand wird sich auftun, denn die Sehwalbe singt das Lob Gottes, weshalb Gott dem Kinde helfen wird. Es wird so schnell sprechen lernen, wie die Schwalbe zwitschert. Daher sagt das Volk auch, Jemand konne lesen wie eine Schwalbe. oder wisse etwas wie eine Schwalbe. Die Araber besitzen ein schi3nes Buch, das,,Talim Ulmuteallim" heisst. Darin heisst es, dass Weihrauch mit Zucker und roten Weinbeeren das Gedachtnis scharfen, wenn man dem Kinde jeden Morgen einundzwanzig Beeren zu essen gibt. Bei den Moslims kennt man keinen obligatorischen Schulbesuch, noch hat man ihn jemals gekannt. Trotzdem schickt der Moslim seine Kinder gerne zur Schule, denn er empfindet die moralische Verpflichtung vor Gott und Menschen, sie ausbilden und unterrichten zu lassen. Denn die Kinder lernen in der Schule deshalb, damit Lebende und Tote von ihnen Nutzen haben und darum auf dieser und in der anderen Welt Befriedigung und Wohlgefallen crwecken. Die Mekjtebs sind auch immer gefullt wie die Bieneukorbe von grosseren und kleineren Schulern und Schulerinnen. Am starksten ist der Schulbesuch im Winter und im Fruihling, etwas schwacher im Sommer, am schwachsten im Herbste, denn um diese Jahreszeit werden die Kinder von den Eltern, namentlich im Dorfe

Page  151 - 151 bei der Einbringunig der Ernte, und bei anderen Feldarbeiteni zur Ausbilfe verwenidet. Eigentliehe Schulferien wvie an anderen Sehulen kemit das Mekjteb nicht. Audh die tVigliehe Unterrichtsdatuer ist eine langere als an den geregelten Sehuleri. Blos am Freitag und. an deni Nachmittag-en wabrenid des Ramazanfastenis gibt es keinie Sehiule, denn da schiafen die Kinder amn \ormittage., weil sie spait zu. Bette gehen. Ferner sind die siebeni Bajra~mtage sehulfrei. Wie bereits gesagrt,schicken~ die Moslims ihire Kinder auch oline Sehtilzwvang gernic und bereitwillig, zntr Sehule. nid. sie tunl es in erster Reihe a-us religyi(''sen Bewveggrtindeii, dann aus Liebe zu ihren Kinderii voni deiien sic wtuisehcii, dass sic die religii~sen Vorsehv-ifteni genau unnd. grtindlieli kennien lerneni untd,,auf beiden XWelten emi liebites Anitlitz erwerben". si&,Ii weder iun Diesseits nioeh im Jenseits zu. schamcii brauchen. Auf dcii Sehulbesuch wirkt es auch gudnstigy em, dass die einzelnen Schlitsprenigel keinie grosse raumliche Ausdelnun~g habci, uid die Hauser in dichtein Gruppen nebeti einander stehenl. Emn jeder Stadtbezirk (Dzveimat) besitzt sein Mekjteb unid semenct Hodzva, dessen Aufgnbe es ist, den Kindern Unlterricht Zn. erteileni. Es gribt DZeMatc ohnie Moseheen, aber keines. ohne Mekjteb. Jn solehen Fallen wird auch der Gottesdienst in der Sehule abgehalten. Kaum hatten sichl die Gemt~iter naeh der Okkupation von Bosnien und, der Hercegovina im Jabre 1878 nur teilweise beruhigt, als ini diesen Landern gleich im ersten Jahre tiber ftinfhundert Mekjtebs errichtet wurden, wonach auf je neUnhundert Moslims eine Schule mit etwa ne-unzig sehulfahigen Kindermi entfiel. Im J1ahre 1882 war die Zahi schon auf sechshunidertzwanzig anlgewacbsen. Heute besteht die dreifache Anzahi. Der wiehtigste Uilterrichtsgegeinstand im Mekjteb ist die arabische und. die tiirkische Sehrift, weil der Kur'an in arabischer Sehrift und Sprache verfasst ist. Der Hauptzweck des Unterrichtes bei den Moslims bestehit darin, den Kur'an lesen und wenigstens teilweise verstehen zu lernen. Ausser dem Kur'an wird nioch "Tedzvid" und "S uruti salat" oder,,Seraiti islam" gelehrt. "Tedi'vid' ist die arabisehe Laut- und. Akzentuierungslehre verbunden mit den

Page  152 - 1~52 - Grundztigen der Grammatik.,S~uruti salat" oder,Seraiti islam" urnfasst die Lehi-e tiber das Wesen Gottes, iiber die rituellen Wasehungen, Uiber das Fasten und das sonstige Zeremonialgesetz, das jedem. Bekenner des Islam ohne Untersehied des Gesehleebtes gelaufig- sein muss. Wie sieht es nun in einem Mlekjteb namentlich auf dem Dorfe aus? Es verlohnt sich, da tiefer hineinzablicken und das Leben und Treiben in demselben zu beobaehten. Emn soiches Schuihaus ist vor allem gewLohnlich emn kleines unansehlnliches Gebaude, zumeist cin einstL~ckiger llolzbau, der sich in niehts von den Ubrigen Dorfhiausern unterseheidet. Im. ersten Stockwerke hat der Hodzva saint,seiner Familie seine Wolinung aufgesehlagen, urn Erdgesehoss befindet sich das Schullokal, in der Roogel emn enges, schlecht gottinchtes und noch sehiecliter beleuehtetes Gernach. Wohihabende Dzverate in gr~isseren und kleineren. Stadten besitzen geraurnige und besser eingeriehtete Sehuizimmer, aber solehe siud ziemlicli sparlich geiiet. Daftir kommnen hAufig geuoug Dorfrn-ekjtebes vor, wo sich neben dern Lehrzimmer und an dieses anstossend der Kuli- und Pferdestall des Hodzva sanrnmt dessen landwirtsehaftliehen Geraften befindet. Der Fussboden im Mekjteb ist mit Rohrinatten, in selterenen Fallen mit Teppiehen bedeekt, denn die Sehulkinder verrieliten in demselben unter Leitung des Hodzva den Gottesdienst' und es 1st verboten, auf blosser Erde zu beten, ausser im, Falle der h6chsten Not und audh dann nur, wenn der Boden troeken und sorgfaltig, gereinigt ist. Von Landkarten, Bildern und sonstigen Lehrmitteln ist im Mekjteb keine Spur, denn heim Religionsunterricht, weleber den einzigen Lehrgegenstand bildet, hat man derlei Diiige nieht not - wendig. Oft genug gibt es auch keinerlei Sitzgelegenheit oder sonstige Einrichtungssttieke. Es gentigt emn etwas erhohter Minder an der Stirnwand, auf welehem der Hodzva sich mit untersehiagenen Beinen auf einem. Well- oder Heupoister niedergelassen hat und von welehem er die Schar seiner Schiier beaufsiehtigt. Diese knieen in Reihen vor dem Lehrer. Vor jeder Reihe stelit eine einfache Holzbank. nur so hoch, dass sie den Kindern, wenn diese die Beine nach orientaliseher Art untersehiagen, his an die Brusthiihe reieht.

Page  153 - 153 - Darauf liegen die Bticher und sonstigen Lehrbchelfe. Aber es gibt auch armliche Dorfschulen, in welchen die Kinder auf dem nackten Fussboden sitzen, weil die Mittel zur Anschaffung von Matten fehlen, und in welchen die Bucher fortwahrend in der Hand gehalten werden mtissen, weil aus denselben Grtinden keine Bank vorhanden ist. Bevor die Kinder das Schullokale betreten, streifen sie die Schuhe ab und sitzen blossfissig oder in Strtimpfen, ganz so wic in der Moschee. Auch mit den sonstigen Bequemlichkeiten ist es in einem Mekjteb schlecht bestellt. Von einem Diener. der die Schulraume reinigt, fegt und in Ordnung hiilt, ist keine Rede. Das besorgen die Schtiler, so gut es eben geht und so gut sie es ksnnen. Gescheuert werden die Schulstuben gewhlhnlich einmal monatlich. Dies Gesch]aft besorgen grosscre und kraftigere Mildchen. Das Fegen und Reinigen besorgen die iibrigen Schiler abwechselnd. Auch das Heizen der Ofen im Winter gehiirt zu ihren Obliegenheiten. Schwachliche und Kinder aus wohlhabenden Hausern konnen sich bei diesen Verrichtungen ftir entsprechende Entlohnullg vertreten lassen. In Bosnien unld der Hercegovina besteht seit uralten Zeiten der Brauch, dass jedes Schulkind wihrend des Winters taglich ein Scheit Brennholz zur Schule bringt. Damit werden die Ofen geheizt und was nicht verbraueht wird und iibrig bleibt, gehi5rt dem Hodza, der dariiber frei nach seinem Belieben verfigen kann. In kleinen Orten sitzen Knaben und Madchen in demselben Schulzimmer, docli nicht unter cinander gemengt, sondern in nach den Geschlechtern gesonderten Gruppen. In grisseren Orten gibt es zumeist gesonderte Mekjtebs fur Knaben und ebenso fur Madchen. Allzugrosse Muhe macht sich der Hodza in der Schule mit den Kindern gerade nicht. Er lasst sich von seinen.Gesellen" vertreten. So heissen namlich im Volkejene alteren Schiiler welche den jungeren als Mentoren zugeteilt werden. Der Hodia sitzt auf seinem Minder und uberwacht das Ganze mit prufendem Blicke. Der Unterricht, oder was man so heisst, ist durchaus nicht von irgendwelchen modernen padagogischen und methodisehen Ideen angekrankelt. Der Mentor

Page  154 154 - sagt seinem Sehutzbefohlenen cinen Satz vor, und dieser -4pricht ihn laut nach, ganz mechianiseb. ohne Sinn und Inhalt zu verstehen. Naehidem null alle irn Sehulzimnmer befindlichen Meiitoren und SchMlcr gleiehzeitig, jeder secm Pensum aufsagcn. und dabci ilire Stirnmbtander durehaus niclht schonen, kaiin mnan sich lcicht einen Beg-riff davon mnachen., welch' hifllischer Larm in einer Schule gemacht wvird, in wveicher mebrere Dutzenid lkiinderstimincen einander stundenlang zu itiberhieteii bestrebt siiid. W~ahrend der ganizen Zeit sitzt dcr flodz~a 'auIf scinem Platze, als ob ilin die ganize Sache durchianls nicht angrietige. Bios ab und zu, wein eim sehleeht oder fehilerhaft ausgfesproi~henies arabisehes oder tilrkishehs Wort trotz des Lirnis an scmn Ohr sch1higt, greift er verbessernd cin Oder welin or bemcrkt, dcass cm1 Selbtiler niciht lernt oder dureh unrulhiges Betragen die Anderen st~irt. Dann greift cr zur neben ihm liegenden Rite. die ogcw~hnieiic bis jiber die ietzte Sehalerreilie reicht uiid trifft damnit dcin Sainder, oder auch cinen ganz unsehuidigen Naclibar desselbeii. Wiec es eben kon-mt. Aber der Zweek ist ericeicht, denn die Sehiuldige-n sehen, dass Auge und Rute des HodZ'a wachen Lind mnit sich nieht spassen lassen. Die k&~rperliche Strafe ist in alien moslimischen Schulen niclit nur gestattet, sondern von den Eltern sogar gewUnscht. Diese verargen es den Lehrern duvehauS nicht, wenn sic ihre Kinder auch reeht empfindlieh ztuehtigen., sic bitten im Gegenteil darum, obwohl sic an ibren Kindern mit grosser Liebe hi-ingen. Die gew~lhnliche althergebraehte Redeinsart, mit der emn Vater scmn Kind dem Hodz'a uberantwortet, lautet:,Hier hast du mein Kind, HodZ"a. Schiage es, zftictige es. Diir geh~rt das Fleiseh, mir geh~iren die Knoehen." Das will sagen, dass der Hodzva bei der k~5rperlichen Ztictigung nur aehtgeben miige, dass er dem Kinde keinen Knochen brieht. Emn Lehrer, der seine Schuiler nieht sehlagt, gilt ftir u-nfahig. Die Leute begreifen gar nieht, wie emn Kind etwas zu eriernen vermag, wenn die Rute nieht ausgiebig zur UnterstUtzung beraingezogen wird. Emn Hodzva, der seine Seh~ifer nielit sehlagt, muss sich bei Zusammenktinften den Vorwurf gefallen lassenl, dass die Kinder keine Furcht vor ibm haben. Und er entschuldigt sich mariebmal

Page  155 -- 155 - mit der Gegenbemerkung, dass aueh er die Kinder nicht fiirchte, was immer Heiterkeit verursacht. Die MAidchen werden in der Schule zwar auch kiirperlich geziichtigt, jcdoch iicht in dem Masse wie die Knaben. Die Madchen sind sechwtichcr und zarter. es ist eine Snitde, sie hart zu schlagen. Die Ursache der viel strengerell Behandlung der Knaben liegt darin, dass sich die zartere Mutter nicht melhr mit ihrer Erziehung befasst, wenn sie herangewachscn sind, sondernl der hltrtere, strengere Vater. Die Erziehulng der Maidchelc wird daftir ausschliesslich der Mutter tiberlassen. Die Manner sorgen nur daftir dass (ie Mutter ihre Tiehter nicht allzusehr verwhnlen. Wie alles bci den Moslirns, hat auch die Fordcrung nach k(irperlieher Ziuhtigung der Knaben ihrcn religiscen Ursprung. Es herrseht niimlich der Glaube, dass dic Zuchtrute aus dem Paradiese stamme und der Kirper des Kindes unter ihren Streichen kruftiger werde.,Wo der Hodza hinschlagt, dort wird die Ki(rperhaut fester", lautet ein verbrcitetes Sprichwort. Die korperlichen Strafen, die an Knaben in der Schule vollzogen werden, sind mitunter grausam. Die aus den crientalisehen Marchen bekannte Bastonnade nimmt darunter eine bcdeutende Stelle ein. Aber die Art, wie dieselbe angewendet wird, ist geradezu unmenschlich. Man bindet dem zur Strafe verurteilten Knaben die Beine an den Knocheln an einer hiefur bestimmten Stange (Falake) fest, die beiden Enden der Stange werden gehoben, so dass der Kopf des Exekuten nach abwlarts zu hangen kommt und appliziert ihm auf die blossen Sohlen die vom Hodza angeordnete Anzahl von Rutenhieben. Haufig kommt es vor, dass die kindlichen Zuschauer der grausamen Exekution nach jedem Streiche,Amin!" rufen mussen, denn es gilt als Schande filr die Schule, dass man das Weinen des bestraften Kindes hore. Wahrend des Unterrichtes eine Zigarette zu rauchen oder die ziemlich haufigen Besucher mit Kaffee zu bewirten, gilt durchaus nicht als unstatthaft. Es kommt namlich oft vor, dass die Vater der Schtiler oder sonst angesehenere Leute aus dem Dzemat in die Schule kommen, um zu sehen, wie es mit dem Unterrichte bestellt ist. Das gilt als ihr gutes Recht. Dem Hodza obliegt es in einem

Page  156 -- 156 - solehen Falle, deni Gast mit Kaffee urnd Tabak Zn bewirten. Wahrend der Lehi-er mit seinen Gasten plaudert, wird der Unterrieht in di~r beschriebenien Weise fortgesetzt. Das heisst, die Schtiler lernen die ihnen vorgesagten Satze laut auswendig. Der Unterricht leidet demnach durelh derlei Vorfalle nach Ansiclht der Leute nicht im mindesten. Emne festbest~immte Ilnterriehisdau er ken nen die Moslims nicht. Das Kind besueht die Sehule solange, bis es das zu Erlerliende auelh erlernt hat. Talentiertere Kinder werden friiher, weniger talentierte spater damit fertig. Manche IK"inder besuchen die Se-hule dureb drei oder vier, manehe durch fI~nf oder sechs. andere wAieder auch zehn Jahre lang, bis sie den Kur'an und das Zeremonialgesetz durchgemaclit haben. Audh beztiglie-h der Lehrmethode und des alljahrlich aufzuarbeiteniden Lehrstoffes bestehen keinerlei Vorsehriften. Das Alles ist der Gewissenihaftigkeit und den. Fiiigkeiten des Hodz'a iiberlassen. Es gibt demnach iii den, Mekjtebs weder einen einheitlichen Un terricht, noeh einen feststehenden Lehrplan. Wie bereits erzahlt, erhijit das Kind bei seinem Eintritte in die Sehule als erstes Lelhrbuch die ~Elif-Ba - Sufara", das Alfabet der arabischen Sprache. Zuerst lernt es die arabisehen Schriftzeichen kennen und lesen, dann ler-nt es arabisehe Worte und Satze lesen und hersagen. Auf das Sebreiben wird wenig Gewicht gelegt, dies wird erst in der hLheren Sehule, der Ruzvdija, gelehrt. Bios wenige inteiligentere und einsichtigere Hodzvas in den Stadten unterricliten im Lesen und Sehreiben gleich zeitig. iNachidem das Kind arabiscb lesen erlernt, gibt man urn den Kur'an in die Hand, jedoch nicht das volistandige Bitch auf cinmal, sondern bios Bruchsttieke, zuerst das erste Kapitel des Kur'an, die,, Ammedzvuz Sufara". Wie bekannt, lesen und schreiben die Moslims wie alle Orientalen von rechts nach links, der Kur'an beginnt demnach auch auf der ersten Seite rechts und das erwalinte erste Kapitel umfasst zwanzig Seiten, ebensoviel jedes folgende Kapitel. Das zweite heisst,,ebarek", das dritte,,Kadsemia dzvus"-, das vierte,,Vezariat"l. Der Schifler lernt demnach in Allem die ersten achtzig Seiten des Kur'an lesen. Hat er diesen Lehrstoff beendet, von weichem. jedes einzelne Kapitel gesondert gedruckt ist, dann gibt man ihm eine volistandige Ausgabe des Kur'an, die sechshundert Seiten enthalt,7 in die Hand.

Page  157 - 1F57 - Diese Teilung nach einzelnen Kapitein hat ibre Ursache in der grossen Ehrerbietung, welche der Moslim fir den Kur'an hegt. Kinder k~3nnten, wenn man ihnen eine, volistandige Ausg-abe des heiligen, Buches in die Hand gibt, dieselbe zerreissen oder beschmutzen. Deshalb gibt man ihnen bios Bruehstfleke. Erwachseneren Knaben kann man das ganze Buch anvertrauen, denn sic begreifen sehon dessen Wert und aehten besser darauf, urn seine Heiligkeit nieht zu verletzen. Der Knr'an muss nAmlich an einer erhi~hten, besonders reinen- Stelle g-ehalten. werden. tVberdies darf derselbe nicht unterhaib eines mensefiliehen Knies oder in gleicher Hbhe, mit demselben gehalten werden. Deshaib sind viele intelligentere, Moslims auch gegen die oben beschriebenien. niedrig-en. Banke in den Schulen, auf welchen der Knr'an wie auf einem, Pulte aufliegt, denn bier gelangt das Buch unterhaib der Knice des Hodzva und der gr~isseren Sehtiler zu liegen. Der Kur'an gilt far so heilig, dass ihn kein Moslim. mit der Hand anfasst, ohn e dieselbe friiher gewaschen zu ha-ben. Deshalb gestatten sic nieht, dass Andersglaubige ihre heiligen Blieher, besonders jedoch den Kur'an, mit den Hiinden anfassen. Audi ist es den Kindern strenge verboten, sich im Mekjteb auf die BThinke zu setzen, die als Pulte ftur das Anflegen des Kur'an dienen. Hat ein Sehidler den Kur'an und das Zeremonialgesetz erlernt, dann ist er mit den Hauptgegenstanden des Mekjteb fertig. Er kann aber seine Studien noch immer fortsetzen und,Jlmi Hal" und,,Bergivija"~ lern en. Das erstere ist die Lehre von den Profeten, den Abgesandten und Lieblingen Gottes, angefangen von Adam his Muhamnmed, verbunrden mit einer erweiterten Kcnntnis der Zeremonialvorsehrifton tiber die rituellen Waschungen, tiber das Fasten und tiber die Gebete ftir dass Seelenheil Verstorbener.,,Bergivija" ist die Lelire von Gott und den Eigenschaften Gottes, verbunden mit der Begrtindung der angeftihrten Zeremoniialvorsehriften. Diese Lehren kann naturgemiiss bios emn Hodz'a unterricliten der selbst in denselben bewandert ist. Bei der Wahl der Hodz'as wird auch sehr darauf gesehen, gelehrte, und fahige Manner zu gewinnen. Das kt~nnen jedoch nur wohihabendere Dz"emate, denn cmn gelehrterer Hodz"a verlangt auch mit Reclit gr~ssere Bezahlung.

Page  158 -- 158 In frtilwren Zeiten iinamlich konte (lie, ftir die Bekleidutig des Lehramtes in eineom Mekjteb notwvendige Bildunig leieht erworben werden. Es bedurfte dazu bios der Kenntnis der haluptsaclilielisten Dog-mcn des Islamn mid des Zeremonialgesetzes mit besonderer RUIcksiebt auf das Amt des Vorbeters in der Moselice, auf die Begrabn-iszeremonien unid die Vorschriften hiber die Ehieschliessung. Die, Gelehrsanikeit der meisten Jiodzvas reiehite auech tiber das angeftil-rte Wissetisgebiet, nicht hiniaus. Ini den letzten Jahren ist hierlin eine vorteilbafte Anderung eingetreten, denni es kanii Nieinand Hodz"a werden, der die vorgeseliriebene Vorbildunp- in einer Medresse (Theologliesehule) niehit iiaehizuweisen verimag. iNach Absolvierung des MekjtebI legt jeder Sebtiler eine bifentliehe Prtifungo Ab bei weleber ansser dem IHodza auch gew~billiclh emi zahireiehes Publikum anwesend ist. Die Hauptprdfungr finldet statt, sobald der Scaller das erstemal den K~ur'ani durchgenommen hat. lBesonders fleissige und mit eine gMffUtenl Gedaclitnis begabte Kinder brauchen hiezu. drei his vier Jahre. Doeh kommt es uset setn odass ein Kind in diesem Zeitrauime den angegebeni Lehrstoff zn. bewaltigen vermag. Die Ursaehe liegt hauptsatehlich darin, dass die IHodzvas zumeist ungebildete Menisehen sind. die von inter PadagYogik oder praktisehen Methodik keitien Begrifi habeni mid. eigentflieh og,,r niic-it selbst unterrieliten, sonderin Alles den erwahiiteni,Gesellen" Uberlasseni. die ini der dargesteilten rein meehanisehen Weise das Gedaehitiis der Kinider belasten. Ferner muss in Betracht guezogen werden. daess die Lelirgegenstoinde, der Kur'an mind die Religionisvorsehriften,. in arabiseher, ttirkiseher und persiseher Sprache abgefasst sind, die das Kiiid gar nieht verstelit. Da ist Cs deani nieht zu verwundern, weini die Unterrichtsergebuisse, so sparlich qind. An jenem. Tage, an welehem ciii Knabe die feierliehe Prtifung (Hatma) ablegen- soil, kommt der Vater des Pruflin-gs nebst eiiier Anzahi von Verwanidtein, Freunden und Bekainnten in die Sehule. Nachdem die Prufungsg~iste sich wftrdevoll zu beiden Seiten des Hodzva niedergeilassen haben, beginnt der Prtufungsakt. Der ambulaiite Brotverkiiufer (Somundz"ija) des Sprengels hat iiatttrlich Ken iitnis von alien Vergangeii, er weiss auch, dass im Mekjteb eine, feierliche Prtifung stattfindet und stellt sich mit frisehgebackenier

Page  159 15.9 Ware eini. Der Vater des Prtifling-s kauft fttrjeden der in der Schule anwesenden Knaben- ein Laibehen Brod, ftir den Prtifling selbst ibrer zwei, U berdies auch noch ",Halv-a". INaeh Verteilung dieser beliebten Leckerbissen sprieht der Hodz'a eini Dankgebet, bei desseni einzelnen Satzen die Anwesenden,,Arnin!" rufen. Damit 1st die PrtIfUng beenidet, die Schtiler gehen niach Hause. Nur der Vater des Kiiaben bleibt noch zuraek, urn den Hodz"a en1tsprecheiid zu besehenkein und dlie Gliste m-1it Kaffee Und Zigaretten zu bewirteni. Reiche Mloslims veranstalten nach der PrUfung ihrer Kinder bei sich zu Hause eli) Fest, zn wAelchem die Prtifungsgiiste und die Schulier geladen wverden. In feierlichem Aufzuge, die Alten je naclh ihrcm Rang-e voran, die Schulkinder paarweise hinterdreiin. geht es nach 1cm. gastlichen 1-ause. Die Kinder werden von erwachsenen Knaben beaufsiehtigrt, die dann von der Mutter oder der Aitesteni Schwester des Prtfflings mit gcstickten. Ttichern beschenkt werden. Bevor der Zug das Hans betritt. bleib t er vor jedem. der auf dern Wege liegenden Friedh~fe steheii, und der Hodzva verriebtet jedesmnal,ei Gebet far das Seelenheil der Verstorbeneni, das von den QObrigen. mi't lauten und andachtigen,Amin!"-R-,ufen begleitet wird. Nachi dem. Besuche der Friedhbfe gehit es endlich nach dem. Hause des Prtiflings. Vor demselben erwarten die mannilieben. Bewohner des Hauses nebst den naclisten imannliehen Anverwandten die Gaste und ftihren sic in den Hofraum. Der Pruffling hat den Vortritt vor alien Vbrigen. Hier wird der Gefeicrte von seiner Schwester, oder, wenn er keine hat, von einiem. anderen Madehen aus der Verwandschaft oder der Naehbarschaft in Empfang genommen, welches ihrn die Bulcher abnimmt und ihn iii's Hans ftihfrt. Die mannlichen Gaste begeben sich bierauf in die Mannorabteilung (Ahar, Selamluk) und die Madehen in den Harem. Die Kindor erhalten Br,5tehen und Halva und gehen dann nach Hause. Dass der Hodz"a und scmn "Geselle", der Korrepetitor des Knaben, vom Vater reich beschenkt werden, 1st selbstverstAndlich. Ft~r die Erwachsenen unter dejn Gasten wird hierauf emn Festmahl aufgetragen, fur die Miinner im Selamluk, f~r die Fraueni unud Miidchen aus der Nachbarschaft und Verwandschaft im Harem. Hier, in der Frauenabteilung, gratuliert jede der An-gekommenen Thr sich der glucklichen Mutter. Die gew~ihnliche Formel lautet:

Page  160 - 160,Allah mubarek ejle!", Gott moge es zum Gltieke wenden, worauf die Mutter antwortet:,Allah rasiolla!", es moge Gott zur Ehre sein, und hierauf jeder der Frauen fur die Freundschaft und fir den Besuch dankt. Die Frauen nehmen auf den vorhandenen Sitzgelegenheiten Platz, liebkosen der Reihe Dach den jungen,,Alim", Gelehrten, und beschenken ihn mit siissem Backwerk, gestickten Ttichern, in welche sie Zuckerwerk, Apfel, Ntisse, Birnen, Haselntisse und getrocknete Weinbeeren u. dgl. gewickelt haben. Selbst die Armsten bringen wenigstens einen Apfel oder zwei. Mit leeren Handen kommt Keine. Nach Verteilung der Geschenke an den Prufling legen die Besucherinnen ihre Gesichtschleier und Oberkleider ab und machen es sich bequem. Die Frau des Hauses, deren grSssere T6chter und der kleine,Gelehrte" warten ihnen mit allerlei Siissigkeiten auf, als da sind: Fruchtsafte (Serbe, Sorbet) in gefarbten Glasern (MaStrafla), Kaffee in gewohnlichen Tassen (Fildzan) und der bei solchen Anlassen bei jedem Familienfeste unvermeidlichen Halva. Die Frauen fuhren dabei eine sehr lebhafte Unterhaltung tiber allerlei Dinge, zumeist jedoch tiber die festliche V.eranlassung. In lebhaftem Gesprache bleiben sie bis in den spaten Abend hinein beisammen. Beim Abschiede nehmen sie von der Frau des Hauses mit den Worten Abschied,,Ejdovale prijo!", lebe wohl, Freundin, (prijatelj Freund, prijateljica, abgektirzt prija Freundin), worauf die Antwort erfolgt:,,Es sahadile", zu guter Stunde. Die Hausfrau gibt jedem weiblichen Gaste bis zum Hoftore das Geleite. Wahrend die Mutter des Prtiflings ihre Freundinnen im Harem bewirtet, hat der Vater seine Freunde und Bekannten im Selamluk versammelt. Aber er begniigt sich nicht, blos diese in seinem Hause zu bewirten; sondern sorgt dafiir, dass weitere Kreise an seinem Familienfeste teilnehmen, indem er in einer Kafana den Auftrag erteilt, eine gewisse Menge Kaffee an die Gaste in seinem Namen gratis zu verabreichen. Wer an diesem Tage das betreffende Kaffeehaus besucht, wird ohne Unterschicd des Ranges oder Standes mit einer oder zwei Tassen Kaffee bewirtet, und wenn er bezahlen will, sagt ihm der Wirt,dzvaba", umsonst. Ab und zu ruft der Kafedzija auch noch zum Fenster seiner Kafana hinaus,dzaba-a-a!", damit die Leute wissen, wo es Gratiskaffee gibt. Wer im Laufe

Page  [unnumbered] I I 11 I. B ',, ~,:I ~, :':d "" '~~~~, r. t' i' 1. 'i ".L (i~ ~ r.r... :.1 t'S~~~~~~i `:~?? ~-.: u +1, ~;;~,~\.~ c ~; ~;. z;,tz a II~~ ~~~~~~~~1 r ~t~e ~ ~A:S ~- ni:: r Ix n,r:r,.UI t*; r,:~' ~r "L. i. 6.;. 19.. '~.-~~:,:9P~.\ F` ~~ )li 6~,* I ii "" *~) 99; r rC ~raP..j=* ~~,~p'. -~ d ~g"r. -.s 9 ~bd/I '' ":8..;:.Ip'~w _\~P' '" ~ un4-: Irw, ~- ~-,~ C'i": c~-~i-.. '~ P"''''.-:-. n""7r t~:,,~~.~ .~~ Y i. *~ - ~6' *:n~." -~'g, ~ ` `:s ~ 4: i~ , X~ i414 ~ii. a I`k*ri F 5:"::. 'r -i ~i-:-" 4 a ".: ~..c~.S " 6C "~:':: ``:; 6";~ ~~L.".Zi4 l)i ,~..*... ~~~-.~ ~ `~:` " ~:' Js.b "' IIalvcdlija (Halwaverklufci).

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Page  161 - 161 - der nuehsten acht Tage den Vater besuebt und ihn zum gliieklichen Ereignisse in seiner Familie begltickwiinseht. wird ebenfalls, mit Kaffee bewirtet. In der besehriebeneii Weise war es urn die konfessionelle Volksschule der Moslims, urn das 1,k, Mekjteb"1 oder ~SibjaD Mekjte~b" im. aligemeinen besteilt, und so verhalt es sich mit derselben auch heute, noch in vielen D~5rfern und in manehien Stadten und Stadtehen. In den unteren Sehichten der Bevi~lkerung herrscht auch heute, noch nieht aligemein das Bedtirfnis nach besserer Sehul1)ildung, ja man kann getrost sagen, dass in manehen besonders, kon servativen Kreisen sogar eine gewisse Bildungsfeindlicbkeit hesteh-e, denn ein Teil der Hodzvas erblickt in der modernen Schule, c~ine Gefabr fidr die Religion, ganz so, wie dies anderswo ebenfalls, (ler Fall war und noch teliweise ist. Tm Jahre 18.94 wurde emn erfoigreicherer Versueh unternommnen, eine Wendung zum Besseren herbeizuffihren und das Voiks-;'ehulwesen auf eine gesundere Basis zu stelleni. In tMereinstimmung mnit der Vakufkommission in Sarajevo wurde das sogenannte ~Mekjtebi ibtidaije" errielitet. Dies wurde jedoeh erst dann mi~glieb, als, eiD grosser Teil der angesebeneren Manner unter den Moslims zu der l1iberzeugung gelangt war, dass es auf dem bisherigen Wege nielit inehr weitergehe, zumal sic sahen, dass die naeh der Okkupation erriehteten Sehulen die Mekjtebs, unvergleieblieb tiberfitigelt batten. Das,,Mekjtebi ibtidaije" ist ebenfalls reine Religionssehule, unterseheidet sieh jedoeb sehr wesentlich von den alten Mekjtebs, namentlich darin, dass an derselbeo fachlieh vorgebildete Lebrer Unterrieht erteilen, welehe die Zu diesem Behufe in Sarajevo errichtete, moslimisehe Lebrerbildungsanstalt, das,,Dar-ul-Muallimin" mit seinem einheitliehen Lehirplane absolviert haben. Auch die innere Einriehtung der Reform-Mekjtebs, wie, diese Anstalten mit Recht benannt werden k6nnen, 1st eine, andere, als in den alten Schulen iind nahert sieh in Allem den Einriehtungen in europaischen Schulen. Die Lebrer sind heute sehon junge gebildete, Manner, die ihrem Berufe gewachsen sind und denselben lieben, die zuerst in einer Medresse, einer Religionssehiule Wbherer Ordnung, sieh die Kenntnis, der Lebren des Islam angeeignet baben, urn dann im Dar-ul

Page  162 - 16 2 -- Muallimin Unterrieht in dcin Grundsiitzcn der Padagogik und in der praktiseben Uniterriehtsmethodik zu erhalten. Die Lebranstalten dieser Art werdeii von der ZcntralbchL~rde des Fondes frommer Stiftungen (Vakuf) erriclitet und erhalten. Die Lehrer an denselben ernennt das geistliche Oberhaupt (icr Mloslims. der Reis-ul-Ulema oder in seiner Vertretung- der PrAsident der ge6 -naniiten Vakufbeh~rde. Auch die Oberaufsieht tiber die Melkjtebi ibtidajie 1ilbt die islamitisehe ReligionsbehLorde. Heute hat sich das Rcform-Mekjteb schon die Sympathien aller inutelligenteren Schicliten des moslimisehena Elemecntcs erworben u ii l die Anbilinger (des, alten Systems bilden:nur rnehr noch cinie kicine Minderzabl, die sich auis dcii Al1ten rekcriticrt, weiche starr am Althergebraehten. hanigen uiid cs als selhwere S~nde betraechten, davoi auch nur urn cines Haares Breite abzuwcicheni; in dereni Augeii jeder alte Brauch relig~lise Wcihc besitzt, unid die jede Neuerung als die alten Religionisbegriffe grefahrdend betraehten. Trotz des Widerstandes von dieser Seite nimmt die Zahi der Reform - Mekjtebs alljahbrlieh in. erfreulieher Weise zu. Nach Vollendung des Rctorm-Mekjteb uiid Ablegung cinci feierlichien Prtifungr tibergelhen dlie Sebhuler in die Medresse, urn sieb mit den hi'heren islamitisheben Lebren bekannt zu machen. oder sic hesuchen in sehoii ziemilich vorgesehritt enem Kindesalter die ailgemeinen 'Volkschulen, urn sich1 (las iuotwendige wel tlicbe Wissen anzucignen. Jicute gYibt es in Bosnien mind der Hereegovina sehon eine stattliche Aiizahl akaderniseh aii dcii Univers~ten der Monarchic herangrebildetcr Mannuer in. alien IBerufsarten, Und sic alle sind unbesehadet ihrer h~hereni Bildungg oute Moslims. In sehr kurzer Zeit wird der europAiseh gebildete islamitisehe Naehwuehs das alte Vorurteil von der kulturellen Miniderwertigkceit der Anhanger des Islam vollends zerstreut uid sieli cinen Platz an der Sonnc der europaisehen Kultur gessichert baben. Die Ansiitze dazu sind in reichern Masse vorhanden und werden in ausgiebiger Weise gefdrdert. Die segeiisreihehn Fologen der scbwierigen Kulturmission. weiche die 6sterrecihiseh-ungariscbe NMonarehdie in Bosnien und der Hereegovinia ('i1-tS1)t, tretcei elc der geistig-en Jiebung~ des von Natur

Page  163 - 163 - begabten und ethisch hoehstehenden islamitischen Elementes am deutlichsten zu Tage. Bekanntlieh schreibt der Islam seinen Bekennern vor, ihre mannlichen Kinder beschnciden zu lassen. Dasselbe Gesetz gilt auch bei den Juden. Der Unterschied besteht blos darin, dass bei den letzteren der achte Tag naeh der Geburt fiir die Zirkumzision bestimmt ist, wAihrend bei den Moslims hieftir kein Termin angesetzt erscheint. Die Beschneidung erfolgt bei den Moslims in Bosnien und der Hereegovina zwisehenl demn ersten und zehnten Lebensjahre, in den meisten Fillen vor Beginn des Schulbesuehes, demnach etwa im ftinften Jahre. Viele lassen die Besclhneidung (Sunnet) jedoch erst dann vornehnen, wenn der Knabe sehon in die Lchren der Religion eingeftuhrt ward. ni(ahdem er die oben besehriebene Priifung (Hatma) ablegte. Die Operation selbst erfolgt immer am Freitag und wird durch einen Barbier vollzogen. Wiihrend der Operation wird das Kind von einem hiezu gebetenen Paten (Kum) gehalten. der demseiben am Tage der Beschneidung einen neuen schwarzen Anzug zum Geschenke macht. Ausser dem Paten sind dabei noch alle naheren und entfernteren Verwandten, ferner Bekanute und Freunde des Vaters anwesend. Zuerst findet ein gemeinsames Festessen aller Anwesenden statt, dann verriclten der Pate und der mit der Operation betraute Barbier zwei hiefiir vorgeschriebene Gebete. Nach der Besehneidung wird das Kind niedergelegt und zuerst vom Paten, dann von alien Anwesenden mit Geld beschenkt. Wahrend sich die Manner im Selamluk versammelt haben, um beim feierlichen Akte der Beschneidung anwesend zu sein. fanden sich im Harem bei der Mutter die weiblichen Verwandten und Bekannten ein, um das Fest mitzufeiern. Auch die Frauen essen gemeinsam und warten dann ab, bis die Manner den Selamluk verlassen haben. Dann begibt sieh die Patin zu ihrem Patenkinde und beschenkt es mit Kleidungsstticken und Geld. Die Beschneidung eines Knaben ist das gr6sste Familienfest bei den Moslims. Auch der Armste sucht anlasslich eines solchen 11*

Page  164 - 164 - Festes recht viele Freunde und Bekannte, urn sich zu versammeln und sich mit ihnen zu vergntigen. Reiche Leute, besonders vornebinere Begs und Agas, laden zu einer Beschneidungsfeier oft auch mebrere hundert Gaste emn und veranstalten tiberdies alleriei Festlcbkeite-n. Die Wichtigkeit, welche die Moslims der Beschneidungsfeier beilegen, lernte ich vor einigen Jahren im romantisch gelegenen N-Bejai aw I:A..: t, '-V 4, Pferde-Training ffr W~ettrennen. Stadtchcn. Maglaj an der Bosna kennen. Der angesehene Salib Beg Uzeirbegovif' veranstaltete d as Besehineidungsfest seines &htihnbeDS. Durch vierzehn Tage bewirtete, er der Reihe nach sqmtlicbe Moslrns von Maglaj und Umgebung, dann seine Emete-n, dann gab er Aden Offizieren und TPeamter, im Orte, emn Festbankett. und. schliesslich

Page  165 165 - low 6 CI) Ci2 C) C, C) C) C) 4) C)

Page  166 - 166 - veranstaltete er ein landestiblielhes Pferderennen, an dem jedoch nur Moslirns teilnehmen konnteii. Geritten wurde obne Sattel und. Btugel. Es stand jedem Pferdebesitzer frei, selbst zu. reiten, oder jemand. Andereti reiten zu lassein. Zn dem Wettrennen batten sich. zwanzig Reiter gemeldet mit ihren kleinen, jedoch feurigen, schnellen und ausdauernden Pferden. Als ersten IPreis betimmte Salib Beg ein wertvolles Pferd, als zweiten ein Stilck feinen Tuebstoffes, der tibliehe Preis bei solehen Reimen. ZU dem Reimen batte sieb. die Zigeun er. ganze Bevt~lkernng voti Maglaj und Umgebung als Zusehauer emngefunden. Auf eiD gegebenies Zeichein st~rmten die Pferde vorwtirts. Die Teilnabme der Zusehauer war eine, ausserst lebbafte. Mit Ttichersehwenken und Zurufen wurden die einzelnen Reiter aingeeifert. Grosse Aufregnug bemtiehtigte sich der Menge und die Sieger wurden mit unbesebreiblicher B3egeisterung begrllsst und unter Begleitung einer Zigeutiermusik und einer riesigen Menschenmenge im Triurnpfe dlureb die Stadt gefuhrt.

Page  167 - 167 - Am Nachmittage desselben Tages fand eine weitere, beim Volke sehr beliebte Unterhaltung statt, die abermals eine grosse Menge Zuschauer heranlockte. Alle wollten sehen, wie (lie Zigeuner auf ein Bocksfell springen. Besagtes getrocknetes Bocksfell wird mit dem Haar nach innen gedreht, fest vernaht, dann stramm aufgeblasen, mit Oel bestrichen und aut den Boden gelegt. Das Volk stellt sich um den Sehlauch im weiten Kreise auf, innerhalb dessen eine Anzahl blossftissiger Zigeunerjungen auf ein gegebenes Zeichen nach einander mit aller Kraft auf den Schlauch springen. Wem es gelingt, den Schlauch zu durchschlagen, der erhalt den gewohnlich -I Tanzender Zigeuner. verhaltnissmassig ansehnlichen Preis. Das Schauspiel begann. Der erste Springer drtickte den luftgefullten Schlauch ein wenig ein, lag aber im nachsten Augenblicke schon der Lange nach auf dem Boden. Seine Nachfolger ereilte dasselbe Schicksal, einer nach dem anderen machte nach dem Sprung einen Purzelbaum und walzte sich am Boden. Zwei der Springer erlitten beim Falle Verrenkungen

Page  168 - 168 -,der Gliedmasseii, aber der Sehaden wurde vom Dorfehirurgen aisbald repariert. Zwei Stutiden. danerte ununterbroehen. das Spiel, die Znschaner wurden nieht mude, sich bei den ilinen possierlic~h erseheinenden Strirzcn vor Lacheni zn walzen, bis das Bocksfell endlich nachgab and unter einem der Springer zerspramg. Unter aligemeinlem Jubel strieh der gitickliche Sieger den Preis em, eine fijr ilin grosse An zahl. harter Silbergulideii. Dem Selilauclispringen folg-te emn Wettlauf von Zigeanierjungein. Fdr den Siegyer war cin Preis von ftinf Silbergulden ausgesetzt, die an eincrn Pfahl (am Ziele angebracht waren. Es war ein ziemlich kalter Wintertag, aber die Wettlitnfer waren blossk~ipfiog and. blossffissig, am Oberki5rper v~Alig unibekleidet und hatten den Gtirtel fest inn deii Leib gezogen, dainit sie raseher laufen k~minen. Auch dieser Wettlauf warde von den Zusehauern init riberaus regren Interesse verfolgt, und der Sieger mit lantern: Ialloh! begrUisst. obwohl. er seineni Konkurrenten knapp vor dem Ziele auf die Seite gestossen hatte. Bei diesen. WettlNufen gelteni eben keinie enropaisehen Renuiregelin, sondern das,,Hilf', was helfea kaina". Aber nicht bios bei Bcschneidungen, auch anlasslich von Schulprtifangen (Hlatma) unid Hochzeiten werdeni haufig' Wettrennien und sonstige Volksbelustigungen veranstaltet. Die meisten Pfcrderennen findon in der ebenen Savegegend, im Nordosten Bosiiiens statt, namentlich in Tuzla, Grac"anica, Janja und Grada~ac, der einstigen Residcnz des zn Beginn dieses Buches, erwdlniteu Haseinkapetan Grada-P'cvic, ides,,Drachen von Bosiiien".

Page  169 Der Flirt. (. siKlik). III _l]geineil herrscht der Glaube. dass bei u'den Mloslims keinerlei Verkehr zwischen jugen Lenten verschiedenen Ge- s.1chletes stattfindet und dass der Brautigam seine Braut in der Regel erst im Brautgemache zum erstenmale unverschleiert erbliekt. Doch entsprieht dies nicht den Tatsachen. Hat ein Madchen das vierzehnte oder fulnfzehnte Jahr erreicht, gilt es fur erwachsen, darf das Haus nicht mehr ohne Begleitung verlassen und muss auf der Strasse gleich einer verheirateten Frau den verhullenden Schleier (Feredza) umnehmen. Ein erwachsenes Madchen darf nicht mehr die Carsija oder andere belebte Orte besuchen, muss Strassen wahlen, in denen sich wenige Menschen bewegen. Wer in einem von Moslims bewohnten Stadtviertel auf der Strasse eine wie versteckt rasch dahineilende weibliche Gestalt erblickt, hat'ein Midchen vor sich, das einen Besuch in der Nachbarschaft macht, oder zu einer Freundin oder Verwandten eilt, das Gesicht miteinem weissen Tuche, (Duvak), verhtillt.Das Religionsgesetz gestattet dies zwar nicht, wenn es strenge gehandhabt wird; im Laufe der Zeiten hat sich jedoch die liberalere Praxis eingebirgert, die

Page  170 -- 170 - deii Madchen erlaubt, im Kopftuche kurze Besuehe in der naehsten Naehbarschaft zu mnachen. In dell Staldten, besonders in. der Laindeshauptstadt Sarajevo wird das Verlitillungsgesetz bci Mhddhen nicht so strenge angewendet, wie im Do~rfe. aber einri Uber den Kopf gezogenes his fast auf die Fersen herabwallendes Tuch fehit niemnals, und dieses, wird bei Begeg-nung mit unbekannten M.-innern, besonders mit Andersglaubigen, ganz Uiber das Gesicht gezogen. Die erwaehselien Madehen bei den iMoslims ftihren emn recht e-insames Leben. Mit unerwaehsenen MlTddclien zu verkeliren verbietet das Selbstbewusstsein. Mit verheirateten Frauen ist der iiitime Verkehr sebon wegen der dureh die Verheiratung versehieden gewordenen Pfliehtenspharen sehr erschwert, ferner weil eine verheiratete Frau inach lalidlaufigen gesellschaftlichen- Begriffen die Freundsehaften ihrer Madeheijalire nieht mehr in der frtiheren intimen Weise pflegen kann, ohne sich gewissermassen etwas zu vergeben. Desbaib sehliessen sieh gleichalterige Madehen bei den Moslims, besonders enge an einnander, kiagen sieh gegenseitig ihr Leid, tausehen, ihre Wftnsehe,7 HoffunUngen und Geftihie aus, weil sie sich gegenseitigT am besten verstehen, einander zu ermuntern, zu tr6sten, und wenn es sein MUSS, mit einander zu weinen verm~ogen. Und alle die kleinen Geheimnisse eines, Miidehenherzens, die nicht eiiimal die Mutter kennen darf, sie werden alle der llerzensfreundin mitgeteilt. Deshaib kommen die MiddeheDi haufig, zusammen, klagen sieh gegenseitig ihr Leid, teilen einander ibire kleinen und grossen Freuden mit, tanzen Und singen unid vergtilgen sich in kindlich unsehuldiger Weise. Die moslimisehen Madehen gelten durehwegs, ffir seh~5n. Sie miissen keinerlei schwere Arbeiten verrichten, Sind weder dem Sonnenbrande noclh.onst den Einfltissen der Witterung ausgesetzt, besehaftigen sich bios, mit leichten hiiuslichen Verrichtungen undl ki~unen ihre Sehdnheit pflegen. Dabei leben sie massig, verntinftig und naturgemass und Sind darum gesund und friseb. In einern Volksliede fiibrt emn MAdehen an, warum es so sehb5n geworden: Plaho me je majka milovala, Rano me je u loinicu slala,

Page  171 - 171 - ~ t: ~ ~. 0. a ~- r s ~: r ~: ~ ":i ';i 'sche s a _ 1,.')- -&-.i' a ', - i '+..... A i. I~...f; f i dS.................DL ~ ~ ~ ~ ~ - macg "'n,,5,fi+e r.ad *1.*-:"r* *4. t Z Ha Moslim'sche'' armes Macen(inei

Page  172 - 172 -- Kasno me je iz loziice zvala. Majka inc je jcrbetom pojila, Rumenome me ruzom utirala. Prije vakta ru.at bi mi dala. Prije vakta vecerati dala. (Miittercheni hat mich sehr geliebet. Friih hiess das Lager sic mich suchen. Split koint' ich vom Lager mich erheben. Scherbet gab Mutter mir zu tritiken. Mit roteii Rosen wuseh' sie mir das Antlitz. Gab zu Mittagl vorzeitio nmir das Essel. Vorzeitig auchl das NTaclhtmal reiclt' sie mir.) Die Shlihlleit der Madelhen wird il I-Iaremsliedern mit lebhaften Farbell geschlildert: Otkako je svijet postanuo, Nije lipsi evijet proevatio. Nit' je lipsa divojka odrasla. Nego sto je Fatima divojka. (Seit die Welt dereinst erstandeii. Bltihte nie 'ne scholn're Bltte, Noch gab es je eilm schiier Mailchein Als Fatima, die herrliehe Jungfrau.) Oder: Lipote joj u svoj Bosni nema, Lipa struka ko devet sandzaka. Ruse kose do Stambola grada. Kakve su joj oEi i obrve. Valjaju joj Sama i Misira. (Schlnh, wie in Bosnien keine zweite, Schlank von Gestalt wie sie ist keine. Ill neun Provinzen des ganzen Reiches, lhr Haar hat bis Stambol nicht seinesgleichen. Und ihre Augen und die Augenbrauen W\iege Damaskus und Egypten auf.)

Page  173 -- 1 73 - Ein Volkslied beriebtet. wie Meho Gond'e urn emn Madehen aus der Hercegovina geworben hiat, das er iniemals gesehen uud nun nach seiner Heimat fifhrt. urn es zn seinem Weibe zu. machen. W1eil er jedoclh den Schleier nicht itiften darf. elm sic seine gesetzlicbe Gattin geworde-n. betet er auf dem Ritt durch die Be-rge zu Gott urn Sturmwind vom Gebirge und StIdwind aus der Hercegovina, damit er sehe, wen er heimftihfrt. Und Gott erhi~rte scmn Gebet, sandte Sturm vom Gebirge Und Stidwind aus, der Hercegovina. Der Wind versehob den Schicier vom Antlitz der Braut und was darunter sichbtbar w urde: Siuni lice, kao Z~arko Ou'oce. Sve svatove groznica, pofata-, GonidZe Mleho s, kolija upanuo. Emn Antlitz erstralt wie Sonenglut. Die Hoehzeitsgiiste erfasst cmn heisses, Fieber, Und Mebo Gond~ve failt vom Pferd herunter.) Soil emn Madehen die Bezeichnung, schb5n. verdienen~muss es.,Weiss und rot. schilank und hochi" sein, Hande wie emn Barbier und b~is unterhaib des Gtirtels, herabfiallendes, Haar haben. Die Madehen verlassen sich jedoch nicht bios, auf ihre nattirlichen iReize, sic suchen dieselben vielmehr durch ktinstliche Beihilfe zu erhbzhen. Sic verwenden viel Sorgf'alt auf ibre Kicidung, farben sieh Haare und Augenbrauen und legen feine weisse und rote Sebminke auf, was irn Orient durchas niebt verpt~nt oder bei der Miinnerwelt missachtet, sondern vielmehr von dieser sogar gerne gesehien wird. wveil es die Schi~nheit tats~ichlich zu heben vermag. Emn kraffiges, gesundbeitstrotzendes MadeheD, schiank wie eine Tanne, mit langem, uppigem ilnarwuehs, kohlschwarzen Gintaugen und Augenbrauen, weissen und roten Wangen, gekicidet in die reiche, i-alerisehe, mit Silber uud Gold gestickte ttirkisehe Traeht, ist auch cmn Anblick, der Ange und Herz Zn ergltzen vermag. Dazu der kokett auf den Scheitel gesetzte Fes, daran die silbern~e oder goldene Troddel und gliinzender Dukatensebimuck, urn den Hals emn reiches Collier von Gold und Perlen, an den Armen blitzende Armbander, verm~igen den nattirlichen Reiz noch sebr zu erh~5heD. Es ist. darurn kein WUnder, wenn die warmbliitigen, eMPfiiglichen, jungen

Page  174 -- 174 Bursche Wochen und Monate hindurch sich vor den Fenstern und Ttiren ihres Ideales einfinden, um die schbne, wohlgeplflegtc Naturblume nach ihrem Hause zu verpfianzen. Aber im allgemeinen geben in Bezug auf korperliche Schlnheit die Bursche den Madchen wenig nach. Man findet unter den bosnisehen Moslims wahrhaft schine Manner haufig genug. Und die Madehen haben fur miinnliche Schsnheit ^incih scharfen Blick und cine feine Empfindung. Sie setzen alles daran, nur nocli scholner zu ersehcinen und Gefallen zu finden in den Augcn ihres Auserwaihlten, Gegenliebe zu erwecken. Schon zu Beginn dieses Kapitels wurdc (larauf hingewiesen. dass der allgemein verbreitete Glaube, als ob die Madelhen und die jungen Mainner bei den Moslims nur schwer mit einander zu verkehren Gelegenheit hatten. irrig sei. Auch in Bezug auf die Eleschliessung bei den Moslims herrschen in Europa falsehe Ansiehten. die wolil darin ihien Ursprung haben, weil die Madehen nach dem Religionsgesetze ihr Gesicht verlhullen mtissen. Man nimmt an, dass die Heir~tcnn nur durch Vermittlung zustande kommen, wobei alte Frauen die Hauptrolle spielen, ferner dass der Brautigam seine Braut vor der Trauung tiberhaupt nicht zu Gesichte bekommt. In frtiheren Zeiten, vor etwa achtzig Jahren, war dies wohli die allgemeine Regel, wie das oben mitgeteilte Volkslied von Gondze Meho sagt, der Gott um einen Sturm anflehte, damnit er die heimgeftihrte Braut: die er frtiher niemals gesehen, von Angesicht zu Angesicht erblicken konne. Jieute stehen die Dinge in dieser Bezichung wesentlich anders. Jetzt haben die jungen Leute hinreichend Gelegenheit, die Madehen zu sehen und auch mit ihnen zu sprechen. Die Zusammenktinfte finden zumeist beim Ablosen der Maiskolben und bei den bereits beschriebenen Familienfesten anlasslich von Schulprtifungen, Beschneidungen und Hochzeiten statt. Ein wohlhabenderer Landwirt ladet die jungen Leute und Madchen aus der Nachbarschaft cin, ihm beimn Ablosen der Maiskorner von den Kolben behilflich zu sein. Die Einladung wird selbstverstandlich gerne angenommen. Die Madchen kommen in Begleitung ihrer Mitter oder unverheirateten Brtider, die jungen Burschen allein. Die Gesellschaft setzt sich nach Geschlechtern gesondert nieder, die Madchen immer auf den Boden neben den in Haufen geschichteten i

Page  [unnumbered] 'J"< MY, -$F4y Allosiii-fisol"o iril il"I'lel-Ill

Page  175 - 17F5 - Maiskolben unil die Arbeit begnint. wi:ihrenid deren Dauer die Mu~dehen univerhiallit bleiben. Die Matter der' iRidehen verweilen unterdessen imn Harem der lHausfrau, das junge Volk bleibt unter sich und unterhal t sich nuaeb I-Jerzeiislust in uii gezw ung-ener Weise m1it Scherzen und Neckereieni, mnit Liedern und~ Gesiingcen, bei deneii die jungen Miidehien uiid (lie Bursehen abweehsehi. Oft entstelit ein wahrer' Sawi gcswettkarnpf. Die, moslirniseheon Miidehen sind sehr sehitiehtern und versehiimit. Keine wird es wagen~ wabrend des ganzen Abends einem Burelin fei n'sAug zusehen, noeh wenicrer, sieh mit ibml ini eiin Gespriich einzulasseni. Hat cini Bursehe eines der Mdadehen auserseheni ogibt er dics damit kuiid. da-ss er der Auserwiilten einiloe Mais-kolben iii den Sehoss wirft. Nirnmit das Madehen die zugeworfeiie-i Kolben auf unid begiiinit die KC3riier von denselben sofort abzuhisen, ist dies (las Einoestiiidnis, dass ihr der Bursehe ocefallt und dass er mit ihir flirten darf, das beisst, dass er gerne gesehen wird, wenin er am Gartenzaune, unter dem. -Fenmster oder vor demn Haustor erseheint. Solange das junge Volk beisammen ist, aebtet der Hausher~r streiige (laratif, dass keine verheirateten M~inner oder gar Anidersglaubige den Raum betreten, wo die Geselisebhaft versammelt ist. Bei anideren Anlasseni, wie bei Beschneiduings- Priifujigs- oder Hoelhzeitsmahlen ess;-en die Madehen mit den tibrigeni Frauen im. Harem. die, mannliehen Gaste und Teilnelimer in der Mannerabteilungr. aber die MRtdchen filnden doch Celegenheit, sich den Bursehen zu. zeigren, denn sie g-ehen hadufig aus dem Harem, urn gesehien zu werdeni. Nach demn Essen begeben sich die verheirateten Manner nach Hause. die Jugrend aber versammelt sich in cinem. besonderen Gemnache, zumneist irn Selamluk, urn sich die Zeit mit Tanz und Gesang zn vertreiben. Der Tanz ist der nationale Reigen ~Kolo". Bei, sch~nem Wetteir wird imi gesehiossenen Hofraum getanzt. Jeder Bursehec erfasst das von ihm. gewahite, Madehen und tanzt mit keiner Anderen. Die Unterhaltung, dauert, bis das Gebot der Eltern derselben emn Ende macht. Ist die Geseilsehaft nicht zahIreich genug, urn einen, Kolo" aufzuftihren, unterhalten sich die jungen Leute iii anderer Weise. Die Madehen schaukein sich und singen dazu. die Bursehen treiben. Ncckereien und Scherze. Wahrend eines

Page  176 - 176 - Gespriiehes wird. kein junger Mann ganz nahe an das Mliidcelii herantreten, mit weichemn er sich eben unterhlth. sondern sich immer drei bis vier Sebritte weit entfernt halten, autch wird kein Junger Maim es wagen, ein un anstandiges W~ort Zn aussern oder eine unzulassige Bemerkung zu machen., die das Schamgefithl des Miidchens verletzcn. k~5nnte. Derartige Zusanmmenkffmifte junger Leute versehiedenen. GeSchileclhtes sind wohl durch das Religionsgesetz nicht gestattet, aber sie haben. sich eingebtirgert und werden wohi oder tibel geduldet. Ans dem Gesagrten ist ersiclhtlieli. dass junge Leute und Madehen ge nugend Gelegenheit haben, sich. zu sehen und kennen zu lernen und Neigung zn einander zu fassen. worauf danii der Flirt (AMiklik) beginnt. Hieftir sind die Nachimittage der Feiertage inamentlich des Freitags bestimmnt. Gleich nach dem Mittagsgebete begeben. sich die jungen Leute tinter die Fenster oder vor das Tor der Hijuser. in weichien ihre Angebetenen wohnen. Die Ma~dehen haben sichi indessen in ihre Feiertagskle ider geworfen. ihiren ganzen Schimuck angelegt und xvarten. hinter dern Fenstergitter, am Haustore oder am Gartenzaun mit uilverhtdlltem Antlitz auf die Vortibergehenden. Es gibt xvenige, Tfiren. in den von Moslims bewohnten Stadtvierteln, in denen. am Freitag nachmittag nicht wenimistens emn Madehen hne decm Haustore stehien und des Geliebten. barren wtirde. Die Bursehe finden sich einm und der A, Mikli k" beginnt. Derselbe bewegt sich in althergrebrachten Formen, die Fejzi Beg- Kuleunovi6 in folgender Weise beschreibt: Der Bursebe: ~Warum verbirgst, meiii Taubebien, du dein Antlitz?"; Ist es docli scb~ner als cmn Ri&slein." - Das Madchien: Ilch verberge mein Gesichlt, weil die Sonne gar zu sehr brennt". - Bin ich dir etwa gar im Wege'?" - ~enn. ich es dir bin, soll ich. mich gar entfernern?" -,,Verhbillest du dich, weil du mir niclht gut bist. oder Itirclitest du, dass gar dein Liebster kommt?" -,Mein Liebster ist gekommen, hat niemand mehr zu kommen! Wenn ich dir nicht gefalic, gehe in den,,ezistan" (Leinenbandlung) un(1 wahie dort!" -,, Ich babe viel gesuchit, aber mehimm Neigung ist auf dich gefallein, denn du bist emn noch mmicht gepfltiekter

Page  177 I L) I I.... 3;~.`dk...L.L:. i~ 9! k..;Y'~j I~:~;~;kst, rl~L ~ a ~.;t i ~c i "B": t:,~ r, ri -:tr '' t ~,-~:.:?LiC ~.;r, I ~~'C ~ t ~. '~II: ~I. 1.: w192nl- ~a" ~;~; ~~e ~:,, c~ '~~ z~ ~lt~c.. d 1~i:J.r ~. 4.~ ~. ~~I::.r ~r t "k'' p~~,.;~. a r i. 7 ~. 4:; -t: r, '' ~~~~~~ =-,~p~e)Ci~ ~ ~. -3ir r;I-:~ ~~ ~~,. r ~; I 'I~r~ '' !., . i',~-;~`6s... *,. ~' n.~. $'' *~5'.~.s~=:jL.:. 2^~ v::~b?~fl,~ ~A:7~:k. ~ ;f~ '';.~:xstoal; ~; ~'*~ v iri Der Flirt. (ASikovanje).

Page  178 I - S - Blumenstrauss, eine, noehi unverletzte Blute; bist von lieblicher Gestalt, als besttindest du ans Perlenreihien und aus troekenem Golde." - Du spendest mir zu. grosses Lob. aber nun h~3re auch mein Gestindniis: Seit ich dieb kenimen gelernit. bin deine Sklaviin ich gewordeni. Kann weder esseii, nochi trinken, kann. iicht sintienl und deinken, son dern. bios,seufzeon, als solite ich die Seele aushauchen.L" - Susse du, wenn du so bist! Tritt doeh ein wenig naher, dass in dein sehwarzes Augye ieh blieke, deine hohie Stirne sehe, diesen meinen holden Spiegel. Kihnnt ic~h uni deni Leibj dieh fassen, li] wtirde dich benag-en wie eine Mans, du stisse Weinbeere! Mit Honigy wurde ieh dich iicuieire, in einern LU4ff aufluisen und mnit Zucker trinken." - ~Amnan! Aman! So war's ini alter Zeit; dui aber bist emn Neuer. unid in mi-ir breont (lie Seele. wie (der Paradiesapfel (Tomate) tiber Fener! 'Wenn das Hierz emn Brett wdre und dfas Miesser emi Eiszapfen. wiirde iech mnich crstecheni!" - Das ganize Gesprtieh wird in Reirnen gfefiiirt. 'die im Origyinal sehr htibseb klingen, trotzdem ihir Inhalt unigereirnt ist. Nach den letzten W~orteni des MRidehens ruft der Bursehe:,,Lass mich doeh sehlen!" und versuehit das Tor zn. iffneni. Das Madehien schreit auf und remmnt wie eiii geseheuebtes iReh davoii. kehrt aueh niclit mehr zurtick. obwoh_)Il decr Burschie das Tor sogleich wieder schloss nod einie Weile wxartete. Hat er endlich eing-esehben, dass, sein Harreni vergebeis, sei. g-eht er weiter. walirend (tis Miidchen drinn~en im Hause so laumt zu singen anhbebt. dass er den Gesang vernehmen kaim. Findet ein Madehen keficmii Gefalleni ani einem Burschen, der sich zum A-Siklik eing-efundcni hat, oder hat es einen Andereni crwartet, dann steilt es sieli bald niaeh den ersten Worten des G3espraclies, als ob es auf Rufe a-us dern Hause antworten wtirde, und wenim der Bursehe fraogt, wer rufe, erhalt er zn. Antwort:,Die Mutter ruft, damit iclh cine Pita bereite", oder,Die Mutter ftirchtet, der Grossvater ki~minte kommen- und maclit sich schlentnigst aus dem Staube. In der besebriebenen Weise wird der Flirt zwischen zwei jungen r-,euten~ in Sarajevo betrieben. In anderen Orten wird es wohI mit anderen Worteri, aber sonst gaiiz so gemachit.

Page  179 -- i79 - Haben sich eiiimal swei junige Herzen gefunden, hat cin Bursehe eit Madchen- erkoreii und den A-Siklik als wilikommener Bewerber begonnen, dann halten sich die tibrigen jungen Leute von dem Madehen ferine. Aber eiriem unwilikommenen Bewerber urn die Gunst eines Madehens wtirde all' scmn Werben auci niehts, ntitzen. Solange der Ersehiite sich nieht einsteilt, wird das Mridehen sich einem Anderen nicht zeigen, noeb weniger ihm zum Haustor entgegenkomme-n. Trifft eim Madehen. zufallig einen niiiht erwarteten Berwerber am Ilaustore an, dann wird die angeborene weibliehe Schianheit in's Treffen g-esehiekt urn den Unwilikomnmenen auf gute Art abzusehitittel~n. Es fehIt freilieb auich bei den Moslims niebt an gefallsiiehtigen koketten Mudehen, die sieh nicht an eiinen einzigen Bursehen binden, sondern sich von jedem huldigen la-isen, der gerade zur Hand ist. Ist emn solehes, Madehen sehi~n, stellen sieh nattirlich viele Bewerber cin von denen. Keiner weichen will, und dann kommt es haufig zu Zank und Streit, zu Messerstiehen und blutigen K~3pfen. Hat emn soleher Flirt langere Zeit gedauert, bringen die Bursehe bei jeder Zusammenkunft kleine Gesehenke mih-, Feigen, Orangeni, Zitron en, Weiinbeeren. Rosin en u nd an deres Naschwerk. Die Madehen machen Gegengreseheilke, Blumen, stisses Baekwerk, -gestiekte Tileher und Apfel. Die Gesehenke werden entweder unmittelbar von Hand zu Hand ausgetauseht, oder dureb Vertrauenspersonen, als welehe entweder Kinder oder alte Frauen dienen, tiberschiekt, welehe in den meisten Fallen auch Botsehaften tiberbringen. Bei langerer Dauer des Verhaitnisses benehmen sieb die Madehen. immer freier. Sie machen ihren Verehrern nicht nur Geschenke, sondern. fordern sic beim Vorbeigehen an ihrem Hause zurn AMiklik auf; freilich nicht mit Worten, denn das ware ein unerht~rter Verstoss gegen die gute Sitte, aber sic werfen ihnen Blumen oder Apfel zu:,,Mehmeda majka karala: Mehmedc Z'iv ne bio u majke, Otkle tebi tolike jabuke? 12*

Page  180 18(0 - Sve mi majko natbacale djevo'jke, Poiiajvis-u i riajhep-u. Humusa.Y (Mebmi~ed frug, eiiist seine Mutter: Mebmed, S61hnchien, 1Freude (Ie iier Mlutter, Woher hast du denn die vielen Apfel? Zuogeworfe~ii haben Mildehei mir sic alle Und Humusya warf den schb3nsten unter ihiwie.) IBesotiders sehiinen Bursehen. stellen imanehimal anch verheiratete Frauell Dach und werfen ihinen. ebeif'alls Akpfel zul:,,Ne fali se faijeni Alaga,, Ja urarihb rano u dzvamiju, Tvoja ijuba, na vrati bijas-e, Sve se na me hita jabukama. (Lass das Rifihmen, o gertihmter Alaga. Morgens bei dem Gange nach der Dzvamija, Harrt' dein Treulieb meiner an der Tbre Und bewai f mich immerfort mit Apfeln.) 1st es nach lingerer Bekanntsehaft zwisehen dem jungen Manne Und dem Madehem schon Zn Erkiarungeni uned zur Aussprache gekommen, betrachten sie sich als zu cinander geh~rig, dann kommt; der Bursebe nicht bios am Freitag zum, MSiklik,7 sondern auch an anderen Tagen. Das Haus darf er jedoch niclit betreten, ehe er das Maidchen zu seiner Gattin gemnaeht hat. Von der im ganzen Volke tiblichen Sitte des AS-iklik machen nur die Kinder des reichen alten Adels eine Ausnahme. In diesen Familien werden die Mhdchen nahezu, ausschliesslich durch Vermittlunug weiblieher Verwandter und auf Befehi der Eltern verheiratet. Die Eltern des Madehens halten sehr viel darauf, dass ibre Tocliter in emn mocgliehst vornebmes Hans gelange, und der Vater des Jtinglings wird eine Messalliance mit einem ai-men Madehen niedriger Herkunft niemtals zugeb~n- In der Regel verschwagern sich die Familien von Begs und Agas nur mit Gleichgestellten. Die Eltern fragen niclit viel, ob ihr Sohn. das Madchen, liebe, das sie fUr ilin ausgesucht haben, oder ob das Madehen fur den kiinftigen Gatten iNeigung emnpfinde. Die Familieninteressen und der

Page  181 - 181 - Wille der Eltern stehen in erster Reihe. Deshalb kommt es noch in vornehmen Familien des alten Adels vor, dass der junge Mann seine Braut zum erstenmale im Brautgemache sieht. In einem Volksliede wird erzahlt, wie ein Vater fur seinen Sohn um ein Madchen warb und das Jawort erhielt. Das Madchen liess ihrem kiinftigen Gatten sagen. er moge ihr als Beistand die Frau des Omerbeg (Omerbegovica) schicken, die sie, die Braut, dreimal gesehen, damit ihn ihre Familie nicht betruge und ein anderes Madchen unterschiebe: nDrag dragane, beze Mustajbeze! Kada pojdu kiceni svatovi, Ne salji mi neznani jengija, Vece strinu Omerbegovicu, Ona me je tri puta vidjela." (Lieber Licbster Beg Mustajbeg! Wenn die Hochzeiter mich werden holen, Schicke keine unbekannteln Frauen, Sondern Tante Omerbegovica, Die dreimal mich schon hat gesehen). Ubrigens sind auch treulose Madchen nicht unbekannt, die den Liebsten im Stiche lassen und die Huldigungen eines Anderen annehmen. Nach dem Volksliede verflucht der Jungling die Ungetreue, aber der Fluch des verlassenen Mannes uberantwortet die treulose Br:nut blos ihrem Gewissen. Schaden an Korper und Seele ruft er auf sie nicht herab. Umso schrecklicher ist die Verwunschung, die das Volkslied einem verlassenem Madcben in den Mund legt: Sie wtinscht dem Ungetreuen:,Sad na tebi zelena dolama, A do sutra zelena travica. Sad na tebi bijela kosulja, A sutra ti bijel 6efin bio. U ruci ti sedefli tambura, A sutra ti ham pamuk metali. Sada jesi pred mojim pendzerom, Sutra do podne pred dzamijom bio."

Page  182 182 (Jetzt bcdeckt dich eine gi-tne D olarna, Morgen soil das grUne Gras dich decken]. Heute triigst du nioch ci weisses Hemnde, Morgen solist emn Leichentuch du tragen. Jetzt halt deine Hand die Tamburica, Morgen soil mit Bauimwoll' man sic faillen. Jetzt bist du vor mneinem Fenster, Vor der Mosehee sollst du mnorgen liegeni). Den Leichen wird, wie dies bei Aufzahlunig der Totenbrauche dargesteilt werden. soil, Baumwolle in die Hand geg-eben. Die Aufbabrung findet vor dem Mittagsgebet vor den Moscheen statt. Der Finch eines verlassenen Miidchenis wiid im Voike sehr geftirehtet. Wen er getroffen, der wird. der Strafe Gottes gewiss, nicht entgeheni.,Od. jada ga glava zabolila, Na srdas-cu i umrti boe'e. Kad je bilo oko pola dana, Svit prominu Sec'er Salih-agaL". (Im Kopf begann's ihn sebr zu. schmerzen, Und auch das Herze, dass er giaubt' zu sterben. Und als die Mittagrsstu nd' gekommen, Da musste 8ec'er Salib-aga sterben.) Jedoch nicht bios im Diesseits treffen den ungetreuen Burschen. schwere Qualen, er kann. audi im Grabe keine Rube finden. Die Mutter des unter dem Fluche einer verlassenen Geliebten gestorbenen Sec'er Saiih-aga, begibt sich im Volksliede auf das Grab ibres Sobnes und. stelit an ibn foigende Fragen: "Drago dite Se~er Salih-aga, Je ii tebi erna zemlja tes~ka, Jel' ti obi~no u mubare6 zemIji? Jesu ii ti S-im Air daske tes-ke, Jel' se zemIja, u o6i nasula?" (Sag' an du mein Solin Salib-aga, Ob driucket sehr die schwarze Erde,

Page  183 i i I i I 7 I II I I I i i - IS3 - Wie fuhlst du dich in geweihtem Boden? Drucken stark des Sarges harte Bretter. Ist gar Staub ill's Auge dir gedrungei?) Und aus dem Grabe antwortot der Mutter die Stiminlne des Sohlles: r r" ~; ~ii:;` ~,m. d)r b;t.' ~$!pfdl ~ijCiaPa": 1 C,,, / r. fJ Bursche mit Zopf (Scheitellocke). 0 Boga mi moja mila majko. Nije melli crla zemlja teska. Jest obifno u mubarec zemlji. Nisu meni simsir daske teske. Nije mi se zemljt u oi nlasul: T'llke su mi moje drage suze.

Page  184 - IS4 - Drag-a im se, LI ZulUii U stvorila, (~iX~ pije, u pere-in se krije. Der IBegrabene antwortet auf die Frag-en der Mutter. dass ihn die sehwarze Erde nicht sehr schwer sei, dass er sich in geweihtern Bodeni wie oeiv~lnlich fahlc. dass ihn. auch des Sarges Bretter nicht druckeni, noelh dass Staub in's Auge ilim gedrungen. Unter all diesen Dingen leide er inict, sehwer' bedriiekei fihn bios seines Liebebens Trahnen. Liebcheii hat in eine Schiange sich verwandelt. hat sich in der Seheitellocke verborgen und trinkt die Augen ibm aus. In den meisten Fallen bleibt die Liebe zwischen Jtingling utid Madehen bestandip- cgewo-h~ilich weigern sich die Eltern auch nicht dagegen, dass ihr Sohni das geliebte Madehen abs sein Weib heimfubre Dass jedoch ungluckliche Liebe in Folge Weigerung der Eltern, ibre Zustimmung Zn einem. Ehebtinudisse zu geben, ebenfalls vorkommt, und (lass tragrisehes Sehicksal Liebender im Voiksliede rtthrend und innig, besung-en wird, ist bei einem Volke mit so reichern und tiefem Gemtitsleben wie die bosnisehen Mosbims nur selbstverstandlich. Im Vobksliede wird die, Liebe zwiseheii Jtingling und Madehen als so stark gesehildert, dass Eines obhne,das Andere nielit leben will und bieber stirbt, als dem Geliebten untreu wird. Die Eltern des Mujo haben ihren Sohn gegen semnen Wvillen verheiratet und ibm. eine Gattin zugeftilirt. Am Abend nach der Trauung fifhrte mail den juge Mann in das Brautgernach, wo die Braut seiner barrte. Aber Mujo naherte sich ihr nichtI sondern setzte sich in eine Ecke, gruff zur mit Perlmutter ausgeschiag-enen Tambura und sang: Sada misbi Hate Hadz"agina, Da ja ljubi puhli duvak skidam. Ne C'u Hate, ti mi Z'iva bila, I tako mi ti sugj ena biba. Opet misbi Hate Hadzvagina, Da ja Ijubim prebijebo lice. INe 6u Hate, ti mi Z~iva biba, Itako mi ti sugj ena bila.

Page  [unnumbered] code A"t Das Mddchen im Harem spricht mit dem Jtnglinge der auf der Stras-se steht, Neben ihr die s. g.,.sedefli" Tambura

Page  185 - 185O" - (Es denket null wohi Hadzvag-as Hata, Dass dem Liebehen ich den Schlieer ItIfte. Mag nieht, Hqita, du mugest mir leben. Nur du solist die mir IBeschied'ne scin. Wieder denket nun wobi Hadzvagas Hata Dass ich kasse die schneeweissen Wangeii. Mag niclit, Hata, du mi~gest mir lebeni. Nur du solist die mir Besehied'ne sein.) Daiin wandte er sich zum ungeliebteni Madehen. der nunmnehrigen angetrauten Gattin und sprach: Lipa ti si gizdava divojko. A lip-sa si i bilja od Hate, Ali nisi mome srcu draga. Mila mi je Hate Hadz'agiina. (Seh~3n bist du wohi, stoizes Miidchen, SehL~ner wahrlich als selbst Hata, Aber meinem Herzen bist nieht tcuer, Denn ich liebe nur Hadzvagas Hata.) Nach dem er also gesproehen, zog er sein Messer aus der Seheide und t~tete sich vor den Augen der ihm aufgen~tigten. ungeliebten Gattin: Pa s' udari noz'em u srdas-ce, Na noz'u je sree izvadio, Na kamzama bijele dzvigerice. (Und er st~3sst die Klinge sich in's Herze, Riss das Herz sich aus dem Leibe Mit dem Herzen auch die,,weisse" Lunge.) Aber auch von Madehen weiss das Volkslied zu singen, die fur ibren Geliebten zu sterben wissen. Mujos Lieb, Hadz'agas sch~5ne Hata, sitzt am Fenster und stickt. Ihre Gedanken weilen bei ibrem Mujo. Da erbliekt sie eiuen Leichenzug am Hause vorbeikommen. Von b~sen Ahnungen getrieben fragt sie ihre Tante, wen man denn da zu Grabe trage? Und als die Tante ihr sagte, dass sie,den Leichenzug des Mujo Oelebije, ihres geliebten Mujo, gesehen,

Page  186 - 186 fogte sic seinem Beispiele und stiess sich auch ein Messer in das wunde Herz. Die Liebe h&~rt jedoch selbst irn Grabe nicht auf, sie ilberdauert den Tod. Auch im Grabe sehnen sich Liebende noch nach cinander. Deshaib muss cin Liebespaar nebein einander begraben wverden, damit ihnen die Erde leicliter sei: Uporedo njiha ukopase, Kroz mezare ruke pomolis'e. Metnus-e im u bijeic ruke Mctnuse im crvciie jabuke, Kad se prenun, iiek se poigraju. (Bei einander hat man sic bestattet. Und sic hoben aus dern Grab die Hande. Und in ihrc weisseli Hande Leg-t' man rote Apfel ihnen, Sollen spielen, wenn sic einst erwachein). Auf den -Grabern von Martyrern der Liebe wachsen Blumen, and Baurne. Als am naclisten Morgen die beiden trauernaden MUtter die Graber ihrer Kinder besuchten, da sahen sic mit StaunenY dass auf dern Grabe Mujos cine Fichte und auf dem Hatas eim Rosenstrauch emporgewachsen war: Vis-e Muje zelena borikNt, Visve Hate rumena ruz'ica. Borika se oko ruzve vija, Kano Mujo oko fvive Hate, A ru za se oko bora vija, Kano Hata oko Zvivog Muje. (Auf Mujos Grabe eine grUne Fichte Und auf dem Hata's eine rote Rose. Und die Ficlit' umarmt die rote Rose, So wie Mujo die lebende Hata, Und die Rose rainkt sich urn die Fichte, So wie Hata einst sich rankt' urn Mujo.) Sehr oft wissen Liebende ihren Willen auch gegen den derstrengen Eltern durehzusetzen. Wen n die Eltern es ibrer Tocliter

Page  187 - 187 wehren, eiiien Jungling zu heiraten, den sie liebt. mit welchein sie, sei es insgeheim oder vor aller Welt Zusammenktinfte hatte, oder dem sie sich versprochen, verabredet sic mit ibm entweder perm'ilnlich oder dureh eine Vertraute ihre Entfuhrung. Die Frist hieftr wird festgesetzt, gewvhnlich zur Nachtzeit. Das Mii(lchen benultzt irgend einen Vorwand, umn das Haus verlassen zu ki;neei; zumeist heisst es, sic gehe zum Brunnen, um Wasser zu hole}n. Dort wird sie von ihrem Geliebten und dessen vertrauten Frcunden erwartet und nach seinem Hause gebracht. Wird das Madchen gut bewacht und nicht aus demi Hause gelassen, dann gesehieht die Entftihrung auf andere Weise. Der junge Mann nimmt einige seiner Freunde mit, die ibm in Falle der Not beizustehen bereit sind und sehleicht sich mit ihnen in dei gesehlossenen Haufraum des Hauses, in dem das Madchen wohlt, das naturlich von allen diesen Massnahmen unterrichtct ist und dieselben billit, denn es hat mittlerweile einige Kleidungsstticke und den gesamten Schmuck in ein Btindel gepaekt ulnd wartet mit Angst und Beben im Dunkeln, bis der Geliebte erscheint. Sobald er eingetroffen ist, verktindet er (lies durch das Werfen kleiner Steinchen nach dem Fenster der Geliebten. Diese offnet leise das Fenster, wirft die bereitgehaltenen Sachen hinaus und folgt dann selbst enlweder durch den Hofraum, oder durch das Fenster auf einer von aussen angelehnten Leiter nach. Haufig verlaufen die seit uralten Zeiten eine anerkannte Landessitte bildenden Entfuhrungen, wenn man so sagen darf, programmgemass, ohne Gefahren und sonstige Aufregungen. Oft jedoch kommt es dabei zu Kampfen, bei denen Messer und Pistole mitreden und Blut fliesst. Einen interessanten und nahezu typischen Fall von Entfuhrung eines Madchens beschreibt Fejzi Beg Kulenovi6 im,Zbornik za narodni zivot i obicaje juznih Slavena" (Sammlung von Brauchen aus dem Volksleben der Suidslaven), bei welchem der Verfasser selbst mitwirkte. Fejzi Beg erzAihlt:,Vor zwei Jahren wurde mir ein GlUck zuteil, wie ich es ein zweites Mal nieht zu erfahren wiinsche. Ich war Zeuge der Entfuhrung eines Madchens. In Gesellsehaft eines Freuides war ich in Geschiften zu Markte naeh Bosniseh - Petrovac gefahren. Uns hatte sich einer

Page  188 - 188 - meiner Verwvandten ausg-esehiossen, der diesen in der Umgebung bertthmten Markt cinmal auci sehen woilte. 'Mein Freund stand in verwandtschad'tlichen Beziehungen init einem Beg, aus der bekannten Familie Kulimmovi' und kehrte bei diesem cei dnne wr en Verletzung gewesen, anderswo abzusteigen. Mein Verwandter ging mit ihm,7 denn er behauptete den Beg zu kennen und wusste, da-ss dieser eine sehtne, heciratsfahige Toehter hatte. Ich selbst sehiug mein Quartier im Gasthause (Han) auf. Mein Verwandter hatte es verstanden, die Bekanntsehaft der Toehter seines Gastfreunides zu. machen Un~d ihre NeigUng Zn geWinlnen, 50 dass er mit ihr die Uibliechen abendlichen Zusammenktinfte (As'iklik" hatte. Jeden Tag erzahlte er, weiche Sehreeken er beirn AS'iklik ausgestanden. hatte7 denn einmal uberraschte iln der Vlater des Madehens, emn andermal cin Diener, dann wieder vertrieb ihn ein verdaehtiges Gerausch U. 5. W. Eines iNachts sttirnte mein verliebter Verwandter ganz in Schweiss gebadet zu mir' herein, und rief aufgeregt: ~Steh' auf, wenn du Gott kennst! Das Madehen wartet an der Tire. Ich habe ihr auf Treu und Glauben versichert,7 dass ich sic hente niachts entfftihre, nnd wenn ich mein Leben dabei lassen. solite!" Ich machte vor Verwunderung grosse Angen, aber er liess nicht locker, sondern fasste mich am Arm und zog mich nach sich. Ich versuchte ihn von. dem gefahrlichen Vorsatze abzubringen, aber er wolite nichts ihiren. Als ich sab, dass mein Zureden vergebens war, ftigte ich mich und begleitete iln bis zum Hause des Beg. Wir traten in den Hofraum, der sich weit ausdehnte. Der Mond hatte sich eben hinter inter Wolke verborgen, und es schien mir im, Dunkein, als stllnde vor uns eine menlschliche Gestalt, bereit, uns anzu~greifen. Sonst herrschite tiefe, unheimliche Stille. Im. Hanse war nirgends mehr Licht zu. sehen, emn Beweis, dass die Bewohner bereits scihiefen. Wir scihichen vorsichtig durch den Hof wie nachtliche Diebe. Meine Zahne kiapperten vor Aufregung wie im. Fieber. Ohne Unfall passierten wir den weiten Hof und gelang-ten an eine Pforte, die zn den Frauengemiichern ftihrte. Hinter der-,selben versteckt harrte das Madehen. Mein Freund rief leise ihren

Page  189 I8, 9 Naineii, wurauf sic inBegleitung einer Frau, entweder eiiner Dienerin oder Kioehini, tief verhifllt heraustrat. Nach der Sitte driickte ieh der Begleiterin eml Geidgesehenk in die H1and. diese tiberantwortete inir das MidcdeDe und versehwand eilends, imn Hause. Ich nahmn nun die Klein~e am Armne und geleitete, sic gegen das Hoftor. WAlirend wir vorsietig, (lahiniselilihen, tauehte vor uns pli~tzlieh in der Dunkeliheit cine riesigec Gestalt auf. Vor Schreock sehien es mir, dass dieselbe mit dem Scheitel. bis an den Himmel reiche. Erstarrt blieb ich stelien. Mein Freund jedoeb, der uns mit einem, langeni, blossen Mlesser in der Hand folgte, trat vor das vermeintliche Ungeheuer und sprach: ~Stojan, meiner Seel', die Saehe gehit sehief!" Stojani erwiederte keine Silbe', und inein Freund drtickte ihm Etwvas, wahrselleinlich emn Geidgesehenk in die Hand, wabhrend er i'hm zuflllsterte:,,Weeke Suljo auf und hilf mir die Pferde aus dem, Stalle fuhren!" Dann erst sagte Stojan: ~Keine Furcht, Beg alles wird glut gehen!" Das Madehen und ieh standen vvie zu Stein gewordeni. Stojan zog den Pferden dicke Striimpfe Uiber die Hufe und fulhrte sie vorsielitig, Uber den. Hof. Offenbar war er nieht das erstemal an einer solchen Sadie beteiligt. Er bekundete M}ung. Im. Handumdrehen waren die Pferde eingespannt, der Wagen war bereit, win stiegen emn, und fort ging es Uiber Berg und Tal in rasenider Gangart, was die Tiere nur laufen konnteni, his wir gegen Tag~esanbruch in dem seehs Wegstunden entfernten KIjuO eintrafen. Von da kehrte ich nach Petrovac zunriek. Mein Verwandter blieb den Tag Uiber in Klju6 und wurde bier von semnen Hochzeitsgaisten abgeholt, die Ihn unter Gesang Und Flintensebtissen nach seinem Hause bracliten, wo dann eine lustige llochzeit gefeiert wurde. Die Eltern des entfuihrten Mtidehens waren wohi sebr aufgebraeht dartiber, dass die Tochter ohne ihre Erlaubnis geheiratet hatte, aber sie s6hinten sich bald darauf wieder mit den vollendeten Tatsache aus." Heutzutage sind die Entftihrungen nicht mehr so hiiufig, wie in frllheren Zeiten, wo sie fast die Regel bildeten, denn jeder junge Mann musste die Braut wenigstens der Form nach rauben.Aber man h6rt doch noch oft genug, dass Entfuhrungen vorkommen. Die Eltern des Madehens ztirnen wohi den Tochter und dem,

Page  190 - 190 Sehwiegersohine, aber regelmrnassig fagoen sie sich spater dochIi in's Unabanderliche und s~3hnen sich init dcin jungen0 Lenten aus. iNieht selten sind auch die Enitfiihrinngen von Madehen irn EinverstAndn isse mit dessen i",1tern. Diese werden veranstaltet, urn den tiberaus kostspieligen Hochzeitsfesten auszuxveichen, die bei Entftibrungen nieht vorgesehrieben sind. Leisten die Eltern eines jungeni Mi'annies dessen Verheiratung mit einiem. ihnen nielit genebmeii Kleiden Widerstand, und will der jungec Mann von der Erw~ilhltenm seines, Herzens durehaus nicht lassen, verlasst er oft (las vaterliehe Haus und gyemeinsarne Heirn und griindet einen seibstlandig-en Hanss-tand. Es kommnen auch Falle vor. dcass sieh ein Bursehie in emn Miadehen verliebt, j edoch aus versehieden en Grim den, zulmneiwt wegen seines schicebiten Rufes- oder niedriger Herkunft., keine Gegenliebe findet. Datin pflegen. sieb gewaltsame En tftihrungen gegen den Willen des Madehens zu ereignen. Der Bnrsche lauert in Geseilsehaft einiger ergebeneir Freunde deim Maudehen auf, nirnmt es auf den ArmUnd sehleppt es mit Gewalt in scmn Hans. Bietet sich ihm. zu einer derartigen Entftihrung keine Gelecoenheit. so suelit er dureh List zu erreiehen, wozu Gewalt ibm. nieht verhelfen kann. Dabei ist ihrn die Mutter gew~linlieh behilfijeb. Sic suelit die Mutter des Madehens unter einern Vorwande zn. veranlassen, dass sie in Geseilsehaft ilirer Toehiter sie besuehe. Danni hat der junge Mann gewonnenes Spiel, denn er halt das Madeheri einfaeh gewaltsarni zurtiek und gestattet ibm. nieht, das Hans zu verlassen. Gelingt audi dies nieht, dann greift der Bursehe zu einem. wohi dureli die Sitte arg verp~5nten, jedoch immer wirksamen Mittel. Er lanert der spr6den Scht~nen auf der Gasse auf und zertrennt ihr das Beinkleid. Eine soiche unanstandiga Handlungsweise, wird zwar vom Selieriatsgesetz mit Kerker bis zur Dauer von drei Jahren geahndet, aber der Bursehe bat semnen. Zweck erreieht, dem. Madehen haftet vor der Welt eiii unausk~sehlieher Makel an und die Eltern miissen wohi oder ubel in die Verbindungr willigen, denn emn soiches Madchen kaun keineD anderen Mann melh' bekommen. In den vornelimen adeligen Farnilien kommen die Entftibrfungen ausserst selten vor, denn da wird selbr strenge auf Fami

Page  191 - 191 - lienehre gehalten. -In soleheii Familien. verhinidert die Erziehung, sowohl, als auch die Furcht vor Eniterbungr jeden Widerstand. gcegen den Willen der Eltern, dean in Vater hat Dach dem Seheriatsgesetze das Reclit, seiii gcrsantes Vermrnigc austatt unigehorsarneii Kindern, irgrend. einer frommeii Stiftung- zu vermachen, wid. die Kinder v6Iligy leer ausgehen zu lasseni.

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Page  193 IV. Die JBrautwerbung. Hat emn junger Mann von seinem Madehen die Zusage erhalten, ihn zu heiraten, sendet er zu den Eltern des Madehens seinae Brautwerber. Diese Aufgabe failt in- Sarajevo und in mebreren anderen Orten der Mutter oder einer verheirateten Schwester des jungen Mannes zu. Feblen diese beiden n~chsten Angeh~rigen, dann iUbernimmt die Stelle der Brautwerberin eine andere Verwandte oder in Ermangelung einer solchen eine andere alte Frau gegen eine entsprechende Entlohnung. Die Brautwerberin wird ~Svatica" gnaenan nt. Die Svatica suclit die Mutter oder Stiefmutter, h6chst selten den Vater des Madehe-ns auf und 1st Qberbringerin der Gesehenke des Bewerbers fur seine Auserkorene. Diese bestehen in einem Ringe und in einer Geldsumrne. Die Werberin bringt jedoch ilhr Anliegen nicht sogleich vor, das wUrde gegen die Sitte verstossen. Sie beginnt vielmehr emn Gesprach von allerlei gleichgiltigen Dingen, urn auf Umwegen zu einer Besehreibung ihres Auftraggebers zu gelangen, von dessen verschiedenen Tugenden sie emn glanzendes Buld entwirft. Glaubt sie nun, die Mutter ftir ihren Schfltzling g'enugend eingenommen zu haben, holt sie das Gesehenk des jungen Mannes hervor und sagt: ~Allahun emrile, pejgamberum sunetile 13

Page  194 194 -inaeh dem Gebote Gottes und dern vom Profeten eingresetzten G-ebrauehe, dieser junge Manin hat Gefallen gefunden an deinier Tochter und hat mich hergesandt, fiir ilin urn sie zu. werbenK" Solange die Svatiea im Hause weilt, darf das Madehen das Gemach nicht betreten, in weicebem sic sichl befindet, noch darf sie sich irn Hausflur oder Hofraume blickenl lasseii. XWenn die Mutter nieht die Absieht hat, ihre Tocliter an den jungen Manin zu verheiraten, weist sie die Werbung mit deji Worten ab:, Ich besitze noch keine heiratsfahige Toebter; sie ist ja noch kaum entstanden". Ware die Mutter jedoeh grunds~itzlil geneigyt, inl die Verbindung zn willigen, sie hatte jedoehi einige Bedenken, weil sie tiber den jungen Mann manches Unvorteilhafte htrte, dann antwortet sie. dass sie vorlaufig nochl keine bestimmte Zusag-e machen k~inne, 'veil sie ftirehte, ihir Kind anl einen derartigen Mann oder inl em solebes Haus zu. verbeiraten. Nun fallt der Werberin. die schwere Aufgabe zu, ihren Auftraog'geber gegeni die g-egen ihn ~rhobenien Anwtirfe zu. verteidig'en und die Mutter des Madehenis zu iiberzeugen, dass alles citel Verleumdung dureh b~3se Zungen sei, in der Absicht, den jungen Manin vor Mutter und Tochiter anzuschwitrzeni. Schliesslich trjagt die flausfrau selbst deii Kaffee auf. Ist derselbe verstisst. so ist dies ein Zeieheiin dass die Eltern geneig-t sinid. in die Verbindungr ihirer Toechter init demn betreffendeni jungen ManeZ wllgn.Ehat i Saia jedoch bitteren Kaffee, gilt die Werbung- fair abgesehlagen. fin lctzteren Falle, brichit (lie Werberma das Gespr,,Ceh fiber den junigen Mlann ab und entfernt sich bald. Sic wird aucli den Besucli zn demselben Zwecke ini keinem F'alle wiederholeii. denin Cs wAre vergrebene MUhie. Hat sic, jedoclt ver,-Ci-sten Kaffee erhalteni, dauii iiberreieht sic die mitg-ebrachtenl Gesehenke des jungeni Mannies and delint ihreni Iesuch so lange aus, bis das Serbet aufgetragen wurde. Nachdein sic dieses g-,etrunken, erhiebt sic sich und beiholt sich eilends zu. dem jumgeen Mlanne, urn diesern die freudigec Nachrieht rnitzuteilen. Wabrend (lie W~erberin bei der Mutter des Madehens weilt. harrt der junge Mann ungeduldig der Entscheidlung, die sic ihrn bring-en soil. Kaum hat nun die Liebesbotin. die Tdre ge~ffnet. fra-t der lleiratskandidat: ~Hat es IL-hrner oder nicht?" oder ~Ist

Page  195 - 195 es emn Miinnchen oder ein Weibeben?" War die Sendung von dem gewtiiisehten ErfoIg begleitet, lautet die Antwort:,,Es hiat H6rner", oder ~Es ist ein Manncelin", worauf die Werberin ilhn beg-ItIckwtinscht und emn Geidgeselienk in Empfaiig nimimt. Unmittelbar, nachdein die "Svatica" das flaus des jungen Mannes verlassen hat, findet sichi dort emn Bote oder eine Botin aus dem Hause des Maddehens mit Geselienken eiii fair den nunmelbrigen Briiutig~am und seine Angeh~5rigen; fur jeden von ihinen wird emn besonderes Gesehienk gesehiiekt. Am naehisten Tage wird dann unter Vermittelu ng der,Svatica"~ der Hoehzeitstag bestimmt. Das Volkslied weiss davon zn singen, welehe Miihe und Qual emn junger Manni oft lhat, um emn Mtidehen zn gewinnen und den Widerstand ilirer Eltern, Brader, Sehiwestern und Verwaindten zu besiegen. Eines dieser Lieder, welelhes darstelit, wie emn Jatngling der Reihe naeh die Eltern, Brtider, Sehiwestern und Verwandten des Miidehens durehi Besteehungr auf seine Seite braclite, bis ilin zuletzt das Midechen selbst abwies, lantet:,,Evo danas devet godin dana, Kako gledlam ziato n mnatere; Ziato lio~e, majka mi ga ne da. Dadoli majki dibu i kadifu, Majka dade, babo je ne dade. Dadoh babi ("ohn nemirenu, Babo dade, bratac je ne dade. Dadobi bratu svojega sokola.; Brat je dade, sestra je nie dade, Dadolt sestri ziatnie belenzuke; Sestra dade, a rod mi je ne da. Dadoh rodu mestve i papn-e; Rod je dade - ziato mie sad ne e (Heute sind es nenn der langen Jalire, Seit jell urn Feinliebchien michi bewerbe. Feinlieb will mieb, doch will nicht die Mutter. Atlaskicider sehenkt ieh nun der Mutter; Mutter wvill nun, aber nieht der Vater. Gal) dlen Vater feinen Stoff 2,u Kleidern;

Page  196 - 196 - Vater will inun, aber nieht der Bruder. Schenkt' dem Bruder mein-en grauen Falken; Bruder will nUn, aber nicht die Sehwester. Gab der Schwester Armbander voin reinem Golde;,,Ja" sagt Schwester, doch,,nein" die Verwandten. Gab Verwandten Schuhe und Pantoffel, Diese wollen - doch Feinliebchen. nicht mehr. Der Gebrauch, bei Brautwerbungen sich einer Frau, der Svatica, als Vermittlerin zu bedienen, ist jedoch inicht allgemeii. In Bihac', Banjaluka und noch anderen Orten, namentlich jedoeb in den vornehmen Adeisfamilien des ganzen Landes treten Mhinner als Brautwerber auf. Bevor die formelle Werbung angebracht wird, versichert sich der Werber vorerst im voraus der Zustimmung des Brautvaters. indern er durch eine Vertrauensperson anfragen lasst, ob er kommen. darf und wann? Die Anfrage erfolgt in den meisten Fallen schriftlich. Stirnmt der Vater des Madchens der geplanten Verbindung, nieht zu, lasst er dem Werber mitteilen, dieser in~3ge sich nichit bemahen. Erfolgt jedoech auf die Anfrage eine Einladung zuni Besuche nebst einem besonderen Grusse (mahsus Selam), liegt darin die vaterliche EinWillig'ung, seine Toehter dein betreffenden jungen, Manne zuir Frau zu geben. Der Vftter bestimmt auch den Zeitpunkt, zu welehem er den Besuch erwartet. Dann erst wird die fL~rmlichec Brautwerbung besehiossen und gebtuhrend vorbereitet. Als Brautwerber fungiert gew6'hnlieh der Vater, der IBruder oder emn naher Anverwandter des JUngen Mannes. Diese kommen niemals mit leeren Handen, sonidern fifhren immer reiche Gesehenke mit, zumeist Sehmuekg-egenstan de, als Armban der, anufgereihte Dukaten. Perlen, Haisbander, Ringye u. do-L. ferniers besondere Gesehenke des ktiruftigen Brautigams, seiner Briider und der ubrigen Hausgenossen. Bei reichen Leuten sind die Gesehenke immer bijebst wvertvoll und zabireich, denn jedes Familieirnitglied tragt dazu bei. Diese Anigebinde heissen "Almagan" und werden im Volksliede sehir oft und ausfuhrlich besuingen). An dem ftir die Brautwerbung bestimmten Tage empfaingt der Vater des Madeliens (lie angesagten Gaste, ffhrt sie in den

Page  197 -- 197 - Selamluk und bewirtet sie vor allem. mit Kaffee. Nach den cmnleitenden Gesprachen, die sich immer urn gleicbgtiltige Dinge drehen, erhebt sich der Brautwerber und halt an den Vater des Madchcns eine feierliche Ansprache, die in die Worte ausklingt: jTeuerer Freund, so Gott will, werden wir wirkliche Freunde. Gib mir deine Tochter N. fur meinen Sobn N." - Der Vater des Madchens antwortet:,,JIch gebe dir sie mit Herz und Seele!" Das Versprechen wird mit Umarmungen und Kiissen besiegelt. Hierauf begibt sich der Vater des Miidchens zu seinei- Frau in den Harem und zeigt ihr an, dass er Ihre Tochter dem. bewussten jungen Manne zugesagt habe. Dann erst wird das Madehen gerufen, urn die Kunde zn erbalten, dass sie nun Braut sei. Beim Eintritte in's Gemach ktisst sie den Eltern die Hand and der Vater sagpt:, Ich babe emn Gitick fair dich ausgesucht und dich z. B. demn Hnsein, Sobn des Alibeg versprochen." Das Mfldehen antwortet gewi~nlich: "Ich bin zufrieden. mit enerer Verfiigung. Schicket mich in's Wasser oder in den Wald, ich werde gehorchen." Nun begibt sich der Brautvater zu. semnen Giisten in den Selamluk. Wahrend sie im Gesprache verweilen, legt die Braut ihre sch6nsten Kleider und ihren sch~insten Schmuck an und begibt sich nach der Mannerabteilung, urn die Werber mit Scherbet zn bedienen. Die Erfrischung tragt nicht die Braut selbst auf, sondern eine Dienerin. Die letztere bleibt an der Tiire stehen und h~ilt die Gla~ser mit Scherbet auf einer Platte, von weleber die Braut das Getrank der Reihe nach berumreiclit. Sie fasst das Glas mit Danmen, Zeige- und Mittelfinger der reebten Hand, wabrend sie die Linke an die Brust driickt. Das erste Glas erbalt der ktlnftige Schwiegervater, dann folgen die tCbrigen in der Reibenfolge, wie sie sitzen. Nacbdem der Vater des Briiutigams das Glas geleert und dasselbe der zuktinftigen Schwiegertochter zurtickgegeben hat, ktisst sie ibm, die Hand. Darauf greift er in die Tasche nnd bescbenkt die Schwiegertochter mait einer Handvoll Milnze, gewt~hnlich, besonders bei reichen Lenten, mit Dukaten und steckt ihr den vom Brautigam. gesandten Verlobungsring an den Finger. Dann erst gelangen die sonstigen mitgebracbten Geschenke zur Verteilung. Die Braut ktisst nun alien Anwesenden, vor allem dem. eigenen Vater und dem Vater des Brautigams die Hand und verlIisst in

Page  198 - 198 - Begleitung der Dienerin das Gemach, um jedoch alsbald wiederzukehren, abermals gefolgt von der Dienerin, welche die Geschenke der Braut an die GUste trigt. Diese nimmt die einzelnen Geschenke der Dienerin aus der Hand und verteilt sie der Reihe nach. Die Gaste verabreichen der Dienerii Geschenke, wiihrend die Braut an der Ture steht, aufrecht, mit gesenkten Augen und uiber der Brust gekreuzten Armen. Das Nachtmahl nehmen die Werber bei den Eltern der Braut ein. Wenn sie nicht in demselben Orte wohnen, nachten sie auch da. Am nachsten Tage begibt sich der Vater des Briutigams in den Harem zur Mutter des Miidchens und reicht ihr ein Geldgeschenk dar. Hierauf wird der Hochzeitstag bestimmt und unter Umarmungen und Kiissen Abschied genommen. Wollen die Eltern eines jungcn Mannes um ein Miidchen werben, das dieser nicht gesehen und das die Eltern auch nicht kennen, das sie jedoch gerne fur ihren Sohn zur Frau haben mochten, weil es aus reicher und vornehmer Familie ist, dain besolden sie eine fur derartige Verrichtungen geeignete alte Frau, welcher die Aufgabe zufiillt, alles Wissenswerte zu erkunden und dannmitzuteilen.Diese weiblichen Sendboten nennt das Volk,Spione". Es gibt unter diesen weiblichen Spionen sehr geschickte und verwendbare, welche sich in das Vertrauen des Madchens einzuschleichen verstehen und mehrere Tage und Nachte im Hause bleiben, um die Eigenschaften desselben zu erforschen. Pflegt das Madchen bis in den Tag hinein zu schlafen und nach dem Erwachen sich faullenzend auf den Kissen herum zu walzen, sich zu dehnen, zu strecken und zu gahnen, dann genugen diese Eigenschaften, dass die Spionin von der Heirat mit einem solchen Midchen entschieden abrat. Madchen mit an der Nasenwurzel zusammengewachsenen Augenbrauen oder mit finsteren Blicken kOnnen sich nur schwer verheiraten, denn das Volk glaubt, dass ein solches Madchen UnglUck in das Haus bringt, in welches sie heiratet. Bringt die Spionin in Erfahrung, das Madchen sei schjn und gut, fleissig, gegen Vater und Mutter gehorsam und habe sonst keinen Fehler oder Makel, dann empfiehlt sie das Madchen den Eltern des jungen Mannes und diese riisten sich zur Brautwerbung.

Page  199 - 19 - Aber nicht bios die Eltern der jungen Manner entsenden Spioninnen, um die Eigenschaften der ihren Sihnen zugedachten Braute zu erforschen, dasselbe tun auch die Eltern von Madchen beztiglich der Eigenschaften eines jungen Mannes, der sich um ihre Tochter bewirbt und den sie nicht naher kennen. Das Volkslied weiss sogar davoii zu berichtell, dass sich die Madchen als Zigeunerinnlen oder Leinlwandhaindlerinnen verkleidet in das Haus des jungen Mannes begeben, um sich tiber die Familie und die Verhiiltnisse zu unterrichten. Sogar davon weiss das Volkslied zu crzahlen, dass Miidchen \alinnerkleider anlegtcn und sich in das Haus des jungen Mannes begaben, um sich an Ort und Stelle uiber ihren Verehrer und dessei Angellorige zu erkundigen. Der Burgvogt (Dizdar) von Jajce wird im Volksliede als grosser Held geriihmt. Als Alta Atlagic von ibm horte legte sie die Tracht eines Turhuters des Sultans (Kapidzija) an und begab sich nach der Residenz des Burgvogtes, um sich mit eigenen Augen zu tiberzeugen, ob der Rut die Wahrheit gesprochen, und ob der Dizdar wirklieh ein solcher Held sei, wie man sich erzahlte. Als sie in der Burg anlangte, bat sie den Burgvogt um einen Trunk Wasser, und er:,,Ode dizdar majci u odaju, Pa besjedi ostarjeloj majci: Muti majko serbe od secera, Da napojim carskog kapidziju, Mnogo je nalik Alti Atlagica. Govori mu ostarjela majka:,,A moj sine, jajacki dizdare, Da to nije kakva uhodica." (Zur Mutter eilt er in die Gemicher Und er sagte seiner alten Mutter:,Mische, Mutter, Scherbet mir von Zucker, Dass des Sultans Kapidzi ich labe, Ahnlich ist er sehr der Alta Atlagic!" Und darauf sprach seine alte Mutter:,Gib gut acht mein Sohn, Burgvogt von Jajee, Denn vielleicht ist es gar 'ne Spionin!"

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Page  201 V. J-Iochzeitsbra~uche, und Sitteri. Die Dauer des Brautstandes vont der Verlobungr bis zur lochizeit ist an keinerlei vorausbestimmte Vorsehriften gebunden. Es haiidelt sich immer darum, ob das Brautpaar Alles vorbereitet hat. urn seinen Hausstand begrUnden zu koinnen. Ist dies der Fall, dann erfolgt die Hochzeit bald naeh. der Verloburig, zumeist an einem Sonutag, oder an einem. Don nerstag. In den Familien des reiehen uiid besonders angesehenen Adels, wo die Hocbzeiten mit grossem Pomp begangen werden, beeilt man sieh nicht zu sehr, denni die Zurtistungen und VorbereitUngen nehmen viel Zeit in Ansprueh. Die Trauungen werden fast immer am Abend oder im. Laufe der INacht vor dem. Kadi oder dessen Stellvertreter im. Amte im. Hause der Braut oder des Brautigams volizogen, wobei man die Wtinsehe des Brautpaares und deren Angeht~rigen bertieksichtigt. Oft wird die Trauung mit Erlaubnis des Kadi vom Hodz'a jenes Dzvema-t volizogen, dern der Bi-Autigam anigeh6rt. Die Trauungen im Amtslokale geh~3ren zu den Seltenheiten. Vor der fur die Trauung angesetzten Frist verlangt der Vater,oder der altere Bruder des Brdiutigams vom. Muehtar des Dzvemat einen JIlmi Haber", das ist ein schriftliches Zeugnis, wormn bestatig-et wird, dass die Brant freiwillig und ohne Zwang die Gatthi des Brautigams werdeii will, ferner vom Hodzva, dass das Miideheii -volljihrig und mnit dem. Briintigram nmicht verwandt ist.

Page  202 -202 Die Moslims in Bosnien und der Hercegovina unterseheiden eine Milch- und cine Blutsverwandtschaft, wovon die erstere hoher gehalten wird, als.die letztere. Die Milchverwandtschaft gilt als absolutes Ehehinderris, das in keinem Falle umg'angen werden kann, wiihrend Elien unter Blutsvcrwandten in gewissen FMillen,estat-et sind. So durfen Kinder zweicr BrUder (lie Ehe mit einander eingehen, wenn die Eltern des Madchens verstorben sind und ciu ausehnliches Vermwgen hinterlassen haben. Damit das Vermngen nicht in fremden Bcsitz gelange, sondern der Familie erhalten bleibe, kanll der Kadi bei Geschwisterkindern (lie Heiratsbewilligung erteilen. Aus dcnselben Grtinden dui fen auch Kinder zweier Schwestern einanderl heiraten. Jedoch kommen Ehen unlter so nahen Verwandtea hi)chst selten vor, denn im Volke herrscht der Glaube, dass solche Ehen unglticklich verlaufen und enden. Milchverwandtschaft besteht unter Leuten, welche an dersclben BIrust gesiaugt wurden, dieselbe Aminme hatten, auch wenn diese zu den Sauglingen in keinerlei verwandtschaftlichem Verhaltnisse stand, ja sogar, wenn die Aminme die Kinder far Bezahlung saugte. Bcsteht nun ftir die Brautleute keines der giltigen Ehehindernisse, so folgt der Hodza einem mannlichen Anverwandten des Brautigams den,Ilmi Haber" aus. Dieser wird dem Kadi vorgelegt, welcher dannl dem Hodza die Erlaublis erteiit, die Trauung zu vollziehen. Dies Dokumncnt leisst,Nicah Murasela" oler,,Sehadet Nama" und hat folgenden Wortlaut:,,Die Jungfrau N., Tochter des N. N. aus dem Dzemat N. heiratet den N. N. aus dem Dzemat N. ohne jedwedes Hindernis, das heisst: beide Parteien sind einverstanden und nicht minderjahrig. Die Trauung wird mit den Vertretern beidern Parteien mit,Mehri Muadzel" oder,Mehri Muedzel" vollzogen. Das Schriftsttick wird mit dem Amtssiegel des Kadi und des Scheriatsgerichtes versehen und dem Hodza ubermittelt, der auf Grund desselben die Trauung vornimmt. Ist die Braut aus einem anderen Dzemat oder aus einem anderen Orte, hat der dort kompetente Hodza den Ilmi Haber" auszustellen. Das Schriftstuck wird dem Vater, alteren Bruder oder einem mannlichen Bevollmachtigten des Brautigams ausgehandigt, der es pers-onlich, durch einen Boten oder durch die Post an jenllel Kadi tibermittelt, dem

Page  203 2 903 - der Hodz'a der Braut unterstellt ist. Auf Grund des Zeugnisses ermaechtigt dann der Kadi den. Hodzva- jenes Divemates, in welchem der Braiutigam. zustaiidig 1st, die Tranung vorzu~nehmen; denn nur dieser ist dazu befugt. Wir haben oben. zwei IFormeln erwahnt, weiche die vom. Kadi ausgestellte,,Sheheadet-Nama ' enthalt:, Mehri Muadz~e1" unid,,Mehri MuedZ"e1-". Die Erklhrung dieser beiden Formeln ist eine interessante Partie des in Bosnien getibten islamitisehen Ehereehtes und besteht in Folgendem: Nach dem. Seheriatsg-esetze muss der Brautigam. die lBraut kaufen. Die Kaufsumme, (Nid'ah), wird vor der Hoehzeit zwischen dem Brautigam. und. deni Eltern. der Braut yereinbart. Die Mtinzsorte, in weleher der Kaufpreis ausgedriickt wvird, ist die, Ak~a`, wovon zweihiundert auf einen. tiirkisehen Grosehen gehen. Der gew~5hnieiihe, bei den Armeren tiblibehe, Nic'ah" wird mit 12.000 Ak~a bestimmt, was im. Ganzeii seehzg9 ttirkisehe Grosehen oder zehri Kronen (8.5 Mark) ausmnaeht. Nattirlich. wtiehst der Kaufpreis mit dem. Verm.6gen der Brautleute und betragt dann. oft wirklieh bedeutende Summen. Die Bezahiung des vereitibarten Kaufpreises an die Braut erfolgt entweder vor der Trauung und heisst dann ~Mehri MuadZ~el" oder die Trauung wird. auf Kredit volIzogen, das heisst, die Braut erkhirt sich bereit. den Betr~ig Zu. stunden, und das heisst dainn,Mehri Muedzve1". Nach dcm, streng-en Wortlaute des Ehegesetzes diirfto die zweitangeftuhrte Art der Ehesehliessung, nicht gestattet sein, aber sie ist im Laufe der Zeiten eingebtirgert und zum.Gewohnheitsrecht geworden. Wenin der Brautigam, weleber in der angegebenen. Wei,,e auf Kredit geheiratet bat, das Brautgremaeh betritt, muss er deshalb an die dort seiner harrende Braut die Frage riebten, ob sie ilim den Ni~ah bis zu einer im. Voraus bestimm~ten Frist stunden. wolle? Erst nach der erhaltenen Einwilligung kann sie seine Frau werdeii. Diese Einwilligung wird freilich immer erteilt. Well der Moslim. seine Frau. in aller Form kauft,7 wird er ihr unumsehrankter Herr und Gebieter, dem. sie in allem gehorsam. und untertanig sein muss.

Page  204 - 204 - Die Verhandlui~gen Uiber den ~Nie'ali" werden immer vor der Trauung geftihrt, eiiierlei, ob die Ehe mit,,Mehri Muadzvel" oder mit "Mebri Muedzvel" gesehiossen wird, denn es handelt sich urn eine materielle Sicherstellung der Frau tiir den Fall. als der Mann sie entlassen woilte. Der Moslim kann seine Frau nAmnlich entlassen, wann er will und aus Grtinden, die seinem Belieben tUberlassen sind. Im Falle einer Entlassung ohne Versehulden der Frau, muss der Mann den vor der Trauung vereinbarten Ni~ah bezahien, er muss ihr Uiberdies dnreh drei Monate, und zehu Tage die "Jdare" geben, dass heisst, er muss sie durch diese Zeit bek~stigen und kleiden.. Wurde die Scheidung volizogen, wabrend die Frau Mutterfreuden entgegen sab, ist detr Mann verpfliehtet, fur das Kind durch filuf Jahre vollkommen zu sorgen, oder dasselbe bei sich zu. verpflegen. Nach dem Scheriatsgesetz e gehL~rt das Kind dem, Vater uind nicht der Mutter. Dieser kann darum das Kind der gesehiedenen Mutter gleich nach dessen Geburt wegnehmen und einer anderen Frau in Pilege geben. Das Vol-kslied, welehes alle Phasen und Vorkommiiisse des Lebens behandelt, hat sich in ungezahIten. Varianten auch dieses Geg-enstandes bemaehtigt. Eines der charakteristischesten ist das Folgende:,,Dervisy beg je nie'ah izbrojio, Pa, je svojoj ljubi govorio: Kupi rubo, koje si donila, Vodi roblje, koje si dovela, Ostavi mi do tri sina, moja!" (Dervis- Beg zahit auf den Nic'ah, Und er sprach zu dem. entlass'nen Weibe: Nimm die Kleider, die du zugebracht hast, Und die Sklaven, die du zugefUhret, Doch nicht einen nimm. vou den drei Sthnen!) Gar beweglich bat die verstossene Gattin, der Manin mt~ge -ilr wenigstens den jtinDgsten der Knaben belassein, aber seliroff entgegnete der Zornige:

Page  205 - 205,Ja ti sina ni jednog ne dadem, Jer ih dovela ti nisi od babe". (Nicht einen der Sohne sollst du haben, Hast keinen mitgebracht aus Vaters Hause). Nachdem das Kind einer von ihrem Manne verstossenen Frau das funfte Lebensjahr zurtickgelegt hat, ist der Vater desselben nicht mehr verpflichtet, fur dessen Erhaltung Sorge zu tragun, vielmehr aller Verpflichtungen gegen Mutter und Kind vollkommen ledig. Es ware jedoch irrig anzunehmen, dass die Gattin eines Moslim vollig von ihrem Gatten und dessen 'Launen und Willensausserungen abhangig sei. Es kann vorkommen, dass eine Frau ihrem Manne zuwider wird, dass er sich gerne von ihr lossagen wurde, es jedoch nicht vermag, wenn die Frau nicht einwilligl. Und selbst, wenn sie sich mit der Scheidung einverstanden erklart, muss ihr der Mann ihre wahrend der Dauer der Ehe innegehabte Wohnung belassen und wahrend ihrer ganzen Lebensdauer fiir ihre Erhaltung sorgen. Auch kommt es vor, dass eine Frau ihren Mann hasst, die eheliche Gemeinschaft mit ihm nicht mehr aufrecht erhalten will und ihn verlasst, ohne dass sich der Mann trotzdem fir immer von ihr lossagen darf. Er muss sie vielmehr dreimal auffordern, zu ibm in sein Haus zuriick zu kehren, und erst dann, wenn sie der dritten Aufforderung Folge zu leisten sich weigert, ist die Ehe als endgiltig geschieden zu betrachten. Aber in einem solchem Falle besteht fur den Mann keinerlei Verpflichtung, fir die Frau oder fur ihr Kind, das nach der Scheidung geboren wurde, zu sorgen. Hat ein Mann seine Frau aus irgend einem Grunde verstossen, sich jedoch in der Folge eines Anderen besonnen und wiinscht, die Verstossene wieder zu seiner Gattin zu machen, genigt es nicht. dass er sie einfach aufnimmt, er muss sich vielmehr mit ihr vom Neuen trauen lassen, als ware sie niemals seine Frau gewesen. Bei der Trauung sind Brautigam und Braut niemals persinlich anwesend. Sie lassen sich durch hiezu besonders erbetene Ab

Page  206 - 206 - gesandte vertreten. Den Brautigam vertritt gew&3hnlieh emn Bruder, ein naher Verwarndter oder Freund. Die Braut vertritt eiii naher Verwandter des Brautigams, einer von Jen~en, vor d enen. sie sich nicht verhifllen muss, und der sic sehen darf. Der Vertreter des Brautigams muss Uiberdies zwei Zeugen mitbringen, die aussagen, dass der Brautigam denselben in ibrer Gegeniwart mit seiner Vertretung bei der Trauung bevollmaehtigt babe. Haben nun beide Parteieu ihre Vertreter und diese ihre Zeugen nambaft gemacht, und sind alle Vorbereitungen zur Hoehzeit getroffen, dann ladet man die Hloceizetsgiiste, je mehr, desto besser. de-nn je gro3sser der Hochzeitszug, desto mehr Ehre dem Brautpaare und dessen Eltern. Der Hocbzeitszug versammelt sieh im. Hause des Brautigarns und begibt sich dann mit grossem Larm und Geschrei nach dem ilause der Braut, urn diese abzuholen. Im Zuge befindet sich der Vater des Brautigams, dessen alle Brader, VerWandten und besten Freunde. Die Mutter und die Sehwesterni des Brautigams bleiben allemal zu. Hause. In friffieren Zeiten, als der Madehenraub noch zu. den eingebiirgerten Volkssitten geh6rte und in den Waldern und Gebirgspassen,,Wi1fe und Riiuber herrschiteii", suebte man die llochzeitsziige mL~gliehst zahireich zu gestalten. Die Teilnehmer waren bis an die Za-bne bewafinet, urn fir 'alle Flulle gertistet. zu. scmn. Das Volkslied mit seinem. Hange zu phantasievoller Ubertreibaing erzahlt gew6hnilieh von tausend Hochzeitsgasten. Svate kupi bezve Mustajbezve; Od biljadu vis-e ni jednoga, Od hiljadu manje nii jednioga. (Hoehzeitsgaste ladet M1ustaj Beg sich emn: Keinen mehr als tausend Mannen, Keinen weniger als tausenid Mannen.) Oder: Sto barjaka, hiljadu junaka. (Iluidert Fahnen, tausend Ilelden).

Page  207 -_ 1217) Besotidere Vorsicht musd-~e angeweiidet werdeii, weimI der Hochzeitszug- durch WAlder und Gebirgspasse kam, denn dort drohte Gefahr von Raubern oder von 'Nebenbublern des Briiutigams, die dem Zuge den Weg verlegten. In einemn Volksliede wird emn Hoebzeitszug in der Hercegoviiia besungen. Als der Zug im Hochgebirge angelangt war, sag-te der Fahneritrager (Barjaktar) Suijo: Stante brac'o u zeleun lugu, Idem prvi u goru. zelenu, Da ja vidim, ima 1' ko a gori, Da ne ginu kic'eni svatovi. (Haltet, BrUder, hier im grunen.Haine, Lass't als Ersten in den grunen Wald mich gehen, Urn zu sehi'n, ob dort kein Feind uns drohet, Dass der Hoehzeitszug nicht geh' zugrunde). Die Hoehzeitsgaste legen. ihre sehi~iisten Feiertagskleider an, dieselben, die sie am Bajram tragen. In friiheren Tagen, als noch die reiche, mit Gold und Silber gestickte Nationaltraeht nieht III solehem Masse von der franz~5sischen Kleidung verdrangt wurde. wie dies jetzt der Fall ist, mochte emn vornehmer moslimisehbir Hochizeitszug einen herrlichenl, mialerisehen Alibliek dargeboten haben. Sing-end und jauchzend, unter Musikklangen und dem Knattern von Flinten und Pistolenschtissen setzt sich der Hochzeitszug~l in Bewegung, der (lie Braut aus dem Ilause ihrer Eltern abholt und nach dem Hause ilires Briiutigams, ihrem nuninebrigenl neuen Heimn ftihren soll. Wenn die Braut in der Naehbarsebaft wohint, begibt sich der Hochzeitszug zu Fusse am Abend nach ihrer WohnUng und ftihrt,sic ebeniso zu Fasse dem kianftigen Gatten in's Haus. Befindet sich das Haus der Braut in cinem anderen Orte, oder auch nur in einem anderen Stadtviertel oder in einer anderen Gasse, wird sie zu. Wagen abg-eholt. In fruheren Zeiten, als es in Bosn-ien-Hercegovina noch keine Strassen und Eisenbahnen gab. war der granze Hochzeitszug beritten; auch die Braut legte den Weg nach der neuen. Heimnat zn. Pferde zurtie.k, wobei sic nachl Mannerart im Sattel sass. In den besonders

Page  208 208 - gebirgigen Gebieten des Landes, in denen das Strassennetz noch nicht vollkommen ausgebaut ist, geschieht dies noch heutzutage. Ist der Zug mit den Hochzeitsgasten vor dem Hause der Braut angelangt, dann verftigen sich die an demselben teilnehmenden Manner nach der Mannerabteilung, dem Ahar oder Selamluk, die Frauen und Midchen in den Harem. Die mannlichen Giiste begrusst und empfangt der Vater, der Bruder oder ein sonstiger mannlicher Anverwandter der Braut. Die weiblichen Gaste werden niemals von der Braut oder ihrer Matter, sondern allemal von einer Tante oder anderen Verwandten begrtisst und empfangen. Die weiblichen Gaste werden in das schonste Gemach des Hauses geleitet, wo die Begrtissung mit den weiblichen Hausleuten in der althergebrachten Weise vor sich geht, indem die Fragen nach dem personlichen Befinden und nach dem der nachsten Angehorigen gestellt und mit der gleichen Gegenfrage beantwortet werden.,Wie geht es dir?",Was macht dein Mann?" -,Wie befinden sich deine Kinder?", wobei die Frage nach jedem Einzelnen gestellt wird. Die Antwort lautet jedesmal:,Gut, Gott sei Dank! und dann wird die Gegenfrage gestellt und ebenso beantwortet. Die gegenseitige Begrtissung der Manner erfolgt in ahnlicher Weise, nur werden Fragen nach dem Befinden der Frau und der weiblichen Angehorigen sorgfaltig vermieden, denn dieselben werden als schwere Beleidigung betrachtet, ausser die beiden Manner stehen in engen verwandtschaftlichen Beziehungen. Die wichtigste Person unter den weiblichen Hochzeitsgasten ist die,Jenga",,Jengija" oder,,Jengibula", eine erfahrene Frau, welche wahrend der ganzen Hochzeitsfeier nicht von der Seite der Braut weicht und sie dartiber belehrt, wie sie sich zu verhalten, was sie zu tun und was zu lassen habe. Sobald die Jenga den Harem betreten hat, wird sie von der Braut mit einem Handkuss begrisst, mit Scherbet und Kaffee bewirtet. Nachdem sie den Kaffee getrunken, tiberreicht sie dem Madchen die Kleider, welche der Brautigam ihr hat anfertigen lassen. Die Braut ktisst der tberbringerin abermals die Hand und begibt sich in ein Nebengemach, um die neuen Kleider anzulegen, welche der Brautigam ihr schickte. Indessen unterhalten sich die

Page  209 - 209 - Frauen bei Kaffee und Seherbet mit allerlei Gesprachen und erwarten die Braut. Nachdem diese die Umkleidung vollzogen, begibt -iie sich zu den ihrer harrenden weiblichen Gasten, welehe bei ihrem Anblijk sich von ihren Sitzen erheben und gleiclisam zum Zeichen der Bewunderung fuir ihre Sehtonheit laut,Masallahl" rufen, selbst dann, wenn die Bewunderte durch ihre aussere Erscheinung kein Recht darauf hat, besonderes Erstaunen zu erregen. Die Braut geht hierauf von einer Frau zur anderen und kflsst jeder die Hand. Zuerst den beiden Grossmuttern, falls diese anwesend sind, dann ihrer Mutter und der Jenga, schliesslich den crbrigen in der Refihenfolge ihrer Sitzordnung. Jede der Frauen wiinscht der Brant, sie mbge gesund und lebendig, gluicklich und zufrieden bleiben. Nachdem die Frauen die erste Tasse Kaffee getrUnken baben, verlangen sic die tVbergabe der Braut mit den Worten:, Gebet uns, was uns gehbirt!" Die Frau jedoch, welehe die weiblicheni Teilnehmer am Hochzeitzuge anstatt der Hausfrau begrtisst und sic mit Kaffee bewirtet hatte, antwortet:,,Sitzet doch nur inoch emn Weilchen.. Ihr seid ja kaum gekommen, babet noch gar niclit ausgeruht und wollet uns schon verlassen!" INach diesen Worten Wird abermals mit Kaffee aufgewartet, worauf das fruhere Spiel von neuem beginnt. Die Forderung nach tibergabe der Braut wird auf die bereits beschriebene Weise beantwortet, und das wird so, lange wiederholt, als es sich eben lasst. Weunn die Vertreterin der Hausfrau merkt, dass den Gasten der Geduldfaden Zu reissen beginut, und sie in eine fernere Verzi5gerung nicht willigen werden, htsst sie Scherbet auft-ragen, was immer die Freundinnen der Braut besorgen. Nacbdem das Scherbet ausgetrunuken ist, erbeben sich alle llochzeitsgaste und fifbren die Braut nach dem Hause des Brautigams. Sind die Gaste von weither gekommen, essen sie bei den Eltern der Braut zu Mittag, und Zn Abend und nacliten auch wohi mitunter. Die Bewirtung ist allemall eine glanzende und ausgiebige, denn der Moslim sieht es als Ebrensache an, umfassende Gastfreundschaft zu jiben. In einem Volksliede heisst es dartiber: Tuj Su niOl svate do~ekali, I svatovim' ve~erati dali. 14

Page  210 - 210 Poklali im pet stotin volova. Skuhali im pet stotin kruhova Od pribile jarice psenice. (Und sie begrtissten die Hochzeitsgaste, Setzten ein reichliches Abendbrod vor. Funfhundert Ochsen wurden geschlachtet, Funfhundert Brote wurden gebacken Aus ausgewahltem Fruhjahrsweizen). Am nachsten Morgen mit Tagesanbruch, kaum dass der Muezzin vom hohen Minaret zum Frtihgebet, dem Sabah, gerufen, erheben sich die Ftihrer des Hochzeitszuges von ihrem Lager und rufen den Gasten zu:,Hazurala, kita i svatovi! Kasno nam je, a daleko nam je. Kratki danci, a dugi konaci, Daleko su dvori Mustajbega!" (Frisehauf vorwarts, liebe Hochzeitsgaste! Spat ist es, und weit ftlhrt uns're Reise. Kurz die Tage, weit die Nachtquartiere, Ferneab liegt Mustajbegs Gehjfte.) Bevor der Zug mit den Hochzeitsgasten und der Braut nach seinem Bestimmungsorte aufbricht, betritt der Bruder des Brautigams, demlach der Sehwager der Braut, das Gemach des Harems, in welchein sich diese in Gesellschaft ihrer Freundinnen befindel. Der Schwager bringt einen Ring, einen Seidengtirtel und einen Schleier. Hinter ihm tragt ein Knabe oder ein Madchen drei gestickte Tuicher und ein Glas mit reinem Wasser gefiillt. Beim Eintritte des Schwagcrs versteckei sich die anwesenden Frauen eine hinter dem Rticken der anderen, die Braut und derenl Freundinnen bleiben frci und unverhullt stehen. Diese fuhren die Braut dem Schwager zu und sagen:,Hier ub rgeben wir dir eineii Schatz!" Die Braut kusst dem Schwager die Hand, und er macht ihr, ihren Freundinnen und Begleiterinnen Geschenke in Geldstucken. Die Madchen treten dann zuruck, der Schwager legt den Gurtel der Braut um den K6rper und wirft ihr den Schleier tiber

Page  211 - 211 - den Kopf. Dann zieht er den mitgebrachten Ring aus der Tasehe wnd wirft ilin in das mit Wasser geflllite Glas, deckt dieses mit einem Tuche zu, fordert die Braut auf, den Ring aus dem Glase zu nehmen und ihm zu tiberreichen. Naehdem die Braut dieser Aufforderung Folge geleistet hat, steekt der Sehwager ilir denuselben vom Daumen angefangen der Reihe nach an alle Finger der reebten Hand, urn ibn zuletzt endgiltig am Mittel-finger zu belassen. Hierauf stellh er sich hinter der Braut auf, fasst sie mit den Handen an beiden Schultern, wendet sie der Sonne zu und ubersebtittet sie mit Zuekersticken, unter welche Silbermftnizen gemiseht wurden. Zuletzt nimmt er die mitgebrachten drei Ttieher an sich und begibt sich zu den maunliehen Hoehzeitsgaisten. lVber die Ursaehe und Entstelhung des Brauches, die Braut der Soune zuzuwenden, 1st im Volke niehts Genaues bekannt. Es heisst, der Profet Muhammed habe den Br~auch noch bei semnen Lebzeiten eingefiihrt. Auch das Farben der Hande und Fingernuigel. mit K'na bei den Franen, das Rasieren der Kiipfe bei den Mannern und das Schneiden der Naigel an Fingern und Zehen wird auf eine Einftihrung dureb den Profeteni zurtiekgeftlhrt. Es sind dies strenge genommen keine religit~sen Gebote. Wer dieselben zu ubeni uiterlasst, stindigt damit nieiht gegen eine religio~se Vorsebrift, aber am schreeklichen Tag-e des jtingsten Gerichtes wird der Profet einen jeden Moslim, der diese Gebrauche missaehtete und nieht iibte, in Anwesenheit Gottes rugen, weil er von ihm, dem Profeten, geiibte Brauche ausser aebt liess. Die Braut aebtet den Schwager gailz besonders. sic begegnet ibm und sprieht zu ihm. mit der gr~ssteni und ausgesuchtesteu Ehrerbietung,i wagt es kaum. ihn anzublickeni, oder in seiiner Gegenwart den Mund aufzutun. Sobald der Seliwager das Gemach verlassen hat, gehen die Angeht~rigen der Braut daran, sie zu verhbillen. 1st dies gesehehen. tiritt deir Hoebzeitszug seine Reise an. An dieser Stelle sei der Brautstaat und die Art der Verhtillung beschrieben. Den Uniterk~irper bedecken seidene ~Dimije", emn weites. faltiges, nach unten sich verengendes Beinkleid mit Tasehen au 14*

Page  212 - 212 - beiden iltiften, deren Rander sowohi, als auch die unteren, urn die Knt~che1 eng anischliessenden Rander der Dimije mit goldenen oder silbernen Borten besetzt sind. Die Etisse stecken in schwarzen Schuhen aus weichem, feinstem Leder, od er in gold- und silbergestickten Pantoffein aus Sammt oder Atlas. Den Oberkt~rper verlitillt emn Leibehen,,Koparan", dartiber emn Jakckheln, der,,Jelek" das tiber der Brust offen bleibt und bios oberhaib der Hiiften zugekn~5pft wird. Der "Jelek" ist mit Gold- und Silberfaden gestickt oder benaht. Anstatt des ",Jelek" wird haufig der "Fermen" getragen, emn kurzes, armelloses R6ckchen aus Sammt oder Seide von oben nach unten und von vorne nach rtickwarts mit goldenen und silbernen Borten benaht. Die Arme schmficken goldene und silberne Armbander, die Huinde zieren Ringe, welche immer am kleinen und am Mittelfinger der rechten Hand getragen werden. Manche Braut tragt bis zu zehn Ringen an diesen, beiden Fingern. Urn den ilals wird der Halsschmuck, Gjerdan, gelegt, der jiber die Brust herabfallt. Derselbe besteht aus Reihen von Dukaten und Perlen. Reichere Madehen besitzen einen Gjerdan von vielen iReihen,7 die bis an den Gtirtel reichen. Die gr6sste Sorgfalt wird auf die Kopfzier verwendet. Das Haar wird in sechs dicke Z~5pfe geflochten, welehe mit goldenen), silbernen und seidenen Bandern durchwunden sind nod Uiber die Schultern geworfen den iRtcken entlang hangen. An den Bandern werden kleine Btichschen aus feinem Silber mit Amuletten befestigt. Die Amulette sind Papierstreifen mit Versen aus dem Kur'an und Gebeten beschrieben, welche die Besitzerin vor dem b~sen Blick, vor Hexen und anderem Ubel bewabren. Arme Miidchen, besonders, Bauernt~chter, durchflechten die Ztbpfe mit alten Mflnzen, glanzenden Kn 6pfen, Glasperlen, metallen en Fingerhilten, metallen en Gewehrund Revolverpatronen u. dgl. Von den Schlafen reicher Madchen baumeln kostbare Schiafenringe, (Solofluk, plur. Solofluci) herab, wormn Dukaten angebraclit sind. Den Kopf bedeckt emn kleiner Fes, daran vorne eine Blume, eine Edelsteinagraffe und Dukaten. Die Toilette vervollstaindigt emn kostbarer Gtirtel,7 Traboloz oder' Kolana, der vorne mit Schnallen befestigt wird, welche oft durch das kostbare Materiale, aus dem

Page  213 - 213 - sic, angefertigt sind. und durch ihre Jnwelen- und Perlenzier bedeutende Werte darstellen. Nach Vollendung der Toilette begiunt das Verhillen der Braut. Dies geschieht auf folgende Weise: Emn Streifen, selir dunnen, aber tiberaus dichten weissen Leinenstoffes wird. urn das Kinn, den Mund und. den unteren Teil. der Nase gesehiungen, der ~Jaschmak". tVber den Kopf, die Oliren, die Stirne, und den oberen Teil der Kase wird der 1.6ember" gewunden, ein weisser Leinenstreifen langer und starker als der Jasebmak. Zwischen Cember und. Jaschmak bleibt ein etwa zwei Finger breiter IRaum frei, der es der Tragerin erm6glieht, ihre Augen zu. gebrauchen. Der Rticken. wird. mit der "Feredzve" bedeekt, einem lan gen armellosen Mantel. aus schwarzem oder griinem Tuch. VYber der Feredzve wird. die,,Havlija"l befestigt, emn Stuck Leinen von etwa zwei Metern Lange und einem Meter Breite. Die Havlija wird mit Nadein in der Weise am Kopfe festgemacht, dass der ktirzere Teil laings der Feredz'e herabwallt und der langere die Schultern und Arme einhtillt. Daruber wird. sebliesslich ein feiner, langer Sebleier, der,,Duvak" oder "Alduvak" befestigt, der vorne bis zum Gtirtel und. rtickwarts bis tief unter die Lenden herabreicht. In frtiheren Zeiten musste die Braut bei der immer zu Pferde zurtickgelegten Reise aus, einem Orte nach dem anderen noch eine ganz besondere Gesichtsmaske, vornebmen, eine,,Pe~a"-, mit welcher der Zwisehenraum zwischen Jasebmak and. Cember bedeckt wurde. Gegenwartig wird. dieser Brauch nur selten. noch geUbt. Die Kleidung der verheirateten. Frauen auf der Strasse ist der einer Braut auf der Reise nach dem ilause des Brautigams vtillig ahnlich und unterseheidet sich bios dadureb,7 dass der Kopf der Braut mit einem Schleier (Duvak) bedeckt ist. Wabrend die Braut angekleidet und. verhtullt wird, verteilt einer ihrer naichsten Angehb5rige-n versehiedene Arten. von mit Gold Silber oder Seide gestickten Ttichern unter jene- Hochzeitsgaste, weiche sich an dem Zuge beteiligen, der die Braut einzuholen gekommen ist. Bevor die Braut das viaterlichie Ilaus verlasst, ktisst sie dem Vater, der Mutter und (len alteren verheirateten Bradern die

Page  214 -- 214 - Bosnische moslim'sche Frau in Strassentoilette.

Page  215 - 215 - Hand. Die Eltern geben ibrer Tocliter Ratschhige, wie, sie sieh verhalten soil, urn dem Manne mid dessen Angeh~5rigen zu gefallen. damit sie sich im neuen Heim wohiftible. Dass es beim Abschied mitunter auch an Thranen niebt fehlt, ist bei dem zartlichen Verhaitnis der Familiengl ieder unter einander nicht zu verwundern. Die Fahrt nach dem Hause des Brautigams wird immer in einem gesehlossenen. Wagen. zurii ckgelegt. Reiche Braute bentitzen Kalesehen, deren Fenster hiberdies dieht verhangt werden, damit keia unberufener Blick in das Innere falle. Armere Braute nehmen mit Leiterwagen vorlieb.- tiber welehe auf Holzreifen. eine diebite Decke gespannt wird. Den Hochzeitszug er~3finet der 5,Alte. Svat"l, die wichtigsie Pers~nlichkoit im. Zuge, hoch zu Ross. Diese Wtirde bekleidet gewbthniehcl der angesehenste Mann irn Orte. Je h1lhergesteilt der,,Alte S-vat" ist, d esto mehr Ehire fur das Brautpaar und dessen Familieii. Hinter dem Ftihrer sebreiten die Lustigmacher (Calgidzvija oder OauS-), deren Aufgabe es ist, durch allerlei Spiisse, Schuacken und Schnurren die Hocbzeitsgaste zu erheitern unid zurn Lachen zu reizeni. Die Lustigmacher suchen die XWirkung ihrer Spasse durch allerlei komische Masken tunlicbst zu erbheien. Sie legen riesige fal-sehe Rirte aii, stecken sich Ziegenhb3rner und Fuchsschweife an, oder hMillen sich in Tierfelle. Hat der Hochzeitszug keinen weiten Weg zuruck zu legen, mussen die Lustigmacher vor Und neben demselben einherlaufen und die Teilnehmer auf dem Wege durch ihre Schwanke und Kapriolen erheitern. Den Lustigmachiern folgen die m~iinnlijl ien Hochzeitsgiiste; voran gehen die Verheirateten, hinter diesen die Unverheirateten, dann f'olgt die Braut mit den weiblichen Glisten und Begleitern. Der Wagen, in welchem die Braut fabrt, ist mit einer Decke verhtfilt, auf welcher Tticber liegen. Auch die Pferde, welche den Brautwagen ziehen, shid mit Ttichern geschmtickt. An diesem Sebmucke ist der- Brautwagen im Zuge leicht keuntlich. Die Bt'aut fAbrt bios mit der,Jengija" und einem. ihrer nachsten Angeh6rigen. Hinter dem Brautwagen falirt gewt~hnlich emn Wagen mit der

Page  216 - 216 - Ausstattung der Bitaut. Diese kann jedoch auch fr-ther in das Haus des Brautigams geschickt, oder sp~iter eingeholt werden. Die Mutter der Braut befindet sich niemals im. Hochzeitszuge. Diese bleibt allemal zu Hause. Bevor sich der llochzeitszug in Bewegung setzt, ejien ilerolde (M-u~tulukdz~ije) voraus, urn dem. Briiutigam. und dessen Angeho5 -rigen zu. melden, dass die Braut unterwegs sei, und in welcher Zeit sie eintreffen kann, damit die Bahn freigemaeht werde. Die Nachbarschaft des Brautigams erkennt aus det- Ankunft der Herolde, dass der Hochzeitszug- nahe und sammelt sich gegentiber dem. Hause des Briiutigams in Menage an, urn den Zug passieren zu lassen, lasst jedoch den Zugang frei, damit die Braut uiibehindert in's Haus gelangen. kann. Vor dem -Hause steigt die Br.aut vom. Pferde oder aus dem Wagen und wendet sich, von der Jengija g-eleitet, nach dem. Emngange. Hier empfangt sie emn Verwandter des Brautigam~s. In frflheren. Zeiten war es Sitte, dass der Briiatigam den Hocbzeitszug vor dem Eingange in sein Haus erwartete, die Braut vom. Pferde oder aus dem Wagen. bob und auf den Handen in's Haus trug. Voni der Strasse beg-ibt sich die Braut geradewegs nach dem Harem, wo sie von der weiblichen Verwandtschaft in Empfang genommen und mit dem Rufe ~Mavsallah!" begrtisst wird. Eine der Frauen bricbt tiher (lem. Kopfe der Braut eineen aus Weizenmehi gebackenen. Kucheni, der unter die weiblichen. Begleiter der Braut und Hausgenossinnen des Brantigams verteilt wird. Ein Sttick des Hochzeitskuchens iit eine sebr gesuchte Speise, denri scin Genuss ist ein wirksames Schutzmittel geg-en allerlei Kran kheiten. Hierauf werden der Braut zwei mit Wasser geftilite Gefasse gereicbt. Sie erfasst jedes derselben mit einer Hand und. steigt mit der Last die Treppen hinan. Auf der obersten Stufe angelangt schtitet sie das Wasser iiber die Treppe hinab, damit ihr das Gitick folge wie das Wasser fliesst. Datna schiebt man ihr unter die rechte Aebsel eiaen Kur'an oder emn anderes Buch religi6sen Inhaltes und ftihrt sie sehliesslich in das Innere des Harems. Die vollen. Gefasse mit Wasser und der Kuchen sollen. das Wohlergehen, das religitose Buch FrL~mmigkeit und Ergebenheit gegen Gott und alte Leute symbolisieren.

Page  217 - 217 -: `" "5-r *rai~: ~I~ r ~t -;.. ".i'.k~'f~: ~~Yr~i: '~~ ~r `~' ti. r. '...a.:kF ' ~u ''' t-~..,.. ~ ~~~ 1\, L. —i Ilt:x, r r r Ilercegovinische moslim'sche Frau in Strassentoilette.

Page  218 21 - Der erste Raum, nach welchem die Braut nunmehr gebracht wird, ist die Ktiche. Hier brennt auf dem Herde ein lustiges Feuer, zu welchem die Braut hinantritt, eines der brennenden Scheite erfasst und dasselbe dreimal gegen Sonnenaufgang schwingt, wobei sie den Namen Gottes anruft. Wo der Name Gottes erwahnt wird, haben die bosen Geister und Teufel keinen Zutritt. Aus der Ktiche begibt sich die Braut in Begleitung derselben Frauen, die sie an der Treppe erwartet haben, in das Brautgemach. Beim Betreten desselben legt sie auf dcii Boden oder auf den Stuhl, auf welchem sie sich niederlassen will, den Fes eiies Mannes, stellt oder setzt sich darauf. damit. so G,,tt will. das erste Kind ein Knabe sei. Die ubrigen begcbon sich cbcnfills in dcn Harem, betreten jedoch das Brautgemach nicht, sondern zerstrcuen sich ill den ubrigen Gemachern. Wahrend sich die Braut auf die beschriebene Weise nach dem Harem begibt, versammeln sich die miinnlichen Gaste im Selamluk. Sind ihrer so viele, dass sie darin keinen Platz finden, dann werden im Hofe oder im Garten unter schattigen Baumen Teppiche auf den Boden gebreitet uind auf die Polster gclegt, auf welchen sich die Gaste niederlassenr und in Gesprachen, mit Scherzen, Gesang and Spielen sich die Z^it vertreiben. Die Trauung findet nameltlich bci armeren Leuten noch an demselben Abend statt, delnn die Ilochzcitsfeierlichkeiten dauern gew6hnlich nur bis nach der Trauung. Reiche Leute, die es gerne haben, dass man von den Festen anlasslich ihrer Hochzeit lange Zeit spreche, und dass dieselbeii weit und breit bekannt werden, veranstalten durch mchrere Tage allerlci Feste. Im letzberen Falle wird die Braut am ersten Abend nicht gleich in's Brautgemach geftihrt, sondcrn bleibt bis zu dem fir die Trauung bestimmteii Abelnd bei den weiblichen Angehorigen des Brautigams im Harem. Vor der Trauung wird die Braut mit dem Farbstoffe,,K'na" gefarbt. Dies kann entweder im Elternhause der Braut, oder nach Eintreffen derselben im Hause des Brautigams vorgenommen weiden. Im ersteren Falle hat der Beistand (Kum) odcr der Brautigam

Page  219 -- 219 - den Farbstoff beizustellen, ebenso den Schleier, mit welchem sie nach dem Farben verhtillt wird. Dem K'na mengt er einige Geldmtinzen bei als Eutlohnung fur die Frau, welche das Fairben besorgt. Der Brautigam schickt immer mehr Farbe als notwendig ist. Mit dem Reste farbt sich eine arme Frau das Haar. Ausser dem Fabstoffe besorgt der Brautigam fur das Elternhaus der Braut auch soviel Zucker, Kaffee und Scherbet, als in der Nacht, in der das Farben vorgenommen wird, veibraucht werden soll. In den meisten Fillen wird jedoch die Braut erst nach ihrem Eintreffen im Hause des Brautigams mit K'na gefarbt. Dabei wird der folgende Vorgang beobachtet: Die Braut setzt sich nuf einen mit einem seidenen Kissen bedeckten Stuhl in einer Ecke des Gemaches, neben ihr stellt sich ihre Ratgeberin, die Jengija, auf. Auf ein gegebenes Zeichen, dass die Braut Platz genommen, betreten die weiblichen Hochzeitsgaste das Zimmer, gefolgt von einer Dienerin oder einem hiezu gemieten armen Madchen, welches der Braut die Kopfbedeckung, die Feredze, den Brautschleier und die Schuhe oder Stiefel abzieht und hiefur ein Geldgeschenk erhalt. Hierauf setzt sich die Braut abermals nieder und bedeckt ihre Knie mit den Handeu u. zw. das rechte Knie mit der rechten, das linke mit der linken Hand. Das Madchen, welches das Entschleiern der Braut vornahm, bringt nun zwei volle Glaser Scherbet herein und reicht dieselben der Braut. Diese schlurft aus dem einen Glase einige Tropfen, die Jengija trinkt aus dem anderen Glase und Beide schenken dem aufwartenden Madchen etwas Geld. Das Glas, aus welchem die Biaut getrunken, wird dem Brautigam nach dem Selamluk uiberbracht, der ebenfalls davon trinkt und die Aufwarterin beschenkt, die mit dem Scherbet nach dem Brautgemache zurtickkehrt und den Rest den weiblichen nachsten Veiwandten des Brautigams zu trinken gibt. Dies Trinken der Verwandten aus dem Glase der Braut ist ein Zeichen derLiebe fur das neue Familienmitglied. Hierauf wird ein frisches Gefass mit Scherbet aufgetragen nebst soviel Glasern, als sich Frauen im Brautgemache befinden, von denen jede aus dem erst — besten Glase trinkt und das aufwartende Madchen beschenkt.

Page  220 - 220 - Nacb dem. Scherbet wird Kaffee her-umgereicht, zuerst der Braut, dann der Jengija und dann der Reibe nach den ftbrigen Gasten. Den Kaffee bringt gew6hnlich emn anderes Madohen aus armeir Familie und wird dafur von den Gasten ebenafalls mit Geld beschenkt. Nun werden die Vorbereitungen fair das FarbeD der Braut mit K'na getroflen. Bevor dies jedoch vorgenommen wird, tritt der Beistand (Kum, Pate) der Braut in Begleitung seiner Gattin i's Gemach. Diese gilt von da ab als zweite Jengija. Der Kum stelit sich hinter dem. Rucken der Braut auf, fasst sic mit den Handen an den Schultern Und wendet sie dreimal in der Riebtuing gegen die Sonne. Dann bolt er einen Ring, den Trauungsring, bervoi', fasst die Braut an der recbten Hand, steckt den Ring je, dreimal an jeden Finger und lasst denselben zuletzt am Ringfinger stehen. Der Trauungsring steht hoch im, Ansehen. Die Braut triigt ihn durch ihr ganzes Leben, denn sie glaubt fest daran, dass es fiber sie und das Haus, in weiches sie eingeheiratet, grosses Ungluck bringen wfirde, wenn der Trauunigsring verloren ginge. Dieser 'Glaube von der Kiuaft des Trauungsringes ist im. Volke fest und tief verbreitet. Der Beistand bat mit dem. Anstecken des Trauungsringes seine Funktion beendet, und er verlasst das Gemach, n~acbdem. er seiner Frau einige GeldmUnzen ubergeben, die der Farbe beige-.mengt werden, wenn man diese aufkocht. Nachdem. sich der Kum entfernt bat, bringt eine der jtingeren Anverwandten in eineM neuen, bis dahin noch ungebrauchten 'Geftisse die K'na nebst Rosenwasser und reicht dieselben der Frau -des Beistandes, die als Jengija beim. Farben funktioniert. Diese wirft die von ihrem Manne erhaltenen Muinzen in das Gefqss und rtibrt mit denselben den mit Rosenwasser vermengten Farbstoff urn, indem. sie sich mit dem. Rticken gegen Sonnenuntergang und mit dem Antlitz gegen Sonnenaufgang wendet. Das Umriibren der K'na beginnt die Gattin des Kum vor.dem Abendgebete (Aksvam) und setzt dasselbe his nach Vollendung -des Gottesdienstes fort. 1st dieser vortiber, lasst man von einem lkleinen Knaben zwei Kissen in's Brautgemach bringen und dieselben

Page  221 - 221 - auf den Fussbodetn mitten im Gemache niederlegen. Dartiber werden, soviele Leintticher ausgebreitet, als die Braut unter ihrer AusstattUng besitzt. Die Braut setzt sich auf die Poister nieder, rechts von ihr die Jengija, links die zweite Jengija, die Frau des Rum. Diese farbt Hande und Ftisse, der Braut mit dem K'na und zwar zuerst die recbte Hand bis zur Handwurzel und dann den linken Fuss bis zum Kn~jchel, sodann in derselben Weise die linke Hand und den rechten Fuss. Die gefiirbten Gliedmassen werden in rot geftirbte Leinenstticke (Aspura) gewickelt, die man mit Gold- oderSilberdraht festmaeht, damit sie niclit abfallen. Wiihrend der' Dauer des Auftragens der Farbe auf Hrinde, und Ftisse halten drei Knaben aus der Verwandschaft je eine brennende Kerze in die HMhe. Die Kerzen sind mit gestickten Tiichern umwunden, die den Knaben Uberlassen werden. Nach dem Farben legt die Frau des Rum die Braut auf die Kissen nieder und neben sie fur einige Augenblicke ein Kind miinnlichen Gesebleclites aus der Verwandtschaft. Die Biaut bleibt auch dann liegen, nachdem man das Kind weggenommen hat. Hierauf werden die Kerzen verlhscht, jedoch nicht dureb Ausbiasen, sondern indenx die Knaben, welche sie beim Fiirben hielten, dieselben gegen die Zimnmerdecke drticken Und so zum Verliiseheu bringen. K~3nnen die Knaben nicht an die Zimmer-decke langeii, dann hebt sie Jemand. in die Ht~he, bis sie hiinanreichen. D'ie also verliischten Kerzen nimmt die Schwiegermutter der Braut in Verwabrung. Nach dem Farben steckt die Frau des Rum der Braut in die rechte Hand das von ihrem Manne zum Umrtrhren der Farbeerhaltene Geld, in die Linke emn Geschenk im. eigenen Namen. Wtihrend die Braut mit K'na gesalbt wird, singen die dabei anwesenden -Madehen und jungen Frauen allerlei Lieder. Das ge — brtiucblichste ist das Folgende: Izvila se zlatna zvica iz vedra ueba, Savila Se nasem bratu oko kalpaka. Nek se sjaji nas' brat megju druzvinom, Kano sjajna zvizda na vedru nebu. Jzvila se zlatna Z'ica iz vedra neba, Savila, se nasoj snahi oko duvaka.

Page  222 - 222 - Nek se sjaji nava Snaha megju drugama, Kano sj ajna zvizda na vedru nebu. (Herab senkt' sich ein goL'nei' Faden voit kiaren Himmel, Hat gewunden sich uns'rem Bruder urn den Kalpak. Mige glanzen unser Bruder unter den Genossen Wie emn glanzend sehL~nwr Stern am kiaren Himmel. Herjtb senkt' sich emn gold'ner Faden vom. klaren Himmel, Hat gewunden sich uns'rem Brautlein urn dem. Schlieer. Moge glinzen unser Brautlein uInter Freundinnen, Wie eiD glanzend schL~neir Stern am klaren Himmel). Diesem Liede folgt emn zweites, das wegen seines innigen -Inhaltes bei ahnlichen Anlassen nirgends in Bosnien und der Herc-egovina ungesungen bleibt. Es lautet: Nasva snaho, je 1' ti zvao majke? Nasa snaho, nek ti nije Z'ao majke,, Ovdi tebi bolju majku kaz"U. Nasva snaho, je 1' ti zvao babe? Nava snaho, nek ti ni je vao babe, Ovdi tebi boIjeg babu kazvU. Nasva snaho, je 1' ti zvao brace? Nas-a snaho, nek ti nije zvao brace, Ovdi tebi boIjeg, braeu kaz'u. Na va snaho je 1' ti zvao seke? N asa snaho, nek ti fnie Z'ao seke, Ovdi tebi bolju seku kazyU. Nava snaho, je 1' ti zyao dvora? Na-sa snaho, iiek ti iilje zvao dvora, Ovdi tebi boIje dvore kaz'u. *(~Lieb Brautlein fein, trauerst wobl urn die Mutter dein? Lieb Br~iutlein fein, nieht trau're urn die Mutter dein, -Hier harret deiner eine bess're Mutter. Lieb Brautlein fein, trauerst wobl urn den Vater dein? Lieb Brautlein fein, nicbt trau're urn den Vater dein, IHieir harret deiner emn besserer Vater. -Lieb Brautlein fein, trauerst wohi urn den Bruder dein?

Page  223 -'223 - Lieb Briiutlein fein, nieht trau're urn den Bruder deiD, flier harret deiner ein besserer Bruder. Lieb BrAutlein fein, trauerst wohl urn die Schwester dein? Lieb Brautlein fein, nicht trau're urn die Schwester dein, flier harret deinier eine bess're SchwNester. Lieb Brautlein fein, danert dieh das Vaterhaus dein? Lieb Brautlein fein, nicht trau're urn's Vaterhaus dein, Hier harret deiner eine bess're Heirnat). Wabrend des Salbens und der Gesaiige fehit es nattirlieb nieht an Thranen. Die Frauen u-nd Madehien sind unter sich und k~znnen ibren Geftihlen freien Lauf lassen, besonders, wenn es sich urn eine Braut handelt, die nieht demn Mannle ibrer Neigung folgt. sondern tiber Wunsch der Eltern verheiratet wird. iNur Braute. welche den Main ibres Herzens hejiiaten, weinen nieht, sondern verhehien ibre Frende dartiber nieht. Manche gluckliehe Braut beantwortet das obige Lied mit der fr~bliehen Bernerkung: ~Auch ich weiss es, dass es mir hier besser gehen werde. WtIsste ich es nicht. ware ich jetzt nieht hier!" Niehtverbrauchte tVberbleibsel der K'na werden unter die anwesenden Frauen und Madehen verteilt, die sich zu Hause das Haar darnit f-arben. Die Braut blefibt auf den Kissen efine Stunde hindurch liegen worauf sie die Frau des Beistandes aufriehtet und sie in sitzende Stellung bringt. Man holt sodann ein Wasebbecken und emn Geffiss mit reinern 11rasser, die zweite Jenigija windet den Gold- oder Silberfaden ab, der urn ibre Huinde und FtIsse geseblUngen war, wickelt die Leine~tihlile herunter und wascht der Braut hieirauf die reebte Hand und den reeliten Fuss, sodann diio linke Hand und den linke'n Fuss. Dann zerreisst sie die Metalifaden in kleine Stticke und verteilt dieselbe unter die anwesenden Frauen und Mg dehen, welehe sie urn die Handkntchel binden. Die Leinwand von dei' rechten Hand und vorn recbten Fusse wird unter das Kopfkissen des Bi-autbettes gelegt, die von der linken Hand und -vorn linken Fus~se als wirksames Mittel gegen Seitenstechen unter arne Frauen und Madehen ver-teilt. Wer' an Seitenstechen leidet. lege auf die schmrn'zende Stelle emn Stuck der' Leinwand, und der

Page  224 -- 224 Schmerz wird alsbald aufhiren. Das Wasser, mit welchem die Hinde und Ftsse der Braut nach dem Fiirben gewaschen wurden, wird den Haustieren vorgesetzt. Die Braut erhebt sich hierauf von ihrem Lager, ktisst zuerst der Schwiegermutter, dann den beiden Jengije und schliesslich den tibrigen anwesenden Frauen der Reihe nach die Hand. Die Frauen verlassen sodann das Brautgemach. Blos die erste Jengija bleibt bei ihr zurik. Nun folgt die Trauungszeremonie. Bevor der funktionierende Hodza die Trauung vornimmt, entsendet er den Vertreter der Braut nebst zwei Zeugen zu dieser in's Brautgemach mit der Frage, ob sie in die Trauung willige, und ob sie mit dem Vertreter und den Zeugen zufrieden sei. Die Braut setzt sich verschleiert in eine Ecke und empfaingt dort die drei Abgesandten. Bei ihrem Eintritte erhebt sie sich und ihr Vertreter flagt sie:.Willst du dich tatsachlich trauen lassen?" Auf die erste Frage antwortet das Madchen nicht, auch die zweitmalige lasst sie unbeantwortet, damit nicht der Anschein erweckt werde, dass sie es kaum erwarten konne. Erst bei der drittmaligen Fragen sagt sie:,, Ja, ich will." Hierauf fragt der Vertreter:,Wie willst du heiraten, und wieviele Tausend verlangst du?" Die Antwort lautet:,Um zwolftausend Akci nach,Mehri Muedzel", eventuell,Mehli Muadzel". Auch diese Frage wird dreimal gestellt und dreimal beantwortet. Der Vertreter wendet sich hie auf an die beiden Zeugen und fiagt:,Habet ihr ihre Erklarungen vernommen?" Sie antworten:,Wir haben gehort". Hierauf fragt er die Braut wieder:,Willst du, dass ich dein Vertreter sei? Antwort:,Ich wtinsche es." Ferner:,Willst du diese beiden Manner als Zeugen?" Sie erwiedert:,,Ich bin mit ihnen einverstanden". Nachdem diese Fragen und Antworten dreimal wiederholt wurden, verlasst der Vertreter nebst den beiden Zeugen das Qemach und die Braut setzt sich wieder in die fitihere Ecke.

Page  225 - 225 - Die drei Abgesandten haben sich mittlerweile nach der Mannerabteilung begeben, wo der ftir die Voliziehung der Trauung herbeigerufene Hodzva sic fragt:,,Hat die Braut zugestimmt, sich trauen zu lassen und urn wieviel?" Der Vertreter beriebtet, was ibm die Braut erkiarte, worauf der Hodz'a sich an die beiden Zeugen wendet und sie fragt:,Habet ihr das mitangehrt2" Die Zeugen bejahen, womit die einleitenden Formalitaten beendet sind. Nun wendet sich der llodza zum erkorenen Vertreter der Braut und. den tUbrigen anwesenden Ma~nnern und spricht die folgende Formel:,,Bismillahir rabmanir rahim, Allahun emrile, ve pcjgamberun sun-netile, ve imami Amazu-n`) kavlile, ye 01 ikisun rida-lerile, ve kizun tarafunden vee'aletum hasebile, ve hadir olan -Sebadet lerile, jalinuz on ikibin ake' es mehri rnuedzvelile2" Was in deutseher Sprache bedeutet:,,IUnter Anrufung des Namens des grossen Gottes, nach g6ttlichem Befehi und dem vom Profeten eingeftuhrten Brauche, nach den vom Imam Azam efteilten Leliren bei gutwilligem Emnverst~indnis von beiden Sciten und von Seite des Madehens mit deiner Vollmacht in Gegenwart der Zeugen, gibst du sie urn zw~51ftausend Ake'e nach Mehri Muadz~el (eventuell Mebri Muedzvel)?" Die obige Form wird in dem angeftihrten Wortlaute in tiurkischer Sprache hergesagt, worauf der Hodzva dann in kroatischer Sprache fortfahrt:,,Gibst du die Fatima, Tochter des Sulejman lbrahimpaisV'i dem ilusein Hodzvi6?" Der Bevollm~ichtigte de'r Braut antwortet:,Jch gebe sie!" Der Hodz'a ricbtet hierauf an den Vertreter des Briiutigams die Frage:,,Nimmst du die Fatima, Toehter des Sulejman Ibrahimnpasi6, mit Leib und Seele?" Im Namen und in Vertretuing des Britutigams autwortet dessen Bevollmachtigter:,,Ieh nehme sie!" Diese Fragen werden dreimal wiederholt und ebenso oft beantwortet. *) Imami Azam oder Eazem war im zweiten Jahrhundert des Islam ein angesehener Theologe. 15

Page  226 - 226 - Wahiend der Hodz'a mit dem Bevollmhchtigten des Briiutigams spricht, stehen die beiden Zeugen desselben dabei und achten auf alles. a Der Hodi~a fragt den Bevollmiichtigten ferner:,,Nimmst du diese beiden Mhinner als Zeugen an Der Bevollm'ichtigte erkliirt:,,lch nehme sic an"~. Dann. erst wendet sich der JIodz'a an die Zeugeii selbst mit der Frag-e, ob sie die Zeiigenschaft tibernehme-n. Nachdem diesel dreimal einc zustimmende Erklarung in positiver Form abogegbeii haben, frl-igt der Hodz'a den Vertreter des Briiutigams dreimal:,,Scn dahi vedz~hi mcs-ruh uzre?-" - (Nimmst du sic in der Weise, wic eben gesagt wur de) INaclidem der Bevollmachtigte die Frage dreimal beantwortet undjedsma,Ich nehrne sic" gcsa~gt hat, spriclit der Hodzva dlie cigentliche Trauungsformel in tiirkischcr Sprache:,.Ben dahi vedz~hi me'sruh uzre nid'al ejledum", (Ich traue cuch demnach hiemit in der oben angegebeneii Weise). Sind die Trauungsformalitaten in der beschriebenen umstandlichen Weise erledigft holt der Hodz"a den Kur'an hervor und rezitiert die ffir Trauungen vorgesehriebenen Gebete, die Anwesenden begleiten jeden Satz mit dem Zurufe:,,Amin!", womit die Trauung vollzog~en 1st. Wie bereits gesag-t und aus der Bcschreibung der Trauungszcremonic ersichtlich, ist das Brautpaar bei derselben pcrs~inlich nicbt anwesend, sondern duireh seine Bevollmiichtigten und deren Zeugen vertreten. Die IBraut weilt im Harem, der Brautigam gewihnlich in cinem Nebengemache, wo er alles h~5rt, was der Hodzva mit den Bevollmtichtigten und Zeugen spricbt. Sobald der Hodzva das Gebet nach ausgesprochener Tranungsformel herzusagen begiunt, ruft der Brautigam auch scmin Amin!" dazwischen. Nachdem der Hodzva das Gebet beendet, tritt der Brautigain in das Gemach, in weichem die Trauung volizogen wurde, ktisst zuerst dem Hodzva, dann scinem und dem Vater der Braut, scbliesslich alien anwesenden verheirateten Mannern die Ha-nd. Hierauf stellt der JHodzva eine schriftliche BestAtigung aus, wNonach er das lBrautpaar getraut babe. Dieser Trauungschein hat

Page  227 - 227 - den folgenden Wortlaut:,,eh bestiitige, die Toehter z. B. Fatima des Sulejman Ibrahimpa'si6 aus dem Dzvemat Fetija dem Husein Hodzvic')Sobn des Muhamed Hodvi' aus dem Dvemat Hotinat mit ihrer Einwilligung durch Vermittelung ihres Vertreters Mebo ~ehovic' und der Zeugen Selim Alik' und Muhamed Hodzvi6 urn 12.000 Akc'e mit,,Mehri Muedzvel" (resp.,,Mehri MuadZ~el"-) angetraut Zn haben." Der untersebriebene und mit dem Muhur, dem Amtssiegel, versehen e Trauungsschein wird dem Bevollma~chtigten des Brautigams eingehandigt, der ihn. dessen Vater tibergibt. Dieser gibt Ihn an seine Frau weiter und diese llberreieht das Dokument der Schwiegertoebter zur Aufbewahrung als Beweissttick ftlr den Fall einer Sebeidung. Nun begibt sich der Brautigam in das Brautgemaeh zu der seiner harrenden Braut. Seine Ankunft wird der Jengija dureh einen der nachsten Anverwandten frtihfer gemeldet. Die Jengija erwartet den Briiutigam an der Ture stehend und erhalt von ibm bei seinem Eintritte emn Geidgesehenk, worauf sie das Gemach verhIsst und sich den weiblichen Hoehzeitsgatsten im Harem anschliesst. Den Weg zum Brautgemache legt der Brautigam jedoch nicht allein zurtick, sondern er wird auf diesem Gauge von semnen gesamten manulichen Anverwauidten begleitet, die sehr darauf achten, dass ihn niemand stosse. Die frftheren Genossen des Brautigams aus der Junggresellenzeit versuchen es namlieh, ibm ei nige freundschaftliche Rippenstz~sse za versetzen, was verhtitet werden soil. Nachdem die Begleiter den Brautigam bis zur Ture des Brautgemaehes geleitet baben, kehren sie um und begeben sich in den Selamluk. An der Ture wir'-d er noch von seiner Mutter erwartet der er noch die, Hand ktisst, um dann. endlich das Gemach zu betreten. Mit dem Augenblicke, in weichem sich die Ture des Brautgomaches hinter dem Brdutigam gesehiossen hat, enden die Hochzeitsfeierlichkeiten. Die Gaste trinken noch ihren Absehiedskaffee, rauchen ihre Abschiedszigarette und verlassen dann (]as Hans. Am Morgen des nachsten Tages legt der junge Ehemann unter das Kopfkissen des Brautbettes einen Geldbetrag und die 15*

Page  228 - 228 - junge Frau emn Piekchen mit Wasehestticken, in emn gesticktes Tuch gewickeit (Bos-ealuk). Naehdem das junge Ehepaar sich angekleidet und das Gernach verlassen hat, kommnt die Jengija, urn das Bett in Ordliung- zu bri-ngen. Sie findet die zurueckgeiassenen Gesehenke und nimmt sie als EntiohnUng fair ibre mit der Braut am Hochzeitstage gebiabte Mltbhe an sich. Am Vormittag-e finden sicli abermais Frauen und Madehen bei der Neuvermahilten cin. Jede bringt ein Gesehenk, bestehiend aus Bargeld, Schm ucksacheD, Esswarenu oder Kleidu ngssttieken. Die Besucherinnen,7 weiche eim Gesehenk gebracht haben, bleiben bei der jungen Frau zu Mittagy zu Gaste. Aber nicht bios die Nachbarinnen uiid Freundinnen besehenken am Morg-cil nach der Hochzeit die, juinge Frau, dassebe tun a~uch sd-rtliche, mannliche Anverwandte des jungen Gatten, vor allem dieser sclbst. der die U~brioen, zu tiberbieten- traehitet. Die junge Frau empfangt jcdoch inicht bios Gesehelnke, sie verteilt audi soiche, oder eigentlich in ibrem Namen die Jengoija, zumeist von der Hand der Neuverm~hiten noch vor der Hoebzeit an geferti gte Stick ereicn u nd Kili du ngsttIcke. Reiche Eltern eines jungen Paares veranstalten nach deni eig-entlichen IHocbzeitstag-e im Freien ailerici Volksbelustigun gen, Pferderenncn, Wettlauf zu Fusse, Wettspringen auf aufgeblahte Ziegenschilauehe oder emn Wettkiettern. Ft~r das ietztere wird cine lanige dtunne Stange zuerst mit Teer, dann mit Taig bestrichen, an. der Spitze wird ein Stack Seiden- oder Tuebstoff als Preis angebraeht, die Stange in die Erde gerarnint, worauf das Kiettern. beginnt. Wer ais Erster die Spitze der Stange erreicht, nimmt den Preis an sich. Bei den Pferderennen, die bereits bei der Bechreibung der anilisslich der Beschneidung von Knaben veranstaiteten Festlichlkeiten beschrieben wurden, pflegt emn Pferd der Siegespreis zu sein. Dies wird saint Sattel, Decke und. Zaumzeug geg-eben, so dass, es der Sieger sogleich besteigen kann. Die Pferderennen werden. vom Vater des Brautigams, der Wettlauf zu Fusse von den Eltern, der Braut veranstaltet. Die Veranstaiter stelien die Siegespreise bei.

Page  229 - 229 Ausser diesen Veranstaltungen anlasslich einer Hochzeit lassen die Eltcrn des Brautpaares auch in den Kafanas der Nachbarschaft alle Welt auf ihre Kosten mit Kaffee bewirten. Wer im Verlaufe der ersten acht Tage nach der Hochzeit in's Haus oder in den Verkaufsladen kommt, wird sogleich mit Kaffee bewirtet, wer es auch inmer sei. Nimmt ein bereits verheirateter Moslim cine zweite Frau, dann werden Trauung und Hochzeit ganz so veranstaltet, wie bei der ersten. Die zweite Frau erhalt blos von der ersten raumlich gesonderte Wohnraume. Die Einrichtungsstticke im Zimmer einer Frau, ferner alle Geschenke, die sie von wem immer erhalten hat, bilden ihr ausschliessliches pers6nliches Eigentum, auf welches ausser ihr Niemand Anspruch erheben darf. Fromme, die religiosen Vorschriften strenge beobachtende Frauen eines und desselben Mannes. namentlich wenn sie dabei sanfter Gemtitsart sind, vertragen sich unter einander und leben in schonster Eintracht. Sie verbringen die Zeit gewohnlich mit einander. Einer meiner Freunde erzahlte mir, dass die zweite Frau, die er genommen hatte, die erste Gattin bei der Zusammenkunft umarmte und ihr trostend sagte:,,Zirne nicht, Liebe, der Profet hat es so angeordnet". Und die beiden Frauen lebten fortwahrend in schonster Eintracht. Gar zu haufig sind naturgemass die Fille nicht, in denen sich zwei Frauen eines und desselben Mannes freundschaftlich vertragen. Viel haufiger kommt es zu Zank und Streit, mitunter auch zu Tatlichkeiten, und die Unannehmlichkeiten muss dann der Mann auskosten. Um denselben nach Tunliehkeit auszuweichen, muss er jede Veranlassung vermeiden, die ohnehin bestehende Eifersucht der Frauen durch Bevorzugung der einen vor der anderen zu steigern. Am besten tut er naturlich daran, dafUr zu sorgen, dass sich die Frauen nicht treffen und mit einander nicht in Beruhrung kommen. Wer es nur vermag, weist jeder Frau eine von der anderen gesonderte Wohnung zu, um Ruhe zu haben. Denn obwohl der Mann der unbeschrankte Herr und Gebieter in Haus und Familie ist, obwohl die erste Frau nach dem Gesetze

Page  230 -230 - der zweiten tibergeordnet ist, iiberschaumt es doch haufig bald bei der einen, bald bei der anderen und es entstehen Zwistigkeiten, die sich nur durch eine Scheidung der einen oder der anderen Ehe schlichten lassen. Wenn ein lediger Mann eine Witwe heiratet, werden alle Vorschriften und Zeremonien eingehalten, wie bei einem Madchen, blos das Salben der Hande und Ftisse mit K'na fallt weg, das schon anlisslich ihrer ersten Heirat vorgenommen wurde. Auch bei der Hochzeit eines Witwers bleiben die Zeremonien dieselben, wie wenn ein lediger Mann heiratet. Etwa vier oder fiinf Wochen nach der Hochzeit macht der junge Ehemann den ersten Besuch bei seinen Schwiegereltern. Er wird hiebei immer von seinemn Vater oder einem Anverwandten begleitet. Die Gaste werden sehr freundlich empfangen und ihnen zu Ehren wird ein Festmahl veranstaltet, an welchem die ganze Anverwandtschaft teilnimmt. Manchmal wird die Besuchsdauer bis zu einer Woche ausgedehnt. Bevor der junge Ehemann von seinem Besuche heimkehrt, obliegt ihm die Pflicht, den Schwiegervater, die Schwiegermutter und die Angehorigen seiner Frau zu beschenken. Der Schwiegervater erhalt einige Ellen Tuchstoff, die Schwiegermutter ein StUck Seide, die Verwandten sonstige passende Geschenke. Ist der Schwiegersohn reicher als der Schwiegervater, macht er diesem auch noch ein Geldgeschenk. Auch die Dienerschaft beiderlei Geschlechtes im Hause der Schwiegereltern wird reichlich mit Geschenken bedacht, am reichlichsten die Ktichenvorsteherin (Kaduna), welche die Mahlzeiten fur den Gast besorgte. Die Geschenke des Schwiegersohnes werden von den Angehorigen seiner Frau nicht unerwidert gelassen. Auch sein Begleiter wird mit Geschenken bedacht. Nachdem sich die Gaste niedergesetzt haben, um den Abschiedskaffee,fiir eine gltickliche Reise" zu trinken, bringt ein Diener des Hauses die den Gasten zugedachten Geschenke auf dem rechten Arm. Nachdem er in's Zimmer getreten, legt er die Geschenke auf den linken Arm, von wo er dieselben dann mit der rechten Hand nimmt und den scheidenden Gasten auf den Schoss legt und daftir von ihnen ein Geldgeschenk erhalt. Hierauf erheben sich die Gaste, um sich auf den Weg zu machen.

Page  231 - 231 - Zum Absehied kttsst der jUnge Ehemann den Schwiegereltern die Hande, Und diese umarmen. ihn. Die Moslims ktlssen sich niemals auf Mund oder Wange. Sie umarmen sich und der Eine legt dem Anderen den Kopf zuerst auf die rechte, sodann auf die linke Schulter. In kurzer Zeit erwidern die Schwiegereltern den Besuch des Schwiegersohnes und dessen Verwandten. Die Schwiegermuttcr geht niemals allein. Sie flhrt allemal eine oder zwei Freundinnen mit, Uberdies eine Dienerin, welche die mitgebrachten Geschenke tragt. Uberhaupt geht emn bejahrterer Moslim oder dessen Frau. niemals allein zu Besuche. Der Main ftihrt immer einen Diener, die Frau eine Dienerin mit. Alte Dienstboten werden bei den Moslims sehr geschiitzt. Man betrachtet sie gar nicht als Diener, sondern als Freunde und. FaMilienmitglieder. Es ist kein Fall bekannt, dass ein in der Familie, alt gewordener Diener oder eine solehe Dienerin aus dem Hause gewiesen worden waren, wenn sie arbeitsunfahig wurden. Ganz besonders geschatzt werden von den Eltern tibernommene Dienstboten. Diese Wertschdtzung geht so weit, dass sich die Frau. des Hauses, die sich bios den allerniichsten marinlichen Angeh&~rigen unverhtillt zeigt, vor einem im Hause alt gewordenen Diener nicht verhtillt. Wenn eine Frau. zu den Anverwandten ihres Schwiegersohnes, zu. Besuche geht, nimmt sie Kuchen, Zuckerwerk und allerlii Stissigkeiten in so vielen Holzkistchen mit, als die Familie des Schwiegersohnes Mitglieder zahit und Anverwandte in dem betreffenden Orte wohnen. Auf jedes Kistehen wird emin Bokaluk" gelegt, denn wer mit Kuchen und Zuckerwerk beteilt wird, erhjit auci einen Bo-sAaluk. Besonders reich beschenkt wird die jungverheiratete Tociter, deunn diese erhiilt ausser den gleichen Gaben wie die tibrigen Hausgenossen. auch noch einen j, akum" Kleider, das ist eine ganze Garnitur Kleidungsstticke vom Hemde his zum Winterrock. Die Geschenke verteilt nicht die Frau selbst, sondern immer die mitgebrachte Dienerin, weiche daftir reich mit Gaben bedaclit wird. Den ersten. Besuchstag verbrinDgt die zu. Besuche weilende Frau. im Harem in Geselisehaft ibrer Tochter und der Mutter ilires

Page  232 -232 Schwiegersohnes. An den darauffolgenden Tagen worden Gaste geladen, um die Bekanntschaft der neuen Anverwandten zu machen. Ist die Sippschaft eine verbreitete, dann dauern die Gastereien mitanter zwei bis drei Wochen. Jede der zu Gaste geladenen Frauen beschenkt beim Weggehen die Dienstboten, hauptsachlich jedoch die Kochin. In frtiheren Zeiten wurden die,Trinkgelder" in der Ktiche unter irgend ein Gefass gelegt. Heutzutagc druickt man sie der Dienerschaft direkte in die Hand. Nachdem alle weiblichen Verwandten die zu Gaste weilendc Schwiegermutter besucht haben und ihr zu Ehren zum Essen geladen waren, kehrt sie nach Hause zurtick. Aber sie geht nicht mit leeren Handen, sondern nimmt allerlei Geschenke fur ihre Hausgenossen mit. Damit sind die von der Sitte vorgeschriebenen Besuche, im Okzident wtirde man sie die offiziellen nennen, erledigt. Die Verwandten besuchen sich wohl auch spater ofters, aber der Austausch von Geschenken findet nicht mehr statt. Blos die Dienerschaft wird bei jedem Besuche reich beschenkt.

Page  233 VI. Itj der Ehe. Inj Alter. Die ersten aelit Tagre naeh dcr Jloezeit, solamgc Gaste und Gratulanteni hiiufiger in's Ilaus koinmen, tragrt die junige Frau die Hoehzeitsklcider, die sie von ihrem Brciiutigam zum Gesehenke erbalten hat. Nach der llochzeitswoche werden die Kicider aufbewahrt und bios am Baj'ram oder dann getragen, wenn vornebmer Besuch im Harem ist. Ruht aber das Prunkgewand auch gewi~hnlich wohiverwahrt in der geschnitzten Truhe, vernlachliissigt die moslimische Frau trotzdem nicht ihre aussere ErseheinUng. Sie achtet vielmehr sehr darauf, immer sauber gekicidet und geschmuickt zu sein. Wohi kann sie ihren Schmuck nicht auf der Strasse zur Schau tragen, aber sic, schmi~ckt und ziert sich fur ihren Mann,7 fdr ihn bringt sic ihre Schiinheit zur Geltung, damit seine Liebe zu ihr von Tag zu Tag zunehme. Hat sich eim Madehen in ein armes Haus verheiratet, dann muss sie wohi wenige Tage nach der Hochzeit die Armel aufsttilpen und bei der Arbeit zugreifen. Reiche oder auch nur wohihabende Frauen mussen sich nicht mit ki~rperlicher Arbeit plagen. Sic haben ftir alle Verriehtungen in Ktiehe,7 Haushalt und Stall Diener und Dienerinnen zur Verfugung, und der Mann tragt daftir Sorge, dass sich alles im Hause vorfinide, wessen es bedarf.

Page  234 - 234 - Hat dje jUnge Frau. in emn wohihabendes Haus eingeheiratet, in weichem sich mehr-ere Frauen befinden, wie Schwiegermnutter und einige Seliwagerinnen, da~nn hat sie im. ersten Jahre ihrer Ehe bios far ibren eingeren Haushalt, ihre Wohnung und ihren Gatten Sorgc zu tragen. Sie befasst sich mit Nahen, Sticken und sonstigen. weiblichen. Handarbeiten, betatigt sich jedoch nicht im, Haushalte; sie kocht, biiekt und w~scht nicht. Die junge Frau wird von ihrem. Manne und dessen Angehlrigen f~5rmlich verhatschelt, man liest ihr die WtInsche f Li-mlich an den Angen Ab und es hangt fast immer von ihr selbst und ihrem. Temperamente ab, dass sie sich gluicklich und zufrieden ffthle. Das, innige Familienverhaltnis zwisehen der jungen. Fran. und den tibrigen Hausleuten gelangt in der Weise zum. Ausdrucke, wie sie dieselben anredet. Jhre Sehwiiger nennt sie z. B. niemnals, bei ihiren NameD, sondern ruft dieselben,,Mein lieber Bruder, mein goldener lBeg, mein kostbarer Ring", die Sehwagerinuen nennt sie,silsse oder goldene Schwestern". Von den Scbwdgern. wird die junge Frau.,Sehwester, Perle"l u. s. w. genannt. INaehst einem. sanften. und ruhigen Naturell gehoren Fr~mmigkeit und Gehorsam. zu den hauptsaehliehsten Tugenden einer jungen Frau. Sie muss als, Jllngste die.Iiteren Hlausgenossen, in erster Reihe die Schwiegereltern, sodann die ~ilteren Schwager und Sehwagerinnen, ferner ihren Gatten aeliten and ihnen. gehorchen. Nach Verlauf des ersten Jahres der Ehe wird die junge Ft-au in die KtIche eingefiihrt, lernt koehen und backen, wird von der Sehwiegermutter in die Fuhrung des ilaushaltes eingeweiht und zur ttuebtigen Hausfrau. herangebildet, welehe die alternde Schwiegermutter zn. ersetzen. berufen ist. Wobnen mehrere verheiratete Br~lder in einem, Hause zusammen, dann Ubt die Seliwiegermutter bios die Oberaufsicht tiber den Hausbalt, oline selbst zuzugreifen. Ihre Stellvertreterin ist die Frau des Altesten Sohnes. Kommt Besueh ini's Haus, irgend eine vornebme, Frau. (Hanuma) oder emn naher mannlieher Verwandter, dann gehtwt es zn den Obliegenheiten der jungen Frau, die Gaste am Eingang zn. erwarten, ihnen die Hand zu ktissen und sie in's Hans zu fiffhreu.

Page  235 - 235 - Der Gast geht imnmer voraus, die junge Frau in gemessener Entfern ung hinter ihm. Nachdem der Besuch Platz genommen, wartet sie ibm mit Kaffee auf, setzt sich jedoch nicht nieder, sondern steilt sich bescheiden an. der Tare auf. Erst auf mehi-malige Auffordeltung wagt sie sich auch niederzusetzen, jedoch imnmer auf den untersten. Platz in der' Nhe der Tt~re. Erhalt das Haus den Besuch eines f remden Mannes oder eines entfernten Anverwandten, dann dttrfen sich die Frauen nicht zeigen, nicht Singen, oder' laute Unte, haltuing ftihren, denn es gilt als ungebtirlich, dass die Stimmen der Frauen durch das Hans schallen. Der Fremde, weicher emn moslimisehes Hans betreten. will, setzt deshaib den TUrklopfer in BewegUng oder er zieht die Glocke, um seine Ankunft anzuzeigen, oder er lasst durch einen Diener melden dass er den Hausherrn oder sonst jemand von den Hausleuten zu sprechen wunsehe. Die Frauen haben. unterdessen Zeit, sich in den Harem zui tick zu ziehen. Dann erst wird der Besucher durch Zuruf aufgefordert, einzutretein. Oben an der Treppe empfangt der Hansherr den lBesuch und bezeichnet ibm mit einer Handbewegnngdie TUre des Gemaches, in welches er eintreten soil. Diese Vorsichtsmassregel~n werden. jedoch nur dann angewendet, wenn der Harem in demnselben Hanse liegt, wie der Selamink. Ist der Harem vom, Mtinnerhause abgesondert, dann bat der Besuch es nielit Dt~ig, sich frtiher anznmelden. Die moslimischen iluuser zeichnen sich dnrcli die darnn herrschende Reinlicbkeit und. Rube aus. Auch wenn Kinder im Hanse sind, wird die Stille nicht gestlirt, denn dieselben befinden sich bei den Frauen im Harem und betragen. sich ganz ruhig,. wenn beim Vater Besuch weilt. Der Gast sieht und hi5rt Niemand ausser dem Hausherrn. Ist der Besucher mit dem Hansherrn nuiher befreundet,7 dana. gestattet dieser, dass die Kinder den Gast begriissen. Sie treten, rubg und bescheiden emn, ktissen dem Gaste die recite Hand und fitiren. dieselbe daun an die Stirne. Auf Fragen antworten sie kiar und bestimmt, sehreien, lachen und stossen sich iniemalsin Gegenwart eines Fremden. Auf einen Wink des Vaters entferneun sie sich ebenso ruhig und bescheiden, wie sie gekommen.

Page  236 -236 - Dass Kinder, welche die Erlaubnis eihalten, einen Gast zu begrtssen, von diesem beschenkt werden, ist selbstverstandlich. Das Beschenken gehort zu denjenigen Gewohnheiten der Moslims. die ihnen in Fleisch und Blut tibergangen sind. Doch kohren wir zur jungen Frau zurtick und zu deren weiteren hauslichen Obliegenheiten. Zu diesen gehort, anlasslich der rituellen Waschung (Abdest) wahrend der taglichen funf Gebetzeiten dem Schwiegervater, der Schwiegermutter, den Schwagern und alte:en Schwageiinnen das Waschwasser auf die Hande zu schiitten und das Handtuch zum Abtrocknen der Hande zu reichen. Dann erst wascht sich ihr Gatte und nach ihm sie selbst. Sie hat am Morgen sich als erste vom Lager zu erheben und nach dem Morgengebet den Hausleuten in der beim rituellen Waschen angeftihrten Reihenfolge den Morgenkaffee zu reichen. Es wird bei den Moslims ausserordentlich darauf gesehen, dass die Jugend das Alter ehre. Im Gesprache mit alteren Personen wagt die junge Frau aiemals einen Widerspruch und fillt'ihnen niemals in die Rede. Es wtirde dies als grosse Ungehorigkeit angesehen werden. Sie hat zu hlren, auf das Geholte genau zu achten und so wenig als moglich zu sprechen. Wird ihr von Alteren ein Rat erteilt oder eine Anweisung gegeben, hat sie ruhig zuzuhoren, fiur den Rat die Hand zu kiissen und zu sagen:,,Ich will, was du wtinschest." Wahrend die alteren Hausgenossen sitzen und Gesprache pflegen, steht sie mit tiber der Brust gekreuzten Armen. Bei den gemeinsamen Mittag- und Abendmalzeiten bringt ein Diener oder eine Dienerin die Platte mit den Speisen (Sofra) in's Esszimmer. Die junge Frau ordnet die einzelnen Schtisseln, Teller, Loffel und alles Ubrige wie es notwendig ist. Wenn sich alle rings um die Sofra niedergelassen haben, breitet sie ihnen eine rings um den Tisch laufende Decke liber die Kniee und legt jedem Tischgenossen eine Serviete tiber die rechte Schulter. Dann erst nimmt sie ihren Platz an der Tafel ein, um an der Mahlzeit teilzunehmen. Vielfach wird von Leuten, welche die Sitten und Gewohn-heiten der Moslims nicht kennen, erzihlt und auch geschrieben,

Page  237 - 237 - dass Manner und Frauen ihre Mahlzeiteii von einander gesondert einniehmen. Dem ist jedoch nicht so; es wird imm'er gemeinsam gegessen. Blos wenn maunliche Gliste da sind, die nieht in den Harem gefifhrt werden k~nnen, essern die M~iinner ftir sich irn Selamluk. Sonst wei-den die Mahizeiten immet' im Hai-em abg-ehalten. Solange die alteren Hausgenossen sich nicht zur Ruhe begeben, muss die junge Frau wach bleiben und kann erst danu ihr Lager au~fsuchen, wenn sie die Sehwiegereltern zu. ihren Lagern geleitet und in die warmen Bettdeeken gehtillt hat. Anftriige, der Seliwiegereltern oder alferen Schwiigeir nirnmt sie beseheiden Und ruhig- entgegen. Rttckwzirts schreitend verlasst sie das Gemach, in weichem sich diese befinden. Es wird bei den Mosliins tiberhaupt als h~3ehst uingeburlich angesehen, dass Jiingere den Alteren den Rticken kebren. In dieser unter-geordneten Stellung verbleibt die junge Frau, bis sie das erste Kind g-eboren. Von da ab wird sic nieht mebr zur Jugend gezahlt, man bringt ihr nunmehr auch Achtung und einen gewissen Respekt entgegen. Frtiher hiess man sie im Hause bloss ~die Junge"h, von. nun ab heisst sic,Hanumna" oder.,Gospoja" (Frau), 1st nicht mehr verpflichtet, einem. anderen ausser ihrem Gatten beim rituellen Wasehen. das Wasser tiber die Hande zu. schtitten, bei Tisehe aufzuwarten und ahuliehe Diensticistungen zu verriebten. 1st sic Mutter geworden, hat sic auch das Recht erworben, in der Geseilsehaft Alterer sich niederzusetzeni und an. den Gespi-achen teilzunehmen. Sic geh~rt nun zu den,,Alteren"~ Ilausleuten. Die moslimisehen Fraucn sind in der Regel treffliche Gattinnen, liebevoll, zuvorkommend und dem Manne gehorsamn, begegnen ihm mit Ehrerbietung und betraehten ihn als ihren Gebieter. Dies ist eine Frucht ihrer Erziehung. Es komnmt selten vor, dass cine Frau ibrem Man no widei spricbt oder semnen WtInschen zu.widerhandelt. Hat sich der Mann am Abend vor dem Schiafeiigehen auogekleidet, dann reinigt ihm die Fr-au, selbst wenn sic aus reicher Familie ist, eigeuhiindig die Kicider und legt sic auf den gewohnten Platz. Danu erst begibt sic sich zur Ruhe. Verlhsst der Mann am Morgen das Haus, gibt ilim die Frau bis zur Treppe

Page  238 - 238 - das Geleite; ebenso empfang-t sie ihn bei der Heimkehr an der Treppe und geleitet ihn in's Haus. Eiue Frau, die dies un~terlasst, wtirde ihren Mann beleidigen. Wenn der Mann am Abend in Geselisehaft geht, erwartet die Frau seine Heimkehr wachend, und wenn er- wie spdt immer nach Hause kime. Dies gilt als Regel freilich -nur bei der Mittelkiasse. Die Frauen aus reichen Familien, namentlich wenn sie armere Miinner gebeiratet haben, lassen den Mann es oft genug ftihlen, dass er in materieller' Beziehung alles ihnen zu danken habe. Der Moslim ist in der Reg-el cmn guter Gatte, der seiner Frau mit Liebe und Achtung begegnet. Man tut ihrn Unrecht, wenn mail ihn ftir einen Haustyrannen halt. Der Mann ist vom Bewusstsein erfUlit, Herr und Gebieter irn Hause zu. sein, weiss, dass ihm die Frau zu gehoreben bat und ist gerade darum cmn zartlicher und aufmerksamer Gatte und Vater. Von Jugend auf bat man ihm eingeprugt, dass die Frau. seine Lebensgefahrtin ist in Freud und Leid, dass er sie demg-emass lieben und aebten mtlsse. Es gibt den Moslims emn vortreffliches Zeugnis, dass es bei ihnen als grosse Schande gilt, die Frau. sehleeht zu behandein, oder gar sie zu schiagen. Emn Mann vergibt sich selir, wenn er eine Frau tatlich misshandelt. Aber nicht bios der Gatte, auch dessen Ailgeh~rige, seine Eltenn, Brtider, Schwestern und Verwandten bringen der jungen Frau Liebe und Zartlichkeit entgegen, besionders aber, wenn sic eine elternlose Weise ist. Da balten sich die Sehwieg-ereltern fur verpflichtet, ihr die Eltern, die BrUder und Schwestern des Mannes ihr die Geschwister zu ersetzen. In den armeren Kreisen ruft der Mann die Frau und diese ihn beim iNamen. iNimmt der Mann jedoch eine hervorragendere Stelluing emn, dan nennt ihn die Frau. immer bei seinem Titel,,Aga", ~Beg" oder ~Effendi". Die Frauen unter cinander nennen bei Erwahnung- des Mannes auch niemals dessen Namen, sondern immer nur s~emen Titel. Audll die armste Frau sprieiht andeiren. Frauen gegentuber von ihrem Manne nur von illrem Aga oder Beg -denn er ist ja tatsachlich ilir Gebieter. Das's es audh bei den Moslims ungltickliche Ehen gibt, ist,Selbstverstandlich. Es gibt auch unter ihnen Manner, die ihren

Page  239 -239 - VergnUgungen nachgehen, die Nachte ausserhalb des Hauses verbringen, fUr den Unterhalt ihrer Familie nicht sorgen und sie Entbehrungen aussetzen. Bei den Moslims kann die Frau nicht dem Erwerb nachgehen wie der Mann, und wenn dieser seine Pflicht vernachlassigt und fur den Lobensunterhalt der Familie nicht sorgt, dann ist Schmalhans Kiuchenmeister und der Zwist im Hause fertig. Zur Ehre der Moslims sei es gesagt, dass solche pflichtvergessene Ehemanner und Familienvater ziemlich selten sind, der allgemeinen Verachtung verfallen und von allen besseren Elementen gemieden werden. Es kommt wohl vor, dass eine Frau ihren Mann verlasst, aber dies geschieht zumeist nur dann, wenn der Mann fur die Familie nicht Sorge tragt und Frau und Kinder hungern und entbehren lasst. Dann wird sie zumeist von ibren Verwandten aufgenommen, oder sie verdingt sich als Dienstmagd bei einer moslimischen Familie, wo sie als Familienmitglied behandelt wird. Denn solche arme Frauen aufzunehmen und zu versorgen wird als gottgefallige Handlung hoch angerechnet. Eine ungliickliche, von ihrem Manne vernachlassigte Frau behalt ihr Leid gewohnlich fur sich. Sie ertragt alles Ungluck, welches der Mann tiber sie gebracht, so lange sie nur kann, ohne sich bei Anderen zu beklagen. Weder die Nachbarschaft noch die Verwandten dUirfen erfahren, dass ihr Mann, der Vater ihrer Kinder, ein Taugenichts sei. In ihrem einsamen Gemache betet sie blos inbruinstig, ihr Mann moge sich bessern und zu seiner Familie zurtickkehren. Sie duldet mit ihren Kindern Wochen hindurch die grosste Not, ohne dass die Aussenwelt es erfahrt. Sobald jedoch die Verwandten und die Nachbarschaft Kenntnis vom Schicksale einer derart unglucklichen Frau erhalten, beeilen sie sich, zu helfen und die Not zu lindern. Die Religion gebietet, Idie Armen zu unterstutzen und dies Gebot wird gerne befolgt. tJberdies halt es jeder Bekannte des Mannes fur seine Pflicht, den Mann zu ermahnen, dass er fur seine Familie sorge. In frtiheren Zeiten, als es noch keine Schenken und Wirtshauser im Lande gab und die Moslims den Alkohol nicht kannten.

Page  240 - 240 gab es fast gar keine Manner, welehe ftir ihre Familien nicht nach besten Kraften gesorgt batten. In den letzten Jahren hat sich das vielfach zum Schlimmen gewendet. In haufigen Fallen triflt die Schuld am hauslichen Unfrieden die Frauen. namentlich wenn ihrer mehrere im Hause sind, die sich unter einander nicht vertragen, hauptsachlich wenn sich eine zugeheiratete Frau mit der Schwiegermutter und den Schwagelinnen nicht vertragt. Da vermag weder der Mann noch die ganze Verwandtschaft den Hausfrieden zu schtitzen, und es kommt vor, dass der Mann mit seiner Frau das Haus verlasst und ein anderes Haus bezieht, oder dass die junge Frau den Mann samt dessen Sippschaft im Stiche lasst und zu ihren Eltern zuruckkehrt. Das Volkslied in Bosnien, diese ewige Chronik aller wirklichen und auch blos in der ippigen Phantasie des Volkes vorhandenen Ereignisse, behandelt den Hass zwischen Schwiegertochter und Schwiegermutter sehr haufig und besonders grell. Eines dieser epischen Gedichte berichtet von einer Schwiegertochter, die wegen der bosen Schwiegermutter den Mann verliess, in der Nachbarsehaft Zuflucht suchte und sicb, der Alten zum Trotze, an einem Reigentanz beteiligte. Indessen starb die Schwiegermutter, und der Mann liess seiner Frau sagen, sie mige heimkommen. Sie aber begab sich auf den Friedhof, wo die Totengraber das Grab der Schwiegermutter schaufelten und rief diesen zu: Kaburdzije braco moja, Ne kopajte blizu plota, Da se plotu ne privuee, Da mi djecu ne potuce. (Totengraber, Brtider mein, Grab't sie nicht bei'm Zaune ein, Dass sie nicht zum Zaun sich schleppe, Meine Kinder nicht erwtirge). Hierauf eilte sie zur Frau des Hodza, welche den Leichnam der Verhassten waschen sollte, und bat: Hodzinice majko moja, Ne kupaj je mlakom vodom,

Page  241 - 241 - Vec' je kupaj ukrepinom, *Ukrepinom bavs klju~alom, Da se du'sa ne potaja, Da se kuki ne dovaIja! (Mutterchen mein, Hodzyas Gattin, Wasch' sie niclit mit lauem Wasser, Wasehe sie mit siedendheissem, Dass sie ja nicht mehr erwache Und niclit mehr in's ilaus sich schiciche). Die bt~se Schwiegermutter verklagt die Schwiegertochter beim Sohne und. ruft dadurch namenloses UnglUck hervor: "Zubom -skrinu Firdus kapetane, Zubom vskrinu, a sabIja mu sinu, Udari ljubu po svilenu pasu, Ja" kako je lako udario, Dva joj 6eda ispod pasa pala." (Ziihne knirscheiid zog Firdus Kapetan, Ziihneknirschend zog er den Sabel, ilieb sein Lieb auf den seidenen Gt~rtel. Und so sicher hat er zugeschlagen, Dass dem Schoss cin Zwillingspaar entfiel). Bezuglich der gew~3hnlichen btirgerlichen. Moral steben die Moslims auf einer unzweifelhaft hoben Stufe; Ehebruch, illegitime Geburten und. wilde Ehen sind bei ihnen. unbekannt. Die GeburtS - statistik hat seit Jahren keinen Fall einer illegitimen Geburt bei Moslims verzeichnet. Wehe auch dem Madehen, das sich einen Fehltritt zu Schulden kommen. liesse. Sie wllrde von der empiirten Menge unbarmherzig gesteinigt. Viel eher dtirfte es vorkommen, dass verheiratete Frauen sandiger Liebe huldigen. Wenigstens weiss das Volkslied davon zu erzahlen, aber auch von der grausamen Strafe, von weleher Ehebrecherinnaen ereilt werden. Emn altes Volkslied bericlitet tiber die entsetzliche Art, wie Hasan Paseha die Untreue seiner Gattin alindete: 16

Page  242 - 242 ~Pa uzima virnu Ijubu svoju, Jzvede jn na mermer avliju. Na nju mec'e katranli haIjine, Pa upali pavsa gospodine, Upali je, Z'alosna joj majka. Kad se njojzi ruke zapalile, Govorila Ilasan pas-inica: "Trni ruke, pa-sa gospodine, Dosta su te puta zagrlile!" Govorio pa-sa gospodine: ~Gori, gori, nevirkinjo jedna, I ti s' mene dosta naruzvila!" Kada joj se ustA zapalila, Govorila Hasan pas-inica: ",Trni, pasvo, moja medna usta, Dosta su te poijubila! Govorio pasva gospodine: "Gori, gori, nevirkinjo jedna, I ti s' mene dosfa naruzvila!" Kada sa joj se oe-i upalile, Govorila Hasan pas'inica:,,Trni, pavo, crne o6i moje, Dosta su te puta pogledale!" Govorio pas-a gospodine:,,Gori, gori, nevirkinjo jedna, I ti s' mene dosta naruzvila!" (Und er greifet die Ungetreue, ]Fihret sie nach dem Marmorhofe, Kleidet sie in teerketriinkte Kleider, -Setzt in Brand sie der zornige Paseha. Als die Flamme die Hand' erfasste, Also bittet Hasan Pasehas Gattin: ",Lb5sch' die Hande, Paseha mein Gebieter, 'Oft genug sie dich umschlungen haben!" Aber grimmig also spricht der Pascha:,,Brenne, brenn' nur, ungetreue Gattin, Denn du hast mich gar zu sehr beleidigt!"

Page  243 - 243 - Als die Flamme ihr den Mund erreichte, Also flehte Hasan Paschas Gattin:,Ltsch' den Mund doch, Pascha mein Gebieter, Ach wie oft hat er dich heiss gektisset!" Aber grimmig antwortet der Pascha:,Brenue, brenn' nur, ungetreue Gattin, Denn. du hast mich gar zu sehwer gekratnket!" Und als die Flanmm' an's Aug' ihr reichte, Also jammert Hasan Paschas Gattin: "Lbsche, Paseha, meine schwarzeni Augen, Denk' wie oft sie liebend. auf dich blickten!" Aber grimmig wehret ab der Paseha: ",Breniie, brenn' nur, ungetreue Gattin, Deiin du hast mich gar zu tief gekcranket!" Eine Witwe mit Kindern heiratet h~ichst selten emn zweites mal. Ist die Witwe sch6n und jung und will sie wegen. der Kinder iiicht mehr heiraten, dann wii'd ihr das von den Verwandten des verstorbeneii Mannes hoch angerechnet. Man trqigt sie zum Lohne fair die dem Verstorbenen bewalirte Liebe sozusagen. auf den Handen. tfbrig~ens hat das Scheriatgesetz daffir gesorgt, eine etwaige.zweite Verheiratung einer Witwe mit Kindern tunlichst zu erseliweren. Das Gesetz bestimmt namlich, dass eine solehe Witwe anliisslich einer abermaligen Verheiratung aus der Verlassensehaft des Mannes niehts weiter erhailt, als die vor der Trauung vereinbarte Morgengabe (Nie'ah) und. bios jene Gegenstdnde mitnelimen darf, w elehe sie pers6nlich als Geschenke bekommen hat. Das ganze tibrige Vei-m~gen bleibt Eigentum der Kinder, ausser der Mann hat bei Lebzeiten oder in der Todesstunde beztlg-lieh eines Teiles,oder des ganzen. Verm6gens zugunsten seiner Frau verftigt, wozu er als unbeschrankter Eigenttimer desselben berechtigt ist. Wenna Dnui der Mann iiberzeugt ist, eine brave Frau zu haben, die nach seinem Tode keine zweite Ehe eingehen und sich v~511ig den Kindern widmen. wird, dann qetzt er sie zur Haupterbin emn und bindet ihr die Kinder auf die Seele. Glaubt der Mann sich auf;seine Frau nicht verlassen zu k~nnen, vermacht er das Verm~5gen 16*

Page  244 - 244 -4 den Kinder-n, legt ihnen aber die Pflicht auf, fuir den Lebensunterbait der Mutter zu. sorgen, bis diese sich nicht wiederverheiratet. Das Verhaitnis zwischen Eltern und. Kindern. ist fast immer emn tiberaus inniges. Hat eine Frau ihr erstes Kind geboren unl. besitzt sie Verm~5gen, h~iit sic zur Wartung und Pflege des Kindes, einen oder auch mehrere Dienstboten, weiche ausser dem. Laden und Wiekein des Ki-ndes alle librigen Verriebtungen besorgen. Das Baden und Wickeln. vei'sieht die Sehwiegermutter unter den Augen der jungen Mutter undt unterweist diese in den versehiede-nen Handgriffen beztiglieh des Verfahrens mit dem. Kinde. Eine junge Mutter in einem. wohihabenden Hause hat demnach mit ihrem. Kinde nichts anderes zu. tun, als ibm. die Brust zu reichen und mit ibm, z~u spieleni. Arme Frauen mtissen die Wartung und Pflege ilirer Kinder selbst besorgen, werden jedoch hierin Von ibren Mtfittern oder Schwiegermtittern 'untersttitzt, bis das Kind emn Jahr alt geworden. Dann wird es v~3ilig der Mutterpflege allein Uberlassen. Klein. noch so wohihabender Mloslim. wtirde zugeben, dass seine Frau., wenn. sie sonst gesund ist, ihr Kinid von eiuer Amine saugen lasse. Dies tritt bios dann emn wenn die Mutter ihr Kind nicht seibst zu stillen vermag. Bei der Wahl der Amine wird mit der gr~ssten Sorgfalt und VorsichL vorgegangeni. Es wird darauf gesehen, dass die, Amine ein gesundes, kraiftiges Weib, besonders j edoch, dass sie aus ehrbarer Familie sei and cin sanftes Temperament besitze, dean das Kind wird von der Mufch, die es trinkt, sehi' beeinflusst. In Bezug auf ieibiiche Kinderpflege huidigen die Mosiims, wie in aliem,) althergebrachten Ansehauungen. Das Kind wird audi an Armen und Beinea fest eingewiekelt, dena dann wird est stark scmn, gerade Beine und. feste Knochen haben. Kann das Kind einmal. allein sitzen, dana. setzt man es an einen Ort, von wo es nicht her-abfallen. kann. Es iernt dana selbst seine Krafte gebrauchen. Wenn. das Kind einmal ohne Sttitze fr-ei steben kann, wird es an's Gehen gewohnt und darin f~3rmiich unterriebtet. Der Tag, an welchem. emD Kind seine ersten selbststandigen Gehversuche macht, ist ein Fest- und Freudentag, far das ganze Ilaus.

Page  245 - 245 - Die Sauglingsernahrung ist eine sehr rationelle. Nur im aussersten Falle erhalt das Kind im ersten Lebensjahre ausser der Muttermilch eine andere Nahrung. Dafiir erhalten die Sauglinge viel Wasser zu trinken. Sie beginnen dann frtihzeitig zu sprechen. Die erste feste Nahrung, die ein Kind erhilt, wird aus Gerstenmehl bereitet. Die Gerste steht bei den Moslims sehr im Ansehen, denn die Heiligen alle haben Gerstenbrod gegessen, auch der Profet Muhammed. Die Menschen haben iberhaupt die Gerste friher gekannt und zum Brotbacken verwendet, als den Weizen und die iibrigen Getreidearten. Das Brot ist die wertvollste Gottesgabe. Es ist eine Sunde, Brosamen auf den Boden fallen zu lassen oder gar darauf zu treten. Die unter den Tisch gefallenen Brosamen werden darum nach dem Essen sorgfaltig autgelesen und verbrannt, oder dem Gefliigel vorgeworfen. Den Kindern wird strenge eingepragt, das Brot beim Essen nicht zu brockeln. Findet ein Moslim einen Brotbrocken, hebt er denselben sorgfaltig auf, isst ihr, oder legt ihn ins Gras oder an einen anderen Ort, wo ihn kein Menschenfuss zertreten kann, den Vogeln zur Nahrung. Unerschopflich ist das Verzeichnis der Kosenamen, welche die Mutter ihren Kindern beilegen. Voller Reiz und Poesie sind die Wiegenlieder, mit denen sie ihre Kinder in den Schlaf singen. Eines davon moge hier Platz finden:,,Majki d'jete u ruzi se naslo. Ruzica ga na list docekala, B'jela vila u svilu povila. A p6elica medom zadojila, Lastavica krilom pokrivala; Nek' je rumen ko ruza rumena, Nek' je bijel, k6 bijela vila, Nek' je radin ko peela malena, Nek' je hitar kano lastavica." (Auf der Rose fand Mutter ihr Kindlein, Sanft dort ruht' es auf dem Rosenblatte. Die weisse Vila wickelt' es in Seide, Und Bienchen trankte es mit Honigseim,

Page  246 - 246 - Schwalbchen deckt' es mit den Fitigeln zu. Es mt~g' so rot sein, wie die rote Rose, Und so weiss sein, wie die weisse Vila, Und so fleissig, wie emn emsig Bienchen, Und so flunk auch, wie die munt're Schwalbe). Selbst die atrmste Mutter nennt ibren Knaben "Beg" oder.,Aga", und oft bleibt ihm dann der Name ftir Lebenszeit. In rUhrender Weise verherrlicht das bosnische Volkslied die Mutterliebe. Drei BrUder bauen eine Burg, kiinnen aber den Bau nicht vollenden, ehe einer von ihnen nicht seine Gattin dai-in eingemauert hat. Die ",Vila" (Fee) lasst es anders nicht zu, und gegen ihren Willen verm~5gen menscbliche Krafte nichts. Die Brilder einigen sich dahin, diejenige der Frauen zu opfern, welehe ihnen am naicbsten Tage das Essen briiigt. Der iilteste und der mittlere Bruder hintergehen den jting-ten und sagen ihren Frauen, diese m~5gen morgen zu Hause bleiben und die jiingste Sehwiigerin mit dem Essen schicken. Zu Mittag des ntichsten Tages tragen die alteren Schwagerinnen der jtingsten auf, den Mannern das Essen zu bringen. iNichtsahnend befolgte die Arme den Auftrag. Als sie bei den BrUdern anlangte, teilten ihr diese ihren furcbtbaren Entschluss, mit. Die jUnge Frau wehrte sich nicht gegen das ihr zugedachte Schieksal, sie bat die Brilder bios: "Nad o~lim' mi ostavite pendzver, Kuda mogu svog sina viditi, Koji mi je drazvi od o~liju. A dojke mi kroz zid pomolite, Kuda mogu sina zadojiti. Nek mi sinak ne ostane gladan Iza svoje milostive majke. (Lass't fur die Augen mir emn Fenster, Damit mein S~5hnchen ich kann sehen,7 Das mir viel teu'rer ist als meine Augen. Und ftir die Brtlste lass't mir eine Offnung,

Page  247 - 247 - Damit das S~3hnchen ich vermag zn. saiugen, Auf dass es ja nicht hungrig bleibe, Nachdem es entbehret der liebenden Mutter). Als dann die Arme eingemauert wurde und die Brilder die Burg vollendet hatten, wohnten sie vereint zusammen drinnen, aber das Andenken der jtingsten Sehwagerin wurde nicht verwischt. Der Schluss des Gedichtes zeichnet es in wahrhaft erschtltternder Weise mit folgenden Worten:,U toj kuli brac'o i sad te~e, I sad tWe materino mliko, Vavik 6eka sina da posasne. A iz zida crne o~i glede, Kad C'e svoje ugledati dite. (In der Burg noch heute fliesset Muttermilch aus Mutterbrtisten, Harrt des Sohncs, dass er komme trinken. Aus der Mauer blicken schwarze Augen Sebnstichtig nach dem. geliebten Kinde). Derwiseh Paseha baute eine grosse Mosehee, die semnen Namen. tragen und. der Nachwelt tiberliefern sollte. Der machtige Kuppelbau. war fertig, aber das Minaret konnte -nicht vollendet werden. Siebenmal war es aufgeftihrt, ebenso oft stttrzte es, kaum vollendet, wieder emn. Da betete der Paseba zu Gott urn emn Traumgesicht und die Angabe der Ursache, weshaib das Minaret immer wieder einstiirzt. In der daraufflolgenden. Nacht ersehien dem. Pascha der,,Gute" im Traume und sagte, das Minaret sttirze deshalb jedesmal emn, weil er es verabs~umte, tiber dem Grundstein emn Opfer Zn sehlachten. Und nun k~5nne er den Bau nicht vollenden, bis er nieht einen seiner drei Sbhne geopfert. Derwisch Pascha begab sich am Morgen in das Gemach seiner Frau, teilte ihr semnen Traum, mit und bat sie, ilim zu sagen, welehes Kind sie am ehesten verschmerzen wtirde. Aber das Mutterherz kennt keine Untersehiede in der Liebe zu. den Kindern, und die Frau bat und flebte, sie beschwor ibren Mann bei, beiden.

Page  248 - 248 - Welten", das ist bei seinem irdisehen Wohiergehen und bei seiiier himmlischen Seligkeit, von seinem Vorhaben abzulassen. Sie schwur bei Gott, keinen der SLohne verschmerzen zu kt~nnen; habe sie doch alle drei gleich unter dem Herzen getragen und mit Schmerzen geboiren. Aber der Pascha war unerbittlich und wollte von seinem grausamen Vorhaben nicht lassen. Er ergriff im Zorne Uiber den Widerstand der Frau semnen. jingsten Solin, urn ihn als Opier,darzubringen. Da erhob die Pascbafrau ein furchtbar Wehklage-n,.dass die Burg davon erbebte. Verzweifelnd lief sie im Gemache umher, rang die.Hande und raufte sich das llaar aus. Jhr Fuss -verfieng sich im Teppich auf demn Fussboden, sie stUrzte hin. und gab ihren Geist auf!l rl~Die Stiefkinder ',werden auch bei den Moslims nicht mit -derselben Liebe behandelt, wie die eigenen, aber ~ durchaus nicht so lieblos und grausam, wie bei der tibrigen Bev6lkerung. Das Haremslied R~erzahlt zxvar mehrmals, dass eine Stiefmutter ihire.Stiefkinder beim Vater verleumdete und dieser sie im Zorne urnbraclite, aber es bericbtet auch dartiber, dass die b~3se Stiefmutter 'von der verdienten Strafe ereilt wurde. Emn Vater batte seinen Sohn in Folge von Verleumdungen *durch die Stiefmutter mit dem Saibel niedergehauen. Als er jedoch.spifter zur tOberzeugung gelaingte, dass der Sohn unschuldig war:,Uze ljubu za bijelu rtiku, Odvede je u goru zelenu, Pa je njojzi o~i izvadio. Ostavi je u gori zelenoj, Keka hoda od jele do jele."I (Da fasst' das Weib er an der Hand, Und ftilrt' sie in den grtinen Wald Und stach ihr beide Augen aus. Er liess allein sie dort im granen Walde, Auf dass sie wank' von einem Baum zum andern). Am Grabe eines unsehuldig gemordeten Kindes tibt Gott Wunder:

Page  249 - 249 - Di je njemu rusa glava pala, Tudi se je turbe namistilo. Narnistilo bez insanskih ruku. Di je njemu bilo tilo pale, Ondi su se klupe pogradile. Di je njegova krvca poskrapala, Ondi mu je voda izvirala. (Wo sein blonder Kopf gefallen, Dort entstand ein sch6nes Grabmal, Welches Menschenhande nicht gebauet. Wo sein weisser Korper bin sich streckte, Dort erhoben sich gleich Ruhebanke. Wo sein rotes Blut den Boden trankte, Dort sprudelte alsbald ein Quell hervor). Aber wo eine bose Stiefmutter tod hinsinkt, dort lasst das Volkslied giftige Krauter wachsen. Es gibt auch Stiefmutter, welche ihre Stiefkinder so liebgewinnen wie die eigenen; sie kommen selten vor, aber doch. Gott befiehlt es und die guten Menschen sehen es gerne, dass man Waisen gut behandle, denn sie sind ja nicht schuld daran, dass sie leben. Und in den heiligen Btichern steht geschrieben:,Streichele nicht das eigene, streichele das Stiefkind". Ferner:,,Lasse dir lieber das Herz verwunden, ehe du ein Waisenkind verletzest. denn Gott hort seine Seufzer und sieht seine Thranen". Schliesslich:,Wer eine Waise beleidigt, ist weder Gott noch Mensehen angenehm". Das Betragen der Kinder gegen die Eltern ist in den meisten Fallen ein zartliches und musterhaftes. Hochst selten sind die Falle, in denen ein Kind seinen Eltern widerspricht. Der Wunsch der Eltern ist den Kindern Befehl, Ungehorsam eines der grossten Vergehen. Die Hand gegen Vater oder Mutter erheben gilt als Todstinde. Ein Kind, das sich ihrer schuldig macht, wird von der Gesellschaft f6rmlich geachtet, als Ausgestossener behandelt und nach dem Tode liberdies mit den furchtbarsten H5llenqualen gestraft.,Wenn ein Sohn seine Mutter neunmal auf dem Rtcken

Page  250 -- 250 - nacli der Kaaba tragt, kann er die Stinde nicht stibneu, die er begangen, wenn er einmal die Hand gegen sie erhebt. Charakteristisch ftir den. bosnisclien Moslim ist die Ehrfurcht vor dem Alter. Diese kounlte selbst bei Lykurgs Spartanern nicht gfrosser sein. Einem Greise antworten selbst erwaehsene Manner nur stehend auf sefine Fragen. Gelit emn Greis tiber die Gasse, erheben sich Alle zum Zeichen der EbrerbietUng. Alte Moslims sind gegenuber Lenten, zu denen sie Vertraueni baben, entgegenkommend und gesprachig, offen und mitteilsam. Wird ihnen aber Jemand mit iiberfltissigen Fragen lastig, htillen sie sich gewtohnlieh in tiefes Schweigen oder geben Antworten, aus, denen der Fragende nicht kiug werden kann. Unter sich sprechen die Alten bei ihren Zusammenktinften am liebsten von,,olitik",7 oder sie kiagen tiber die verderbte Jugend und rtihmen die guten alten Zeiten. Teilweise haben sie auch nicht Unreclit damit, denn die moslimische Jugend von heute, beginnt vielfach andere und schleehtere Bahnen zu wandein, als ihre Vater, sie hunldiot namentlich dem Alkobol und kennt oft darin kein Mass. Es ist tiberhaupt eine eingentulmliche Erscheinung, dass emn zum Trunkenbolde gewordener Moslim. nur sehr selten dies Laster aufgiebt, sondern immer tiefer sinkt, bis er ganz zugrunde geht. Vor dem Tode baben die Moslims, besonders die Alten, keinerlei Furelit, ja viele Greise sehnen den Tod herbei, um die irdiseben Sorgen und Bedtirfnisse lo'izuwerden. "Der Tod ist gut", sagen sie, "er befreit den Menschen von vielen Qualen". Diese Gleichmtitigkeit gegen den Tod hat der Moslim. seiner Art zu leben zu verdanken. Die Beobacbtnng der religiisen Vorsehriften nnd Gebrauche ffillit das Leben des Rechtglaubigen ans. Alt geworden kennt er nur eine Furcht: im Glauben lassig zn. werdeD; nur einen Wnnsch: immer ein rechtglaubiger Moslim. zn bleiben. Deshaib betet er anch: "Lasse mich, oh Gott, festhalten am Glanben nnd im Gebete, auf dass ich treu. bleibe Deiner Religion nnd in der Todesstunde Gott und die Profeten kenne.

Page  251 VII. Das Sterber und der Tod.,Was in der Winge geschaukelt wurde, deckt das Grabscheit zu". Der feste Glaube daran, dass kein Mensch seinem vorausbestimmten Schicksale zu entgehen vermag, sobnt Niemand so leicht mit dem Gedanken an Tod und Sterben aus, wie den Moslim. Er sieht dem Tode ruhig in's Auge. erwartet ihn kaltblittig als etwas Unabanderliches. Gott sendet den Tod, so wie er das Leben gegeben. Bleibt doch kein Geborener vom Sterben verschont. Das ist Gottes Wille, gegen welchen zu murren stindhaft ist. Der Tod kann jeden Augenblick eintreten, deshalb soil der Mensch nicht im Vorhinein grosse Plane bauen. Der Moslim macht sich auch, gerne lustig uiber jene Westlander, welche die,Geheimnisse des. Himmels" ergrilnden wollen. Wozu Korper und Geist qualen und anstrengen? Hat doch Gott in seiner Allweisheit alles im Voraus bestimmt. Charakteristisch fir die Denkweise der Moslims ist folgendes Erlebnis, das ich in Maglaj hatte. Im Gesprache mit einem angesehenen Moslim ruhmte ich die grossen Fortschritte der Menschheit in den letzten Jahrzehnten und fugte hinzu, dass diese Fortschritte in Zukunft noch grosser sein werden. Der Mann horte schweigend zu, blos ab und zu warf er die Bemerkung dazwischen,Ako Bog:

Page  252 - 252 - da" == So Gott will. Endlieli fragrte ich ihn, was er denn mit seinem fortwahrenden. "So Gott will" meine. Liihelnd autwortete er:~ Jhr, Schwaba" seid recht eingenttirliche Mensehen. Immer heisst es bei Euch. wir werden Dies tun, wir werden Jenes tun mid vergesset dabei,7 dass Gott tiber nus ist; dass Alles sieli so gestalten werde. wie er es will, und dass es auch ohne Euch so gescbieht, wvie er es verfugt. Wie kannst Du etwas vollfifbren, wenn Gott es nicht wvill?" Trotzdem der Mloslim aber jeden Augrenblick des Todes gewdirtig zu seim gelehrt wird, glaubt er doeh, dass der Tod nicht unerwartet eintritt, son dern dass er sich dureh seine Boten, die Krankheiten, anktindigren lasst. die den Mensehen daran mahnen. dass er emn Fremder, emn Pilger sei hienieden. Dauert nun eine seliwere Krankheit langere Zeit, daIun wird angenommen, dass der Tod einen Boten gyesehickt habe, nin seine baldig-e Ankunft anzumelden, damit der Kranke seine Vorbereituiigfen treffen kL~nne ftir die Reise naclh der wabren ileirnat aller Mensehen, nacli eiiner besseren Welt, und damit er tibei' semnen irdisehen Besitz verfiige ftir jene Zeit, in weleher er nieht mehr unter den Lebenden weilen wird. Darum wird der Kadi und dessen Sehreiber herbeigerufen. denen der Kranke semnen letzten Willen kundgibt. Bevor der Kadi und der Schreiber daran gehen, das Testament zu Papier zn bringen, sagyt der Kranke oewL~bnlich:, Wenn ieh sterbe, gelten die von mir getroffenen Verftigungen. Soilte ich genesen, dann gehbirt mirl, was mein war." Das Testament wird nach dem Diktate des Erblassers verfasst und mit dem Amtssiegel des Kadi versehen. Dann hat es gesetzliche Gtiltigkeit. Zeugen sind bei Abfassung eines Testaments nicht n~tig, die Anwesenheit des Kadi und dessen Selireibers gentigt. Jedoeh nieht nur Kranke, sondern auch vi5llig Gesunde machen ftir den Todesfall ihr Testament. Es kommt h~5chst selten vor,7 dass,em Moslim bei Lebzeiten sein Verm~3gen auf Frau oder Kinder tibertrligt. Wahrend der Kranke semnen letzten Willen diktiert, kaun seine Frau nebst den erwachserien Ttbchtern in demselben Gemache -verweilen, jedoch v~5llig anoekleidet, mit Jasmak und Feredz'e

Page  253 - 25i3 - angetan, mit Sehuhen oder Stiefelin an den Ft~ssen, als ob sie Zu einem, Besuche in der Naclibarsehaft gertlistet waren. Gew~hnlieh hinterlasst emn Moslim in seinem Testamente gewisse Sumnmen fur die Mosehee, damit nach seinem Tode Gebete verrichtet und Kerzen fair sein Seelenheil angeztindet werdeni. Auch fur die Armen und fUr wohltaitige Zweeke werden gewisse Betrage hinterlassen, aber niemnals vergisst emn Erbiasser daran, den Betrag Zn bestimmen, weichen der Muezzin erhalt, der seinen Tod den Reehtglaubigen verkUndet mit der Auiforderung, ftir ihn zu beten und die Entlohnung des Hodva., der semnen Leichnam. wiischt, ankleidet und zur Erde bestattet. Auch die fUr das Grabmal aufzuwendenden Kosten werden im Testamente arngesetzt, ~damit man bis zum jllngcsten Tage wisse, wer dort begraben liegt". Jedes moslimisehe Grab wird dureh zwei Grabsteine gekennzeichnet, durch ei nen bP~sseren am Kopfende und einen kleineren zu. Fussen. Der erstere wird haufig obeni mit roter, griiner und blaner Farbe, bemnalt Und enthalt in ttirkisehen Schriftzeiehen den Namen des Verstorbenen, den seines Vaters, ferner das volistandige Datum seines Todes. An den Grabsteinen unterseheidet man, ob ein M1ann oder eine Frau unter hihnen ruit. Die Grabsteine von Mlainern tragen oben die Form eines Menscienkopfes mit einem Turban oder Fes. Die Grabmaler von militarisehen Wurdentragern zeigen 'einen Siibel. Die Grabsteine auf Frauengrabern laufen iiach oben spitz zu und zeigen viel seltener Jnsehriften als die derManner. Besonders angesehene, vornebme und reiehe Leute verfUgen i n ihrem Testamnente, dass Uiber ihrem Grabe emD Jurbe", emn Mausoleum aus Stein errichtet werde. Dies sind gew~Shnlich Kuppelbauten auf Situlen vom Umfange kleiner Rapellen, in deren Mitte sich emn steinerner Sarkofag befindet. Der Sarkofag wird haufig mit grtinem Tuch fiberzogen: Den Erbauern von Moseheen, errichtet das Volk gew~hnlich emn Turbe" neben den von ihnen begrUndeten Gotteshiiusern. Diese.Ehrung wird audi den fur den Glauben im Kampfe Gefallenen (Sehiti) zuteilt. In Bosnien und der Hercegovina gibt es sehr viele Griiber, von solehen Martyrern des Glaubens. Eiues der bekanntestena befindet sich bei der Stadt Banjaluka an der Strasse nach Jajce auf'

Page  254 - 25t -.einer bedeutenden Anhbhe, von welcher sicl ein herrlicher Ausblick bis an die Save eroffnet. Das Grabmal zweier,Sehiti" liegt dort in einem alten holzernen,,Turbe". tMber dessen Entstehung erzahlt das Volk folgende Sage: Einmal tobte am Fusse des Berges eine grosse Sehlacht. Die Feinde.siegten und schlugen zweien tapferen Moslims die Kopfe ab. Die Gefallenen erhoben sich jedoch, fassten ihre Kopfe mit den Handen und eilten den Berg hinan. Auf der Spitze angekommen fielen sie bin und waren tod. Zur Erinnerung daran baute das Volk oben.ein,Turbe", von welchem der Berg den Namen,Sehitluci" erhielt. Moslim'sche Graber mit ))Turbe'(( Das Volk glaubt auch, dass sich die Gerechten nachts aus ihren Grabern erheben und zu Gott beten. Darum stehen in jedem 'Turbe Gefasse mit Wasser und Handtticher bereit, damit die Toten.die rituelle Waschung vor dem Gebete verrichten und sich hierauf abtrocknen konnen. Manche Aufseher von Mausoleen erzahlen ganz wernsthaft, dass sie am Morgen am Fussboden des Turbe ausgeschutttetes Wasser gesehen und die Handtticher feucht angetroffen haben. Das Volkslied berichtet sogar, dass uiber den Grabern Gexechter von selbst Grabkapellen (Turbe) cntstanden sind.

Page  255 -255 - Wer nur deshalb ein Turbe erbaut, um sich auch nach dem Tode von den ibrigen Menschen zu unterscheiden, begeht ein stindhaftes Werk. Es ist nach der Lehre des Islam eine Sunde, dass sich ein Mensch liber den anderen erhebe und seinen Nebenmenschen ftihlen lasse, dass er grosser ist als dieser. Was der Mensch ist, und was er besitzt, alles kommt von Gott, der Jeden bestraft, der auf sein Vermogen oder auf seinen Verstand stolz sich iiber Andere erhebt. Erreicht ihn die Strafe nicht in dieser Welt, dann trifft sie ihn gewiss im Jenseits, oder gar seine Nachkommen, die alles verlieren konnen, was Gott ihrem Ahnen gegeben. Viele reiche Leute hinterlassen bedeutende Betrage als fromme Stiftungen (Vakuf), von deren Ertragnis die Moscheen erhalten werden. Das Geld wird auf Zinsen ausgeliehen und diese zur Bezahlung der Diener, Muezzins, Hodzas und zu Reparaturen der alten, mitunter zur Erbauung neuer Moscheen und zum Ankaufe von Kerzen verwendet. Diesc letzteren sind aus Talg und werden in grines, blaues oder rotes Papier gewickelt. Die Leuchter, auf denen die Gedachtniskerzen brennen, tragen den Namen des Stifters. Die Kerzen selbst werden in Stucken von mitunter ftinfzehn Oka (iber 18 Kilogramm) angefertigt und brennen wahrend der Monate des turkischen Kalenders Redzep, Saban und Ramazan wahrend des Gottesdienstes, am Vorabend des Bajram, des Mevlud (Geburtstag des Profeten), des Freitag und mitunter auch des Montag. Sind die Kerzen heruntergebrannt, kommen neue an ihre Stelle, denn das fur den Kerzenankauf bestimmte Geld darf fur keinen andeeii Zweck verwendet werden. Arme Leute ztinden in den Moscheen an den Todestagen ihrer Angehirigen kleine Talgkerzen an. Auch am Vorabend des Ramazan und des Bajram werden zu Ehren und fir das Seelenheil der Toten Kerzen angeztindet. Nach Verrichtung der ublichen Gebete in der Moschee gedenken rechtglaubige Moslims der Toten, in erster Reihe derjenigen, zu deren Erinnerung die Kerzen in der Moschee angezlndet wurden. Dies gesehicht in der Weise, dass der Beter die flachen Hande vor sich halt und die Handflachen anblickend spricht:,Allah rahmet ejlesun", Gott erbarme sich seiner. Manche ftlgen hinzu: Gott verleihe ihm das Paradies und im Paradiese alles Gute. Nach

Page  256 - 256 - diesem. kurzen Totengebete streiclit sich der Moslim. mit deti Handflache tiber Stirne, Wan gen, Bart und Brust Und fllgt hinzu: "Es mi~ge ibm. verziehen sein!" Dann erst verlasst der Beter die Mosehee. 0 INeben jeder Moschee befindet sich der zu derselben geh~rige Friedhof, der Harem. Hat der rechtglaubige Moslim. nach dem, Gebete die Moschee verlassen, wendet er sich mit dem. Angesichte gegen den Friedhof und verriclitet das Totengebet. Er erhebt die a-usgebreiteten Hande wie in der Moschee und sagt dreimal eine Sure (Kapitel) aus dem. Kur'an her, die sogenannte,Elihami Serif"LSure, rnach deren Beendigung noch ein kurzes Gebet fur das Seelenheil aller gestorbenen Bekenner des Islam ver-riebtet wird. Wenn emn Moslim, an einem. Friedhofe vorbeigeht, hat er auf die besebriebene Weise ffir die in demselben Ruhenden zu beten. Wer es unterlasst, begeht eine StInde gegen Gott. Auch beim Anblick von Friedh~ifen Andersgliiubiger bat er fUr deren Seelenheil emn Gebet zu verrichten. Wohibabende Leute vermachen in ibrem. ietzten Willen haufig auch entsprechende Betriige zur Verteilung unter die Armen nach dem Begrabuisse, damit diese durch vierzig Tage ftir sie beten, auf dass Gott es ihnen verzeihe, wenn sie sich gegen das Fastengebot im Ramazan vergaingen baben. Bei den Leichenbegangnissen der Reichen werden mehrere Hodzvas besehaftigt, oft wird die Schuljugend eingeladen auch der Kadi, der Mufti und die Softas. Die Schulkinder werden fdr die Teilnahme beschenkt. Den Hodzvas gebtihrt nach dem. Gesetze flir die Beschaftigung mit den Leicben und fUr deren Bestattung keinerlei Entlohnung, es ist ihnen jedoch nicht verboten, daftir Geschenke anzunehmen. Auch Frauen dllrfen Uiber ihr perst~nliches Eigentum. testamentariseli verftigen und dasselbe hinterlassen, wem. sie wollen. Eine Frau ohne Vermu~gen tUberlAsst es in der Sterbestunde dem Manne, sie wiirdig zu bestatten. Nach den Aufwande, den emn Mann in einem, soiche Falle macht, wird die Grt~sse seiner Liebe zur verstorbenen Frau beurteilt. Stirbt Jemand ohne Hinterlassung einer letztwilligen Verftigung dann bestimmt das Gesetz Uiber die Verteilung des Verm~gens.

Page  [unnumbered] Grabstatte eines wohlihabenderen Mu-lslims mit zwei GrabSteineij. D)er Stein amn Koprende hat auf der Spitzeeinen. Turban unid bezeichniet das Grab elnes verheirateten Mannes. Das Grab ist mit Steinplatten einoefasst.

Page  257 - 257 In der Sterbestunde versammeln sich die Freunde, die Hodzas und die Mekkapilger des Ortes am Sterbelagcr, um Gebete zu verrichten, auf dass der Sterbende treu in seinem Glauben sterben und also vor Gottes Richterstuhl erscheinen mige. Sie sprechen das Glaubensbekenntnis "La illahe il Allah!" und fuigen hinzu:,Allahum me salli ala Muhammedin, ve ala ali Muhammed!",Ich bezeuge, dass es nur einen Gott gibt und das Muhammed Gottes Abgesandter ist". Solange der Kranke es vermag, spricht er die Formeln des Glaubensbekenntnisses mit. Beim Eintritte der Agonie liest ein Hodza solange aus dem Kur'an vor, bis der Tod erfolgt ist. Wahrend die Manner das Lager des Sterbenden umstehen und an demselben Gebete verrichten, verweilt die Gattin mit den erwachsenen Kindern im Harem und darf nicht an's Sterbelager. Wenn der Mann jedoch sie zu sehen wunscht, oder wenn die Frau den Wunsch aussert, den Mann zu bedienen, zu trosten und aufzuheitern, mussen die fremden Manner das Gemach verlassen, damit die Frau und etwaige erwachsene T5chter eintreten konnen. Auch wenn eine plotzliche Verschlimmerung im Zustande des Kranken eintritt und man den raschen Eintritt des Todes beftirchtet, lasst man die Frau und die erwachsenen Tochter vom Vater Ab-;schied nehmen. Schwerkranke erhalten sehr viele Besuche. Die Besucher befragen den Kranken wie es ihm geht und setzen sich neben das Lager und verrichten ein Gebet. Schweigt der Kranke, ermahnen ihn die Anwesenden, laut mitzubeten. Nachdem der Besucher sich vom Kranken noch verabschiedet, um Vergebung fur etwa getanes Unrecht gebeten und seinerseits Unrecht verziehen hat, trinkt er.eine Tasse Kaffee, um dem nachsten Besucher Platz zu machen, der es ganz so macht wie der fruhere. Der Kranke ist keinen Augenblick allein, sondern immer von Verwandten und Bekannten umgeben, die mit ihm beten und cntsprechende Kapitel aus dem Kur'an vorlesen. Kranke Frauen erhalten die Besuche weiblicher Verwandter und die von Frauen der Iodzas und der Mekkapilger der Nachbarschaft, die am Krankenlager beten. Nur wenn die letzten Augenblicke nahe sind, diirfen fremde Manner und von diesen auch nur 17

Page  258 - 25S - die naehsten Naehbaren und die Freunde des Mannes in's Krankenzimmer, urn von der Sterbenden Absehied zu nebmen. Am Mienenspiel des Kranken wird. erkannt, ob der Todeskampf ein leichter oder emn barter ist. Einzelne Kundige lesen auch vom Antlitz des Sterbeniden herab, oh dieser bei Gott gnadig oder ungniidig aufgenommen wird. Wie es dabei zugeht, erzahlt folgende, verbreitete Gesebiebte: Es waren einmal. zwei Prinzen, leibliehe Brilder. Der eine war emn bi~ser, der andere eim guter Menseb. Die beiden Brllder batten eine Schwester und diese besass eine Skiavin, emn frommes, goOtt esftirehtiges Gescbt~pf, welehem. Gott die Gabe verlichen hatte zn erkennen, wer Gott gefallig und wer missfallig ist, wer irn wahren Glauben Mluhammeds stirbt. Eines Tages erkrankte der b~3se Pwinz. Seine Schwester und ihre Skiavin standen an seinem Lager, das Gernach war voll von Lenten. Alle batten einen Scbleier vor den Augen, nur die Skiavin nicht. Jbr war von Gott die Gabe verlicheni, die Abgesandten Gottes zu sehen, die kamen, urn die Seele eines Sterbenden in Ernpfang zu nebmen. Und sie sab, wie eine entsetzliehe Gestalt das Krankenzimmer betrat, mit struppigem Haar, schwarzen, spitzen Zahuen unod Nqgein wie RaubtierkralleD. IDie Gestalt trug eine schwarze Platte und. auf derselben zwei schwarze Beeken. Als sie sich dern Sterbenden genahert hatte, zog sie ans einiem. der Becken ein schwarzes Messer hervor, stiess es dem. Kranken -in die Brust, gruff mit der bekrallten schwarzen Hand in die Offuung, riss etwas Schwarzes, tibelriechendes heraus, und warf es hinter die Tdre. Aisbald ersehienen noch einige, der ersten qhnliche Gestalten, hoben das Hingeworfene auf nod verschwanden damit. Niemand klagte oder weinte, bios die Skiavin weinte unod jammerte heftig, unod alle Welt glaubte, dass ihr Schmerz dem. Toten galt, wahrend sie vor Scbreeken Uiber die entsetzliehen Vorgiinge weinte, welehe ausser ihr niemand. A-nderer gesehen batte. Nach vierzig Tagen erkraiikte der gute Prinz und starb. Das gauze Volk umstand weinend. nod webklagend sein Lager, nur die Sklavin war lustig unod guter Dinge, denn Sie hatte den Todesengel gesehen. Es war eine lichtvolle Gestalt, umgeben von zwei leuchtenden JuingfraueD, die eine Platte von trockenem. Golde auf

Page  259 -2-59 - den Handen trugen und dern Sterbenden wohIriechende, Blumnen reichten. LacheInd schloss der Kranke die Augen ffir immner. Die Sehwester des Prinzen qualte die Skiavin. mit Fragen, weshaib sic beimn Tode des b~sen. verhassten IBruders so bitterlich weinte und beim Sterben des guten, geliebten Prinzen heiter war und. sich freute. Als, die Sklavin keine Antwort gab, befhi-il ihire Herrin, sie zu. foltern, aber vergebens, die Skiavin sehwieg beharrlich. Sehliesslich warf mma sic in einen. Kessel mit siedendem Wasser. Da verwandelte sich die Skiavin in eine weisse Taube, und diese sprach zur Herrin:,Uii den Ersten musste ich welinen], Weil ich das Entsetzliche sab, das mit ibmi vorgieng. Bei dem Zweiten laeht ich, denn ich sah Engel Und die Hcrrlichkeit Gottes". Gleich nach dem Tude cimos Moslim tUbergibt der iilteste manuliehe Anverwandte des Verstorbenen dem 11odza (len im Testamente fur das Begrrlibnis bcstixnmten Geldbetrag. Ist bios cmn Ilodzva dazu ausersehen, den Toteii zn begraben, setzt sielh dieser rcchtz; vomn Toteinlager und derjenige, der ihm dzos Geld einhandigt, zur linken Seite. Sollen mehrere Hodz'as beirn LeichenibeganUgnisse funktionieren, lassen sic sieh zu beiden Soitcn des Totcin nieder, verriebten Gebete fur scmn Seelenheil. und werfen sich tiber den Leichnam hinweg den Beutel mit dem ftir dosi,- Bcgriibnis bestimmten Gelde zu. Wabrend der Verrichtung- der Totengebete darf niemiand das Totengemi-ach betreten, noch dasselbe verlassenI. Es muss yollkommene Stille herrschcn, damit die Ilodz"as beim Beten keitien Fehier machen, weil sic mit dlem Gebete so oft von vorne begin nen mussei). als sic Fehier beo-ehen. Die Dauer der Abhaltuivr der Totengebete hiing-t von der Gr~3sse des fur das BegriThnis ausgcsetztcni Betrages Ab und sehwankt zwischen. einer halben Stunde und der Zeitdauer von anderthalb Stunden. Oft werden die Totengebete erst nach dem Begrabiiisse abgehalten unDd zwar im. Toteng-emache. Haqufig werden auch Studenten der Theologie, Softas, selbstverstandlich gegen entsprechende EntlohnUng in Geld, den Begrabnissen beigezogen. Sie verriebten Gebete fur den Verstorbenen, auf dass ibm Gott verzcihe, wenn er es im Leben unterlassen haben soilte, eine der vorgesebriebenen ftinf taglichen Gebetzeitcn einZU17*

Page  260 -260 - halten. Gott verzeiht diese Unterlassung leicht bei mannlichen Personen bis zum fiinfzehnten und bei weiblichen bis zum zwslften Lebensjahre. Versaumnisse von Gebetzeiten bei Personen, welche das angegebene Alter iiberschritten haben, verzeiht Gott sehr schwer. Deshalb missen die Softas und die Armen beschenkt werden, damit Gott in seiner Gnade auf ihr Gebet hore und dem Toten die schwere Stinde vergebe. Die Moslims glauben, dass Tote den Lebenden im Traume erscheinen und diesen mitzuteilen vermogen, was Gott von ihnen wtinscht und welches Giick oder Ungluck ihnen bevorsteht. Den Menschen erscheinen blos gute Geister, die Seelen derjenigen, welche gottgefallig starben und sich daftir im Paradiese befinden. Ein junger Beg in Banjaluka erzahlte folgenden Vorfall aus seiner Familie. Er hatte eine verwitwetc Tante, die nach dem Tode ihres Mannes den Bau eines Hauses in Angriff nahm, denselben jedoch nicht vollenden konnte, well ihr die Geldmittcl ausgegangen waren. Eines Nachts erschien ihr im Traume ein guter Geist und sagte ihr, sie moige unter dem linken Stiitzbalken des alten Hauses nacligraben, sie werde dort Geld finden. Anfailgs wcllte (lie Frau dem Traumgesichte keinen Glauben schenken. Dasselbe wiederholte sich jedoch drei Nachte nach cinander, worauf sie tatsachlich nachgraben liess und an der bezeiclneten Stelle einen Topf mit Dukaten fand. Nach Beendigung der Tolengebete wird die Leiche in das Leintuch gewickelt, auf dem sie lag. in den Hof hinausgetragen und auf die Totenbahre gelegt. Indessen hat der Muezzin von der Hsjhe des Minarets verktindet, dass ein Rechtglaubigcr verschiedcn sei. Er tut dies mit den Worten: ^Wenn die letzte Stunde eincs Menclien geschlagen hat, wird sein Lebel um keinen Augenblick verlangcrt. Il der vorausbestimmten Stunde muss er sterben und vom irdischen in das ewigc Leben einziehen! Ehre sei Dir, Abgesandter Gottes! Ehre sei Dir, Auserwahlter Gottes! Ehre sei Dir, Ieiliger Gottes!" Die letzten Ausrufe gelten dem Profeten Muhammed, der alle diese Eigenschaften in sich vereinigt. Jeder rechtglaubige Moslim, der den Ruf des Muezzin vernimmt, spricht dann fir sich:,Allah rahmet eilesun", Gott sei ihm

Page  261 I Leiclie mii eitiem 11odZa als Totenwaclie.

Page  262 - 261 - gnadig"! und cult, wenn. er nur ingendwic kann, nach dem Trauerhause, urn dem Toten die letzte Ebre zu. erweisen, ihn. zum Grabe zu geleiten und die Leiehe ciii Stuck Weges zu tragen. Im. Hofe des Traucrhauses hat der Hodzva mittlerweile die auf (icr Babre ruhende Leiche ganz entkleidet und dainu mit cinem Leiiituche bis an die Weichien zugedeckt. Der llodzva und seine Gehilfen bei der nunl folgenden Leichenwaschunig nebmen den Abdest" vor und verrichten die hiebei vorgesebriebeneni Gebete. Hierauf wird die rituelle Wasehung durcb den LlodZ~a am Leichnam. vorgenlommein, dann wird derselbe mit lauwarmeni Wasser begossen, eiiigeseift und abgcsptilt. Dies wird mcbrmals, je nach dem. Reinlichkeitszustande des K~5rpers wiederholt, bis, sielh an der Leicbe keun Schmutzfleckchen mehrt zeigt, delhI rein muss der Mensch vor seinem. Gott ersebeinen. Die Wasehung von Frauenleichen wird von den Fraucn der Hodzvas besorgt. Nach volizogener Wasehung legt man die, Leiche auf ciine zweite Bahre, welehe mit einem grossen. Leinenstilek bedeekt wurde, so gross, dass der Tote darin vollstandig eingewiekelt werden kann. Der Tote wird nieht in cfinen Sarg gelegt, soildern auf Bretter, die auf der Tragbahre aufliegen, an weleher Querhbilzcr ftir je zwei Trager zu jeder Seite aingebraeht sind. Am vorderen- Ende der Bahre befindet sich cmn sehwarz angestrichener Pfloek, an welchem kemitlich gemaclit wird, ob cmn verheirateter oder lediger Manm, ciii MAdehen. oder cine Fran zu Grabe gretragein wird, je iiach dem der Pflock mit eunem Turban, mit cinem blossen Fes oder gar iiieht gcschmUckt ist. Das letzte ist bei weiblieben Leichen. der Fall. Nach der Wasellung wird der Leiche Baumwolle (Watte) auf Handflaehen, Stirne und Nase, fernier zwischen die, Zehein ani beiden Fi~ssen getan, auf alle K~rperteile, mit welelien der Moslim. beim G-ebete den Boden berhhfrt. Dann. wird der Tote nit Wasser aus der Quelle Zemzemn bcspreiigt, in welehes cin aus Mekka mitgebrachtes wohiriechendes Harz getan ward, mit cinem von der Kaaba geholten wohiricehenden Holze berauchert, in ciii armelloses, bis zu den IKni3cheln reichendes Hemd gesteckt und in das erwN7ahute Leinen stuck (Kefin) ciluge wickelt, worauf die Leute hinizutreteli, die Tragbahre erfassen und den Toten nmachi deim Friedhofe brillgen.

Page  263 - 262 Die Moslims bestatten ihre Toten so bald als miglich. Im Laufe der Naeht Gestorbene werden am Morgen, vormittags G*storbene am Nachmittag begraben. Mit der Bestattung wird nur in einem Falle zugewartet, wenn namlich der Tote so arm war, dass seine Angehorigen die Begrabniskosten zu zahlen nieht vermogen. Dann wird mit dem Begrabnisse gewartet, bis die Kosten im Wege Von Sammlungen bei guten Menschen aufgebracht wurden. Dies dauert in der Regel nieht lange, denn die wohlhabenden Moslims haben ftir soleche Zweeke immer offene Hainde. Wahrend der Wasehung und Ankleidung der Leiche diirfen die Angehorigen, Frau und Kinder des Toten, nicht anwesend sein. Sie befinden sich im Harem inmitten eincr grossen Zahl von weiblichen Verwandten, Freundinnen und Nachbarinnen, welche ihneii zureden und sie aufzuheitern versuchen, dainit sic ja um den Toten nicht weinen. Dies wtirde ihm bei Gott sehr schaden. Die Moslims dUrfen naimlich um ihre Toten wedcr weineii. noch wehklagen, denn das hiesse sich gegcn den Willen Gottes auflehnen. Wer um einen Toten weint, schmalert dessen Vcrdienste bei Gott. Die ersten Teilnchmcr in allen F/illen, bei traurigen wic bei freudigen Anllissen, sind die Nachbaren. Die Nachbarschaft steht in Bosnien in grossem Ansehen, namentlich bei den Moslims. Stirbt cin Mann, dann nimmt weder seine Frau noch nchmen die weiblichen Kinder am Bcgribnris teill sondern blos die mannlichen Anvcrwandten. Der Mann nimmt dafur immer am Begrabnissc seiner Frau teil. Nachdem der Leichnam fur die Beerdigung bereitgcemacht wurde, legen die Hauslcute verschiedene Kleidungsstiicke auf die Bahre als Geschenkc fur den funktionierenden Hodza. Wohlhabende spenden ein Bahrtuch aus blauem oder gruinem starken Wollstoff fiur den Hodza. Bevor der Leichnam gehoben wird, um nach dem Friedhofe getragen zu wcrden, stellt sich der Itodza neben der Bahre auf und das versammelte Volk hinter ihm. Allc heben die Hande mit gcgen das Gesicht gehaltcnen Handflachen, beriihren mit den Daumen die Ohrcn zum Zeiclien, dass sie fir weltliche Dinge taub sind und beten. Der Hodza ruft laut,Allahu ckber!" die Anwesenden

Page  264 - 263 - sprechen es leise nach. Hierauf werden. die H-ande tiber der Brust gekreuzt und der Kopf gesenkt. In dieser StellUng verrichitet jeder still drei kurze Gebete. Daun werden, die Hande mnit den Handfldclhen n~ach cinwairts gegen die Augen gehoben. mnd Jeder verrichtet das Totengebet. Zum Sehiusse fAhrt Jeder mit den h-1andflachen iibr Ge~sicht, Kiun. und Brust zum Zeichen, (lass das (Icbet nunmehr bee-ndet sei. Hierauf ergyreifeni vier dcer Bahre zuniaehst stehiende Manner dieselbe, heben sic auf die Schulterni und der Zug- setzt sich ini Beweg-ung, die Leiche voran, die BecgleitU ng hinterdrein. Die Tragto-e r weelisein. fortwahreid. ab, denni fUr jeden. Sehritt, den ciii Tr,-iger mit der Leiche maclt, werden ibm vierzig Sidnden vergeben. Vor jedem Friedhofe befinidet sich emn in Form eiines Paralellogramines zugehlauener Stein, dessen. Lange der K.6rperlange eines Menschen entspricht. Auf diesen- Stein wird die Bahre mnit dein Leichinam gestellt, das Antlitz (les Toten gegen Mekka gel ichtet. Der Hodzya nirnmnt neben. der Babre Aufstellung und verrichtet, das Angesieht gegen die Kaaba gewendet, die Totenandacht, weiche init dem Rufe "Allabu ekber!" eingeleitet wird uind a-bsc~hliesst. Der Hodz"a betet laut, die Aiw esenden. sprechein dcas Gebet leise mit. Die Andacht besteht aus drei Teilen. Der erste Teil lautet: ~Gott, wir b eug-en mis vor Dir und lobpreisen Didh. Wir glaubeni und bezeugeni, dass es ausser Dir keinien anderenl Gott gibt!L" Sodann wird emn Gebet zuin Preise des Profeten Muhammied verrielitet und zuni Schiusse gebetet: ",Gott verzeihe alien Lebenden ihre Sinden, alen. Miinern und Frauen, die sich jetzt hier uicht eingefunden haben. Verzeihe diesem Toten hier nile seine Stlnden. und erfreue ihn dureli Deine Gnade." Hierauf folgt der ~Selam", die Begrtissung des Totem. Hodz~a und Volk wenden die K~3pfe gleichzeitig zuerst nach rechts und,dann nmach links und. sagen: "Esselam alejkum verahmetullah", Gottes Gnade sei mit allen Verstorbenen. Dabci herrscht feierliche 8tille, keinerlei Geriiiusch wird vernommen. Nun streichen Alle mit den Hanidfluicheie fiber Stirne Gesicht, Bart und. Brnst. Die Toten-andacht ist beendet. Nun wendet sich der Hodzva zum versaminelten Volke und frag~t laut: ~War dieser Mann (dieses Weib) im Leben gut?" Die

Page  265 -264 Antwort ist immer ein einstimmiges,Ja!", mag es sich auch um den grsssten Bosewicht handeln, denn von Toten darf man nur Gutes reden. Gott liebt die Menschen, die dies tun, welche die Toten bis zum Grabe geleiten, fur sie Gebete verrichten und ihnen im Herzen vergeben. Wer die bBsen Handlungen eines Verstorbenen verschweigt, dessen SUinden wird Gott auch verschweigen. Wer dies nicht tut, dessen Siinden wird Gott am Tage des jtlngsten Gerichtes vor aller Welt aufdecken. Das Totengebet ist das einzige Gebet, das blos stehend und ohne Korperbeugungen verrichtet wird. Die Betenden stehen jedoch auch hiebei in regelmassigen Reihen. Nachdem die beim Leichenbegangnis Anwesenden auf die Frage des Hodza erklart hatten, dass der Verstorbene ein guter Mensch war, erfassen vier Manner die Bahre mit dem Leichnam und tragen dieselbe zum Grabe. Zwei Manner aus der Reihe der nachsten Anverwandten des Verstorbcnen, demnach die Sohne, BrUder oder Neffen, steigen in das Grab hinunter, zwei andere Manner heben die Leiche von der Bahre ab und reichen dieselbe den im Grabe stehenden Mannern hinab, die den Toten mit dem Angesicht gegen Mekka hineinlegen, das Leinensttick, in welches der Tote gewickelt ist und welches oberhalb des Kopfes in einen Knoten gebunden war, losmachen und den Toten mit kleinen Brettchen zudecken, damit die herabfallenden Schollen den Korper nicht trcffen. Weibliche Leichname werden so in das Grab versenkt, dass die dabei Beschaftigten den Korper nicht anfassen mtissen. Nach Bedeckung des Toten mit den erwahnten Brettchen wird das Grab zugeschaufelt. Jeder der Anwesenden wirft einige Schaufcln Erde hinein. Es ist dies ein gottgeffilliges Werk. Ist das Grab zugeschaufelt, verrichtet der Hodza mit dem Volke noch ein gemeinsames Totengebet und die Trauergaste verlassen den Friedhof. Blos der Hoda( bleibt zurtick. Sobald sich die Teilnehmer am Begrabnisse auf etwa vierzig Schritte vom Grabe entfernt haben. kommen zu den Toten zwei Engel, (Suvaldzi) die Rechenschaft von ibm verlangen iiber sein Wirken auf Erden. Mit dem Eintreffen der Engel lebt der Tote

Page  266 -265 - gewissermassen wieder auf, cr erhalt das Bewusstsein und vermag die an ihn gerichteten Fragen zu beantworten und iiber seine Handlungen im irdischen Leben Rechenschaft zu geben. Die beiden Engel heissen Munkir und Nekir. Ihre Fragen an den Toten lauten: Wer ist dein Gott? Antwort: Mein Gott ist Allah. Welches ist dein heiliger Ort? Mein heiliger Ort ist Mekka. Wer ist dein Profet? Mein Profet ist Muhammed. Die Engel stellen an den Verstorbenen auch noch andere Fragen, die aber ausser ihm selbst niemand horen noch vernehmen kann. Die oben angefiihrten Fragen beantwortet der am Grabhigel zuriickgebliebene Hodza, indem er dem Toten laut zuruft, was er den Engeln zu erwidern hat. War nun der Verstorbene ein guter Turke", hat er sich an die Vorschriften seiner Glaubenslehre gehalten und nach denselben gelebt, dann tibernehmen die beiden Engel auf giottlichen Befehl seine Seele, nachdem alle Fragen beantwortet wurden und tragen sie in's Paradies. Das Grab dehnt sich in der Erde aus, damit der Korper nicht gedruckt werde, und dieser selbst verwcst nicht his zum Tage des letzten Gerichtes. War jedoch der Verstorbene kein,wahrer Tiirke", und hat er im Leben die Gebote Muhammeds nicht befolgt, dann vermag er den Engeln auf ihre Fragen keine Antwort zu geben, und sie ergreifen seine Seele und tragen sie in die Hi5lle nach jenem Stockwerke, in welches sie verm(5ge ihrer Stinden gehort. Ist dies geschehen, dann schieben sich die WVinde dc3 Grabes um den Korper des Toten zusammen und zermalmen ihn vollig, so dass kein Knochen von ihm tibrig bleibt. Wie das Paradies wird auch die Holle (Dzehennem) in mehrere Stockwerke eingeteilt, in denen die Seelen fur ihre auf Erden begangenen Siinden durch Hunger, Durst, Hitze, Kalte u s. w. gepeinigt werdcn. Je gr5sser der Siinder, in ein umso tieferes Stockwerk gelangt seine Seele, desto grosser sind ihre Qualen. Aber

Page  267 - 266 - auch die Ht6llenqualen dauern nieht ewig, nur so lange, bis alle St~nden durch entsprechende Strafen gesUlint wurden. Dureh G-ebete der Zuruickgebliebenen ki;nneu die H61llerqualen gelindert und die Seelen von ihrer H61lenpein erlhst werden. Die Gebete fur Verstorbene komnmen nicht nur diesen zugute, sondern auch Denjenigien, wveiche sie verriebten oder verriehten. lassen. Die Hiilfte der durch die Gebete bewirkten AVohitat wird unter alle Toten gemeinsam, verteilt, die andere Haifte wird Demnjenigen angerechnet, der sich der Verstorbenen ira Gebete erinnert. In dcin heiligen Buchern beflndet sich dartiber folgende Geschichte: Es war einmnal eii] alter H~od'a, der vierzig, Scliftler besass. Er hatte mit ilhne sehoii alle, heiligren Biicher durehstudiert und ihinen. dieselben erkiart. Zuni Sehiusse blieben noch einge Blutter t~brig. Eines Tag-es baten Ihn seine Sehtiler. cr mn&ge doch auch die letzten Blatter ilinen erkhIuren. Er aber sprach:.Memno Kinder. ich bin alt und sehwaeh geworden. Iclh werde bald sterben und kann eure Bitte deshaib niehit melir erfullien. Aber wenn. ich eilvlnl tod bin, dann kommet anf imein Grab. Dann werde ich euch Alles erklaren, was in der hecilig-en Sclirift noeh enthalten ist. Der Hodz'a starb noelh an demaselhenl Tage und wurde unter grosser Teilnahme, der Glaubig-en begTraben. Am naehsten Tage kamen die Selhtiler Zn seinem Grabe und riefen ihn an, erhielten aber keine Antwort. So gin g es dnreh neununddreissig Tage. Endlich am vierzigst en Tage vernahmen sie aus dem Grabe die Stimme ihres Lelbrers, der die Erkliirug- der heiligen Sebrift vollendete. Als iha die Schiller frugen, weshaib er ihnen frillir keine Autwort gegebon, lautwortete der tote Hodz'a:,,Ieh koante nieht; denn an demselben Tage, an welhehm ieh heor begraben. wurde. ging cmn Mann am Friedhofe vorbei, verriehtete das Totengebet und sehenkte es deni Toten. Diese WohItat wurde dureh vierzigr Tage an alle Verstorbenen der Welt verteilt und genau bereehact, wievi'el jedem Einzelnen zufailt. Wir aile erhielten bios die eine Hiifte. Die ganze anidere Halfte wurde dem Manno selbst gutgesehrieben."

Page  268 -267 - Hieraus folgt, dass zwisehen Toten und Lebenden eine Verbindung besteht, und dass Tote den Lebenden erseheinen und Bitten an sie riehten k6nnen. L1

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